Was Mieter zahlen müssen und was nicht

Mietrecht
© Fotolia / baranq

Welche Kosten muss der Hausbesitzer selbst tragen und was darf er den Bewohnern in Rechnung stellen? Darüber streiten Vermieter und Mieter oft bis vor die höchsten deutschen Gerichte. Deren Urteile geben Anhaltspunkte, was Sie als Mieter zahlen müssen – und was nicht.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass die hier gemachten Angaben keine gesetzlichen Vorgaben sind, sondern aus der Rechtsprechung deutscher Gerichte unterschiedlicher Instanzen stammen. Im Zweifel oder im Streitfall wenden Sie sich am besten an den örtlichen Mieterverein.

Aufzug, den man nicht benutzen kann – Nein

Mieter müssen sich an den Kosten für einen Aufzug nicht beteiligen, wenn sie mit diesem ihre Wohnung nicht erreichen können, etwa wenn sie in einem Quergebäude oder Hinterhaus wohnen. Wer den Aufzug faktisch nicht nutzt, weil er im Erdgeschoss wohnt, muss allerdings zahlen.

Aufzug, den man nicht braucht – Ja

Wer den Aufzug im Haus faktisch nicht nutzt, weil er im Erdgeschoss wohnt, muss sich an den Kosten trotzdem beteiligen. Schließlich könnte er ihn nutzen, etwa um Nachbarn zu besuchen.

Bearbeitungsgebühr für den Mietvertrag – vielleicht

Verlangt der Vermieter oder die Hausverwaltung für den Abschluss eines Mietvertrags eine Bearbeitungsgebühr, ist das häufig nicht rechtens. Laut Mieterbund könnte allenfalls eine Ausfertigungsgebühr zwischen 50 und 75 Euro zu zahlen sein, wenn sie vorher vereinbart wurde. Makler dürfen niemals eine Gebühr für die Ausfertigung eines Vertrages verlangen.

Dachrinnenreinigung – Ja

Kosten für die Dachrinnenreinigung können Betriebskosten sein und gehören nicht unbedingt zu den Instandhaltungskosten. Somit sind sie auf die Mieter umlagefähig, wenn sie im Mietvertrag ausdrücklich als „sonstige Betriebskosten“ vereinbart werden. 

Entfernung von selbstverlegtem Teppich oder Laminat – Ja

Hat ein Mieter in der Wohnung auf eigene Kosten Bodenbeläge wie Teppich oder Laminat verlegt oder eine Küche eingebaut, kann der Vermieter beim Auszug verlangen, dass dies rückgängig gemacht wird. Die Kosten dafür muss der Mieter tragen.

Gartengeräte – Nein

Zwar können Kosten für die Gartenpflege als Nebenkosten auf die Mieter umgelegt werden, nicht aber die Kosten für Gartengeräte, weil dies keine laufenden, immer wieder fällige Kosten sind – genauso wenig wie das, was der Vermieter für die Neuanlage des Gartens oder erstmalige Anschaffung von Pflanzen zahlt.

Grundsteuer – Ja

Die Grundsteuer, die der Vermieter bezahlen muss, gehört zu den sogenannten „laufenden öffentlichen Lasten des Grundstücks“. Diese sind umlagefähig und können den Mietern über die Betriebskostenrechnung berechnet werden.

Mängel, die von unbekannten Dritten verursacht werden – Nein

Für die Beseitigung von Wohnungsmängeln ist immer der Vermieter zuständig und muss die Kosten dafür tragen. Das gilt auch, wenn ein Unbekannter den Schaden oder Mangel verursacht hat. Entsprechende Gerichtsurteile gibt es etwa zum Fall eines verklebten Türschlosses und einer Rohrverstopfung. 

Messdifferenzen beim Wasserzähler – Nein

Wenn der Hauptwasserzähler des Hauses einen deutlich höheren Verbrauch anzeigt als die Werte der Wohnungswasserzähler ergeben, muss der Vermieter die Differenz bezahlen.  Eine Differenz bis zu 20 Prozent liegt dabei im Toleranzbereich. Ist der Unterschied größer, müssen Mieter nur die in ihrer Wohnung gemessene Wassermenge bezahlen. Hohe Differenzen weisen häufig darauf hin, dass im System Wasserverluste anfallen. Dieses zu klären fällt in die Verantwortung des Vermieters.

Miete für nicht vorhandene Quadratmeter – Nein

Mieter müssen nicht für die Wohnfläche zahlen, die im Mietvertrag steht, sondern nur für die tatsächlich vorhandene. Ist die Quadratmeterzahl mehr als zehn Prozent kleiner als im Vertrag angegeben, darf der Mieter die Miete kürzen.

Übrigens: Balkone und Terrassen werden üblicherweise mit einem Viertel ihrer Fläche berücksichtigt, höchstens aber zur Hälfte. In Dachgeschoßwohnungen zählen Raumteile mit einer Höhe unter einem Meter gar nicht mit, beträgt die Höhe unter zwei Meter nur zur Hälfte. Voll angerechnet werden nur Raumteile mit einer Deckenhöhe von mindestens zwei Metern.

Neues Klettergerüst – Ja

Egal, ob man ihn selbst benutzt oder nicht: Gehört zur Wohnanlage ein Spielplatz, müssen alle Mieter mitbezahlen, wenn dieser modernisiert wird, etwa neuer Sand angeschafft wird oder Spielgeräte aufgestellt werden. Das gilt auch für einen neuen Rasen im Hinter- oder Innenhof.

Parkettboden abschleifen bei Auszug  – Nein

Der Vermieter kann vom Mieter nicht verlangen, bei seinem Auszug den Parkettboden in der Wohnung abzuschleifen. Auch entsprechende Klauseln im Mietvertrag sind nicht unbedingt wirksam.

Pflegekosten für nicht nutzbaren Garten – Ja

Mieter müssen mitunter schon für den Blick ins Grüne zahlen und können an den Pflegekosten für einen Garten beteiligt werden, den sie nicht nutzen dürfen. Vorraussetzung ist, dass die Gartennutzung nicht exklusiv einer Partei oder dem Vermieter selbst vorbehalten ist, sondern entweder von niemandem oder allen benutzt werden kann.

Reparaturen kleinerer Art – Ja

Wenn der Duschkopf defekt ist oder ein Lichtschalter ausgetauscht wird, muss der Mieter die Kosten in Höhe bis zu 100 Euro selbst tragen, wenn im Mietvertrag eine „Kleinreparaturklausel“ enthalten ist. Die jährlichen Kosten für Kleinreparaturen dürfen aber nicht mehr als sechs bis zehn Prozent (unterschiedliche Rechtsprechung) der Jahreskaltmiete betragen.

Reparaturen und Verwaltung – Nein

Verwaltungskosten, Reparaturkosten oder Rücklagen für Instandhaltungen sind keine Betriebskosten. Der Vermieter muss sie selbst tragen und darf auch nichts anderes im Mietvertrag vereinbaren.

Schadenersatz bei falschem Alarm – Nein

Wer aus Sorge um die Nachbarn die Feuerwehr ruft, muss keinen Schadenersatz zahlen, wenn diese bei ihrem Einsatz etwas beschädigt – auch wenn der Notruf falscher Alarm war. Gerichte urteilten, dass etwa Kosten für aufgebrochene Wohnungstüren nicht zu Lasten des Anrufers gehen dürfen, damit niemand aus Angst vor Schadenersatzforderungen auf Alarmrufe verzichtet.

Schädlingsbekämpfung – Nein

Der Vermieter muss sein Haus vor Schädlingen wie Ungeziefer oder Ratten schützen. Rückt ein Kammerjäger an, muss der Vermieter auch dessen Rechnung übernehmen.

Sperrmüll von anderen – Ja

Ruft der Vermieter die Sperrmüllabfuhr, weil einzelne Mieter oder andere Personen Sperrmüll etwa im Innenhof entsorgt haben, müssen dafür alle Mieter zahlen. Die Kosten können über die Betriebskostenabrechnung aufgeteilt werden.

Untätiger Hausmeister – Ja

Auch wenn der Hausmeister seine Arbeiten nicht ordnungsgemäß erledigt: Mieter dürfen die Betriebskosten nicht um sein Honorar kürzen, wenn diese Kosten dem Vermieter tatsächlich entstanden sind. Wer unzufrieden mit dem Hausmeister ist hat gegebenenfalls die Möglichkeit, die laufende Miete zu kürzen.

Unterhalt leerstehender Wohnungen – Nein

Sind im Mietshaus Wohnungen nicht bewohnt, muss der Vermieter sie trotzdem bei der Kostenverteilung berücksichtigen. Den Teil der Kosten für Hausmeister, Grundsteuer, Flurbeleuchtung, Abwasser und so weiter, der auf leere Wohnungen entfällt, muss der Vermieter selbst tragen.

Verlorener Schlüssel – Vielleicht

Wer seinen Schlüssel verliert, muss darüber den Vermieter informieren und womöglich die Kosten für den Austausch des Schlosses bezahlen. Das gilt nicht, wenn er den Verlust des Schlüssels nicht selbst zu vertreten hat (bei Diebstahl oder wenn der Schlüssel im Schloss abbricht) oder wenn man ausschließen kann, dass der verlorene Schlüssel von anderen missbraucht werden kann (weil er zum Beispiel in einen Fluss gefallen ist). 

Versicherungen – Nein

Beiträge für Rechtsschutz-, Hausrats-, Mietverlust- oder Reparaturkostenversicherung sind Vermietersache und gelten nicht als Betriebskosten.

Wartungskosten – Nein

Die Kosten für Wartungen etwa von Klingelsprechanlagen, Rauchabzugsanlagen oder Türschließanlagen muss der Vermieter tragen und darf sie nicht auf seine Mieter umlegen. Ist im Mietvertrag vereinbart, dass die Mieter für einen Vollwartungsvertrag für den Fahrstuhl oder die Heizanlage bezahlen sollen, sollten Sie diesen Posten auf der Nebenkostenabrechnung immer gründlich prüfen. Häufig sind darin Reparaturkosten enthalten, die der Vermieter nicht auf die Mieter umlegen darf.

Weiterlesen:

Mehr Tipps zur Hausordnung finden Sie hier