Das sind die aktuellen Trends im Badezimmer

Trends im Badezimmer

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Kurz duschen, fertig machen und dann schnell raus – das ist passé. Das Badezimmer ist 2018 endgültig zum Wohlfühlort geworden. Um sich im Badezimmer gerne aufzuhalten sollte man einige Kniffe hinsichtlich der Einrichtung und Dekoration beachten. Immonet fasst zusammen, welche aktuellen Trends die Badgestaltung bestimmen.

Badezimmer in Neubaten werden größer

Deutsche Bäder werden im Durchschnitt größer – das gilt zumindest für Neubauten. In Bestandswohnungen und Altbauten sind es weiterhin oft nur fünf oder sechs Quadratmeter und damit sehr kleine Bäder. In jüngeren Gebäuden sind 16 Quadratmeter große Bäder hingegen keine Seltenheit. „Aber wenn man in solch einem Raum die Sanitärobjekte einfach nur verteilt, ist er nicht gut gefüllt. Es fehlt dann die ganzheitliche Raumgestaltung“, sagt Christian Wadsack vom Büro für Innenarchitektur Hofmann und Wadsack. Nicht nur die Funktionsfläche wächst im Bad, auch die Bewegungs- und Stauflächen nehmen zu. Daher gewinnen Planung und Design des Badezimmers an Bedeutung. Drei Haupttrends bestimmen die Badezimmergestaltung 2018.

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Trend 1: Das Badezimmer als Wohlfühlort

Das Bad wird zum persönlichen Refugium, man will sich dort wohlfühlen und entspannen. „Wohnlichkeit wird im Bad immer wichtiger. Dieses ist nicht mehr nur eine Nasszelle, sondern ein privater Rückzugsraum“, beobachtet Innenarchitektin und Badexpertin Birgit Hansen. Gemütlichkeit bekommt im Bad einen wachsenden Stellenwert. Wo der Platz es zulässt, ziehen neue Möbel ins Bad ein, etwa Sessel und Sitzgelegenheiten wie Hocker oder Holzbänke. „Eine gute Planung schafft im Bad verschiedene Zonen, die Raum für die Anforderungen Pflege, Kommunikation, Intimität und Rückzug lassen“, so Wadsack. Jedes Bedürfnis erhält seinen Ort.

Trend 2: Barrierefreies Bad

Das Bad wird barrierefrei. „Dabei kommt es aber nicht unbedingt nur darauf an, ein senioren- oder behindertengerechtes Bad zu schaffen. Vielmehr geht es um Komfort, der von allen Generationen genutzt und genossen werden will“, sagt Wadsack. Das Design darf dabei also nicht auf der Strecke bleiben, sondern erhält eine immer größere Bedeutung. Der Trend zeigt sich in Waschtischen, an die sich ein Stuhl stellen lässt und an der zunehmenden Verdrängung der Badewanne durch überdimensionierte Duschen.

Trend 3: Individualisierung

Der umfassendste Trend heißt Individualisierung. „Kein Bad darf mehr von der Stange sein“, sagt Wadsack. Das stellt auch Hansen fest: „Das Bad lässt sich nach den eigenen Wünschen gestalten und auf die persönlichen Bedürfnisse hin anpassen.“ Die Gestaltung der Dusche ist ein gutes Beispiel dafür. „Das Armaturensystem kann flexibel bestimmt werden. Hand- und Seitenbrausen lassen sich wie in einem Baukastensystem genau dort platzieren, wo man es möchte.

Das Gleiche gilt für Ablagen, Beleuchtungselemente in der Dusche und Lautsprecher.“  Und auch die Auswahlmöglichkeiten bei Möbeln und Sanitätsausstattung sind immens gewachsen: Der Handel hat sich auf die Bedürfnisse der Kunden eingestellt und bietet Waschbecken und Unterschränke in den unterschiedlichsten Größen an.

Wannen weichen großen Duschen

„Duschen wird komfortabler, dafür wird die Badewanne oft geopfert. Das war schon in den vergangenen Jahren Trend und er hält ungebremst an“, beobachtet Wadsack. Vor allem in kleineren Bädern fällt die Wahl zugunsten der Dusche aus. „Sie darf dann gern auch 80 mal 180 Zentimeter groß sein“, sagt Hansen. Die Dusche ist ebenerdig, die Ausstattung wird abwechslungsreicher: „Wer möchte, kann neben einer normalen Brause eine Regendusche oder Körperbrausen integrieren, sich unter einen Wasserschwall stellen und einen Kneippschlauch anbringen“, so Hansen.

Neu im Angebot und vor allem auf Messen der Hingucker sind Liege- oder Sitzbänke für den Duschbereich. „Sie sind gefliest und gewärmt, über ihnen schweben verschiedene Duschköpfe“, so Hansen. Ob dieses Angebot bei den Kunden auf Interesse trifft, bleibt abzuwarten. Zusätzliche zur Dusche wird im Luxussegment gerne auch ein Dampfbad oder eine Sauna integriert. „Das ist immer leichter umsetzbar, da es heute auch kleine kompakte Saunakabinen gibt“, so Hansen.

Wer Platz hat, muss sich nicht zwischen Duschen und Baden entscheiden. „Der Traum der Deutschen ist eine freistehende Badewanne mit viel Tageslicht“, zitiert Wadsack aus Studien des Verbands der Deutschen Sanitärwirtschaft. „Im höherwertigen Bereich wird tatsächlich sehr gern eine freistehende Badewanne eingesetzt. Diese braucht jedoch Platz, der in den meisten Bädern gar nicht da ist“, sagt Hansen. Ein weiteres Manko: „Bei freistehenden Wannen fehlen die Ablagemöglichkeiten. Wo stelle ich da das Shampoo oder mein Glas Sekt ab?“

Waschbecken wird zum Waschtisch

Das Waschbecken wird zum Waschtisch. Im modernen Badezimmer sind kleine Aufsatz-Becken angesagt, die erhöht auf einer Holzplatte stehen. „Das wirkt sehr filigran und elegant“, sagt Wadsack. Die Armaturen befinden sich daneben oder dahinter auf der Platte. Dies kann schick aussehen. „Das bleibt aber meist nicht lange so. Denn die untere Kante der Waschschale ist schwer zu reinigen, eine Seifenschale muss auf der Ablageplatte abgelegt werden. Im Alltag ist das wenig praktisch“, gibt Hansen zu bedenken. Sie empfiehlt daher eher ein eckiges Waschbecken, das mit der Wand abschließt.

Im Rahmen der Vintagewelle, die auch das Bad erreicht, sind auch eckige Waschbecken auf filigranen Metallbeinen zu haben, die an die 1960er Jahre erinnern. Diese kann man mit feinen Armaturen aus edlen Metallen kombinieren. Neu sind allerdings die verwendeten Materialien. „Silikatkeramik sieht schick und edel aus und ist, obwohl sehr dünn, genauso robust wie herkömmliche Sanitärkeramik“, erklärt Hansen. So entstehen grazil wirkende Waschbecken. Ein weiteres Plus: Bei der Produktion wird weniger Energie verbraucht.

Auch Toiletten unterliegen Trends

Der neueste Schrei sind spülrandlose Toiletten, die mehr Komfort und Hygiene bieten. Der bei herkömmlichen WCs schwer zu reinigende Teil des Spülrands fehlt hier. Das erleichtert das Putzen und verhindert, dass Ablagerungen an unerreichbaren Stellen zurückbleiben. „Möglich macht das eine neue Spültechnik, die eine optimale Ausspülung der WC-Innenseite erreicht“, so Wadsack. In Japan schon Standard und bei uns gerade im Kommen sind Dusch-WCs, eine platzsparende Alternative zum Bidet.

Böden und Wände im Bad verändern sich

Prägend für das Erscheinungsbild und die Atmosphäre des Bads sind vor allem Boden und Wände. Sie sind traditionell gefliest, doch mittlerweile gibt es viele Alternativen. Vor allem raumhoch geflieste Wände sind passé. „Fliesen werden nur noch dort gesetzt, wo sie absolut nötig sind“, sagt Hansen. Zudem werden sie immer größer. „Formate in der Größe 60 mal 120 Zentimeter sind heute gar nichts Besonderes mehr.“

Quadratische Formen sucht man vergebens. Und wenn, dann setzt man sie nur noch am Boden ein. Der Trend geht außerdem zu extremen Formaten: „15 mal 90 Zentimeter sind durchaus möglich.“ Die Oberfläche ist entweder hochglänzend oder supermatt. „Die Haptik spielt eine große Rolle. Angesagt sind alle Varianten von Texturen und Strukturen“, so Hansen. Auch Oberflächen in Holzoptik sind im Bad sehr beliebt. „Sie strahlen Wärme aus. Und man muss oft zweimal hinschauen, um zu sehen: Ist das Parkett oder Fliese?“, sagt Wadsack. Tatsächlich werden auch Vollholzprodukte dank gestiegener Qualität mittlerweile problemlos im Bad eingesetzt.    

Bei den Farben werden Hansen zufolge immer noch vor allem Weiß, Grau und Schwarz gewünscht. „Die Hersteller bieten tatsächlich viele Farben an, sie werden aber eher selten nachgefragt.“ Auch gedeckte Naturfarben wie Grau und Beige sind im Bad angesagt, so Wadsack. Da Bäder relativ selten renoviert werden, planen die Bewohner lieber mit zurückhaltenden Farben, an denen sie sich nicht so schnell sattsehen. „Das Bad und die Fliesen sollen Solidität, Sicherheit und Langlebigkeit ausstrahlen. Das ist insbesondere der Generation 50+ wichtig“, beobachtet Wadsack.

Für etwas mutigere Hausbesitzer dürfte der Vintage-Trend interessant sein, der sich im Bad allmählich entwickelt, etwa in Form von Retrofliesen. Auch Mosaikfliesen, die wirken, als wären sie aus vielen kleinen Fliesen in teils unterschiedlichen Farbnuancen zusammengesetzt, sind auf dem Vormarsch. „Sie strahlen Freude und Spaß aus“, sagt Wadsack.

Tapete in der Dusche

An den Wänden verzichtet man auf Fliesen, wo es nur geht. „Es gibt eine große Auswahl alternativer Materialien. Das reicht bis hin zur Tapete für die Dusche“, sagt Hansen. Diese beeindrucken aktuell mit extrem großformatigen Motiven: „Das reicht von floralen über geometrische bis hin zu barocken Mustern. Auch Beton- und Rostoptiken sind in. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei.“

Design von Heizkörpern verändert sich

Neuentwicklungen zeigen sich im Design von Heizkörpern. „Handtuchheizkörper sind mittlerweile in allen möglichen Varianten erhältlich“, sagt Hansen. Röhrenheizkörper werden durch glatte Modelle verdrängt. „Sie sind großflächiger und glatter als früher. Manche haben noch ein oder zwei Handtuchstangen vor dem Heizkörper, die sich in ihrer Höhe verstellen lassen.“ Auch Röhrenheizkörper gibt es noch. „Diese werden immer verspielter und in vielen verschiedenen Formen angeboten“, so Hansen. Es gibt sie als gewundene Spirale oder in barocken Motiven. Erhältlich sind auch Bänke, Leitern oder gitterförmige Heizkörper.

Neue Möglichkeiten durch LED-Technik

Die Beleuchtung ist ein entscheidender Faktor für die Wirkung eines Badezimmers. Speziell durch die LED-Technik bieten sich ganz neue Möglichkeiten. LEDs (Leuchtdioden) haben viele Vorteile: „Sie sind wasserfest, haben eine sehr lange Lebensdauer, lassen sich fest einbauen, etwa in oder unter Möbeln, da sie nur wenig Platz benötigen. Statt punktförmiger Lichtquellen sind so auch beleuchtete Flächen, Duschrinnen oder Armaturen möglich“, sagt Hansen.

Die modernen Leuchtmittel eignen sich auch für eine angenehme indirekte Beleuchtung und lassen sich leicht in abgehängte Decken integrieren. „Dann kommt das Licht aus einem dünnen Schlitz und strahlt die Fliesen an. Das kann sehr schöne Effekte wie Lichtschleier auf den Fliesen ergeben und deren Struktur betonen. Mit Farblicht-LEDs lassen sich tolle Farbeffekte erzielen“, sagt Hansen. „Im Bad ist ein Orientierungslicht für die Nacht sehr praktisch. So kann man sich leicht zurechtfinden und wird nicht vom starken Deckenlicht komplett wach gemacht“, sagt Hansen. Als Orientierungslicht kann eine Leuchte unter einem Schrank dienen, die per Bewegungsmelder ausgelöst wird. 

Möbel im Bad werden hochwertiger

Die aktuellen Badezimmermöbel sind so designt, dass sie nicht auffallen würden, wenn man sie ins Wohn- oder Esszimmer stellen würde“, erklärt Hansen. Klare Linien im Design, hochwertige Optiken in edlen Hölzern oder auch mal in Hochglanz, sehr dunkle, helle oder warme Holztöne sind in. Wichtig ist außerdem die Funktionalität, denn Stauraum ist im Bad ein wichtiges Thema. Viele Schubladen mit einzelnen Fächern für die übersichtliche Lagerung von Kosmetik gehören in Waschbeckenunterschränken mittlerweile ebenso zum Standard wie integrierte Steckdosen, in denen der Fön direkt angeschlossen bleibt.

Möbel strukturieren das Bad

Möbel erfüllen heute nicht nur den Zweck, gut auszusehen und das Hab und Gut stilvoll zu verstecken. Sie werden auch eingesetzt, um Räume zu strukturieren. Die Aufteilung moderner Badezimmer erfolgt, wo möglich, in Zonen, die ein Wohlgefühl ermöglichen sollen. Statt eines großen Raumes gibt es einzelne Flächen. „Das WC etwa wird gern durch eine Trennwand oder einen Schrank abgetrennt. Wer ins Bad kommt, will nicht direkt auf das WC zulaufen oder in der Wanne liegend darauf starren“, erklärt Hansen.

Accessoires im Bad: Weniger ist mehr

„Die meisten Menschen wollen erfahrungsgemäß im Bad nicht viel herumstehen haben“, sagt Hansen. „Mit Handtüchern lassen sich Farben ins Bad bringen“. Das ist vor allem für dezent gehaltene Bäder eine gute Option, um dem Auge Abwechslung zu bieten. „Gute Dekoration heißt vor allem, sich zu bremsen“, sagt Wadsack. Eine reduzierte und gut gewählte Deko werte einen Raum auf. Sein Tipp: „Setzen Sie auf witzige oder hochwertige Einzelstücke.“ Dekoration wird in modernen Bädern auch architektonisch in Szene gesetzt: Nischen in Wänden und im Duschbereich schaffen Ablageflächen, die sich dank moderner Lichttechnik illuminieren und betonen lassen.

Unterstützung durch einen Experten

Wadsacks wichtigster Tipp für alle, die ihr Bad neu gestalten wollen: „Lassen Sie sich bei der Planung von einem Experten unterstützen, der qualifiziert planen und bauen kann.“ Nur so ließe sich die individuell beste Lösungen finden. Das gilt vor allem für kleine Bäder. „Die Vielfalt der Produkte ist groß. Daher macht es Sinn, sich vorher genau zu überlegen, was man im Bad macht und dort braucht.“

Mehr Technik im Bad

Die Technisierung des Wohnens schreitet voran und macht auch vor dem Bad nicht Halt. „Das Interesse an der Technik steigt, doch die wenigsten wissen, was die Attraktivität eines Bades tatsächlich steigert“, beobachtet Wadsack. Vor allem die Digitalisierung und das Home-Entertainment werden künftig eine größere Rolle spielen: „Da kann man beim Rasieren mithilfe eines Monitors im Spiegel die Börsendaten checken“, sagt Hansen. TV-Monitore im Spiegel gibt es schon heute.

Ein anderes Szenario ist das Bad als Gesundheitszentrale. „Die Entwicklung geht dahin, dass eine Fitnessuhr die Daten weiterleitet und der Monitor im Badspiegel dem Nutzer Tipps zu Ernährung und Fitness gibt“, so Hansen. Auch Wadsack glaubt an ein enormes Entwicklungspotenzial: „In ein paar Jahren werden wir uns vielleicht gar nicht mehr vorstellen können, ohne Technik im Bad ausgekommen zu sein.“