Diese Vorteile bieten Mietervereine wie der Mieterschutzbund ihren Mitgliedern

Mieterschutzbund und Co.:
Ratgeber in Mietrechtsfragen

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Eine unverständliche Nebenkostenabrechnung, eine plötzliche Mieterhöhung, Mängel in der Wohnung: In solchen Fällen benötigen Mieter einen fundierten Rat von Mietrechtsexperten. Spezielle Mietervereine können Ihnen bei Problemen mit dem Vermieter zur Seite stehen. Wir informieren Sie darüber, welche Leistungen Organisationen wie der Mieterschutzbund und der Deutsche Mieterbund für ihre Mitglieder erbringen und wie viel sie kosten. Erfahren Sie außerdem, welche Streitfragen mit dem Vermieter am häufigsten vorkommen und in welchen Fällen Sie in einem Mieterverein kompetente Hilfe erwarten können.

Mietervereine sind Zusammenschlüsse von Mietern, die sich für den Verbraucherschutz in mietrechtlichen Angelegenheiten einsetzen. Sie sind als eingetragene Vereine organisiert. Mietervereine bieten ihren Mitgliedern in erster Linie eine kostenfreie Rechtsberatung bei Problemen rund um die Mietwohnung an und übernehmen den Schriftverkehr mit Vermietern oder Behörden. Eine mündliche Vertretung vor Gericht ist Mietervereinen jedoch nicht gestattet. Einige Mieter-Organisationen setzen sich zudem auf politischer Ebene für die Belange von Mieterinnen und Mietern ein und fungieren somit auch als Lobbyorganisation. Die bekanntesten Vereine sind der Deutsche Mieterbund und der Mieterschutzbund.

Größte Organisation in Deutschland: Deutscher Mieterbund

Mit nach eigenen Angaben rund drei Millionen Mitgliedern ist der Deutsche Mieterbund (DMB) der größte Zusammenschluss von Mietern in Deutschland. Der Dachverband mit Sitz in Berlin untergliedert sich in 15 Landesverbände, die vornehmlich für die (politische) Interessenvertretung zuständig sind. Die fachliche Betreuung der Mitglieder übernehmen die rund 300 örtlichen Mietervereine mit ihren mehr als 500 Beratungsstellen. Welcher DMB-Mieterverein für Sie zuständig ist, richtet sich nach der Postleitzahl des Wohnortes.

Mieterschutzbund berät ebenfalls bundesweit

Um mietrechtliche Fragen von rund 46.000 Mitgliedern kümmert sich der Mieterschutzbund e. V. mit Sitz in Recklinghausen. Der Verein ist nicht untergliedert, unterhält aber weitere Büros vor allem im Ruhrgebiet, unter anderem in Dortmund, Wuppertal, Bochum und Bottrop.

Neben diesen beiden bundesweit agierenden Organisationen existieren noch weitere, insbesondere regional verankerte Mietervereine, zum Beispiel der Berliner Mieterverein e. V. oder die Mieterhilfe Deutschland e. V. in München.

Mitgliedschaft ist immer Voraussetzung für Beratung

Ihre wichtigste Leistung – die rechtliche Beratung – dürfen Mietervereine nur aufgrund einer gesetzlichen Ausnahme anbieten. Denn Beratung in rechtlichen Fragen ist in Deutschland in der Regel bestimmten Berufsgruppen wie Anwälten, Notaren oder Steuerberatern vorbehalten. Für manche Rechtsgebiete gelten aber Ausnahmen – unter anderem für das Mietrecht. Hier dürfen laut Rechtsdienstleistungsgesetz auch „zur Wahrung gemeinschaftlicher Interessen gegründete Vereinigungen“, also etwa Vereine, tätig werden. 

Zwingende Voraussetzung dafür ist laut Gesetz aber stets eine Mitgliedschaft in solch einem Verein. „Deshalb dürfen Mietervereine Nicht-Mitglieder nicht beraten, selbst wenn es nur um einfache Fragen oder allgemeine Anliegen geht“, sagt Claus O. Deese, Vorsitzender und Gründer des Mieterschutzbundes, und räumt damit mit einem weit verbreiteten Missverständnis auf.

Mitgliedschaft läuft mindestens zwei Jahre

Fast alle Mietervereine haben in ihrer Satzung eine Mindestdauer für die Mitgliedschaft festgelegt. In der Regel beträgt sie zwei Jahre. Damit möchten die Vereine verhindern, dass jemand Mitglied wird, sich kurz beraten lässt und anschließend sofort wieder austritt, erklärt Deese. „Denn das würde dazu führen, dass diejenigen, die längerfristig Mitglied einer Mietervereinigung sind, diese kurzfristige Inanspruchnahme der Beratungsleistung mitfinanzieren.“

Wer nach zwei Jahren einen Mieterverein wieder verlassen möchte, muss rechtzeitig kündigen. Für gewöhnlich gilt eine Kündigungsfrist von drei Monaten zum Ende des Kalenderjahres. Die Kündigung muss schriftlich und per Einschreiben erfolgen.

So viel kostet eine Mitgliedschaft in einem Mieterverein

Wer in einem Mieterverein Mitglied werden möchte, entrichtet einen Mitgliedsbeitrag. „Im bundesweiten Durchschnitt liegt er bei rund 90 Euro pro Jahr“, sagt Deese. Beim Mieterschutzbund werden für private Mieter 80 Euro pro Jahr fällig. Hinzu kommt eine einmalige Aufnahmegebühr von 20 Euro. Gewerbliche Mieter zahlen einen Mitgliedsbeitrag von 120 Euro. Der Beitrag zählt für das Kalenderjahr und wird – je nach Eintrittsdatum – gestaffelt. Wer also beispielsweise am 1. Juli Mitglied wird, zahlt für das restliche Jahr laut aktueller Beitragsordnung 40 Euro. 

Beim Deutschen Mieterbund existiert keine einheitliche Beitragsstruktur. Jeder örtliche Mieterverein legt die Höhe des Mitgliedbeitrags selbst fest. So erhebt beispielsweise der Mieterverein Marburg und Umgebung e. V. 57 Euro pro Kalenderjahr plus 18 Euro Aufnahmegebühr. Der Mieterverein zu Hamburg von 1890 r. V. berechnet 75 Euro Jahresbeitrag und zusätzlich 15 Euro Aufnahmegebühr. Der Mieterschutzverein Mainz und Umgebung e. V. verlangt 80 Euro Jahresbeitrag plus einmalig 40 Euro. Wie teuer die DMB-Mitgliedschaft in Ihrer Stadt oder Gemeinde ist, erfahren Sie auf den Internetseiten der örtlichen Mietervereine – entweder sind die Kosten in der Satzung oder im Beitrittsformular zu finden.

Vorteile einer Mitgliedschaft

Als Mitglied eines Mietervereins erhalten Mieterinnen und Mieter umfassende Beratung zu allen rechtlichen Fragen, die sich aus einem Miet- oder Pachtverhältnis ergeben können. Die Beratung können Sie direkt nach Beginn der Mitgliedschaft und so oft wie nötig in Anspruch nehmen. Vorteilhaft sind Claus O. Deese zufolge auch die kurzen Wege bei einem mietrechtlichen Problem: Die Experten helfen telefonisch, per E-Mail, per Brief oder im persönlichen Gespräch.

Die Rechtsberater der Mietervereine sind in der Regel Volljuristen. Das bedeutet, sie haben zwei Jura-Staatsexamen abgelegt und somit die Qualifikation für das Richteramt. Durch das Fachwissen der Berater sind Mieter rechtlich auf der sicheren Seite, betont Mieterschützer Deese. Denn Mietrecht sei in Deutschland überwiegend Richterrecht: In diesem Rechtsbereich sind es Gerichtsurteile, die bestehende Gesetze und Verordnungen konkretisieren, vervollständigen und korrigieren. „Viele Dinge kann ich als Mieter kaum wissen, wenn ich die aktuelle Rechtsprechung nicht kenne“, sagt Deese. 

Der größte Vorteil eines Mietervereins besteht im geringen Beitrag für die Mitgliedschaft im Vergleich zu den meist hohen Kosten für einen Anwalt. Alleine die Erstberatung kostet bei einem Anwalt rund 190 Euro plus Mehrwertsteuer. Wünscht der Mieter weitergehenden Rat, kann es schnell teuer werden. „Denn die Kosten richten sich dann nach dem Streitwert“, erklärt Deese und verdeutlicht das an einem Beispiel: Geraten Mieter und Vermieter wegen einer Kündigung in Streit, legt ein Anwalt zur Berechnung des Honorars die Jahresmiete zugrunde. „Bei einer Monatsmiete von 1.000 Euro, also 12.000 Euro Jahresmiete, kommen schnell 800 Euro Anwaltsgebühren zusammen.“ Im Vergleich dazu hätten Mieter mit einem Jahresbeitrag von durchschnittlich 90 Euro für einen Mieterverein ein „überschaubares Kostenrisiko“.

Rechtsschutzversicherung oft zusätzlich möglich

Manchmal lassen sich Streitfragen mit dem Vermieter nicht im Einvernehmen, sondern nur gerichtlich klären – dieser Fall kommt allerdings eher selten vor: „Von 100 Beratungsfällen landen drei vor Gericht“, berichtet Mieterschutzbund-Chef Deese aus seiner Erfahrung. Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt dann je nach Deckung die Prozesskosten (Anwaltshonorare, Gerichtsgebühren etc.) zu einem Großteil oder sogar komplett. Weil sie Mietern oft ein Gefühl der zusätzlichen Sicherheit gibt, bieten viele Mietervereine ihren Mitgliedern eine zusätzliche Rechtsschutz-Police an. Die Versicherungsbeiträge unterscheiden sich dabei sehr stark. Bei manchen Vereinen ist eine solche Versicherung bereits im Jahresbeitrag inbegriffen.

Was man bei einer solchen Police beachten sollte: Fast alle Rechtsschutzversicherungen beinhalten eine Klausel zur sogenannten Vorvertraglichkeit. Das bedeutet, dass Streitigkeiten, deren Ursprung vor Versicherungsbeginn liegt, nicht abgesichert sind. „Wer in einen Mieterverein eintritt, der auch einen Rechtsschutz anbietet, um ein aktuelles Problem vor Gericht abzusichern, wird in der Regel leer ausgehen“, sagt Deese. Manche Policen sehen außerdem eine gewisse Wartezeit vor – bis diese vorüber ist, sind sämtliche Mietrechtsstreitigkeiten nicht versichert.

Streit mit dem Vermieter: In diesen Fällen helfen Mietervereine am häufigsten

Mitglieder von Mietervereinen wenden sich mit einer Vielzahl von mietrechtlichen Fragen und Problemen an die zuständigen Berater. Es lassen sich dabei allerdings vier große Themenblöcke ausmachen, die am häufigsten zum Streit mit Vermietern führen.
 

  1. Nebenkostenabrechnung: Laut Claus O. Deese vom Mieterschutzbund drehen sich gut 35 Prozent aller Beratungen um die „zweite Miete“. Meist sind größere Nachzahlungsforderungen der Stein des Anstoßes. „Hauptknackpunkt sind die Heizkosten bzw. deren Abrechnung. Hier gibt es eine schier unendliche Bandbreite von Fehlern, die gemacht werden“, so der Rechtsberater. Für Ärger sorgen oftmals auch die übrigen Nebenkosten: Mancher Vermieter versucht über diese Position Kosten an den Mieter weiterzugeben, die nicht umlagefähig sind, z. B. Kosten für die Hausverwaltung, Instandhaltung und Instandsetzung sowie Kosten für Abschreibungen und Rücklagen.
     
  2. Mängel an der Mietsache: Neben den „Klassikern“ – etwa der im Winter ausgefallenen Heizung, gerissenen Rollladen-Gurten oder abgebrochenen Türklinken – kommen bei Beratungen zu diesem Thema laut Deese „erstaunlich viele Schimmelschäden“ zur Sprache. Bei der Frage nach der Verantwortung weist die eine Partei häufig auf die jeweils andere. Der Vermieter ist der Meinung, der Mieter habe nicht korrekt gelüftet oder geheizt; der Mieter ist davon überzeugt, es läge ein Baumangel vor.

    „So einfach ist die Frage nach der Verantwortung nicht“, sagt Deese. Über 60 Prozent des Wohnungsbestandes stammt dem Experten zufolge noch aus der unmittelbaren Nachkriegszeit und neigt allein wegen der Bauphysik zu Schimmelschäden. Ursächlich seien häufig dünne, ungedämmte Außenwände in Verbindung mit isolierverglasten Fenstern oder Feuchtigkeit, die aus dem Mauerwerk des Kellers aufsteigt.
     
  3. Kündigung durch den Vermieter: Der häufigste Grund, warum Vermieter ihrem Mieter oder ihrer Mieterin den Mietvertrag kündigen, ist der Eigenbedarf an der Wohnung. Die Rechtmäßigkeit einer Eigenbedarfskündigung ist für viele Mieter aufgrund der Vielzahl von erlaubten Tatbeständen nur schwer zu überprüfen, sagt Deese. Ob die Argumentation stichhaltig ist, können die Experten der Mietervereine besser nachvollziehen. „Wir stellen fest, dass es wirkliche plumpe Versuche gibt, Gründe auf Eigenbedarf vorzuschieben. Oftmals ist es aber auch geschickt gemacht und die mit anwaltlicher Hilfe aufgesetzten Schreiben sind gut begründet.“
     
  4. Mieterhöhung: Wenn Mieter für die Wohnung plötzlich eine höhere Miete zahlen sollen als ursprünglich vereinbart, suchen Mitglieder oft den Rat ihres Mietervereins. Besonders die Mieterhöhung nach einer Modernisierung, die sogenannte Modernisierungsumlage, verunsichert so manchen Mieter: Um bis zu acht Prozent der aufgewendeten Kosten dürfen Vermieter die Jahresmiete erhöhen. Doch es gelten viele Voraussetzungen und Ausnahmen, mit denen Mieter häufig nicht vertraut sind.

    Beratungsbedarf gibt es laut Claus O. Deese auch bei Mieterhöhungen, die sich auf die ortsübliche Vergleichsmiete, den Mietspiegel, berufen. „Da gibt es große Unterschiede, denn jede Stadt hat ihren eigenen Mietspiegel. Und manche Städte haben gar keinen.“ Seiner Erfahrung nach führen große Wohnungsbaugesellschaften nicht selten die Miete von Vergleichswohnungen ins Feld, um eine Mieterhöhung sozusagen am Mietspiegel vorbei zu begründen. Doch an dieser Stelle existieren strenge Vorgaben zur Vergleichbarkeit – die Experten der Mietervereine kennen diese und können beurteilen, ob die Forderung des Vermieters berechtigt ist oder nicht.

Ein Mieterverein ist ein Zusammenschluss von Mieterinnen und Mietern in einer Personenvereinigung. Die Mitarbeiter des Vereins beraten die Mitglieder bei Fragen zur Miet- oder Pachtsache (z. B. Wohnung, Haus oder Garten) und unterstützen sie bei Problemen mit dem Vermieter.

Ja, es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Mietervereine nur ihre eigenen Mitglieder in Rechtsfragen beraten dürfen. So schreibt es das Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) vor.

Die Jahresbeiträge der über 400 in Deutschland existierenden Mietervereine unterscheiden sich teilweise deutlich. Der größte Mieterverein Deutscher Mieterbund e. V. verlangt z. B. zwischen 57 und 127 Euro Jahresbeitrag, der Mieterschutzbund e. V. 80 Euro pro Jahr.

Bei fast allen Mietervereinen beträgt die Mindestdauer einer Mitgliedschaft zwei Jahre. Danach ist ein Austritt jeweils zum Jahresende möglich, wenn die Mitgliedschaft fristgerecht gekündigt wurde. Näheres regeln die jeweiligen Vereinssatzungen.

Als Mitglied eines Mietervereins haben Sie Anspruch auf Rechtsberatung in allen Miet- und Wohnungsfragen. Die Experten sind in der Regel voll ausgebildete Juristen, die sich im Mietrecht sehr gut auskennen. Auf Wunsch übernimmt der Verein den Schriftverkehr mit Vermietern, Behörden und anderen Institutionen. In manchen Mietervereinen sind Sie zudem automatisch rechtsschutzversichert.

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