Was ist das besondere an einem Friesenhaus?

Friesenhaus
© Fotolia - Philipp Baer

Ein traditionelles Friesenhaus zeichnet sich durch das Mauerwerk aus rotem Ziegelstein und ein mit Reet gedecktes Dach aus. Moderne Friesenhäuser haben diese beiden äußeren Merkmale nicht mehr unbedingt. 

Hauskataloge mit Friesenhäusern

Hauskataloge gratis bestellen

Besondere Merkmale von Friesenhäusern

Ausgezeichnet wird das Friesenhaus damals wie heute allerdings durch einen besonderen dritten Giebel. Es ist ein Zwerchgiebel, der auch Friesengiebel genannt wird. Er steht quer zum Dachfirst an der Vorderseite des Hauses. Bei reetgedeckten und damit leicht entflammbaren Dächern hat dieser Giebel eine wichtige Funktion: Im Brandfall schützt er den Haupteingang, also den Fluchtweg für die Bewohner vor herunterfallenden und brennenden Dachteilen. In der Regel verfügen Friesenhäuser über zwei Stockwerke und sind nicht unterkellert. Charakteristisch sind große und hohe Türen und eher kleine Fenster, die häufig Rundbogen oder Sprossenfenster sind. 

Im Friesenhaus werden die Wohnbereiche als Empfangsbereiche und um Gäste zu empfangen von den privaten Räumen getrennt. Im Erdgeschoß folgt auf einen großzügigen Eingangsbereich ein weitläufiger Wohnraum, der in der Regel um die 40 Quadratmeter misst. Das Obergeschoß ist der Ruhe vorbehalten. Hier befinden sich Schlafräume und Badezimmer.

Friesenhäuser werden heute in der Massivbauweise oder als Fertighäuser errichtet. Die Fassadengestaltung ist nicht auf die typischen roten Ziegelsteine beschränkt. In der Regel gibt es aber ein sichtbares Mauerwerk, häufig in hellen Farben.

Vorteile von Friesenhäusern

Die besondere Bauweise des Friesenhauses vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit und Gemütlichkeit.

Wer sich mehr Platz wünscht, hat in der Regel die Möglichkeit, den Spitzboden ausbauen zu lassen. Hier lässt sich ein weiteres Kinderzimmer, ein Hobby- oder Arbeitszimmer einrichten. Optional kann ein Friesenhaus heutzutage auch unterkellert werden.

Nachteile des Friesenhauses

Wer ein Friesenhaus bauen will, wird in der Regel ein solches vor Augen haben wie er es vom Urlaub an der See kennt und sich ein reetgedecktes Dach wünschen. Das sieht toll aus, hat aber auch Nachteile. Zum einen ist für die Errichtung eines Reetdaches besonderes Fachwissen nötig. Entsprechende Experten sind nicht überall verfügbar. Dabei werden sie auch für regelmäßige Wartung und Kontrolle benötigt. Zudem hat ein Reetdachhaus eine relativ geringe Standdauer von 25 bis 40 Jahren.

Materialbedingt ist der größte Nachteil eines Friesenhauses mit Reetdach: Es ist extrem feuergefährdet, vor allem im Sommer, wenn das Schilf von der Sonne ausgetrocknet ist. Aber auch Feuerwerkskörper stellen eine Gefahr dar. Auf den nordfriesischen Inseln, wo es viele reetgedeckte Häuser gibt, ist das Abbrennen von Silvesterfeuerwerk daher grundsätzlich verboten. Und deswegen ist es auch nicht überall möglich, ein Haus mit Reetdach zu errichten.

Bauvorschriften für Friesenhäuser

Die Bauordnungen der Bundesländer schreiben bei sogenannten Weichdächern, zu denen Reetdächer gehören, bestimmte Abstände zu Nebengebäuden vor. Im Einzelnen hängen sie auch von der Bauart der umliegenden Gebäude ab. Geringe Grenzabstände von sechs bis zwölf Metern gelten in Schleswig Holstein, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland.

Mindestens zwölf und bis zu 24 Metern schreiben die Landesbauordnungen von Hamburg, Bremen, Berlin, Rheinland-Pfalz, Brandenburg, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern vor.

Für wen eignet sich ein Friesenhaus?

Für Liebhaber der friesischen Bauweise ist ein Friesenhaus vor allem als Altersvorsorge geeignet – die Architektur des Hauses erinnert jeden Tag an Urlaub an der See. Der Traum vom Reetdach lässt sich in der Stadt meist nicht verwirklichen, sondern eher in ländlichen Regionen, speziell in Küstennähe.

Weiterlesen:

Informieren Sie sich hier über Zweifamilienhäuser