Arbeitszimmer steuerlich absetzen

Arbeitszimmer
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Ein Schreibtisch mit Computer und ein paar Aktenordnern im Regal sind noch lange kein Arbeitszimmer – zumindest nicht im Sinne des Fiskus. Der sagt: Ein häusliches Arbeitszimmer kann der Steuerzahler grundsätzlich nicht von der Steuer absetzen. Doch es gibt Ausnahmen. 

Ein Arbeitszimmer in der Wohnung oder in dem Haus, in dem man auch lebt, lässt sich grundsätzlich nicht steuerlich geltend machen. Zwei Ausnahmen lässt der Gesetzgeber allerdings zu.  

Ausnahme 1: Es steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung

Wenn ein Arbeitnehmer für berufliche oder betriebliche Tätigkeiten keinen anderen Arbeitsplatz hat, kann er Kosten für das häusliche Arbeitszimmer bis zu 1250 Euro pro Jahr geltend machen. Dies ist oft bei Berufsgruppen wie Lehrern der Fall, die in der Schule keinen Schreibtisch haben, oder Außendienstmitarbeiter, die im Büro des Arbeitgebers keinen Platz haben.  

Ausnahme 2: Das Arbeitszimmer ist der Hauptarbeitsplatz

Die Kosten für ein Arbeitszimmer können in voller Höhe steuerlich geltend gemacht werden, wenn es den Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit darstellt. Dies trifft auf reine Heimarbeiter zu.      

Der Bundesfinanzhof hat endgültig entschieden

An diesen Vorgaben können Steuerzahler auf dem Klageweg grundsätzlich nichts mehr ändern. Denn der Bundesfinanzhof hat im Januar 2016 entschieden, dass ein Arbeitszimmer nur dann als solches anzusehen ist, wenn es „ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche oder berufliche Zwecke“ genutzt wird (Az:GRS1/14).   

Arbeitsecke wird nicht mehr anerkannt

Mit der nun endgültigen Entscheidung des Bundesfinanzhofs haben die Richter ein kleines Schlupfloch für viele Steuerzahler geschlossen. Denn sie erteilten einer Arbeitsecke in einem Zimmer, das ansonsten in der Regel nicht beruflich genutzt wird, eine Absage. Entgegen früheren Gerichtsurteilen hat der Bundesfinanzhof entschieden: Eine Arbeitsecke entspricht nicht den Anforderungen an ein Arbeitszimmer.    

Welche Voraussetzungen muss das Arbeitszimmer erfüllen, um steuerlich geltend gemacht werden zu können?

Zwei Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit der Gesetzgeber einen Raum als häusliches Arbeitszimmer anerkennt. Die erste ist die der häuslichen Verbindung, das heißt, er muss zur privaten Wohnung oder zum Wohnhaus gehören. Das Arbeitszimmer kann im Wohnbereich genauso wie im Keller oder im Dachgeschoß liegen.

Zudem muss der Raum fast ausschließlich zu beruflichen oder betrieblichen Zwecken, also zum Erzielen von Einkommen genutzt werden. Sie erledigen dort dementsprechend vorwiegend gedankliche, schriftliche, verwaltungstechnische oder organisatorische Aufgaben. Der Raum darf nur zu einem geringen Teil (weniger als zehn Prozent) privat genutzt werden.
        
Die rechtlich unbestimmten Begriffe wie „kein anderer Arbeitsplatz“ oder „Mittelpunkt der Tätigkeit“ führen häufig zu unterschiedlichen Beurteilungen durch Steuerzahler und Finanzämter, weswegen darüber regelmäßig vor Gericht gestritten wird. Unstrittig ist hingegen die Abzugsfähigkeit der Kosten für ein Arbeitszimmer oder Büro außerhalb der eigenen Wohnung, für gemietete oder eigene Lagerräume oder Archive und für Räume, die für den Publikumsverkehr geöffnet sind, zum Beispiel Praxisräume oder eine Backstube, auch wenn eine häusliche Verbindung besteht.
        
In einem Schreiben an die Finanzämter gibt das Bundesfinanzministerium eine Anleitung, wie Arbeitszimmer steuerlich zu behandeln sind und nennt auch viele Beispiele. Demnach liegt ein häusliches Arbeitszimmer regelmäßig bei Selbstständigen wie Handelsvertretern, Journalisten oder Übersetzern vor oder bei Freiberuflichen wie Musikern, die dort Musikunterricht erteilen.
        
Den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und/oder betrieblichen Tätigkeit räumt der Gesetzgeber zum Beispiel bei einem Ingenieur ein, auch wenn zu seiner Arbeit die Betreuung von Kunden vor Ort gehört. Auch ein Verkaufsleiter, der Mitarbeiter kontrolliert und Großkunden betreut, kann der Mittelpunkt der Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer liegen, auch wenn er zum Teil im Außendienst tätig ist. Voraussetzung ist, dass er die wesentlichen Leistungen für seinen Beruf in dem Arbeitszimmer erbringt.

Für diese Beispiele, bei denen das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit darstellt, gilt: Die Kosten sind in voller Höhe absetzbar.
        
Nicht der Fall ist das laut Finanzministerium zum Beispiel bei einem Handelsvertreter, der wesentlich im Außendienst tätig ist – obwohl die Aufgaben am heimischen Arbeitsplatz für seine Berufsausübung unerlässlich sind. Auch eine Ärztin, die Gutachten über die Pflegebedürftigkeit von Patienten erstellt, hat ihren beruflichen Mittelpunkt nicht am Arbeitszimmer, sondern bei den Patienten.
        
Auch Lehrer haben ihren Berufsmittelpunkt nicht im Arbeitszimmer zu Hause, sondern im Klassenraum beim Unterrichten. Bei ihnen greift die Ausnahme „kein anderer Arbeitsplatz“, wenn sie in der Schule keinen Schreibtisch haben. Ein Tisch im Klassen- oder Lehrerzimmer gilt hierbei nicht als Arbeitsplatz.
        
Weitere Beispiele für Selbstständige und Angestellte ohne anderen Arbeitsplatz als dem häuslichen: Ein Orchestermusiker, der im Konzertsaal keine Möglichkeit zu üben hat. Ein angestellter Arzt, der freiberuflich Gutachten erstellt, was er im Krankenhaus nicht tun kann.  

Tipps und Tricks

Weil das steuerliche Geltendmachen eines Arbeitszimmers ja auf einer Ausnahmeregelung beruht, muss der Steuerpflichtige konkret darlegen, warum er diese Ausnahme in Anspruch nehmen will. Er muss also quasi beweisen, dass ihm kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht beziehungsweise dass das häusliche Arbeitszimmer der Mittelpunkt seiner Tätigkeit ist. Die Art der Tätigkeit reicht in vielen Fällen (Journalisten, Lehrer) oft schon. Helfen kann aber auch eine Bescheinigung des Arbeitgebers, dass er keinen Arbeitsplatz bereithält.

Die Kosten für ein Arbeitszimmer können als Betriebsausgaben oder Werbungskosten (auf Seite 2 der Anlage N der Steuererklärung) steuerlich geltend gemacht werden. Anerkannte Kosten können neben der anteiligen Miete für die Wohnung zum Beispiel auch Zinsen für entsprechende Kredite, Reinigungskosten, Renovierungskosten oder Ausgaben für die Ausstattung des Zimmers sein.   
        
Wird ein häusliches Arbeitszimmer von mehreren Personen genutzt, dürfen es mitunter auch mehrere Personen steuerlich geltend machen – allerdings nur die Kosten, die sie selbst tragen. Es können beispielsweise zwei Personen je 50 Prozent der Kosten steuerlich geltend machen. Auch hier gilt der Höchstbetrag von 1.250 Euro pro Person.
        
Eine Alternative zur steuerlichen Geltendmachung des Arbeitszimmers kann eine Vermietung des Raumes an den Arbeitgeber sein. Das Finanzamt erkennt einen Mietvertrag dann an, wenn dabei die Interessen des Arbeitgebers überwiegen, etwa weil er keinen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen kann, auch bei anderen Mitarbeitern so verfährt oder das Arbeitszimmer außerhalb der üblichen Geschäftszeiten gebraucht wird.    

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