Digitale Stromzähler werden zur Pflicht für Eigentümer

Digitaler Stromzähler
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Intelligente Stromzähler – auch bekannt als Smart Meter – werden im Zuge der Energiewende Pflicht in Deutschland. Das schreibt das im Juni 2016 verabschiedete Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende vor. Die intelligenten Messsysteme sollen dazu beitragen, die schwankende Stromerzeugung dem tatsächlichen Verbrauch anzupassen und Einsparpotenziale beim Stromverbrauch zu erkennen. Doch die Neuregelung ist höchst umstritten. Auf Vermieter und Hausbesitzer kommen Veränderungen und Mehrkosten zu.

Zunächst nur Großkunden betroffen

In einem ersten Schritt betrifft das Gesetz Großkunden mit einem Verbrauch ab 10.000 Kilowattstunden pro Jahr. Sie müssen schon ab 2017 digitale Stromzähler installieren lassen. Das Gleiche gilt für Betreiber von Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von mehr als sieben Kilowatt. Ab 2020 sind schließlich Kunden mit einem Verbrauch ab 6.000 Kilowattstunden pro Jahr betroffen. Bis zum Jahr 2035 sollen sämtliche Stromzähler in Deutschland Smart Meter sein.

Kaum Mitspracherecht für Mieter

Stromkunden selbst haben kaum Einfluss darauf, ob ein Smart Meter in ihrem Haushalt eingebaut wird. So entscheiden bei Privathaushalten die Messstellenbetreiber über den Einbau. Messstellenbetreiber ist das Unternehmen, das sich um Einbau, Betrieb, Wartung und Eichung der Zähler kümmert. In Mietwohnungen kann der Vermieter über den Einbau von Smart Metern entscheiden. Verlangt ein Mieter ein solches Messgerät, muss der Vermieter diesem Wunsch nachkommen.

Mehrkosten und Einsparpotenziale

Wie teuer die digitalen Messgeräte unterm Strich sein werden, ist noch nicht endgültig absehbar. Der Gesetzgeber sieht Kosten von rund 130 Euro pro Gerät vor. Konkrete Informationen der Hersteller dazu fehlen aber bislang. Die Interessenvertretungen der Eigentümer kritisieren, dass allein der Einbau der Geräte enorme Kosten verursacht. So schreibt der Verband Haus & Grund in einer Pressemitteilung, dass in einem Mehrfamilienhaus schnell hohe dreistellige Beträge zusammenkommen könnten. Verbandspräsident Kai Warnecke kritisiert, dass die neuen Stromzähler für Verbraucher kaum Vorteile brächten, den Konzernen aber höhere Renditen versprächen.

Vermieter und Hausbesitzer werden diese Kosten nach bisherigem Stand allein zu schultern haben. „Nach unserer Kenntnis können die Kosten für digitale Stromzähler nicht über die Betriebskosten auf den Mieter umgelegt werden“, sagt Katharina Burkardt, Pressesprecherin des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (GdW). Bei der Investition für den Einbau von Smart Metern handele es sich um einmalige Kosten, die nicht als regelmäßige Ausgaben an die Mieter weitergegeben werden dürften.

Messgeräte verursachen wiederkehrende Kosten

Neben den reinen Anschaffungskosten verursacht auch der Betrieb der Messgeräte Kosten. Schließlich handelt es sich um ein sogenanntes intelligentes Messsystem, das die erfassten Daten weitergibt. Experten gehen davon aus, dass dadurch Kosten von bis zu 100 Euro pro Jahr anfallen werden. Diese wiederkehrenden Kosten werden nach Auskunft der GdW-Sprecherin laut Energiewirtschaftsrecht über die Stromrechnung abgegolten und stellen somit keine Betriebskosten dar.

Befürworter des neuen Gesetzes rechnen andererseits mit zusätzlichen Einsparpotenzialen für Privathaushalte. Wird der Strom zunehmend dann abgerufen, wenn er besonders günstig ist, lassen sich Kosten sparen. Wie groß dieses Einsparpotenzial tatsächlich ist, lässt sich bislang nicht ermitteln und gilt als Streitthema unter Energieexperten.

Betreiber müssen Einbau frühzeitig ankündigen

Die Chancen für Vermieter und Hausbesitzer, die Kosten für Smart Meter möglichst gering zu halten, sind ungewiss. Zwar hat der Gesetzgeber die Messstellenbetreiber verpflichtet, den Einbau eines digitalen Zählers drei Monate im Voraus anzukündigen; Hausbesitzer haben somit die Chance, sich nach alternativen Messstellenbetreibern umzusehen, die den Einbau und Betrieb solcher Geräte günstiger anbieten. Ob sie auf dem Markt allerdings tatsächlich fündig werden, muss sich erst noch zeigen.

Befürchtungen von Datenschützern

Nicht nur die Frage, inwieweit digitale Stromzähler tatsächlich Kosten einsparen helfen, scheidet die Gemüter. Angesichts der bevorstehenden Umrüstung von Millionen Messgeräten schlagen Datenschützer Alarm. So sehen Experten erhebliche Sicherheitsmängel im sogenannten Smart Metering. Zum einen erhielten Netzbetreiber detaillierte Einblicke in die individuellen Stromverbräuche und Lebensgewohnheiten von Kunden. Zum anderen halten Fachleute die eingesetzte digitale Technik nicht für ausgereift, um Sicherheitsrisiken auszuschließen.

Die intelligenten Stromzähler dienen letztlich der Steuerung der gesamten intelligenten Haustechnik. Per Smartphone-App lassen sich alle in das Netz eingebundenen Geräte bedienen. Solche Apps sind in der Regel aber nur schwach geschützt gegen Hacker-Angriffe. Letztlich, so befürchten Experten, ist die Datenübertragung der digitalen Stromzähler eine Schwachstelle im System. Fachleute fordern von Messstellenbetreibern und Energiekonzernen deshalb, die Sicherheit von Apps rund um das Smart Home zeitnah zu verbessern. Ansonsten laufen unzählige Privathaushalte Gefahr, Opfer von Hacker-Angriffen zu werden.

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