Das sind die aktuellen Wohntrends

Die aktuellen Wohntrends

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Individualisierung, Gemütlichkeit und Natur spielen eine immer größere Rolle, auch wenn die Rückbesinnung auf alte Werte und Designs weiterhin wichtig ist. Wie sich die Trends äußern, was endgültig out ist und was man in puncto Einrichten, Farben und Materialien wissen muss, fasst Immonet zusammen. 

Dominante Trends halten an

Die dominanten Trends der vergangenen Jahre prägen auch 2018 die Einrichtung: Individualisierung, Urbanisierung, Neoökologie und Digitalisierung. Die politische Lage der Welt wird immer unübersichtlicher, die Herausforderungen wachsen. Als Reaktion darauf wünschen sich viele Menschen zu Hause vor allem eines: Gemütlichkeit. Der skandinavische Begriff Hygge hat sich dafür schon durchgesetzt. Dieser Trend bildet einen Gegenpol zur Digitalisierung der Welt. Alte Werte versprechen Orientierung und Sicherheit. „Bewährtes kehrt zurück. Schallplatten, Oldtimer und Filterkaffee haben Hochkonjunktur und beim Wohnen sind es Modelle aus einer vermeintlich guten alten Zeit“, beobachtet Ursula Geismann, Trendanalystin und Designexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie.


Bei Möbeln und Wandgestaltung liegt das sogenannte Mid-Century-Design mit filigranen Polstermöbeln und zarten Vitrinen in der Konsumentengunst ganz weit vorn. Das passt auch gut zur Urbanisierung und den üblicherweise geringeren Raumgrößen: Kleinere Sitzmöbel passen besser in eine kleine Großstadtwohnung als ausufernde Sitzlandschaften.


Auch das Thema Neoökologie bleibt wichtig, Umweltschutz und Ressourcenschonung scheint sich hinsichtlich der Einrichtung fest in den Köpfen der Hersteller und Konsumenten zu verankern. „Und skandinavisches Wohnen mit hellen Möbeln und natürlichen Hölzern ist kein Trend mehr, sondern längst zu einem Einrichtungsstil geworden“, stellt Design-Expertin und Trendberaterin Gabriela Kaiser fest.


Über den verschiedenen Einrichtungsmöglichkeiten schwebt ein großes Überthema: Individualisierung. „Die Menschen sind zu unterschiedlich, um sich in ein oder zwei Einrichtungsmuster pressen zu lassen“, sagt Geismann. „Individualität zeigt sich heute in der Wahl der Einrichtung und dabei vor allem in Details: Die Kombination verschiedener Elemente.“ Grenzen des guten Geschmacks gibt es dabei kaum mehr, alles ist erlaubt.

Blau- und Grüntöne sind in

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Leicht und filigran - die neuen Möbel-Designs

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Natur und neuste Technik -
so sehen Trend-Küchen aus

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Nutzpflanzen in der Wohnung

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Der neue Rückzugsraum:
Das Wohnzimmer

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Nicht nur die Wandfarbe ist Grün.

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Denim Drift

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Trends zu kleinen und flexiblen Möbelstücken

Die Möbel werden wieder kleiner. Statt eines großen Couchtisches stehen vermehrt kleine Beistelltischchen in den Wohnzimmern. Wie die angesagten Vitrinen wirken sie leicht und scheinen zu schweben, da sie auf dünnen Beinchen stehen. Ein weiterer wichtiger Trend ist Flexibilität. „Die Zeiten der Schrankwände sind endgültig zu Ende. Stattdessen werden immer öfter Regalsysteme angeboten“, sagt Kaiser. Die Regale lassen sich aus einzelnen Modulen zusammensetzen und individuell nach den Gegebenheiten in der Wohnung und den eigenen Bedürfnissen zusammensetzen. „Jeder komponiert seine Einrichtung selbst“, so Kaiser.


Im Mittelpunkt steht dabei die Raumnutzung. So lassen sich die Möbel oft mehrfach nutzen oder gleich ganz verstecken. Insbesondere Arbeitsplätze benötigen heute – dank flacher Laptops – nicht mehr viel Platz. Besucher werden heute nicht mehr aufs Sofa, sondern an die Tafel gebeten. Wer es sich erlauben kann, stellt sich daher einen großen Esstisch in die Wohnung. Gefragt sind Modelle, die sich leicht dem wechselnden Größenbedarf anpassen lassen.

Sitzmöbel nach dem Baukastenprinzip

Der Trend zur baukastenartigen Gestaltung setzt sich zunehmend auch beim Sofa durch. So werden vermehrt Sitzmöbel angeboten, die individuell anpassbar sind: Höhe der Lehne, Sitztiefe, Material und Größe bestimmt der Käufer. Das bietet viel Raum für eigene Wünsche und Bedürfnisse. So kann jeder selbst entscheiden: Will ich auf meinem Sofa sitzen oder lümmeln? Auffallend viele Modelle werden im Design der 40er bis 50er Jahre angeboten. Sie erscheinen zart und filigran, da sie auf dünne Beinchen aus Holz gestellt werden und dadurch an Leichtigkeit gewinnen. „Die aktuellen Sofas wirken dynamisiert, luftig und sehr individuell und eignen sich hervorragend für kleine Wohnräume“, stellt Kaiser fest.


Auch der Sessel feiert in diesem Jahr ein Comback. „Die Sessel wirken allesamt sehr filigran und leicht und trotzdem sehr gediegen, da die Beine auf dunklem Holz sind“, sagt Kaiser. Er kann als separates Sitzmöbel in einer eigenen Ecke stehen oder zum Sofa gestellt werden. „In der kommenden Saison werden mehr organische Formen vor allem im Sitzmöbelbereich auf den Markt kommen. Dynamische Rundungen und kraftvolle Wölbungen treten als auffällige Merkmale hervor“, beobachtet Geismann. Bei den Bezugsstoffen für Polstermöbel ist ein breites Angebot an Naturfasern zu erkennen. „Auch Cord und Samt spielen eine herausragende Rolle“, sagt Geismann.

Materialauswahl: Qualität und Wertigkeit werden wichtiger

Qualität, Natürlichkeit und Wertigkeit gewinnen immer mehr an Bedeutung und bestimmen die Materialauswahl. Diese Tendenz kann sich in hochwertigen Hölzern ausdrücken, aber auch in edlen Metallen wie Gold und Kupfer. „Eiche bleibt Bestseller, auch Nussbaum und Kirsche halten ihre Stellung. Holz wird im Frontenbereich gerne mit anderen natürlichen Materialien wie Glas und Metall kombiniert“, sagt Geismann. Eines steht fest: Billig dürfen Möbel 2018 nicht mehr aussehen.

Auch das Thema Ökologie spielt eine immer stärkere Rolle. Ein gutes Beispiel ist die Wiederentdeckung eines alten Materials – Linoleum kommt zurück. „Das vor allem aus Leinöl, Korkmehl und Jutegewebe bestehende und schon 1860 erfundene Material war ursprünglich als elastischer Fußbodenbelag gedacht und findet auch heute noch Verwendung. Die Möbelindustrie zeigt den robusten und ökologischen Werkstoff als Tischplatte, Sideboard-Front oder Intarsie im Sekretär“, beobachtet Geismann.

Formen und Muster

Pflanzen und Blumen sind in – ob als echte Monstera im Wohnzimmer, kleinere Zimmerpflanzen in der Küche oder groß-goldene und wilde Blattmuster auf Textilien, Tapeten und Lampenschirmen. Als Gegenentwurf bieten die Designer viele Objekte mit klaren Strukturen und geometrischen Mustern an. Das sogenannte „Colour-Blocking“ ist bei Teppichen sehr beliebt. Bei diesem Trend werden auffällige und knallige Farben kombiniert. Klassische Muster wie Streifen und Punkte in Blau oder Gold wirken dagegen edel und liegen ebenfalls im Trend.

Wände und Böden

Natürliches Holz als Bodenbelag bleibt weiterhin äußerst beliebt. Außerdem sind helle Parkett- und Laminatböden angesagt. Für Gemütlichkeit sorgen nach wie vor Teppiche. „Die sind nicht mehr einfach nur rund oder rechteckig, sondern folgen den Formen ihrer Muster. Asymmetrie ist erlaubt“, stellt Kaiser fest. Beliebt sind große florale oder grafische Muster.


Ganz neu an den Wänden sieht man 2018 Holzverkleidungen, die auf halber Höhe mit Bordüren enden. Das erinnert an Großmutters altes Häuschen und strahlt Gemütlichkeit aus. Erlaubt sind auch dunkle Wände in starken Farben. „Ein bisschen Mut ist dafür schon gefragt“, sagt Kaiser.

Textilien und Accessoires

Wertigkeit und Rückbesinnung auf alte Werte spiegeln sich in den angesagten Accessoires wider. Lange nicht mehr waren handwerkliche Objekte so beliebt wie in diesem Jahr. „Grob gestrickte Decken, gewebte Wandteppiche oder holzgeschnitzte Löffel und Schalen – immer wieder wird der handwerkliche Charakter betont. Das wird heute auch zu eher kühleren Möbeln kombiniert“, beobachtet Kaiser. Aber auch die schon länger beliebte Ananas als Schale und Deko-Objekt ist 2018 noch nicht in Vergessenheit geraten. Vasen und Schalen gibt es als Einzelstücke oder in Gruppen, sie lassen sich in verschiedenen Materialien miteinander kombinieren.

Die Farbtrends

Pantone hat als Trendfarbe 2018 Ultraviolett ausgerufen. Der dunkle Lilaton soll für Kreativität stehen. Doch an den Lilatönen scheiden sich die Geister, Kaiser erwartet nicht vor Ende des Jahres, dass sich die Farbe tatsächlich in der Einrichtung wiederfindet. Stattdessen sind in Deutschland Blau- und Grüntöne angesagt. Tannengrün, das angegraute Olivgrün, dunkle Blautöne, Smaragd und Petrol sind beliebt und finden sich in vielen Wohnelementen wieder. „Sie können auch Ton in Ton miteinander kombiniert werden. Ein grünes Sofa vor einer blauen Wand kann eine starke Wirkung entfalten“, sagt Kaiser. In Kombination mit goldenen Accessoires oder Messinglampen ergibt diese Farbfamilie einen edlen Look.


Ebenfalls in Kombination verschiedener Farbnuancen treten Rottöne auf, von Rosa über Knallrot bis Violett. Und wieder sind es Sitzmöbel und Textilien, die hier vor allem bunt daher kommen. Neu im Farbreigen 2018 ist Orange. Kaiser rechnet damit, dass uns die Farbe künftig noch häufiger begegnen wird. Eingesetzt wird sie aber eher als Hingucker einzelner Elemente. Weiterhin wird uns Rose begleiten, ob an Wänden oder auf Textilien. Diese Farbe hat eine zarte und elegante Wirkung.

Ausblick: Ökologische Aspekte werden wichtiger

Die großen Trends werden die Einrichtung weiter bestimmen. Ökologie wird bei der Möbelproduktion immer wichtiger, schätzt Geismann ein. „2025 wird Öko bei Möbeln zum Standard werden“, ist sie sich sicher. Das größte Entwicklungspotenzial sieht sie im technischen Bereich. Smart Home ist schon heute ein großer Wohntrend. Sicherheitstechnik an den Türen, aus der Ferne kontrollierbare Fenster und eine Küchenausstattung, die in der Lage sein wird, verbrauchte Nahrungsmittel selbstständig nachzubestellen.


Zwar ist nicht jede Erfindung uneingeschränkt sinnvoll, doch der Komfort lässt sich durchaus steigern und dürfte vor allem Senioren ein längeres Leben in den eigenen vier Wänden erlauben. Daher ist die Design- und Trendexpertin überzeugt, dass sich in Zukunft weniger an der Optik, als vielmehr an der Ausstattung ändern wird: „Die Wohnungen werden in 20 oder 30 Jahren gar nicht so anders aussehen als heute. Aber Komfort und Wohnqualität werden sich deutlich verbessert haben.“