Wohnen im Alter – Tipps für Senioren

Wohnen im Alter – Tipps für Senioren

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Barrierefrei, möglichst selbstbestimmt und dennoch mit der nötigen Pflege und Betreuung: So sieht das idealtypische Wohnen im Alter aus. Doch es gibt auch unkonventionelle Wohnformen für Senioren. Finden Sie heraus, was zu Ihnen oder Ihren Angehörigen passt. Zudem erfahren Sie hier, wie Sie möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben können und worauf Sie bei der Wahl eines Senioren- und Pflegeheims achten sollten.

Allein oder in Gemeinschaft, selbstbestimmt oder betreut? Wo Sie im Alter wohnen, hängt vom Grad Ihrer Pflegebedürftigkeit und Ihren finanziellen Mitteln ab. Aber auch Ihre Persönlichkeit und Ihre Wünsche spielen eine Rolle. Hier finden Sie die gängigsten Wohnformen im Alter – aber auch einige unkonventionelle Alternativen.     

Wohnen im Alter: Die fünf häufigsten Wohnformen
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1. Wohnen zu Hause

Viele Senioren wollen im Alter möglichst lange im eigenen Zuhause bleiben. Überlegen Sie frühzeitig, ob und wie Sie Ihre vier Wände seniorengerecht umgestalten können. Im Hinblick auf die Barrierefreiheit sind meist Umbaumaßnahmen nötig. Dazu zählen zum Beispiel ein Treppenlift, eine ebenerdige Dusche, Haltegriffe an den Wänden oder auch abgesenkte Arbeitsflächen in der Küche.

Wohnen zu Hause ist die ideale Wohnform, wenn Sie:

  • Rüstig genug sind, um sich selbst zu versorgen oder Hilfe durch Angehörige oder Pflegekräfte haben
  • Ihr Zuhause barrierefrei ist oder umgestaltet werden kann
  • Ihr Umfeld alles bietet, worauf Sie auch mit abnehmender Mobilität nicht verzichten wollen

2. Betreutes Wohnen

Beim Betreuten Wohnen – auch Wohnen mit Service genannt – leben Sie in einer eigenen Wohnung, die sich in einer eigens dafür konzipierten Wohnanlage befindet. Je nach Bedarf können Sie Annehmlichkeiten in Anspruch nehmen, die den Alltag erleichtern. Dazu gehören Haushalts- und Pflegedienste, Essenslieferungen sowie Freizeitangebote.

Betreutes Wohnen ist die ideale Wohnform, wenn Sie:

  • Flexibel auf die Bedürfnisse des Alters reagieren wollen
  • Möglichst eigenständig aber bei Bedarf gut versorgt sein möchten
  • Wert auf Gesellschaft und Freizeitangebote legen  

3. Senioren-WG

Noch engeren Kontakt mit anderen Menschen haben Sie in einer Senioren-WG. Räume wie Wohnzimmer, Küche und Badezimmer werden in der Regel geteilt. Bei Bedarf wohnt eine Pflegekraft mit in der Wohngemeinschaft. Die Kosten für Miete, Pflegedienst, Haushaltshilfe etc. teilen Sie sich mit Ihren Mitbewohnern – was das gemeinsame Wohnen in einer Senioren-WG zu einer relativ günstigen Wohnform werden lässt.

Eine Senioren-WG ist die ideale Wohnform, wenn Sie:

  • Nach dem Tod Ihres Partners nicht alleine leben wollen  
  • Kein Problem haben, sich Badezimmer und Co. zu teilen
  • Jederzeit auf Unterstützung zugreifen möchten

4. Mehrgenerationenhaus

Auch in einem Mehrgenerationenhaus leben Sie mit anderen Menschen zusammen – allerdings unterschiedlichen Alters. Wie früher in der Großfamilie unterstützen sich die Generationen gegenseitig. So können Sie zum Beispiel ein paar Stunden auf die Kinder aufpassen und erhalten im Gegenzug selbst Hilfe, zum Beispiel im Haushalt oder bei technischen und handwerklichen Fragen. 

Ein Mehrgenerationenhaus ist die ideale Wohnform, wenn Sie:

  • Auch im Altern noch andere Menschen unterstützen wollen
  • Gerne jüngere Menschen um sich herum haben
  • (Wieder) in eine Art Familie eingebunden sein möchten

5. Senioren- und Pflegeheim

Wenn Sie Ihren Alltag nicht mehr alleine meistern können, finden Sie in Senioren- und Pflegeheimen optimale Betreuung. Sie werden rund um die Uhr versorgt und erhalten im Notfall sofort Hilfe. Schauen Sie sich vorab einige Einrichtungen an und entscheiden Sie in Ruhe, welche Ihnen Bedürfnissen aber auch finanziellen Möglichkeiten entsprechen.

Je nach Pflegebedürftigkeit gibt es unterschiedliche Abstufungen der stationären Wohnformen im Alter:

  • Kurzzeit- und Verhinderungspflege: vorübergehende Betreuung, z.B. nach einem Sturz
  • Tages- und Nachtpflege: Betreuung für einen Teil des Tages
  • Seniorenheime und Seniorenresidenzen: unterschiedliche Angebote je nach Einrichtung
  • Pflegeheime: umfassende Pflege und Betreuung  

Die typischen Wohnformen im Alter sind nichts für Sie? Es gibt noch andere – teils unkonventionelle – Möglichkeiten, seinen Lebensabend zu verbringen. Senioren-WG auf dem BauernhofAuswandern ins Ausland oder Wohnen gegen Hilfe: Hier stellen wir Ihnen alternative Wohnformen fürs Alter vor.  

Wohnen im Alter: Alternative Wohnformen
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Seniorenwohnen auf dem Bauernhof

Was in vielen europäischen Ländern bereits als „Green Care“ bekannt ist, gibt es immer öfter auch in Deutschland: Seniorenwohnen auf dem Bauernhof. In der Regel wohnen Sie hier – ähnlich einer Wohngemeinschaft – mit mehreren älteren Personen und Betreuern zusammen auf einem Hof. Je nach Lust und Gesundheitszustand können Sie kleinere Aufgaben übernehmen. Dazu zählen zum Beispiel: Hühner füttern, im Garten helfen oder das Mittagessen zubereiten. Der strukturierte Alltag, der Umgang mit den Tieren und die Nähe zur Natur geben vielen älteren Menschen Halt – auch wenn sie selbst keinen aktiven Beitrag mehr zum Hofleben leisten können.

Wohnen gegen Hilfe

Beim diesem Konzept holen Sie sich buchstäblich Hilfe ins Haus. Sie lassen eine Person mietfrei bei sich wohnen und erhalten im Gegenzug Unterstützung im Alltag. Einkaufen, Kochen, Putzen, Gartenarbeit oder Handwerker-Dienste: In einem Vertrag regeln Sie die Details. Oft sind es Studenten, die sich für diese günstige Wohnform interessieren. Hier finden Sie eine Übersicht an Studentenwerken, die solche Wohnpartnerschaften vermitteln.

Auswandern im Alter

Ruhestand unter Palmen: Immer mehr Menschen beziehen ihre Rente im Ausland. Dieser Schritt erfordert reichlich Überlegung und gute Planung: Wie sind die medizinischen Standards in der Wahlheimat? Welche Betreuungsangebote gibt es für Menschen im hohen Alter? Kommen Sie mit der fremden Sprache und Kultur auch dann zurecht, wenn Sie dauerhaft auf Hilfe angewiesen sind? Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) überweist Ihre Rente auch in einen anderen EU-Staat. Gleiches gilt für Island, Liechtenstein, Norwegen, die Schweiz und alle Länder, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen geschlossen hat – hier ein Überblick der DRV.

Achtung: Wenn Sie Erwerbsminderungsrente erhalten oder während Ihrer Berufszeit Ansprüche im Ausland erworben haben, kann es bei der Auslandsrente zu Abzügen kommen. Lassen Sie sich in diesem Fall von der DRV beraten. Manche Rentner entscheiden sich auch bewusst für ein Seniorenheim mit Rundum-Betreuung im Ausland, das je nach Land sogar günstiger als in Deutschland sein kann. Entscheidend ist auch hier eine frühzeitige Planung. 

GUT ZU WISSEN:

Außerhalb Europas entfällt Ihr Kranken- und Pflegeversicherungsschutz. Auch bei einem Umzug innerhalb der EU ist meist eine spezielle Zusatzversicherung nötig – und Sie können nur noch die Leistungen in Anspruch nehmen, die im jeweiligen Land vorgesehen sind. Informieren Sie sich hierzu bei Ihrer Krankenkasse – egal, ob privat oder gesetzlich. 

Eine betreute Einrichtung kommt für Sie nicht infrage und Sie wollen in Ihrem eigenen Zuhause bleiben? Oft ist ein altersgerechter Umbau nötig. Denn im Alter werden Türschwellen oft zu Stolperfallen und Treppen zu unüberwindbaren Hindernissen. Hier lesen Sie, wie eine seniorengerechte Wohnung aussehen sollte und welche Fördermittel Sie für einen barrierefreien Umbau beantragen können. 

Barrierefreies Wohnen
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1. Eingangsbereich

Häufig wartet bereits vor dem Betreten der Wohnung das erste Hindernis: die Treppe zur Eingangstür. Um sie auch mit einer starken Bewegungseinschränkung zu überwinden, werden ein Treppenlift oder eine Rampe notwendig. Der Eingangsbereich sollte zudem ausreichend groß sein, um dort bei Bedarf Fortbewegungshilfen wie einen Rollator abzustellen. Türgriff, Klingel und Briefkasten sollten sich in einer Höhe von 80 bis 100 Zentimetern befinden. Gleiches gilt im Inneren für Lichtschalter und Notfallknöpfe. Unter Umständen ist eine Türanlage mit elektrischem Öffnungsmechanismus sinnvoll. Die Türen sollten in einer altersgerechten Wohnung generell mindestens 90 Zentimeter breit sein, um sich im Bedarfsfall auch mit einem Rollstuhl uneingeschränkt bewegen zu können. 

Bei Hörgeschädigten müssen spezielle Türklingeln, Rauchmelder, Telefone und Gasmelder installiert werden, die zusätzlich zum Ton deutliche visuelle Signale aussenden. Ein Hausnotrufsystem vermittelt zusätzlich Sicherheit.

2. Badezimmer

Auch die tägliche Körperhygiene wird immer schwieriger, je eingeschränkter die Beweglichkeit ist. Ein barrierefreies Badezimmer bietet ausreichend freie Fläche, um es auch als Rollstuhlfahrer benutzen zu können. Der Einstieg in die Dusche sollte ebenerdig sein. Falls Sie eine Badewanne behalten möchten, können Sie diese mit einem Hebesitz ausstatten.  

Ein unterfahrbarer Waschtisch auf Sitzhöhe ermöglicht es, diesen auch im Rollstuhl oder auf einem Stuhl sitzend zu benutzen. Haltegriffe im Bereich der Toilette, Dusche, Badewanne und dem Waschbecken erleichtern das Hinsetzen und Aufstehen. Zusammen mit rutschhemmenden Fliesen auf dem Boden sorgen Sie für mehr Sicherheit. Für den schlimmsten Fall sollte das Badezimmer über gut erreichbare Notfallknöpfe verfügen.

3. Küche

Töpfe, Pfannen, Geschirrspüler oder Kühlschrank: In einer barrierefreien Küche sollten Sie alles ohne Bücken und Strecken erreichen können. Elektrogeräte wie Backofen und Geschirrspüler befinden sich daher im Idealfall auf Hüfthöhe. Abhilfe schaffen auch sogenannte Apothekerschränke. Sie werden horizontal herausgezogen, sodass Sie an alle Gegenstände und Vorräte mühelos herankommen. Es gibt auch Schranksysteme, die sich mittels elektronischer Steuerung herausfahren und auf die gewünschte Höhe bringen lassen. 

Für Rollstuhlfahrer sind unterfahrbare Arbeitsflächen hilfreich. Das gilt auch für Senioren, die nicht mehr lange stehen können und die meisten Tätigkeiten in der Küche im Sitzen erledigen wollen. Mit ausschwenkbaren Unterschränken oder Rollcontainern geht dabei kein wertvoller Stauraum verloren.

Vergessen, den Herd auszuschalten? Elektrogeräte mit Abschaltautomatik sorgen dafür, dass zunehmliche Vergesslichkeit kein Sicherheitsrisiko wird. Haltegriffe und ein rutschhemmender Bodenbelag erhöhen die Sicherheit zusätzlich. 

4. Schlafzimmer

Auch die Möbel im Schlafzimmer können für körperlich eingeschränkte Menschen zum Hindernis werden. Beim Umbau sollten Sie darauf achten, dass das Bett eine bequeme Höhe hat und von drei Seiten zugänglich ist. Sogenannte Komfortbetten bieten eine höhere Liegefläche, die das Ein- und Aussteigen erleichtert. Lichtschalter in Bettnähe beziehungsweise eine Steuerung per Fernbedienung gewährleisten unfallfreie Toilettenbesuche während der Nacht. 

Eine kontrastreiche Farbgestaltung sowie die ausreichende Beleuchtung aller Räume sind – besonders in Hinblick auf die nachlassende Sehkraft – von großem Vorteil. Zum Beispiel werden weiße Lichtschalter und Türgriffe an farbigen Wänden leichter erkannt als dunkle.

Fördermöglichkeiten für einen altersgerechten Umbau

Die Bundesregierung fördert Umbauten zur barrierefreien Gestaltung von Wohnräumen zusammen mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Bank). Unabhängig von Pflegebedürftigkeit und Alter erhalten Sie einen Zuschuss oder ein zinsvergünstiges Darlehen. 

Auch die Pflegekasse gewährt bis zu 4.000 Euro Zuschuss für altersgerechte Umbauten. Voraussetzung hierfür ist allerdings ein anerkannter Pflegegrad. Für kleine Hilfsmittel wie Haltegriffe kann der Hausarzt ein Rezept ausstellen, sodass die Krankenkasse für die Kosten aufkommt. 

Informationen zum altersgerechten Umbau geben unter anderem die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung sowie im Pflegefall die Pflegekassen.

Um möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben zu können, gibt es pflegerische und finanzielle Hilfen. Essen auf Rädern, Haushaltshilfen, Fahr-, Begleit- und Besuchsdienste erleichtern den Alltag. Auch pflegenden Angehörigen greift der Staat unter die Arme. Denn 75 Prozent aller Pflegebedürftigen werden laut Statistischem Bundesamt zuhause betreut. Hier erfahren Sie, welche Leistungen Sie für sich oder Ihre Angehörigen beantragen können.  

Barrierefreies Wohnen
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Wohngeld beantragen als Rentner

Häufiges Szenario: Die Rente ist knapp, die Miete hoch. Einkommensschwache Menschen haben in Deutschland Anspruch auf Wohngeld. Gilt dies auch für Rentner? Ja, wenn Sie nicht bereits die sogenannte Grundsicherung des Alters beziehen, können Sie einen Mietzuschuss beantragen. Leben Sie in Ihrer eigenen Wohnung oder Ihrem eigenen Haus, gibt es einen Lastenzuschuss für Eigentümer. Ob Sie die Bedingungen dafür erfüllen, teilt Ihnen die Wohngeldstelle Ihrer Stadt- oder Gemeindeverwaltung mit.  

Haushaltshilfe beantragen

Ab Pflegegrad 2 erhalten Sie von der Pflegeversicherung ein monatliches Pflegegeld. Dieses können Sie unter anderem für eine Haushaltshilfe verwenden. Auch die Krankenkassen bezuschussen die Hilfe im Haushalt – allerdings nur, wenn diese aus medizinischer Sicht notwendig ist. Bei schwerer Krankheit, nach einem Krankenhausaufenthalt oder einer ambulanten OP finanzieren die Kassen vier Wochen lang eine Haushaltshilfe mit. Es sei denn, es lebt ein Kind unter 13 Jahren oder mit einer Behinderung im Haushalt. Dann erhalten Sie den Zuschuss bis zu 26 Wochen lang. Falls Sie die Haushaltshilfe selbst bezahlen müssen, können Sie diese als haushaltsnahe Dienstleistung immerhin von der Steuer absetzen.

Ambulante Pflege beantragen

Falls Sie zu Hause betreut werden, erhalten Sie ab Pflegegrad 2 monatliche Pflegesachleistungen, mit denen ein ambulanter Pflegedienst finanziert werden kann. Die professionellen Helfer übernehmen klassische Pflegedienste wie zum Beispiel Hilfe beim Waschen. Aber auch Unterstützung im Haushalt oder Alltagsbegleitung sind je nach Anbieter möglich. Übrigens: Wenn Sie die Pflegsachleistungen nicht zu 100 Prozent in Anspruch nehmen, können Sie diese Leistung anteilig mit dem Pflegegeld kombinieren. Lassen Sie sich zu diesem Thema von Ihrer Pflegekasse beraten.   

Unterstützung für pflegende Angehörige

Pflegende Angehörige werden auch mal krank oder brauchen Urlaub. Dafür gibt es Anspruch auf bis zu sechs Wochen Verhinderungspflege pro Jahr – also die vorübergehende Betreuung in einer Pflegeeinrichtung.

Damit sich die Pflege besser mit dem Berufsleben vereinbaren lässt, gibt es ebenfalls Erleichterungen. Für die kurzfristige Pflege eines Verwandten können Sie sich zum Beispiel freistellen lassen und erhalten Pflegeunterstützungsgeld für bis zu zehn Arbeitstage.

Sie wollen längere Zeit beruflich kürzertreten, um sich der Pflege des Angehörigen zu widmen? Nach dem Familienpflegezeitgesetz können Sie bis zu 24 Monate auf eine Mindestarbeitszeit von bis zu 15 Wochenstunden reduzieren. Das Bundesamt für Familie vergibt zinslose Darlehen, um diese Zeit auch finanziell überbrücken zu können.  

Manchmal ist die körperliche oder geistige Verfassung so eingeschränkt, dass er unausweichlich ist: der Umzug in ein Pflegeheim. Die Auswahl an Einrichtungen ist groß und viele erlauben selbst bei hoher Pflegebedürftigkeit noch ein Maximum an Selbstbestimmtheit. Hier erfahren Sie, wie Sie das passende Pflegeheim für später oder für Ihre Angehörigen finden.

Pflegeheim für Demenzkranke
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So finden Sie das passende Pflegeheim

Der Angehörige soll nicht nur gut versorgt sein, sondern sich in seinem wahrscheinlich letzten Zuhause auch wohlfühlen. Erkundigen Sie sich bei Freunden und Bekannten nach guten Pflegeheimen. Auch Hausärzte und Beratungsstellen können oft Tipps geben. Ganz wichtig: Machen Sie sich selbst ein Bild vor Ort von der Ausstattung und der Atmosphäre. Sprechen Sie – wenn möglich – mit Bewohnern oder deren Angehörigen. Sie beziehungsweise Ihr Angehöriger können das Pflegeheim auch vorab testen – zum Beispiel im Rahmen einer Kurzzeitpflege oder eines zweiwöchigen Probewohnens. Legen Sie für sich selbst fest, was Ihnen bei der Betreuung wichtig ist. Das können zum Beispiel folgende Punkte sein:

  • Wie hoch ist der Eigenanteil?
  • Welche (medizinischen) Betreuungsangebote gibt es?  
  • Sind Einzelzimmer möglich?
  • Wie weit ist das Pflegeheim vom Wohnort der Angehörigen entfernt?
  • Sind Haustiere erlaubt?
  • Können eigene Möbel mitgebracht werden?
  • Wie ist das Freizeitangebot?
  • Inwieweit werden Angehörige eingebunden?
  • Wie sind die Besuchszeiten?

Kosten und Vertrag

Die Unterbringung in einem Pflegeheim ist nicht günstig. Zwar übernimmt die Pflegeversicherung ab Pflegegrad 2 einen bestimmten Betrag. Doch der Eigenanteil für Unterkunft, Verpflegung und Zusatzleistungen ist nicht zu unterschätzen. Je nach Einrichtung und Pflegebedürftigkeit können Sie mit Kosten ab 2.000 Euro pro Monat rechnen. Preisvergleichslisten erhalten Sie bei den Pflegekassen. Reichen die eigenen Mittel nicht, können Sie beim Sozialamt eine sogenannte Hilfe zur Pflege beantragen.

Haben Sie sich für eine Pflegeeinrichtung entschieden, schließen Sie einen Vertrag. Wie dieser aussehen darf, regelt das Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz (WBVG). Darin finden sich Vorgaben zur Leistungsdefinition, Entgelterhöhungen, Informationsrechten, Kündigungsfragen oder Vertragsanpassungen bei Änderung des Pflege- oder Betreuungsbedarfs.    

Woran Sie ein gutes Pflegeheim erkennen

Seit 2020 gibt es keine Pflegenoten mehr, sondern Qualitätsberichte zur besseren Vergleichbarkeit der Einrichtungen. Sie basieren auf drei Säulen:

  1. Informationen zu strukturellen Merkmalen der Einrichtung: Diese werden von den Einrichtungen selbst zur Verfügung gestellt und umfassen zum Beispiel die personelle Ausstattung, Gruppenangebote, religiöse Angebote etc.
  2. Qualität der Pflege: Auch diese Daten stammen von den Einrichtungen selbst. Sie erfassen zwei Mal pro Jahr zehn Indikatoren und übermitteln diese an die zentralen Datenauswertungsstelle. Dazu gehören unter anderem Daten zu Druckgeschwüren, Gewichtsabnahme, Stürzen, Aktualität der Schmerzeinschätzung etc.
  3. Ergebnisse einer externen Qualitätsprüfung: Diese nehmen der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) sowie der Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung vor. Geschulte Pflegekräfte machen sich ein Mal pro Jahr ein Bild von der Pflegeeinrichtung und befragen dazu neun nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Bewohner. Die MDK-Prüfberichte beinhalten eine Gesamtnote der Einrichtung.    

Daneben gibt es unter anderem noch den Grünen Haken, eine Auszeichnung für ein besonders hohes Maß an Selbstbestimmung, Teilhabe und Menschenwürde. Er wird von der gemeinnützen GmbH Heimverzeichnis verliehen.  

Pflegeheime für Demenzkranke

Immer mehr Pflegeheim haben spezielle Bereiche für Menschen mit dementiellen Erkrankungen. Meist ist von beschützten oder beschützenden Pflegebereichen die Rede. Hier erhalten Betroffene in der Regel eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Achten Sie darauf, dass die Einrichtung neben der Versorgung auch einen strukturierten Tagesablauf sowie aktivierende und sinngebende Angebote bietet. Je nach Schwere der Demenz gibt es offene und geschlossene Bereiche. Letztere können die Bewohner nicht mehr ohne Betreuungsperson verlassen.

Fazit: Frühzeitige Planung ist wichtig

Warten Sie nicht zu lange und machen Sie sich spätestens mit Anfang 60 Gedanken darüber, wie Sie im Alter wohnen möchten. Viele Betreungseinrichtungen für Senioren haben längere Wartelisten. Auch der altersgerechte Umbau der eigenen Wohnung nimmt einige Zeit in Anspruch. Sehen Sie sich in Ruhe verschiedene Wohnformen an und wägen Sie ab, welche für Sie und Ihre Bedürfnisse geeignet sind. Unterstützung bei der Auswahl erhalten Sie in den Seniorenbüros oder Wohnberatungsstellen der Gemeinden. Auch Wohlfahrtsverbände stehen Ihnen bei diesem Thema beratend zur Seite.