Das sind die aktuelle Küchentrends

Die aktuellen Küchentrends

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Knapp 40 Prozent aller deutschen Küchen sind laut „Arbeitsgemeinschaft Die moderne Küche“ (AMK) älter als 15 Jahre. Wer eine neue Küche kaufen will, sieht sich mit einer sehr großen Auswahl konfrontiert. Immonet hilft bei der Orientierung und fasst die aktuellen Trends zusammen.

Küche wird zum vollwertigen Wohn-Raum

Als vor über 90 Jahren die erste Einbauküche auf den Markt kam, war die Küche als Funktionsraum für eine Person konzipiert und galt als Refugium der umtriebigen Hausfrau, die kocht und bäckt. „Dieser einzelne Arbeitsraum wird in den vergangenen Jahren mehr und mehr aufgebrochen“, sagt Volker Irle, Geschäftsführer der AMK. „Die Küche als Ort der Speisenzubereitung wird abgelöst von der Küche als gesellschaftlichem Mittelpunkt des Zuhauses.“ Man kocht zum Beispiel mit Freunden oder Verwandten und die Familie nimmt ihr Frühstück direkt in der Küche ein statt im Esszimmer. Das sorgt für große Veränderungen hinsichtlich der Küchengestaltung.

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Moderne Küchen stellen höheren Anspruch ans Design

Die veränderte Erwartungshaltung an Küchen spiegelt sich in den Grundrissen wider. Die Trennwand zwischen Küche und Wohnbereich fällt immer öfter weg, deswegen werden kleine Küchen seltener. Statistisch gesehen werden heutzutage beim Neubau 90 Prozent der Grundrisse im Erdgeschoss offen geplant. „Jetzt reden wir über einen integrierten Wohn-Küchenbereich, mit allen Vorteilen, was die Kommunikation angeht und mit allen sich verändernden Ansprüchen an die Küche“, sagte Irle.

Durch die offene Gestaltung werden Design und Ästhetik der Kücheneinrichtung wichtiger. Denn wer im Wohnzimmer sitzt, blickt jetzt zwangsläufig in die Küche hinein. Da will man es aufgeräumt haben und auf eine optisch ansprechende Küchenzeile schauen. Zugleich soll die Küche aber funktional sein. Diese Doppelfunktion, so Irle, habe diverse technische Innovationen und Designänderungen hervorgebracht.

Versteckte Schranktüren: Pocket Doors

Eine dieser Neuerungen sind die sogenannten Pocket Doors (Taschentüren). Das sind Schranktüren, die sich nach dem Öffnen seitlich im Schrank versenken lassen. Hinter den Pocket Doors verbergen sich die Einbaugeräte wie Backofen und Grill oder auch weitere Schränke mit Geschirr und Küchenutensilien.

„Küchengeräte, die normalerweise auf der Arbeitsplatte stehen, muss man immer verstauen und wieder hervorholen“, erklärt Küchenexpertin Katrin de Louw, Inhaberin der Trendagentur Trendfilter. Der Vorteil der Taschentüren: „Ich komme schnell an alles Notwendige, wenn ich kochen will, und wenn ich die Küche verlasse, kann ich alles verstecken und so einen sehr aufgeräumten Eindruck erzeugen.“ Zudem stehen diese Schranktüren nicht im Weg.

Farbgestaltung: Die Küche wird dunkler

Zwar sind weiße Küchen immer noch sehr beliebt bei Käufern, doch nach dem Besuch von Branchenmessen wie der „Living Kitchen“ bleibt vor allem ein Eindruck zurück: Die Küche wird insgesamt dunkler als bisher. „Dezente Töne wie etwa Schwarz sind angesagt“, berichtet Volker Irle. Das wirke sehr edel und hochwertig und folge dem Anspruch, der Küche ein elegantes, zurückhaltendes Design zu geben. „Grau- und Anthrazitfarben sind ebenfalls gefragt und werden aktuell gerne ergänzt mit warmen Holzfarben“, sagt Trendanalystin de Louw. Kräftige Farben wie Rot, Blau oder Orange dagegen sind derzeit weniger gefragt.

Trend zu pflegeleichten Fronten

Auch wenn die Küche eine glänzende Figur abgeben soll – die derzeit angesagten Oberflächen haben häufig ein mattes bis supermattes Design. Neu sind Fronten und Arbeitsflächen in Anti-Fingerprint-Qualität. Diese Beschichtung auf Basis von Nano-Technologie lässt nicht mehr zu, dass sich dort Fett absetzt. Fingerabdrücke haben darauf keine Chance. Schubladen und Türen lassen sich darüber hinaus viel leichter reinigen. Es ist zu spüren, dass der Qualitätsanspruch an Küchen deutlich gestiegen ist.

Bei den vorrangig verwendeten Materialien in modernen Küchen existiert eine große Vielfalt auf dem Markt. „Hochglanzlack und Dekorfolien sind auf dem Rückzug, während Holz, Echtholz-Furnier und auch Steinfurnier seine Stellung ausbauen wird“, sagte AMK-Chef Irle. Bei den Fronten bieten die Hersteller verstärkt Stein- und auch Betonoberflächen an. Das kann sowohl Echtmaterial als auch ein Imitat sein – oder spezielle Folien mit sogenannter Soft Touch-Ausführung. „Sie werden sich schwertun, den Unterschied zwischen echtem Material und der Folie zu bemerken, wenn Sie mit den Fingern über eine solche Oberfläche fahren“, sagt Irle.

Keramik statt echtem Stein

Für jeden Küchenkäufer ist die Entwicklung hin zu Echtmaterial aber nicht geeignet. „Die Klassiker wie Marmor und Granit sind zwar angesagt, aber von vielen kaum zu bezahlen“, meint de Louw. Die neue Lösung heißt Keramik, auf welche mithilfe von Digitaldruck Marmoroptiken aufgedruckt werden. „Das Ganze sieht täuschend echt aus und fühlt sich auch so an“, sagt die Küchenexpertin. Dabei gehen die keramischen Oberflächen auch gerne über Eck und sind auf der Arbeitsplatte, auf Fronten und Seitenwangen zu finden.

Indirekte Beleuchtung ist in

Der Forderung nach Funktionalität und Design folgt auch die Küchenbeleuchtung. „Wir wollen die Leuchten nicht mehr sehen, sondern nur noch das Licht genießen“, sagt de Louw. Der Trend gehe daher zu Möbeleinbauleuchten. Sie ermöglichen etwa einen besseren Durchblick im Vorratsschrank oder beleuchten die Arbeitsplatte genau dort, wo man gerade arbeitet.

Auf dem Markt gibt es zudem eine große Auswahl an Lichtfarben, denn mit Licht soll auch eine gewisse Stimmung erzeugt werden: „Morgens sollte das Licht ein wenig kälter sein, damit man schneller wach wird“, erklärt die Expertin. „Abends möchte man zur Ruhe kommen – das Licht wird dann in einem etwas wärmeren Ton eingestellt und wandelt sich nach dem Kochen vom Arbeitslicht in die Lounge.“

Elektrogeräte erklären sich selbst

In Sachen Elektro-Großgeräte zeigen sich de Louw zufolge in diesem Jahr kaum neue Trends. Der hoch eingebaute Backofen gehört mittlerweile zum Standard, der hoch eingebaute Geschirrspüler dagegen konnte sich noch nicht durchsetzen. Im Bereich der Bedienung der elektrischen Küchenhelfer ist gerade Bewegung auf dem Markt: „Ein Trend sind Elektrogeräte mit fugenlosen und damit pflegeleichten Bedienfeldern, die man mit dem Finger steuern kann statt mit Knöpfen und Reglern“, sagt de Louw. Sie erinnern an die Touch-Panels, die man vom Mobiltelefon oder Tablet-Computer kennt und lassen sich ebenso einfach und intuitiv bedienen. Auch die E-Geräte-Hersteller achten nun verstärkt auf ein gutes Aussehen ihrer Produkte, beobachtet die Expertin. „Die Designsprache der Elektrogeräte ist noch mehr abgestimmt auf die Oberflächen, die Möbelelemente und die generelle Anmutung der gesamten Küche“.

Smart Kitchen: Die Küche wird intelligent

Wie viele andere Bereiche im Haus oder der Wohnung wird auch die Küche durch digitale Helfer immer intelligenter. Der Trend weist laut Volker Irle in Richtung smarter „Lösungswelten“: „Es geht nicht mehr darum, den Geräten einzelne intelligente Funktionen zu verpassen, sondern die Geräte miteinander zu vernetzen, damit sie Probleme lösen und dem Menschen Unterstützung bieten.“ Ein aktuelles Beispiel: Das Kochfeld reguliert die Temperatur eigenständig, sobald man den Topf verschiebt. Die Dunstabzugshaube realisiert daraufhin, dass sich unter ihr etwas verändert hat und passt ihre Absaugleistung an.

Eine sinnvolle Sache, findet Katrin de Louw. Ob sich allerdings alle derzeit bereits erhältlichen intelligenten Produkte behaupten werden, bezweifelt sie. „Man sollte genau hinschauen, was man wirklich benötigt. Durchsetzen wird sich das, was uns gesünder macht oder mehr Komfort bietet.“ So könnten beispielsweise Oberschränke, die sich auf Knopfdruck absenken, in Zeiten des demografischen Wandels eine wirkliche Erleichterung sein und ein neuer Trend in der Küche werden.