Erfahren Sie mehr über die aktuellen Tapeten-Trends

Aktuelle Trends bei Tapeten

© Deutsches Tapeten-Institut GmbH

Immer nur weiße Wände und Raufaseroptik können auf die Dauer ganz schön langweilig sein. Kein Wunder, dass Tapeten seit einiger Zeit immer häufiger zur Gestaltung des Zuhauses eingesetzt werden. Sie unterstützen den persönlichen Einrichtungsgeschmack. Blumen, Grafiken, Motive aus der Natur - die Designs ändern sich stetig. Immonet hat die wichtigsten aktuellen Entwicklungen zusammengefasst.

Trend-Vielfalt statt Dominanz

Eines vorweg: Den einen Trend gibt es nicht. Stil und Design sind in den letzten Jahren vielfältiger geworden. Das weiß auch Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeten-Instituts. „Das ist wie mit der Mode: Die Trends sind vielfältig. Vor zehn Jahren hatten alle die gleiche Farbe oder dasselbe Muster an den Wänden. Heute kann man mit ganz unterschiedlichen Stilen zeitgemäß sein“, beobachtet der Verbandsvertreter der deutschen Tapetenindustrie.

Trends auf den Messen

Wie vielfältig Tapeten aktuell sind, zeigte sich am Messestand des Deutschen Tapeten-Instituts (DTI) auf der Imm Cologne 2015. Namhafte deutsche Tapetenhersteller beweisen aktuell enorme Kreativität. Sie imitieren mit ihren Designs Flora und Fauna in Animal- und Nature-Prints, Blüten- und Ranken-Adaptionen. Insgesamt bestimmen Vorlagen aus der Natur, was auf die Wand kommt. Dabei zeigen die Designer viel Liebe zum Detail. Sei es in aufwendigen floralen Mustern, in ausgefeilten grafischen Elementen oder auch in der Wahl der Materialien. Die Haptik spielt aktuell eine große Rolle. Tapeten werden aufwändig und in vielen Schichten hergestellt.

 

Dennoch sind einige Hauptströmungen auszumachen: „Ein Trend entsteht selten mit einem Paukenschlag aus dem Nichts. Es sind meistens Entwicklungen über einige Jahre, die sich verstärken oder in eine bestimmte Richtung verändern“, erklärt Brandt. Ein gutes Beispiel dafür sei die Rückkehr der Farbe Blau. „Vor drei Jahren war Blau das erste Mal seit langer Zeit wieder bei einem Aussteller auf einer Messe zu sehen. Damals mochte das noch niemand. Heute ist Blau ein ganz starker, neuer Trend, den fast alle Tapeten-Produzenten den Verbrauchern anbieten.“

 

Eine ganze Weile galt Blau als viel zu kalt für Wohnräume, heute setzen die Hersteller auf Farbverläufe zwischen Blau und Grün. Auffällig sind viele Aquarellierungen oder Muster mit Sprengseln, die an unterschiedliche Maltechniken erinnern. Das wirkt dann – vor allem in der richtigen Kombination mit der Einrichtung – oft nicht kühl, sondern auch elegant.

Grafische Muster

Muster, Muster, Muster. Sie werden immer auffälliger, extremer und immer großflächiger an den Wänden eingesetzt. Kreise, Linien, Quadrate und Wellenformen bestimmen die moderne Wandgestaltung – und machen sie auch ganz schön unruhig. Die visuellen Effekte, die von ihnen ausgehen, sind stark und daher nur für große Räume geeignet.

Shabby chic und Retro

Zugegeben ganz neu ist der Trend zu Shabby chic, pastelligen Farben und Mustern, die an die 50er und 60er Jahre erinnern, nicht. Er hält aber nach wie vor an. Kein Wunder, schließlich lässt er sich wunderbar in fast jede Wohnung integrieren und schont das Auge. Der romantische Look wartet mit angenehmen Farben und zarten Mustern auf und strahlt viel Wärme aus. Zudem lässt er sich sowohl mit modernen Möbeln als auch vorm Sperrmüll geretteten Stücken kombinieren. Muster mit Punkten und die Farbe Lindgrün sind aktuell besonders beliebt. 


Der Retro-Trend hält an und die Anbieter orientieren sich bei der Motivwahl immer weiter zurück. Schließlich bieten die vergangenen Jahrhunderte auch viele unterschiedliche Gestaltungsideen. Der Berliner Inneneinrichter Sebastian Groß von der Firma Einraumkonzept sieht den Stil des 19. Jahrhundert im Kommen. „Die floralen Muster des englischen Designers Morris sind derzeit zum Beispiel in Berliner Altbauwohnungen sehr beliebt.“ Der einstige Designklassiker erscheint heute gleichzeitig verspielt und hochwertig.

Exotik

Ein Hauch von Afrika und wilder Natur weht seit einigen Jahren durch manche deutsche Wohnung. Und der Trend zu Ethno-Mustern und exotischen Motiven erfährt eine Steigerung: Große grüne Frösche schauen den Betrachter da ebenso  von der Wand an wie Goldfische.

 

Auch Zebrastreifen oder Leopardenmuster finden sich an den Wänden. Auf der anderen Seite werden die Ethno-Muster noch stärker abgewandelt und modern interpretiert. Die Farben reichen hier von schwarz-weiß über beige und Braun bis zu Gold. Zudem werden die Muster nicht nur mit dem Auge erfasst, sondern auch tatsächlich mit der Haut erspürt. Statt einer kühlen Papieroberfläche, fühlt man das Fell in der Hand.

Haptik

Anfassen erlaubt und erwünscht, lautet denn auch ein weiterer Tapetentrend. Der Wandschmuck ist nicht mehr nur glatt, sondern fordert geradezu zum Anfassen auf. Sei es mit Tierfellimitationen, Leder, Federn oder Tapetenstrukturen in Stoff-Optik, wie Seide oder Leinen. Das Muster wird im Material umgesetzt und greifbar. „Ein gutes Beispiel sind Bretterzaun-Tapeten, die immer öfter gekauft werden. Das natürliche  Muster der Holzmaserung ist komplett nachspürbar – bis zum Astloch. Das sieht aber auch interessant aus, denn je nach Lichteinfall verändert sich der Eindruck der Tapete“, beschreibt Brandt.

 

Andere extreme Materialien finden so zumindest optisch den Weg ins Heim: Beton, Steinplatten und Rost waren früher undenkbar, heute werden sie als Tapetenoptik selbstverständlich angeboten. Inneneinrichter Sebastian Groß von der Berliner Firma Einraumkonzept stellt auch eine gestiegene Qualität fest. „Die Tapeten sind so lebensecht, dass man tatsächlich das Gefühl hat vor einer Betonwand zu stehen.“

Edelfaktor

Im Hoch-Preis-Segment machen sich Gold, Straß und Swarovski-Steine breit. Der Geschäftsführer des Tapetenverbandes glaubt, dass es der Luxus-Look auch vermehrt in die Häuser durchschnittlicher Bürger schafft. „Letztlich ist eine solche Tapete ja auch günstiger als ein Kunstwerk“, sagt Brandt. Neben all dem Bling-Bling kann man sich mittlerweile auch echtes Licht an die Wand holen: in Form von LED-Tapeten, die mit vielen kleinen Lichtern ausgestattet sind.

Das Material

Der Trend zu strukturierten Oberflächen geht mit einer Veränderung der Materialien einher. Die einst üblichen Papiertapeten wurden fast vollständig von Vlies als Grundlage abgelöst. In Verbindung mit Fasern und Zellstoff sind sie sehr fest. Eine positive Entwicklung, denn: „Vliestapeten sind viel verarbeitungsfreundlicher als die früheren Papiertapeten“, erklärt Groß. Der Kleister kommt direkt an die Wand, die Tapetenbahnen können dort angelegt werden. Und auch beim Entfernen geht alles viel leichter und schneller als früher. Denn die Vliestapeten lassen sich im Ganzen abziehen. Das birgt noch einen Vorteil. „Die hochwertigen Tapeten lassen sich danach wiederverwenden“, sagt Groß.

Tapeten erobern Räume

Die gestiegene Qualität der Tapeten hat einen weiteren Effekt. Tapeten feiern ihre Rückkehr nicht nur im Wohn- und Schlafzimmer, sondern auch in Räumen, in denen bisher eher Farbe an die Wand kam: Küche und Bad werden jetzt ebenfalls tapeziert.

 

Ansonsten gilt: Tapeten, vor allem die mit auffälligen Mustern, werden punktuell eingesetzt. „Der Wandschmuck wird an einer Wand oder über Eck angebracht“, sagt Groß. Er rät vor allem bei Neubauwohnung dazu, Tapeten vorsichtig zu verwenden. „Gerade bei nicht sehr hohen Wänden, sollte man sparsam sein. Außerdem sollten Tapeten immer zur Sichtachse hin angebracht werden.“ Im Wohnzimmer gehören auffällige Muster aber nie an die Wand direkt gegenüber der Couch, da dies zu viel Unruhe in den Raum bringe. Der Platz hinter dem Sofa sei der richtige.

Zwischen Trend und persönlichem Stil

Und wie orientiert man sich nun zwischen all den verschiedenen Trends und trifft seine Wahl? Für alle, die sich unsicher sind, hat Brand einen Tipp: Die Tapete muss in erster Linie zur Wohnung und zur Persönlichkeit passen. „Schauen Sie sich daheim um und fragen Sie sich, mit welcher Tapete sie sich dort eine Weile wohlfühlen. Dann schafft man auch den Balanceakt zwischen Wow-Effekt und Wohlfühlen.“