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Fogging in der Wohnung: Das kannst Du dagegen tun

Fogging vorbeugen und Schwarzstaub entfernen

© purplequeue / Fotolia

Plötzlich ist alles schwarz, dabei wurde die Wohnung erst vor kurzem renoviert – Fogging heißt dieses Phänomen, das ungeklärte Verfärbungen von Räumen bezeichnet. Ein schwarzer Schmierfilm überzieht die Wände, selbst Möbel und Stoffe können betroffen sein. Der Effekt tritt unabhängig vom eigenen Putzverhalten auf, Experten sprechen auch von Schwarzstaub. Bei uns erfahren Sie, wie der Fogging-Effekt entsteht, wie man vorbeugt und was man bei Auftreten am besten unternimmt.

Merkmale von Fogging

Schwarze Beläge ziehen sich beim Fogging über Wände und Einrichtung. Dabei kann die Stärke des Befalls stark variieren: Einzelne schwarze Stellen sind ebenso möglich wie eine komplett schwarze Wohnung. In extremen Fällen legt sich der dunkle Film in den Haaren der Bewohner ab oder findet sich sogar im Kühlschrank, weiß Heinz-Jörn Moriske, Direktor der Beratungsstelle Umwelthygiene im Umweltbundesamt. Der Professor kennt aber auch kuriose Beispiele. „In einem Fall ist das Fogging nur aufgefallen, weil sich der weiße Pudel der Mieterin in der Wohnung immer schwarze Füße geholt hat.“

Doch es gibt in allen Fällen einige Gemeinsamkeiten. Das Phänomen tritt in erster Linie im Winter beziehungsweise in der Heizperiode auf und es betrifft Wohnungen, die erst kürzlich renoviert wurden. „Dabei kann die Renovierung aber bis zu einem knappen Jahr zurückliegen“, erklärt Moriske. Auffällig ist außerdem, dass die Verfärbungen mehr oder weniger plötzlich auftauchen, meist innerhalb von wenigen Wochen. Im schlimmsten Fall sind die Wände innerhalb von einem Tag schwarz und der Effekt breitet sich aus.

Unterscheidung zwischen Fogging und Schimmel

Die Belege wirken auf den ersten Blick wie Ruß oder Schimmel. Sie sind aber immer schwarz-grau und fühlen sich schmierig und fettig an. Das stellt man fest, indem man die Tastprobe macht und mit den Fingern über die betroffenen Stellen fährt. „Daran kann man auch den Unterschied zum Schimmel erkennen“, sagt Moriske.

Im Gegensatz zu Schimmel gilt Fogging vor allem als ästhetisches, nicht als gesundheitliches Problem. „Bislang sind keine gesundheitlichen Gefährdungen bekannt. Aber eine Garantie gibt es nicht“, sagt Rita Maria Jünnemann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Moriske, der Experte für Umwelthygiene, sieht das ähnlich: „Solange es sich nicht um ein massives Auftreten von Fogging handelt und zusätzlich Ruß auftritt, muss man sich keine akuten Sorgen machen.“

Die Ursachen von Fogging

Lange lagen die Ursachen für den Fogging-Effekt im Dunklen. Mittlerweile sind sich die Experten einig, dass Fogging durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren ausgelöst wird. Ausschlaggebend sind bestimmte chemische Substanzen und Verbindungen. Dazu gehören die sogenannten SVOCs, schwerflüchtige Kohlenwasserstoffverbindungen. Sie wurden seit den 90er Jahren vermehrt in Baumaterialien eingesetzt, was auch das plötzliche Auftreten erklärt. Sie sind aber auch in elektronischen Geräten zu finden. Weichmacher spielen ebenfalls eine Rolle. Auch Ausdünstungen von Tapeten und sogar Plastikgegenständen können ein auslösender Faktor sein.

Zu den chemischen Faktoren müssen allerdings weitere Aspekte hinzukommen. Wohnungen mit schlechten thermischen Eigenschaften sind stärker betroffen, da hier das Phänomen leichter sichtbar wird. Konkret heißt das: Dort, wo Wärmebrücken auftreten oder unterschiedliche Wärmeeigenschaften von Baumaterialien zusammentreffen, setzen sich die Partikel vermehrt ab. „In der Praxis sehen wir die Ablagerungen oft dort, wo die Außenwände schlechtere Dämmeigenschaften aufweisen“, sagt Jünnemann. So habe sie bereits Fälle erlebt, bei denen sie am Fogging-Belag genau erkennen konnte, wo die schlecht isolierenden Fugen in der Wand verliefen. Der schwarze Schmierfilm habe sich in Streifen auf der Tapete abgesetzt, da es an diesen Stellen offensichtlich kälter war.

Die Nutzungsgewohnheiten der Bewohner spielen ebenfalls eine große Rolle. „Nur so lässt sich erklären, dass in neugebauten Miethäusern mit identischen Einheiten nur einzelne Wohnungen von dem Phänomen betroffen sind“, sagt Moriske. Wichtigster Punkt ist das Lüftungs- und Heizverhalten. Da das Lüften im Winter oft eingeschränkt wird, können sich die chemischen Substanzen, die oft über Jahre unbemerkt – weil unriechbar – ausdünsten, in der Raumluft vermehrt ansammeln. Durch das Heizen verändern sich die Luftströme in der Wohnung, Staub wird so zusätzlich aufgewirbelt.

Das verstärkte Abbrennen von rußenden Kerzen ist ebenfalls ein Faktor. Wissenschaftlich diskutiert wurde auch über Einflüsse von Kosmetika wie Haarspray, bisher liegen aber keine eindeutigen Ergebnisse vor.

Hat mein Putzverhalten Einfluss auf Fogging?

„Viele Betroffene schämen sich, das Phänomen zu melden, weil sie fürchten, dass man ihnen unterstellt, nicht genügend sauber zu machen“, sagt Moriske. In Wahrheit sei jedoch das Gegenteil der Fall. „80 Prozent der Betroffenen sind Putzteufel. Sie reinigen ihre Wohnung häufiger als das Otto Normalverbraucher tut.“ Der Experte erkennt darin sogar einen Zusammenhang: „Staub legt sich vor allem auf elektrostatisch aufgeladenen Flächen ab. Durch das Abwischen laden sich Kunststoffgegenstände auf, der Staub setzt sich dort erst recht ab.“ Zu beobachten sei Fogging zudem häufig auf und rund um Steckdosen. Dort herrsche immer ein gewisses elektromagnetisches Feld, das die Ablagerungen begünstige.

So entfernen Sie Schwarzstaub

Sind die schwarzen Beläge einmal da, müssen sie entfernt werden. Moriske empfielt einfaches Spülmittel und Wasser, um den Fettfilm loszuwerden. Denn auch bestimmte Putzmittel stehen im Verdacht, eine Rolle bei der Entstehung von Fogging zu spielen. Daher gilt beim Entfernen von Schwarzstaub: Weniger ist im Zweifel mehr. 

„Glatte Flächen reinigt man am besten mit üblichen Haushaltsreinigern“, rät Jünnemann. Bei Tapeten hilft nur die Entfernung. „Die Emissionen sitzen in den Tapeten, ganz ähnlich wie beim Schimmel“. Überstreichen reicht deswegen nicht, die Beläge kommen immer wieder zum Vorschein. In diesem Fall hilft nur das Abreißen und Neutapezieren, am besten mit möglichst emissionsarmen Materialien.

Ein wichtiger Punkt: Nur weil alles neu ist, muss nicht alles besser werden. „Fogging ist in manchen Fällen schon drei- oder viermal erneut aufgetreten“, berichtet Moriske. Für die Betroffenen ist das bitter. Deshalb stellt die Ursachensuche auch einen wichtigen Punkt bei der Bekämpfung des Phänomens dar.

Die Ursachenforschung bei Fogging

Jünnemann rät dazu, sich bei der Ursachenforschung Hilfe von einem Baubiologen zu holen. Die Experten analysieren die Raumluft respektive die Ablagerungen und können so feststellen, was als Ursache für den Fogging-Effekt infrage kommt. Hilfestellung geben auch Verbraucherzentralen, die örtlichen Gesundheitsämter und das Bundesumweltamt. Diese Behörden bieten selbst eine Beratung zum Thema an oder haben Kontakte zu seriösen Fachkräften.

Eine Garantie, dass die Schadstoffquellen vollständig aufgedeckt werden, gibt es Moriske zufolge allerdings nicht, schließlich sei das Zusammenspiel oft komplex. „Auch ein Labor kann die Ursachen nicht immer hundertprozentig aufklären“, so der Experte. 

Wer nur leichte Probleme mit dem Fogging hat und die Ursache zu kennen glaubt, kommt eventuell auch ohne die Hilfe der Profis aus. „Wem bewusst ist, dass er nach einer Renovierung zu wenig gelüftet und gleichzeitig häufig Kerzen abgebrannt hat, kann es zunächst mit einer Renovierung und Verhaltensänderung versuchen“, sagt Moriske. „30 bis 40 Prozent der Fälle lassen sich so lösen und bleiben von einem erneuten Befall verschont.“

Eine professionelle Ursachenforschung ist immer dann empfehlenswert, wenn das Fogging massiv oder wiederholt auftritt. „Dann sind die 1.000 bis 2.000 Euro Kosten für die Untersuchung eines großen Hauses – bei Wohnungen sind die Kosten geringer – sehr gut angelegt. Mehrfache Renovierungen können deutlich teurer werden“, so Moriske. Nicht zu vergessen sei der Stressfaktor für die Betroffenen.

Wer zahlt für die Schäden durch Fogging?

Die Abwägung, ob man sich professionelle Hilfe für die Ursachenforschung leistet, muss im Eigenheim der Besitzer treffen. Doch wie sieht es in einer Mietwohnung aus? Fogging und seine Folgen bedeuten auch einen erheblichen finanziellen Aufwand. Daher ist die Frage, ob Mieter oder Vermieter diese Kosten tragen, für beide Seiten gleichermaßen wichtig. „Rund die Hälfte der Fälle geht leider mit Rechtsstreitigkeiten einher“, sagt Moriske.

Dabei wurde in Deutschland bereits ein Grundsatzurteil gefällt: Fogging gilt als Mangel des Mietobjektes. „Das bedeutet, dass die Beweislast beim Eigentümer liegt“, so Moriske. Er müsse beweisen, dass er keine Schuld trage. Zudem könne der Mieter bei Nichtbeseitigung des Mangels die Miete kürzen.

Moriske empfiehlt Mietern, den Vermieter bei Fogging sofort zu informieren und sich mit ihm über das weitere Vorgehen (Ursachenforschung und Renovierung) zu einigen – außergerichtlich. Schließlich liege es ohnehin im Interesse des Vermieters, die Ursachen zu ermitteln, denn ein erneuter Befall bedeutet hohe Kosten und eventuell verlorene Mieteinnahmen, falls die Mieter deswegen ausziehen. „Und die Faktoren, die zur Entstehung beitragen, können ja auch im Gebäude stecken“, so Moriske.

So beugen Sie Fogging vor

Wer auf seine Gesundheit Wert legt, wird bei der Renovierung ohnehin auf die verwendeten Baumaterialien achten. Moriske und das Umweltbundesamt empfehlen Produkte, die mit dem Umweltsiegel „Blauer Engel“ gekennzeichnet sind. „Diese sind heutzutage darauf geprüft, keine Fogging-relevanten Substanzen zu enthalten“, erklärt der Professor. Für den Verbraucher bietet das Kennzeichen im verwirrenden Dschungel der Produkte und chemischen Substanzen eine gute Orientierung.

Experten raten zudem dazu, auf bestimmte Materialien ganz zu verzichten: Vinyltapeten, PVC-Bodenbeläge und Teppichkleber gehören genauso dazu wie Linoleum, das nicht immer „Natur pur“ ist, so Moriske. „Linoleum sollte dann nicht verwendet werden, wenn man schon mal ein Fogging-Problem hatte.“ Zudem sollen Materialien nur mit den empfohlenen Komponenten verarbeitet werden, um unerwünschte chemische Reaktionen zu vermeiden. So können zum Beispiel Tapeten, die mit einem falschen Tapetenkleister bearbeitet wurden, zu unangenehmen Ausdünstungen führen.

Wer einmal von Schwarzstaub in der Wohnung betroffen war, sollte Morsike zufolge besonders umsichtig sein. „Nach der Renovierung sollte man über lange Zeiträume intensiv lüften. Auch dann, wenn es in den Räumen gar nicht riecht“, betont der Fachmann. Schließlich sind viele schwerflüchtige Stoffe wie Weichmacher mit der menschlichen Nase nicht wahrnehmbar. Zur Vorbeugung gehört auch, dass man insbesondere im ersten Winter auf Kerzen, Räucherstäbchen und das Heizen mit dem offenen Kamin verzichtet. „Wer eine offene Wohnküche besitzt, tut gut daran, zu prüfen, ob das Abzugssystem einwandfrei arbeitet“, so Moriske.

Ein Tipp gilt aber für alle Haushalte: „In der Heizperiode ist bewusstes Heizen und Lüften angebracht. Ein guter und regelmäßiger Luftaustausch ist für das Klima in der Wohnung wichtig“, betont die Energiereferentin Jünnemann. Dabei gilt: Mehrmals am Tag stoßlüften und auf Kippfenster verzichten. Das spart Energie und sorgt für eine gute Luftqualität. „Darüber hinaus gilt, dass alle Räume einer Wohnung lieber gleichmäßig warm gehalten werden sollten anstatt sporadisch oder nur einzelne Räume zu heizen.“

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