Die Energieeinsparverordnung (EnEV): Regeln für Neubauten

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) – hier finden Sie die neuen Regeln ab 2016 für Neubauten
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Seit 2016 gelten neue Mindestanforderungen für Neubauten, die im Rahmen der Energieeinsparverordnung festgelegt wurden. Das betrifft vor allem den Energieverbrauch und die Dämmung. Künftige Hausherren sollten das bei ihrer Planung beachten. Schließlich betreffen die neuen Anforderungen nicht nur den Hausbau, sondern wirken sich auch auf Förderprogramme aus. Immonet hat die wichtigsten Punkte zusammengefasst. 

Die EnEV

Energie wird immer teurer. Ein schlecht gedämmtes Haus belastet nicht nur die Geldbörse des Besitzers, sondern auch die Umwelt. „Auf Gebäude entfallen knapp 40 Prozent des Energieverbrauchs und rund ein Drittel der CO2-Emissionen in Deutschland“, erklärt Katrin Wefers, Referentin für Bautechnik und Bauphysik, der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Deshalb setzt die Bundesregierung mit der Energieeinsparverordnung Standards zum Energiesparen. Diese werden mit der sogenannten EnEV auch ständig aktualisiert, zuletzt 2016. Die damalige Anhebung der Anforderungen war ein Zwischenschritt hin zum sogenannten Niedrigstenergiegebäudestandard der Europäischen Union (EU). Er soll für private Neubauten spätestens ab 2021 gelten.

Ursprünglich sollte die EnEV ab Anfang 2018 mit anderen Gesetzen des Energieeinsparrechts zum Gebäudeenergiegesetz (GEG) zusammengeführt werden. Doch der Entwurf blieb im parlamentarischen Verfahren stecken. Wann das GEG in Kraft treten wird, ist noch unklar.

Bis es soweit ist, gilt weiterhin die EnEV. Sie bezieht sich auf alle Gebäude, die beheizt oder klimatisiert werden, und legt die Anforderungen an den Wärmedämmstandard und die Anlagentechnik fest. Als Bezugsgröße dient die sogenannte Primärenergiebilanz. Sie wird in einem komplizierten Verfahren aus verschiedenen Faktoren errechnet. Das Ziel ist klar: Je weniger Energie gebraucht wird, umso besser.

Dabei ist nicht nur entscheidend, wie viel Energie ins Haus geliefert, sondern auch welcher Energieträger verwendet wird. Regenerative Energien wirken sich auf die Bilanz positiver aus als Öl, Gas oder Strom. Bei der Ermittlung der Energiebilanz werden neben der Raumheizung und -kühlung auch Warmwasserbereitung und Lüftungsanlagen berücksichtigt. Es zählt aber auch die Energie, die für den Betrieb von Pumpen, Brennern und Reglern gebraucht wird.

Strenge Bedingungen für Neubauten

Seit 2016 gelten für Neubauten verschärfte Bedingungen. Konkret heißt das: Ein Haus, das nach dem 1. Januar 2016 errichtet wird, muss 25 Prozent weniger Primärenergie verbrauchen als ein Haus, das nach den 2015 gültigen Mindestwerten gebaut wurde. Hinzukommt, dass die Anforderungen an die Dämmung strenger geworden sind. Der Bedarf an Wärme soll über die Dämmung noch einmal um 20 Prozent gesenkt werden. Sprich: Die technischen Anforderungen an Heizung und Anlagen sind gestiegen, die verlangte Dämmung muss dicker sein. Diese Regelungen bleiben wohl auch im kommenden GEG weitgehend bestehen.

Die EnEV verpflichtet Hausbauer bereits seit mehreren Jahren dazu, erneuerbare Energien zu nutzen. Dabei sind die Regelungen nicht starr: Wer etwa auf Sonnenkollektoren auf seinem Dach verzichten möchte, kann das mit einer um 15 Prozent besseren Dämmung ausgleichen. Und die ist ohnehin ratsam.

Das sagt auch Bauexpertin der Verbraucherzentrale: „Wer sich heute beim Bau eines Hauses mit den Mindeststandards der EnEV begnügt, läuft Gefahr, dass die neue Immobilie bereits kurz nach Fertigstellung bautechnisch überholt ist.“ Daher empfehle es sich, schon jetzt nach zukünftigen Effizienzstandards zu bauen. „Die Mehrkosten eines energetisch höherwertigen Neubaus sind oft gar nicht so hoch.“ Sie rechnet vor: „Auf der Kostenseite geht es ja nicht allein um die Materialkosten, wichtige Faktoren sind die sogenannten Sowieso-Kosten, also zum Beispiel Arbeitszeit und Gerüst. In den meisten Fällen lohnt es sich daher, vorgegebene Standards deutlich zu übertreffen.“

Die Effekte ließen sich zwar nur schwer in konkrete Zahlen fassen, schließlich sei der Energieverbrauch auch von Nutzerverhalten und klimatischen Bedingungen abhängig. Aber eine langfristige Perspektive ist sinnvoll und eine Prüfung der individuellen Möglichkeiten sollte mit Blick darauf nicht verpasst werden: „Die Mehrkosten lohnen sich, insbesondere bei steigenden Energiepreisen“, sagt Wefers.

Der Zeitpunkt ist entscheidend

Trotzdem gilt: Wer in nächster Zukunft ein Haus bauen möchte, sollte den Zeitpunkt sehr genau im Blick haben. Und zwar auch dann, wenn die Vorgaben der EnEV ohnehin übertroffen werden. Denn die Verordnung regelt nicht nur die Mindestdicke der Wände und andere technische Details, sie wirkt sich auch auf die Förderprogramme aus.

Die Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sind für Häuslebauer ein wichtiger Faktor in der Finanzierung ihres Vorhabens. Die Vergabe der Zuschüsse und zinsgünstigen Kredite orientiert sich an den Energiestandards der sogenannten KfW-Energieeffizienzhausstandards. 100.000 Euro Kredit und andere Vergünstigungen lassen sich für den Bau eines solchen Hauses in Anspruch nehmen.

Es existieren derzeit drei Klassen: die Effizienzhäuser 55, 40 und 40 Plus. Sie definieren sich an den in der EnEV festgeschriebenen Vorgaben. So hat ein KfW-Effizienzhaus 55 einen Jahresprimärenergiebedarf von 55 Prozent eines vergleichbaren Neubaus nach EnEV, ein KfW-Effizienzhaus 40 nur 40 Prozent. Je geringer der Energiebedarf der Häuser, desto besser fällt die Förderung in Form eines Tilgungszuschusses aus.

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