Nachwachsend und CO2-neutral: Ein Teppich aus Kokos ist für umweltbewusste Menschen bestens geeignet

Teppiche aus Kokos oder Sisal

© Katarzyna Bialasiewicz / iStock

Sie bestehen aus nachwachsenden natürlichen Rohstoffen, sind schalldämmend und passen zu vielen Einrichtungsstilen. Kokos- und Sisalfaserteppiche gehören zu den beliebtesten Naturfaserteppichen am Markt. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und sie punkten mir vielen Vorteilen. Immonet fasst zusammen, was man über diese Bodenbeläge wissen muss und was Kokos- und Sisalteppiche unterscheiden.

Herstellung der Teppiche

Kokos- und Sisalteppiche sind Naturprodukte, die aus den Fasern unterschiedlicher Pflanzen gewonnen werden. „Sisalfasern stammen von den Blättern der Agavepflanze. Sie werden, ungefärbt oder schonend gefärbt, zu Sisalgarnen versponnen, um daraus auf Webstühlen die Sisalteppiche zu fertigen. In Deutschland erhalten diese eine Rückenbeschichtung aus Naturlatex und Baumwollgewebe“, erklärt Siria Wildermann vom Verein Nachwachsende Rohstoffe.


Kokosfasern hingegen stammen von Kokosnüssen, die ebenfalls zu Garn versponnen und zu Teppichen gewebt werden. Die Teppiche sind sowohl mit Rückenbeschichtungen aus Latex als auch ohne Beschichtung erhältlich.

Optik und Haptik

Kokos- und Sisalteppiche sind im Vergleich zu einem Velourteppich relativ rau, ihr „Kuschelfaktor“ ist recht gering. Dafür wirken sie sehr natürlich. „Kokosbeläge haben aufgrund ihrer gröberen Faserbeschaffenheit eine matte und eher rustikale Optik“, sagt Wildermann. Kokos hat eine derbere Struktur als Sisal, die Qualität als Naturprodukt sticht daher noch stärker hervor. „Klassische Kokoswebarten sind 'Panama', 'Fischgrät' und 'Boucle'“, sagt Wildermann.


„Sisal hat die feinere Faser und auch die feinere Optik und wird oft in Naturfaserteppichen verarbeitet“, sagt Carsten Gähle, Geschäftsleiter des auf Naturfaserteppiche spezialisierten Anbieters Golze. „Kokosfaserteppiche werden zumeist in Naturfarben angeboten. Sisal ist in deutlich mehr Farben zu haben, da es sich leichter einfärben lässt“, erklärt Gähle. So ist dem Fachmann zufolge Sisal auf dem Markt beliebter. Das Marktverhältnis betrage 80 Prozent Sisal- zu 20 Prozent Kokosteppich.

Vorteile von Sisal- und Kokosteppichen

Die Reihe der Vorteile von Naturfaserteppichen ist lang: „Alle Sisal- und Kokosbeläge sind für Fußbodenheizung geeignet“, sagt Wildermann. Zudem sind die Naturfaserteppiche antistatisch und bieten aufgrund einer hohen Elastizität einen guten Gehkomfort. „Aufgrund der Faserstruktur sind Sisalbeläge trittelastisch, schall- und wärmedämmend, ebenso schwer entflammbar“, so Wildermann. Sie sind generell robust und verschleißfest.

Sisalteppiche sind hygroskopisch. Das heißt, dass sie feuchteregulierend auf das Raumklima wirken. „Durch ihre hygroskopischen Eigenschaften schaffen sie ein gesundes Wohnklima, indem sie Feuchtigkeit aus dem Raum aufnehmen und diese bei Bedarf wieder abgeben“, erklärt Wildermann. Kokosteppiche haben ähnliche Eigenschaften, was Gehkomfort, Robustheit und den klimatisierenden Effekt betrifft.
 
„Kokos- und Sisalprodukte gehören zu den langlebigen Teppichen“, sagt Gähle. Wie viele Jahre so ein Teppich übersteht, hänge neben der Qualität auch sehr stark von der Nutzung ab. „Generell gilt: Teppiche, über die nur gelaufen wird, werden nicht so stark strapaziert wie solche, auf denen gerollt – etwa durch einen Schreibtischstuhl – oder mit den Füßen gerieben wird, wie vor dem Sofa.“
 
Auch mit Blick auf die Umwelt können die Naturfaserprodukte überzeugen. „Sisal- und Kokosteppiche punkten vor allem mit ihrem biologisch abbaubaren Material. Als nachwachsender Rohstoff werden sie dem Prinzip der Nachhaltigkeit gerecht und verfügen somit über eine gute Umweltbilanz“, erklärt Wildermann. Wem dieser Faktor wichtig ist, sollte beim Kauf darauf achten, dass für die Rückseite des Teppichs keine synthetischen Materialien verarbeitet wurden.

Passender Teppich zum Einrichtungsstil

„Der größere Teil der Kunden kauft Sisal heute nicht wegen der Naturfaser, sondern wegen der ansprechenden Optik“, berichtet Gähle. Denn: „Sisal passt sowohl zu einer sehr modernen Einrichtung als auch zu Naturholzmöbeln.“ Die Naturfaserteppiche sind sowohl als Auslegeware erhältlich als auch als Läufer oder Teppiche mit unterschiedlich eingefassten Bordüren. „Die Art und Qualität der Bordüren trägt maßgeblich zur Optik, aber auch zum Preis bei“, erklärt Gähle. Sisalteppiche sind vor allem in Wohnungen zu finden. Da sie verschleißfest sind, eignen sie sich auch für Arbeits- und Objektbereiche. Kokos hat mittlerweile einen eigenen Bereich erobert: „Kokosteppiche werden oft wegen Ihrer Robustheit und der natürlichen Optik in Hausfluren und auf Treppen eingesetzt“, erklärt Gähle.

Nachteile von Sisal- und Kokosteppichen

Trotz der hygroskopischen Eigenschaften der Fasern eignen sich Sisalteppiche nicht für feuchte Räume wie Badezimmer. „Sisalteppiche werden bei übermäßiger Feuchtigkeit geschädigt, langfristig können Wasserflecken zurückbleiben.“ Kokosfaserteppiche sind in Hinblick auf die Feuchtigkeit robuster und können auch im Outdoor-Bereich eingesetzt werden. „Kokos wird allerdings bei starker UV-Bestrahlung ausbleichen. Weiterhin kann die Naturfaser bei Feuchtigkeit zur Wellenbildung neigen“, sagt Gähle. Ein weiterer Nachteil der Naturfaserteppiche ist ihre relativ harte Haptik: Aufgrund der rauen Faserstruktur sind sie alles andere als kuschelig und passen daher auch nicht zu jedem Raum. Im Schlafzimmer als Bettvorleger oder als Spielteppich im Kinderzimmer eignen sie sich beispielsweise nicht.

Pflege von Naturfaserteppichen

„Naturfaserteppiche haben einen natürlichen Schutz vor Schmutz. Sie nehmen ihn nicht so schnell an“, sagt Gähle. „Ist der Schmutz aber einmal eingelaufen und fest in den Fasern verankert, lässt er sich auch nicht mehr so leicht reinigen. Einfach auswaschen funktioniert nicht.“ Gähle empfiehlt daher, feuchte Verschmutzungen sofort mit einem Tuch aufzusaugen. Auch vorherige Imprägnierungen sind möglich. Dabei wird der Teppich inklusive Bordüre besprüht und die Oberfläche versiegelt.

Hilfe für die Kaufentscheidung

Wer sich für einen Naturfaserteppich entscheidet, sollte sich zuvor überlegen, welche Eigenschaften wichtig sind und wo der Teppich seinen Platz finden soll. Eine Schwierigkeit beim Kauf ist es, die Güte des Produktes einzuschätzen. „Auch Naturfaserprodukte können unterschiedliche Qualitäten haben. Sie können sich geschmeidig oder trocken anfühlen“, sagt Gähle. „Für Laien ist das nicht immer leicht zu unterscheiden, aber im direkten Vergleich von guten und schlechten Qualitäten sind die Unterschiede spürbar“, sagt der Experte. 


Daher ist es sinnvoll, sich mehrere Teppiche anzusehen. Einen guten Hinweis auf weniger gute Qualität bekomme man, wenn das Material stark rieselt. „Eine gute Türmatte gibt wenig Material ab“, so Gähle. Auch die zumeist latexierte Rückseite sei ein Indiz für schlechtere Qualität: „Wird da am Material gespart, bröckelt es.“


Außerdem kann der Geruch ein guter Leitfaden sein: Zwar weisen die meisten Teppiche einen eigenen Duft auf, stinkt der Teppich jedoch stark chemisch, dann lässt man besser die Finger davon. Wer sich für einen Teppichboden aus Naturfasern entscheidet, muss sich bewusst sein, dass dieser durch äußere Einflüsse wie Feuchtigkeit noch „arbeitet“ und sich in seiner Größe leicht verändern kann. Gähle rät daher: „Beim Auslegen sollte ein Sisalteppichboden fixiert werden, da er sich durch Feuchtigkeitsaufnahme wellen kann.“