So gelangen Sie an eine Genossenschaftswohnung

Lesen Sie hier, wie Sie an eine Genossenschaftswohnung gelangen
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Genossenschaftlich Wohnen – von gestern oder eine gute Alternative in Großstädten mit knappem Wohnraum? Und was genau unterscheidet Genossenschaftswohnungen von anderen Immobilien? Immonet hat für sie Vor- und Nachteile zusammengefasst.

In Deutschland gibt es rund 2,2 Millionen Genossenschaftswohnungen. Doch was ist das Besondere an dieser Wohnform? Genossenschaften sind ursprünglich Selbsthilfeorganisationen, die ihre Mitglieder mit günstigem Wohnraum versorgen möchten. Mittlerweile existieren aber auch Genossenschaften, die spezielle Ziele haben, zum Beispiel Wohnraum für Senioren. Die jeweiligen Ziele und Regeln werden in Satzungen festgehalten.

Wer in eine Genossenschaftswohnung ziehen möchte, muss Anteilseigener einer Genossenschaft werden, sich also einkaufen. Ihm gehört dann ein Anteil an allen Immobilien der Genossenschaften, die ihm wiederum für ein Entgelt Wohnraum zur Verfügung stellt. Die Anteile können zwischen wenigen hundert Euro und 10.000 Euro teuer sein, in der Regel bewegen sie sich in der Höhe einer Kaution. Dafür bietet das genossenschaftliche Wohnen einige Vorteile.

Vorteile von Genossenschaftswohnungen

„Genossenschaften sind in der Regel nicht daran interessiert, extreme Gewinne zu machen“, sagt Claus Deese, Vorstandsvorsitzender des Mieterschutzbundes e.V.. Deshalb bieten die meisten Genossenschaften vergleichsweise günstigen Wohnraum an. Das Nutzungsentgelt berechnet sich, wie bei jeder Miete auch, nach Größe, Lage und Qualität der Wohnung.

Wer in eine Genossenschaftswohnung zieht, schließt offiziell zwar keinen Mietvertrag sondern einen Nutzungsvertrag ab. Inhaltlich werden dort aber die gleichen Dinge geregelt. Und auch der Wohnungsnutzer hat die gleichen Rechte wie jeder Mieter. So gilt eine Kündigungsfrist von drei Monaten.

Hinzukommen aber einige Vorteile gegenüber herkömmlichen Mietwohnungen: Den wichtigsten sieht Deese im quasi lebenslangen Wohnrecht. „Ein wichtiges Kriterium für einen Einzug in eine Genossenschaftswohnung ist, dass man nicht wegen Eigenbedarfs gekündigt werden kann. Wer sich ordentlich verhält, wird seine Wohnung kaum verlassen müssen.“ Denn Genossenschaften verkaufen ihre Wohnungen nur extrem selten.

Zudem hat Deese beobachtet, dass in der Regel die Genossenschaftswohnungen in einem besseren Zustand sind, als die der großen gewinnorientierten Immobilienunternehmen. „Da Genossenschaften nicht in erster Linie auf Profit ausgerichtet sind, investieren sie erzielte Gewinne wieder in ihre Immobilien“, sagt Deese.

Auf weitere Leistungen von Wohnungsgenossenschaften verweist Monika Neugebauer von dem Zusammenschluss der Wohnungsbaugenossenschaften Berlin: „Viele Genossenschaften bieten zusätzliche Services für ihre Mitglieder an. Zum Beispiel Sozialarbeiter, die bei Problemen frühzeitig zu Rate gezogen werden können, aber auch Gemeinschaftsräume und Mitgliederfahrten.“

Nachteile von Genossenschaftswohnungen

Einen Nachteil hat aber auch das Wohnen in der Genossenschaft: „Tritt ein Mitglied aus, hat die Genossenschaft  bis zu zwei Jahre Zeit, das eingezahlte Kapital zurückzuzahlen. Die meisten Genossenschaften schöpfen diesen gesetzlichen Rahmen auch aus“, sagt Deese. Das kann also bedeuten, dass man bereits lange in der neuen Wohnung wohnt, für diese Kaution und Miete zahlt und erst viel später seine Einlage zurückerhält.

Während in Regionen in denen genügend Wohnraum zur Verfügung steht, der Eintritt in die Genossenschaft zumeist mit dem Unterschreiben des Mietvertrages einhergeht, sieht das in Großstädten mit angespanntem Immobilienmarkt oft ganz anders aus. In Städten wie München treten viele Wohnungssuchende gleich mehreren Genossenschaften bei und stehen dann noch jahrelang auf Wartelisten. Nicht selten wird zweimal ein Genossenschaftsanteil fällig: bei Eintritt und bei Einzug.

Dennoch, wer das Geld erübrigen kann, für den muss das nicht die schlechteste Lösung sein: „Die Genossenschaften erzielen häufig eine Dividende von drei bis vier Prozent. Das ist schließlich immer noch besser als das, was man derzeit mit einem Sparkonto erzielen kann“, findet Deese.  

Mitspracherecht

Und noch einen Vorteil bietet das genossenschaftliche Wohnen: Da der Wohnungsnutzer auch Anteilseigner ist, hat er Mitspracherechte und kann zum Beispiel die Gremien wählen, die für die Gestaltung der Genossenschaft verantwortlich sind. „Die meisten Personen, die in Genossenschaftswohnungen leben, verhalten sich wie Mieter. Ihnen ist gar nicht bewusst, dass sie ja eigentlich Mitbesitzer sind“, sagt Deese. Dementsprechend könnten sie auch Einfluss ausüben. „In moralischer Hinsicht sind sie eigentlich sogar die Arbeitgeber der Genossenschaftmitarbeiter“, plädiert Deese dafür, seine Möglichkeiten auszuschöpfen.

So gelangt man an Genossenschaftswohnungen

Wer sich für eine Genossenschaftswohnung interessiert, sollte sich zunächst gut über die Ziele und Regularien der Organisation informieren und schauen, ob diese zu den eigenen Bedürfnissen passen.

Ältere Organisationen haben in der Regel einen festen Immobilenbestand und können so die Anteile günstiger halten. Bei neueren Genossenschaften, die Immobilien erst anschaffen, ist der Anteilskauf mit höheren Kosten verbunden. „Große Genossenschaften neigen manchmal dazu, etwas bürokratisch zu sein. Kleinere sind oft transparenter. Aber das sagt noch nichts darüber aus, welche wirklich besser sind“, sagt Deese. Denn: Wie die Mitarbeiter einer Genossenschaft mit ihren Mitgliedern umgehen, sei oft sehr stark Gremien- und Personenabhängig, hat Deese beobachtet. Er rät Interessierten, sich bei den Mietern vor Ort umzuhören, wie zufrieden sie sind.

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