Wann ist ein Hund ein Hund?

Wann ist ein Hund ein Hund?
© Fotolia/ Javier Brosch

Sind kleine Hunde echte Hunde oder „nur“ Kleintiere? Die Gerichte sind sich uneinig, denn die Rechtslage ist schwierig und betrifft nicht immer nur Mieter und Vermieter. Zum Beispiel können allergische Hausbewohner ihr Recht auf ein tierfreies Haus geltend machen. Immonet hat die wichtigsten Details zur Haltung von kleinen Hunden zusammengestellt. 

Werden kleine Hunde in einem hundefreien Haus geduldet?

Der Yorkshire Terrier zum Beispiel ist ein sehr lebhafter Hund, in seinem Auftreten allerdings eher unauffällig: Er ist kaum größer als ein Meerschweinchen und sein Bellen klingt wie ein leises Krächzen. Auch wenn er rein biologisch gesehen ein echter Hund ist, zweifelt so manches Gericht daran und zählt den Yorkshire Terrier zu den Kleintieren – sehr zur Freude vieler Hundehalter, die in einem Haus mit Hundeverbot leben. Denn Kleintiere dürfen laut Gesetz von keinem Vermieter verboten werden.

In Kassel und Düsseldorf sind die Gerichte gnädig

In Kassel hat das Landgericht entschieden, dass der Yorkshire Terrier nicht zu den Hunden, sondern zu den Kleintieren zählt – und diese dürfen rechtlich gesehen auch ohne die Zustimmung des Vermieters gehalten werden. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass der Hund nur so groß wie ein Meerschweinchen sei und sich allenfalls über heiseres Krächzen bemerkbar mache. Deshalb könne ein Yorkshire Terrier die übrigen Hausbewohner nicht belästigen (LG Kassel Aktenzeichen: 1S503/96). Und auch in Düsseldorf zeigte sich das Landgericht gnädig: Die Richter stimmten der Haltung dieser Hunderasse zu, weil sie nicht laut bellen würde und zudem winzig sei (Aktenzeichen: A 24S90/93).

In Berlin haben kleine Hunde das Nachsehen

In Berlin-Spandau gab das Amtsgericht hingegen einem Vermieter Recht, nachdem eine Frau mit ihrem Yorkshire Terrier eine Mietwohnung beziehen wollte, obwohl das Halten von Hunden in ihrem Mietvertrag ausdrücklich verboten wurde – das Halten von Kleintieren jedoch erlaubt war. Das Gericht entschied sich zugunsten des Vermieters, der darauf beharrte, dass der Terrier ein Hund und nicht nach Größe, Gewicht oder Eigenheiten zu beurteilen sei. Die Mieterin durfte ihren kleinen Hund nicht mehr in der Wohnung halten (Aktenzeichen: 13 C 574/10).

In Hamburg gibt es auch Ausnahmen

In Hamburg hatte sich ein Gericht ebenfalls auf die Seite eines Vermieters gestellt, der das Halten von kleinen Hunden verbieten wollte. In dem Fall ergriffen jedoch die anderen Hausbewohner Partei für den Mieter, der einen Hund halten wollte, und gaben ihr Einverständnis für das Kleintier. Deshalb hat das Amtsgericht Hamburg-Bergedorf die Entscheidung getroffen, dass sich der Vermieter nicht auf das vertraglich geregelte Verbot berufen kann – weil kein schutzwürdiges Eigeninteresse des Vermieters mehr vorliegen würde (Aktenzeichen: 409 C 517/02).

Wenn kleine Hunde den Lebensalltag verbessern

Im Fall eines älteren Mieterpärchens machte das Landgericht Hamburg eine weitere Ausnahme: Auch hier wurde das Halten eines kleinen Hundes durch den Vermieter verboten. Allerdings konnte das Paar vor Gericht nachvollziehbar begründen, warum es seinen Ruhestand durch die Beschäftigung mit ihrem Haustier sinnvoller gestalten könne – und der Hund ihren Lebensalltag somit deutlich verbessern würde. Für das Gericht war ausschlaggebend, dass die Erlaubnis für den Hund wieder entzogen werden kann, falls sich die Nachbarn von dem Tier gestört fühlen sollten (Aktenzeichen: 334S26/01).

Weiterlesen:

Wohnen mit Hund - Tipps und Tricks

Wohnen mit Hund trotz Allergie