Ein gelungenes Lichtkonzept sorgt für eine optimale Beleuchtung im eigenen Zuhause

Lichtkonzept: Optimale Beleuchtung

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Eine schicke Wohnung, Designermöbel, edle Auslegeware – und trotzdem entfaltet nichts davon eine Wirkung. Oder: Morgens kommt man nicht so richtig in die Gänge, abends können die Bewohner nicht einschlafen und der Leseplatz ist trotz Lieblingssessel ungemütlich. Diese Szenarien können eintreten, wenn bei der Gestaltung des Heims die Wirkung des Lichts vergessen wird. Eine gute Lichtplanung macht hingegen selbst aus einer schlichten Wohnung einen Wohlfühlort mit viel Charme. Immonet verrät, was man über Licht wissen sollte und gibt einen Überblick der wichtigsten Faktoren für ein gelungenes Lichtkonzept.

Lichtqualität und Lichtwirkung

Das passende Licht entscheidet über die Wirkung eines Raums. Wir brauchen Licht, um zu sehen – aber auch, um Wohnbereiche zu strukturieren, um die richtige Stimmung zu schaffen und unsere Körper in Schwung zu bringen. Doch was bestimmt über die Art und Qualität des Lichts?

Licht ist nicht gleich Licht. Es lässt sich in verschiedenen Kategorien messen. Daher ist es sinnvoll, die wichtigsten Grundbegriffe zu kennen: Früher gab die Watteinheit eine gute Orientierung für die Leistung einer Glühlampe. Da jedoch moderne Leuchtmittel wie LEDs und Energiesparlampen eine unterschiedliche Lichtausbeute liefern, machen Hersteller Angaben zum sogenannten Lichtstrom. Er wird in Lumen (lm) gemessen und ist die von einer Lichtquelle abgegebene Lichtleistung. Je höher der Lumen-Wert ist, desto mehr Licht gibt ein Leuchtmittel pro Zeiteinheit ab.

Entscheidender für die Lichtwirkung im Raum ist jedoch die Beleuchtungsstärke. Sie wird in Lux angegeben und beschreibt die Lichtmenge, die tatsächlich auf eine Fläche auftrifft. Diese ist entscheidend dafür, wie hell es auf den Betrachter wirkt. Je weiter die Lichtquelle entfernt ist, desto schwächer ist das auf der angeleuchteten Fläche ankommende Licht. Mit einem Luxmesser kann jeder zu Hause prüfen, wie viel Licht tatsächlich auf der Wand ankommt.

Die Lichtfarbe wird in Kelvin (K) gemessen. „Es werden drei Weißtöne unterschieden: Warmweiß unter 3.300 K hat eine gemütliche Wirkung, Neutralweiß 3. 300 bis 5.300 K wirkt sachlich und Tageslichtweiß über 5.300 K gibt funktionales Licht“, erklärt Lichtexpertin Iris Vollmann. Die Lichtfarbe ist mitentscheidend für die Wirkung des Lichts auf den Menschen. Hintergrund: Das natürliche Sonnenlicht verändert sich im Laufe des Tages. Morgens hat es viele Blauanteile und wirkt kühl, abends hat es viele Rotanteile und wirkt warm. „Licht mit hohen Blauanteilen macht wach und fördert die Konzentration, Rotanteile wirken hingegen eher entspannend“, so Vollmann.

Übrigens: Die Begriffe Lampe und Leuchte werden umgangssprachlich häufig verwechselt. Eine Lampe ist das Leuchtmittel wie die Glühbirne. Leuchten hingegen sind die Einrichtungsgegenstände, in die die Lampe eingesetzt wird.

Drei Beleuchtungsarten

Aufgabe eines guten Beleuchtungskonzeptes ist es, alle räumlichen Gegebenheiten und die Bedürfnisse der Bewohner in Einklang zu bringen. „Im Haus gibt es viele verschiedene Sehaufgaben, dafür stehen unterschiedliche Beleuchtungsarten zur Verfügung. Eine gute Beleuchtung erfüllt alle Funktionen, um diese Aufgaben einfach zu ermöglichen“, erklärt Vollmann. Zu den Sehaufgaben gehören die Orientierung im Raum bei Tag und Nacht, arbeiten und lesen. „Wenn der Einsatz von Licht gut durchdacht ist, schafft es zudem Atmosphäre.“

Im Haus gibt es drei Beleuchtungsarten: Die Grundbeleuchtung dient der Orientierung im Raum. „Es wird durch nach oben, zur Decke gerichtetes indirektes Licht oder Leuchten, die gleichmäßig nach allen Seiten abstrahlen, geschaffen. Dadurch entsteht die notwendige Grundhelligkeit“, sagt Vollmann. Die Zonen- oder auch Platzbeleuchtung soll einzelne Plätze oder Bereiche erhellen – und vom Rest des Raumes abgrenzen. Ein Beispiel ist der Ess- oder Schreibtisch. Je nach Lichtfarbe können Zonenbeleuchtungen eine sehr gemütliche Wirkung entfalten.

Licht lenkt den Blick dorthin, wo es hell ist. Daher betont die Akzentbeleuchtung bestimmte Punkte im Raum und ist auch entscheidend für die Stimmung. „Für Akzente braucht es indirektes Licht, das auf Wand und Decke strahlt und von da zurückfällt“, sagt Vollmann. Eine Stehleuchte, ein Wandlicht, eine kleine Tischleuchte auf einem Sideboard oder eine Hintergrundbeleuchtung fürs Regal sind gut geeignet.

Die wichtigsten Regeln für ein gutes Lichtkonzept

„Der größte Fehler, den man beim Thema Licht machen kann, ist es, auf ein zentrales Licht zu setzen und sich kein Lichtkonzept zu überlegen. Das wirkt sehr langweilig“, sagt Vollmann. „Jeder Raum benötigt je nach Größe etwa drei bis fünf Leuchten, damit eine gute Helligkeit gewährleistet ist und alle Aufgaben erfüllt werden können.“ Für eine gute Lichtausbeute werden sie so positioniert, dass die reflektierenden Flächen – also Wand oder Decke – nicht zu weit entfernt sind.

Die Beleuchtungsstärke in den Wohnräumen sollte bei mindestens 300 Lux liegen. Dort, wo gearbeitet, geschrieben oder gelesen wird und am Arbeitsplatz in der Küche sollten es mindestens 500 Lux sein, wo Feinarbeiten durchgeführt werden 750 Lux. „Je älter der Mensch ist, umso mehr Helligkeit benötigt er. Ein Fünfzigjähriger hat einen mehr als dreimal so hohen Lichtbedarf wie ein Zwanzigjähriger“, so Vollmann. Wichtig ist zudem, dass es auch im Umfeld des Arbeitsbereichs ausreichend hell ist. Denn zu starke Kontraste zwischen Arbeitsfläche und Umfeld erschweren die Konzentration. „Starke Helligkeitsunterschiede sollten vermieden werden, um die Anpassung des Auges an verschiedene Licht-Zonen zu erleichtern und Ermüdung vorzubeugen“, sagt Vollmann. Das Ziel sei eine gute Beleuchtung mit wenig Blendung, da mit dem Alter auch die Lichtempfindlichkeit zunehme.

Atmosphäre durch Licht und Schatten

Bei einem gelungenen Beleuchtungskonzept geht es nicht darum, alles genau gleich stark auszuleuchten. Licht entfaltet seine atmosphärische Wirkung auch durch leichte Gegensätze: „Wo Licht und Schatten miteinander spielen, entsteht eine angenehme Atmosphäre“, so Vollmann. Das sollte man sich insbesondere für gemütliche Räume und Stunden zunutze machen, indem Akzent- und Stimmungsleuchten eingeplant werden.

Licht wirkt sich auf die Bewohner aus

„Licht wirkt sich auf die Bewohner aus: visuell, biologisch und emotional“, sagt Vollmann. Ein wichtiger Faktor ist die Lichtfarbe. „Für Wohnräume ist Warmweiß die richtige Lichtfarbe. Insbesondere da, wo die Einrichtung eher kühl ist, ist es wichtig, eine wärmere Lichtfarbe zu wählen, damit die Einrichtung zur Geltung kommt.“ Sonst kann ein Raum kalt und abweisend wirken. Die Lichtfarbe beeinflusst auch die Stimmung und unseren Biorhythmus.

Das kann man sich zunutze machen: Wo morgens ein Fitmacher hilfreich ist, setzt man Licht mit mehr Blauanteilen ein. In Räumen, die meist abends genutzt werden, sorgt Licht mit Rotanteilen für Entspannung. „Optimal wäre es, in Räumen, die morgens und abends genutzt werden, die Wahl zu haben“, so Vollmann. Eine gute, aber nicht ganz günstige Lösung sind Lampen, die im Verlauf des Tages die Lichtfarbe ändern.

Wechselwirkung zwischen Licht und Raum

Licht und Raum treten immer miteinander in Wechselwirkung. Daher entscheidet die Farbe von Wand und Möbeln darüber mit, wie hell ein Raum erscheint. „Helle Farben lassen einen Raum größer wirken“, so Vollmann. Sie empfiehlt kühle oder lichtreflektierende Töne wie Cremeweiß, Hellblau oder ein helles Grün für die Wand.

„Wer ein Einrichtungs-Highlight wie ein besonderes Bild oder ein tolles Möbelstück in seiner Wohnung hat, sollte es auch mit der entsprechenden Akzentbeleuchtung betonen. Das wäre sonst verschenktes Potenzial“, sagt Vollmann. Über Bildern angebrachte Downlights – also Deckenleuchten, die ihr Licht nach unten abstrahlen – oder auf sie gerichtete Strahler lenken den Blick auf sie. Wandleuchten an den Seiten können zusätzliche Akzente setzen.

Passendes Licht für jeden Einrichtungsstil

Individualität ist aktuell der wichtigste Trend bei Einrichtungs- und Wohnmessen. Deshalb gibt es auch nicht mehr die eine passende Leuchte zum jeweiligen Einrichtungsstil, der Gesamteindruck zählt. „Wer ein strukturiertes Design mag, kann verschiedene Leuchtentypen aus einer Serie wählen. Gemütlicher wirkt es aber häufig, wenn ganz verschiedene Leuchten eingesetzt werden. Das tut einem Raum oft gut und wirkt wohnlich“, sagt Vollmann.

Beleuchtungskonzept erstellen

Der richtige Zeitpunkt für das Ausarbeiten eines Beleuchtungskonzepts ist vor dem Einzug oder der Renovierung. Bei einem Neubau sollte die Elektroplanung vorrausschauend erfolgen. „Grundsätzlich plant man lieber einen Wand- oder Deckenauslass mehr als einen zu wenig ein. Wird später ein Zimmer umgestellt oder die Wohnsituation ändert sich, kann das Licht auch dann noch flexibel anpasst werden“, rät die Expertin Vollmann.

Wer das Beleuchtungskonzept für eine bestehende Wohnung plant, sollte im ersten Schritt die Ist-Situation und die räumlichen Gegebenheiten analysieren. „Stellen Sie zunächst fest: Wo ist es hell, wo ist es dunkel? So kann man Schwachstellen ausgleichen“, sagt Vollmann. Dann geht es darum, den einzelnen Bereichen Aufgaben zuzuordnen: Wo lese ich am liebsten? Wird der Esstisch auch für andere Tätigkeiten genutzt, etwa Hausaufgaben oder Bastelarbeiten? Wichtig ist außerdem die Frage, welche Zonen im Raum geplant sind und betont werden sollen. Denn Licht kann den Fokus auf einen Bereich lenken und ihn unkompliziert vom Rest des Raumes abgrenzen. Beispielsweise schafft eine Pendelleuchte über dem Esstisch in einem großen Wohnzimmer eine Insel.

Die Einrichtungszonen sollten jedes Mal neu überprüft werden, wenn Möbel ausgetauscht oder verstellt werden. „Wenn die neue Einrichtung dunkler ist als zuvor, sollte die Beleuchtungsstärke auf jeden Fall erhöht werden“, sagt Vollmann. Schließlich schlucken dunkle Flächen mehr Licht als helle. „Am besten plant man Raum für Raum.“

Bei einer hochwertigen und präzisen Planung ist ein maßstabsgetreuer Beleuchtungsplan unverzichtbar. Er sollte Möbel, Funktionsbereiche und die gewünschten Lichtwirkungen im Raum darstellen. Außerdem gibt er Art und Zahl der Leuchten, benötige Schaltkreise, Schalter und Dimmer an. Wer sich das nicht zutraut, kann auch Fachleute beauftragen.

Der Außenbereich

Nicht vergessen werden sollte im Beleuchtungskonzept die Außenbeleuchtung. „Ein freundlich gestalteter und hell beleuchteter Eingangsbereich heißt Besucher und Bewohner gleichermaßen willkommen. Zudem schafft Licht Sicherheit, weil es vor Stolperfallen auf Treppen und Wegen schützt“, so Vollmann. „Eine gute Außenbeleuchtung der Tür ist nicht nur für Gäste, sondern auch für Taxifahrer oder einen Notarzt wichtig. Wenn der im Notfall gerufen werden muss, kann wertvolle Zeit verstreichen, bis eine im Dunkeln liegende Hausnummer gefunden ist.“

Im Garten sollten insbesondere alle Niveauunterschiede, Treppen und Wege ausgeleuchtet werden. „Wer unnötige Lichtverschmutzung vermeiden und den Stromverbrauch gering halten möchte, setzt Bewegungsmelder ein“, sagt Vollmann. Sie sollten aber so gut eingestellt sein, dass sie nicht bei jeder vorbeihuschenden Katze reagieren. „Leuchten rund um den Hauseingang müssen sich für den Einsatz im Freien eignen und der Witterung Stand halten.“ Die Schutzart sollte der Expertin zufolge mindestens IP44 entsprechen.

Moderne Lichtmanagementsysteme

Die Digitalisierung und moderne Technik vergrößert auch in puncto Licht die Möglichkeiten. „Über moderne Lichtmanagementsystem können ganze Lichtszenen digital eingestellt werden“, sagt Vollmann. Vieles ist machbar: „Als Teil des Gebäude-Managementsystems können Lichtsteuerungen mit der Jalousie oder dem Türöffner gekoppelt werden. Dann geht draußen das Licht automatisch an, wenn die Tür geöffnet wird oder die Jalousie runterfährt.“

Das Licht lässt sich auch über WLan steuern und es ist möglich, dass digitale Leuchten im Wohnraum die Farben des TV-Bilds wiedergeben und so eine Gesamtatmosphäre wie im laufenden Film schaffen. „Wer sich smarte, funkbasierte Leuchten anschafft, sollte auch Lust haben, sich etwas mit der Technik auseinanderzusetzen und sie an den Router zu koppeln. Ein mit der Gebäudetechnik vernetztes Lichtmanagement kann mehr, kostet aber auch etwas mehr“, sagt Vollmann. Es müsse aber nicht immer der neueste technische Schnickschnack sein, um ein gelungenes Lichtkonzept zu entwickeln. „Wichtig ist es vielmehr, auf den tatsächlichen Lichtbedarf einzugehen.“