Das sind die aktuellen Wohntrends

Die aktuellen Wohntrends

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Individualisierung, Gemütlichkeit und Flexibilität spielen bei der Einrichtung der Wohnung eine große Rolle. Immonet gibt Inspiration für neue Wohnideen und stellt die Trends vor, die in diesem Jahr wichtig werden.

Einheitlicher Stil ist nicht mehr gefragt

Ein ganzes Haus im Landhaus-Stil, jedes Zimmer der Wohnung im Zeichen des Minimalismus – lange Zeit ließen sich Menschen auf einen bestimmten Einrichtungsstil festlegen. Doch das scheint aktuell vorbei zu sein: „Wir leben in einer Zeit der Selbstbestimmung und Individualisierung“, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM), „deshalb kann man nicht mehr von einem Einheitsstil reden, so wie das in den 1970er- bis 1990er-Jahren war. Vielmehr gewinnen individuelle Vorlieben die Oberhand. Grenzen gibt es kaum noch. Erlaubt ist, was gefällt.“ Die Folge davon: Unterschiedliche Einrichtungsstile werden heutzutage gerne kombiniert.

Blau- und Grüntöne sind in

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Leicht und filigran - die neuen Möbel-Designs

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Natur und neuste Technik -
so sehen Trend-Küchen aus

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Nutzpflanzen in der Wohnung

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Der neue Rückzugsraum:
Das Wohnzimmer

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Nicht nur die Wandfarbe ist Grün.

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Denim Drift

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Individueller Mix ist angesagt

Das beobachtet auch Sylvia Mündel-Jürgens, Einrichtungsexpertin aus Düsseldorf und Inhaberin der Online-Wohnberatung raumtanz.de. „Das Schubladendenken beim Einrichtungsstil verschwindet immer mehr. Jeder macht es so, wie er es für richtig hält. Ob exzentrisch, schlicht oder elegant – es muss zum Menschen passen, der in dem Raum lebt.“

Der zentrale Aspekt beim Thema modernes Wohnen ist folglich der individuelle Stil. Dieser Trend zieht sich durch das gesamte Haus, hat die Expertin beobachtet, und zeigt sich nicht nur bei den Möbeln, sondern auch hinsichtlich der Dekoration. „Jeder möchte gern Unikate haben“, erläutert Mündel-Jürgens, die ihre Kunden in Sachen Einrichtungsideen berät.

Das demokratische Design, wie es IKEA-Gründer Ingvar Kamprad einst ausrief, spiele derzeit kaum eine Rolle. „Gefragt sind wieder Einzelanfertigungen oder Erbstücke und Flohmarkt-Funde, die man aufbereitet“, so Mündel-Jürgens. Die eigene Wohnung soll sich von der aller anderen unterscheiden.

Hygge als Gegenentwurf zur modernen Welt

In welcher Art und Weise man auch seine Wohnung einrichten mag, gemein ist den meisten der Wunsch nach Wertigkeit. „Der Trend geht zu Qualität, Eleganz und hochwertigen Materialien. Wir erleben eine Abkehr von der Wegwerf-Mentalität“, sagt die gelernte Innenarchitektin Mündel-Jürgens.

In den eigenen vier Wänden soll es wertig, aber zugleich gemütlich sein. Dafür hat sich der skandinavische Begriff Hygge durchgesetzt. „Man will es sich schön machen“, erklärt Ursula Geismann, „mit warmen Farben gestalten, ökologische Materialien wie Holz verwenden und zu natürlichen und authentischen Bezugsstoffen wie Baumwolle, Samt und Leder greifen.“

Insofern bildet das Hygge-Lebensgefühl einen Gegenpol zur Digitalisierung. Trendanalystin Geismann hat im modernen Menschen den „digitalen Neandertaler“ ausgemacht: Er benutzt Tablet-Computer und Smartphones, ist dauernd online und vernetzt – möchte sein Zuhause aber als behagliche Höhle einrichten.

Intelligentes Zuhause entwickelt sich

Die intelligente oder auch vernetzte Technik wird in deutschen Wohnungen zunehmend stärker genutzt. Die Beleuchtung lässt sich über das Mobiltelefon steuern, Küchengeräte hören auf digitale Befehle, der Saugroboter übernimmt die Reinigung des Fußbodens. „Das Smart Home wird an Bedeutung gewinnen“, ist Mündel-Jürgens überzeugt.

Auch Geismann sieht den Trend zum intelligenten Zuhause, ist aber zurückhaltend: „Noch sind diese Lösungen sehr spielerisch. Es muss noch mehr Entwicklung und Innnovation auf diesem Gebiet geben. Dann aber werden viele Menschen das Smart Home auch annehmen.“ In einem Punkt sind sich die Expertinnen aber einig: Die Technik wird nicht dominant auftreten, sondern sich versteckt im Hintergrund halten.

Die aktuellen Trends bei Möbeln

Die Möbel werden insgesamt kleiner und multifunktionaler. Dieser Trend setzt sich besonders bei Polstermöbeln durch. „Die Menschen greifen statt zu durchgehenden Sofas oder großen Wohnlandschaften eher zu Einzelelementen“, sagt Geismann. Der Vorteil: Sie passen sich dem begrenzten Platz in kleinen Wohnungen besser an und lassen sich nach eigenen Wünschen zusammenschieben. „Das passt zum Zeitgeist der Selbstbestimmung und Flexibilität“, meint die VDM-Expertin. „Man möchte auch mal etwas umgestalten, verändern und nicht 30 Jahre alles am selben Platz stehen lassen.“

Dementsprechend weniger gefragt wird der raumfüllende Schrank im Wohnzimmer sein. „Die Wohnwand ist out“, betont Geismann. „Man benutzt lieber ein Sideboard oder ein Lowboard, auf dem der Fernseher seinen Platz findet.“ Der Trend zur baukastenartigen Einrichtung setzt sich auch hier fort: Statt eines großen Schrankes werden kleinere Vitrinen oder Regale eingesetzt. „Wenn ich allein bin, brauche ich davon nur eines“, erläutert Geismann, „wenn ich Nachwuchs bekomme, brauche ich mehr Stauraum und kaufe mir einfach noch eines dazu. Das ist flexibel und dynamisch.“

Die aktuellen Farbtrends

Auch bei der farblichen Gestaltung der Wohnung tut sich in 2019 etwas. Die Farben werden wieder kräftiger und satter, hat Wohnberaterin Mündel-Jürgens festgestellt: „Es wird zum Glück endlich wieder bunt, nachdem viele Jahre nach meinem Gefühl die Farbe in der Inneneinrichtung fehlte. Der graue, einheitliche Einschlag verschwindet langsam.“ Insbesondere die Bauhaus-Farben Rot, Blau und Gelb erleben eine Renaissance – der Gestaltungs- und Architekturstil feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag.

Die Fototapete kehrt zurück

Ein besonderer Hingucker ist in diesem Jahr die Wand. „Bei den Tapeten finden wir jetzt sehr große, blumige und üppige Muster“, sagt Mündel-Jürgens. Auch die Fototapete – in den 1970er-Jahren total angesagt – feiert ein Comeback. Sie ist Wandbelag und Wandschmuck zugleich. Ob Stein-Optik, Urwald oder urbane Stadtansichten, die Auswahl ist groß. Einige Anbieter bannen auch die eigenen Fotos auf Tapete, sodass die heimischen vier Wände eine noch individuellere Note bekommen.

Wandschmuck und Gallery Walls

Der Trend zu Bildern als Wandschmuck hält bereits seit zwei Jahren an und wird sich wohl auch in diesem Jahr fortsetzen. „Sehr beliebt sind großformatige Grafiken“, sagt Mündel-Jürgens. Weiterhin beliebt sind auch die sogenannten Gallery Walls. „Zwei oder drei größere Bilder bilden dabei ein Ensemble. Alternativ ordnet man viele, eher kleinere Bildern in einer harmonischen Art und Weise an“, erklärt die Einrichtungsexpertin. Anleitungen, wie man Bilder an der Wand so positioniert, dass sie auf den Betrachter optimal wirken, findet man zahlreich im Internet.

Trend bei Bodenbelägen

Bei der Gestaltung des Fußbodens geht es nach Ansicht von Mündel-Jürgens eher traditionell zu. Wohl nie aus der Mode kommen Beläge aus Holz oder Parkett. Abseits der nachwachsenden Werkstoffe geht der Trend in Richtung fugenlose Böden mit XXL-Zementfliesen. „Das ergibt sehr homogene und ruhige Oberflächen“, sagt sie. Diese Entwicklung stelle sich dem Trend zu lebhafter Wandfarbe und kleinteiligen Möbeln in gewisser Weise entgegen. „Es wird sonst zu viel. Man braucht auch einen neutralen Gegenpol im Raum.“

Dekoration: Blickfang statt Masse

Hinsichtlich der Dekoration lautet das Motto in diesem Jahr: Weniger ist mehr. „Größere Einzelstücke spielen eher eine Rolle als kleine Deko-Elemente“, sagt Mündel-Jürgens. Auch für diesen Trend gibt es ein Vorbild aus Schweden – Lagom, frei übersetzt mit „nicht zu wenig und nicht zu viel“.

Als Blickfang sind derzeit Barwagen wieder in. Gern verwendet wird auch der klassische Thonet-Stuhl – ein Stuhl mit einem Gestell aus gebogenem Holz und einem Rohrgeflecht als Sitzfläche. Er erinnert an die Zeit der traditionellen Wiener Kaffeehäuser. Ebenfalls angesagt ist laut Mündel-Jürgens das Material Messing, besonders bei Lampen und Leuchten.

Ausblick: Ökologische Aspeke werden wichtiger

Ob man es nun bunt und extrovertiert mag oder schlichte Einrichtungsideen bevorzugt – ökologische Aspekte werden beim Wohnen sowohl von Konsumenten als auch von Herstellern immer stärker in den Mittelpunkt gerückt. „Die Nachhaltigkeit bei der Produktion von Wandbelägen, des Fußbodens und der Einrichtung spielt eine große Rolle“, sagt Mündel-Jürgens.

Die Kunden verlangen immer häufiger natürliche Materialien, sei es in Form von Wolle und Seide bei Teppichen oder Holz, Stein, Furnier und auch Metall bei Möbeln. Synthetisches Material ist out. „Wir erleben einen Trend weg vom Kunststoff und von Material-Mischungen, die nicht trennbar sind“, bestätigt auch Ursula Geismann.

Im Kommen: Vegane Möbel

In jüngster Zeit fragen Kunden vermehrt nach veganen Möbeln, in denen keinerlei tierische Produkte verarbeitet werden. Dieser Wunsch schließt zum Beispiel Leder, Daunen und Wolle als Bezugs- und Füllstoffe aus sowie auch Bienenwachse, die bei manchen Massivholz-Möbeln zur Oberflächenveredelung verwendet werden. Die gute Nachricht für die Kunden: „Schon heute sind 80 Prozent aller Möbel vegan, es wird nur noch nicht kommuniziert“, sagt Geismann. Zumindest die Möbel-Branche scheint für diesen Trend bereits gewappnet zu sein.