So machen Sie Ihr Zuhause kindersicher

So machen Sie Ihr
Zuhause kindersicher

© Kelly Sikkema / unsplash.com

Kinder sollen sicher aufwachsen. In der Wohnung oder im Haus lauern viele Gefahrenquellen, die Eltern leicht entschärfen können. Immonet zeigt, wie Sie für Ihre Kinder ein sicheres Heim schaffen.

Arglosigkeit liegt in der kindlichen Natur

Viele Dinge im Haushalt sind gefährlich. Erwachsene wissen das – Kinder nicht. Sie sind neugierig, wollen experimentieren und entdecken. „Kinder kennen keine Gefahren“, sagt Susanne Woelk, Geschäftsführerin des Vereins „Das sichere Haus“ (DSH). „Sie brauchen vorhersehende Eltern, die ahnen, wo das Kind als nächstes aktiv werden könnte.“

Dabei hilft es, die gewohnte Perspektive zu verlassen. „Gehen Sie auf allen vieren und betrachten Sie die Wohnung mit Kinderaugen“, rät Karoline Becker von der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder. „Sie werden schnell feststellen, dass es Stellen gibt, die gefährlich sein können.“ Diese Stellen gilt es dann zu sichern.

Treppen, Balkontüren und Fenster sichern

„Stürze sind mit Abstand die größte Gefahr für Kinder und auch die häufigste Ursache für Unfälle im Haushalt“, sagt Becker. Besonders gefährlich sind Treppen. Sie lassen sich jedoch mit Treppenschutzgittern sichern, die sich auch dazu eignen, potenziell gefährliche Räume wie das Badezimmer oder die Küche vor der Neugier der Kleinen zu schützen. Wichtig: Der Abstand zwischen den Stäben sollte höchstens 65 Millimeter betragen – so kann der kindliche Kopf nicht dazwischen steckenbleiben.

Für Fenster und Balkontüren gibt es spezielle Sperren, die das Öffnen verhindern. Manche Produkte schützen Kinder zusätzlich davor, sich die Finger zu klemmen, falls die Tür oder das Fenster zufallen. Außerdem sollten Sie alles, worauf Kinder klettern könnten – etwa Stühle, Hocker oder Sessel – nicht in Fensternähe aufstellen.

Auf dem Wickeltisch immer eine Hand am Kind

Es geschieht sehr häufig, dass Kinder von der Wickelkommode fallen – obwohl Mutter oder Vater dabei sind. Der Grund: Säuglinge ab drei bis fünf Monaten liegen nicht mehr nur auf dem Rücken, sondern beginnen zu zappeln und sich zu drehen. Meist geschieht das spontan. Deshalb gilt: „Immer eine Hand am Kind“, betonen Becker und Woelk unisono.

Liegt das Kind auf dem Wickeltisch, sollten sich Eltern von nichts und niemandem ablenken lassen. „Wenn es an der Tür läutet oder das Telefon klingelt, ignorieren Sie es“, sagt Woelk. Am sichersten ist es – trotz aller Vorsicht – immer noch, das Kind auf dem Fußboden zu wickeln.

Möbel lassen sich kindersicher machen

Scharfe Kanten und spitze Ecken an Möbeln stellen eine Gefahr dar – besonders für Kinder, die gerade laufen lernen. Ein selbstklebender Kantenschutz aus Silikon beispielsweise entschärft solche Gefahrenquellen preiswert und effektiv. Schubladen und Schranktüren lassen sich mit einer Kindersicherung versehen. Sie sorgt dafür, dass der Nachwuchs nicht an gefährliche Gegenstände wie Büroklammern und Scheren gelangen kann.

Hohe Möbel wie Regale oder Schränke sollten an der Wand befestigt werden. Dafür reicht schon ein einfacher Metallwinkel. Denn zieht sich ein Kind am Mobiliar hoch oder versucht zu klettern, kann es umkippen und das Kind unter sich begraben. Gleiches gilt für schwere Gegenstände wie beispielsweise große Fernseher. Auch der Kinderstuhl muss dem Alter und der Größe des Kindes entsprechen.

Elektrischer Strom und giftige Substanzen

Stromschläge enden für Kinder meist fatal. Eltern sollten deshalb alle Steckdosen, die der Nachwuchs leicht erreichen kann, mit Kindersicherungen verschließen. Zusätzlich kann der Einbau von sogenannten RCDs („residual current devices“) – auch bekannt als Fehlerstrom-Schutzschalter – sinnvoll sein. Sie unterbrechen die Stromkreise in Bruchteilen von Sekunden, falls Kinder doch mal in die Steckdose oder an ungenügend isolierte Kabel greifen.

Haushaltsreiniger, Alkohol, Medikamente, Zigaretten: All das gehört auf keinen Fall in Kinderhände. Es drohen lebensgefährliche Vergiftungen. „Solche Dinge lagert man außerhalb ihrer Reichweite, am besten in abschließbaren Schränken“, empfiehlt Karoline Becker.

Heißes Wasser, Herd und Co.: Kinder in der Küche

Die Küche ist der Raum im Haushalt, der Kindern am gefährlichsten werden kann. Ein Herdschutzgitter versperrt neugierigen Händen den Weg zu heißen Kochfeldern. Damit Töpfe oder Pfannen mit heißem Inhalt nicht heruntergezogen werden können, sollte man sich angewöhnen, Stielgriffe zur Wand zu drehen, rät Becker. Kabel von Wasserkochern und Kaffeemaschinen sollten ebenfalls unerreichbar für Kinder sein.

Auch in der Küche gilt: Je kleiner die Kinder, desto mehr Aufmerksamkeit ist nötig. „Kinder müssen in den ersten zwei Lebensjahren nun einmal permanent beaufsichtigt werden“, sagt Susanne Woelk. Ihr Tipp: „Es spricht nichts dagegen, das Kind in der Küche in einem Laufstall spielen zu lassen, während Vater oder Mutter das Essen zubereiten. Diese zu Unrecht als Kinderknast bezeichneten Gestelle bedeuten eine hohe Sicherheit.“

Kleinkinder nie ohne Aufsicht baden lassen

Ertrinken ist statistisch betrachtet die dritthäufigste Todesursache bei Kindern zwischen ein und fünf Jahren. Eltern sollten daher beim Bad in der Wanne oder im Planschbecken stets in der Nähe sein. Meist reicht es den Kindern, wenn man nur eine Handbreit Wasser einlässt. Eine Aufsicht ersetzt diese Maßnahme aber nicht: Kleinkinder im ersten Lebensjahr können schon in Wassertiefen von wenigen Zentimetern ertrinken, da sie ihren Kopf noch nicht selbst heben können.

Gartenteiche und Schwimmbecken sicher machen

Wer einen Teich oder ein Schwimmbecken im Garten hat, sollte es mit einem Zaun absichern. Mindestens 1,40 Meter hoch und stabil gebaut, verhindern Umzäunungen, dass Kinder ins Wasser fallen. Lebensbedrohlich sind solche Stürze, weil man davon oft nichts mitbekommt. „Kinder ertrinken lautlos“, sagt Karoline Becker. „Ihr Kopf ist der schwerste Körperteil, sie gehen wegen dieses anderen Körperschwerpunktes im Gegensatz zu Erwachsenen einfach unter.“ Deshalb sollten auch Regentonnen immer abgedeckt werden, rät die Expertin.

Kinder nicht in Watte packen

Auch wenn Haus, Wohnung und Garten einige Gefahren bereithalten – eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben. Zudem entwickeln Kinder mehr Bewusstsein für heikle Situationen, je älter sie werden. „Eltern sollten ihre Kinder altersentsprechend an Gefahren heranführen und ihnen in einfachen Sätzen erklären, was passieren kann“, sagt Becker.

Zu viel Sicherheitsbedürfnis könne sogar kontraproduktiv sein, meint Susanne Woelk. Nämlich dann, wenn übervorsichtige Eltern ihren Kindern aus Angst vor einem Unfall alle Experimentiergelegenheiten vorenthalten: „Es gibt den Spruch ‚Jedes Kind hat ein Recht auf einen blauen Fleck‘. Das heißt, Kinder müssen in einer grundsätzlich sicheren Umgebung auch erfahren und spüren dürfen, was es zum Beispiel heißt, wenn sie von einer zu hohen Mauer springen und sich dabei das Knie aufschlagen. Der blaue Fleck ist nach ein paar Tagen verschwunden, die Erfahrung bleibt ein Leben lang.“

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