Schimmelpilzallergie vorbeugen

Niesen, Schnupfen, Husten – dahinter muss nicht immer eine Erkältung stecken. Oftmals ist dafür eine Allergie verantwortlich. Einige Allergien werden durch Schimmelpilzsporen ausgelöst. Sie kommen überall in der Luft vor. Eine Gefahr geht aber auch von Innenraumschimmel aus, der bei Baumängeln oder durch falsches Lüften entstehen kann. Immonet erklärt, was Sie über Schimmelpilzallergien wissen müssen und wie Sie vorbeugen können.

Lüften in der Mietwohnung

Entstehung einer Allergie

Eine Allergie ist die überschießende Reaktion des Immunsystems auf meist natürlich vorkommende Stoffe in der Umwelt, die der Körper bekämpft. Dafür sind zwei Schritte notwendig: 1. die Sensibilisierung des Immunsystems für den Stoff. 2. Die allergische Reaktion auf den Stoff. Zwischen Sensibilisierung und Ausbruch können oft Jahre vergehen. Manchmal treten die Symptome auch schleichend auf. Dabei kann es zu einer Verschlimmerung der Symptome oder einen sogenannten Etagenwechsel kommen. Mediziner bezeichnen damit die Verlagerung der Symptome, beispielsweise von einem Ekzem zu Schnupfen oder von Schnupfen zu Asthma.

Die Symptome einer Schimmelpilzallergie

Die Reaktionen des Körpers bei einer Schimmelpilzallergie können sehr unterschiedlich ausfallen. „Allergische Symptome wie Niesanfälle, Schnupfen, Husten, Nesselfieber, allergisches Asthma oder Magen-Darm-Beschwerden können ganzjährig oder saisonal auftreten“, erklärt Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB).

Zwar haben Asthmatiker mit dieser Allergie oft stärkere Symptome als das bei anderen Allergien der Fall ist, aber: „Eine Allergie gegen Schimmelpilze ist relativ selten“, sagt Professor Jörg Kleine-Tebbe von der deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. Da es unzählige Schimmelpilzarten gibt, die sich in ihrer Zusammensetzung teils erheblich unterscheiden, existieren auch verschiedene Allergien gegen sie. So sind Betroffene oft nur gegen einen einzelnen oder einen kleinen Teil der Schimmelpilze allergisch.

Diagnostik einer Schimmelpilzallergie

Dass es viele verschiedene, teils noch unbekannte Schimmelpilzarten gibt, erschwert die Diagnostik: „Eine Schimmelpilzallergie ist meist wesentlich schwieriger zu diagnostizieren als zum Beispiel Pollenallergien, da die zu Verfügung stehenden Testpräparate in Sensitivität und Spezifität häufig weniger gut entwickelt sind oder für bestimmte Schimmelpilze nicht zur Verfügung stehen“, erklärt Lämmel.

Mithilfe von Blutuntersuchungen könne die Reaktionsbereitschaft und die spezifische Sensibilisierung gegen die untersuchten Allergene im Labor getestet werden. „Die Deutung des Testergebnisses erfordert immer eine Überprüfung. Ist der Patient überhaupt dem Allergen ausgesetzt? Passen Symptome und Testergebnis zusammen?“, so Lämmel. Es folgt ein Provokationstest. Dabei werden zum Beispiel die Nasenschleimhäute mit dem Schimmelpilzallergen konfrontiert, um festzustellen, ob der Patient reagiert.

Unterscheidung nach Vorkommen: Drinnen oder draußen?

Schimmelpilzarten können unterschieden werden nach ihrem hauptsächlichen Vorkommen in Innenräumen oder in der Außenluft. Im Sommer und Herbst finden sich die höchsten Konzentrationen in der Außenluft. „Am häufigsten ist die Allergie gegen den Schimmelpilz Alternaria in der Außenluft. In Deutschland ist eine hohe Konzentration des Pilzes in den Monaten Juli und August zu erwarten. Die Allergie gegen Alternaria macht zehn Prozent aller sommerlichen Allergien aus“, erklärt Kleine-Tebbe. Betroffen seien häufig Personen, die auch auf Gräserpollen reagieren.

„Hinweis auf eine Reaktion auf diesen Pilz kann sein, wenn die Beschwerden im Hochsommer auch bei feuchtem Wetter auftreten. Zu beobachten ist, dass Alternaria-Allergiker nach Gewittern ebenfalls leiden“, sagt der Mediziner.

Behandlung einer Schimmelpilzallergie

Für Betroffene ist es vor allem wichtig, die Allergene und damit Situationen, in denen sie mit diesen konfrontiert werden, zu vermeiden. Ein Symptom-Tagebuch kann dabei helfen. Lämmels Tipp lautet daher auch, in der akuten Phase nach Möglichkeit wegzufahren: „Für Schimmelpilz-Allergiker bietet sich in dieser Zeit als Urlaubsregion das Hochgebirge an, da hier – bedingt durch die niedrige Luftfeuchtigkeit – nur geringe Sporenmengen vorkommen.“ Eine Hyposensibilisierung, auch Allergieimpfung oder spezifische Immuntherapie genannt, ist in einigen Fällen möglich, etwa bei Allergien gegen Alternaria.

Schimmel in Innenräumen

Auch in der Wohnung treten Schimmelpilze auf. Sie schlagen sich bei einer zu hohen Luftfeuchtigkeit an den Wänden nieder und sind eine häufige Folge von  Baumängeln. Oft ist der Schimmel gar nicht zu sehen, schließlich ist er im Anfangsstadium weiß und versteckt sich nicht selten hinter Schränken oder in Nischen.

Schimmelpilzquellen in der Wohnung können auch schlecht gereinigte Kühlschränke, Abfallbehälter, Blumentöpfe, alte Matratzen, Luftbefeuchter sowie Weinkeller oder Gewächshäuser sein, auch Klimaanlagen können Herde sein. In Innenräumen tritt vor allem der Pilz Aspergillus auf. „Hinweis auf einen Schimmelbefall der Wohnung kann muffeliger Geruch sein, wie man ihn aus feuchten Kellern kennt“, sagt Kleine-Tebbe. Betroffen sind nach Zahlen des Umweltbundesamtes 15 bis 30 Prozent aller deutschen Wohnungen.

Treten die Symptome nur in bestimmten Räumen auf, kann das ein Hinweis auf eine Schimmelpilzallergie sein. „In einem solchen Fall geht es nicht darum, die Symptome der Krankheit zu bekämpfen. Sondern man sollte so schnell und gründlich wie möglich die Ursache, also den Schimmel, beseitigen. Unabhängig davon, ob eine Allergiebereitschaft vorliegt oder nicht“, sagt der Allergologe Kleine-Tebbe.

Denn Schimmel stellt dem Allergologen zufolge immer eine ernste Gefahr dar: „Wenn man über Schimmelpilzbefall redet, muss man wissen, dass es sich bei den meisten Symptomen gar nicht um allergische Reaktionen handelt. Schimmelbefall in Wohnräumen ist generell problematisch für die Gesundheit. Daher gilt das Vorsorgeprinzip: Schimmel in der Wohnung gehört entfernt. Bei Flächen über einem halben Quadratmeter und bei Risikopersonen, wie Asthmatikern, Personen mit geschwächtem Immunsystem und Kindern ist Eile geboten.“

Doch nicht immer steckt eine Schimmelpilzallergie dahinter, wenn in Räumen Symptome auftreten. „Wer allergische Symptome in Innenräumen zeigt und Hausstaub oder Tierhaare als Auslöser ausschließen kann, sollte neben Schimmel auch an Pflanzen wie Ficus benjamini oder Kissen und Bettdecken aus Rohseide denken. Letztere enthalten noch Proteine der Seidenraupen, bekannt als aggressive Allergene. Auch manche Futterarten für Aquarienfische können – wenn auch sehr selten – Allergien auslösen“, erklärt Kleine-Tebbe.

Im Ernstfall: Professionelle Schimmelpilzsanierung

„Wer den Verdacht hegt, dass vom Gebäude eine Gefahr ausgeht, sollte ein Umweltinstitut hinzuziehen und eine Innenluftmessung machen lassen. Im zweiten Schritt gilt es dann, die Schimmelquelle zu finden“, sagt Lämmel. Die Beseitigung des Schimmels – insbesondere bei großen Flächen - sollte möglichst von Fachleuten durchgeführt werden. Da bei der Entfernung Schimmel aufgewirbelt werden kann, sollten Atemmasken getragen werden.

Wer in einer Mietwohnung lebt, zeigt den Schimmelbefall frühestmöglich und schriftlich dem Vermieter an. Dieser ist verpflichtet, für die Beseitigung zu sorgen, sofern das Verschulden nicht beim Mieter liegt. Auch eine Mietminderung ist möglich. Kümmert sich der Vermieter trotz einer Abmahnung nicht und liegt sehr schwerer Schimmelbefall vor, rechtfertigt das sogar eine fristlose Kündigung.

Prophylaxe gegen Schimmelbildung

Neben Baumängeln, einer falschen Trocknung oder Wärmebrücken fördert insbesondere eine hohe Luftfeuchtigkeit Schimmelbildung in der Wohnung. Deshalb ist ein vernünftiges Lüftungsverhalten wichtig: Mehrmals am Tag stoß- oder querlüften, auf Kippfenster insbesondere in der kalten Jahreszeit verzichten. Die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 40 und maximal 60 Prozent liegen. „Ein Hygrometer kann helfen, diese dauerhaft unter Kontrolle zu halten“, so Lämmel. Das Gerät misst die Luftfeuchtigkeit kontinuierlich und ist relativ günstig im Baumarkt zu kaufen.

Der Vorbeugung kommt gerade bei Schimmelpilzallergien eine große Bedeutung zu. „Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass die Exposition zu Schimmel und Feuchtigkeit in Haushalten das Risiko eines Kindes zur Entwicklung von Asthma verdoppeln kann“, sagt Lämmel.

Auch Lebensmittel können belastet sein

Auch in Lebensmitteln können unterschiedlichste Schimmelsporen stecken. Nicht alle sind für Allergiker ein Problem. Hier ist eine individuelle Beobachtung wichtig. „Die Erhebung der Krankengeschichte und das genaue Führen eines Ernährungstagebuches können die Zusammenhänge aufklären und individuelle Empfehlungen zulassen,“ sagt Lämmel. Deshalb sind der Gang zum Arzt und eine genaue Diagnostik bei einem Experten wichtig.

Weiterlesen:

Acht Tipps fürs richtige Lüften