Umzug bei Hartz IV

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Wer umziehen will oder muss und vom Staat Hartz IV (ALG II) bezieht, hat einiges zu beachten. Immonet erklärt, in welchen Fällen das Arbeitsamt die Umzugskosten übernimmt und welche Auflagen hierfür erfüllt werden müssen. Zudem gibt es hilfreiche Tipps zum Sparen.

Wann bei Harz IV die Umzugskosten übernommen werden

Prinzipiell gibt es zwei Situationen, in denen das Jobcenter zur Zahlung von Umzugskosten verpflichtet ist:

  1. wenn das Jobcenter selbst den Umzug fordert, etwa um die Wohnkosten zu senken,
  2. wenn der Leistungsempfänger einen wichtigen Grund vorweisen kann, der einen Umzug notwendig macht.

Liegt kein wichtiger Grund vor, bzw. wird ein Grund nicht anerkannt, zum Beispiel der Wunsch dichter an Familie oder Freunden zu wohnen, werden weder Umzug noch Kaution übernommen.

Achtung: In jedem Fall müssen die Umzugskosten vorher bewilligt werden, sonst kann das Amt die Erstattung verweigern. Holen Sie daher für alles Kostenvoranschläge ein und warten Sie vor der Unterzeichnung von Aufträgen oder gar einem Mietvertrag auf die schriftliche Zustimmung. Nur so können Sie sichergehen, dass Sie zum Schluss nicht auf den Kosten sitzenbleiben.

1. Das Jobcenter fordert den Umzug

Das Jobcenter kann von einem Leistungsempfänger einen Umzug verlangen, um die Mietkosten zu senken. In diesem Fall ist das Jobcenter dazu verpflichtet, die Umzugskosten zu tragen. Hierzu gehören:

  • Inserate
  • Maklerkosten (wenn der angespannte Wohnungsmarkt dies notwendig macht)
  • Die Umzugskosten (entweder als Pauschale oder per Einzelabrechnung. Rechnen Sie nach, was für Sie vorteilhafter ist).
  • Die Kaution (Achtung! Die Kaution ist ein Darlehen. Wenn der Vermieter nach Mietende die Kaution oder Teile von ihr einbehält, müssen Sie diesen Betrag an das Amt zurückzahlen).

Achtung: Zu den Umzugskosten gehören nicht die Renovierungskosten. Diese müssen Sie gegebenenfalls selbst übernehmen.

2. Für Ihren Umzugswunsch gibt es einen wichtigen Grund

Liegt ein wichtiger Grund vor, können Sie beim Jobcenter einen Antrag auf Umzug stellen. Dies muss im Vorfeld geschehen! Erst, wenn dieser Antrag bewilligt worden ist, gelten die gleichen Bestimmungen wie bei einem vom Jobcenter geforderten Umzug. Als wichtige Gründe gelten:

  • Unbewohnbarkeit der Wohnung z.B. durch Feuer- oder Wasserschaden (auch Schimmelbefall kann geltend gemacht werden, aber nur, wenn der Vermieter informiert wurde und trotz Anmahnung nicht tätig wird)
  • Gesundheitliche Einschränkungen (wenn Sie zum Beispiel Treppen nicht mehr steigen können oder einen behindertengerechten Zugang benötigen)
  • Beruflicher Umzug in eine andere Stadt
  • Trennung/Scheidung bzw. Eheschließung
  • Unerträgliche Zustände (Lärmbelästigung, Streit mit Nachbarn, etc.)

Achtung: Jugendliche bis einschließlich 25 Jahren, die noch bei ihren Eltern leben, werden bei einem Auszugswunsch nicht voll unterstützt. Ausnahmen werden auch hier bei wichtigen Gründen gemacht. Zu diesen zählen, zusätzlich zu den oben genannten:

  • Zerwürfnis mit den Eltern (muss zum Beispiel durch das Jugendamt dokumentiert sein)
  • Schwangerschaft

Dies ist bei der Wohnungssuche zu beachten:

Bei Hartz-IV-Leistungsempfängern übernimmt das Amt Miet- und Nebenkosten für eine neue Wohnung nur in der Höhe der letzten Wohnung. Unterzeichnen Sie also einen Mietvertrag zu einer höheren Miete oder mit höheren Heizkosten, so kann es passieren, dass Sie die zusätzlichen Kosten selbst tragen müssen. Lassen Sie daher den Mietvertrag unbedingt überprüfen und genehmigen. Ausnahmen für diese Grenze bestehen natürlich bei einem Ortswechsel. Ändert sich die Personenzahl in der Wohnung oder hat der neue Wohnort einen anderen Mietspiegel, ändert sich auch die als angemessen erachtete Höhe der Mietkosten.

Finanz-Tipps für den Umzug bei Hartz IV

Umzugsfirmen vergleichen:

Besonders wenn Sie in eine andere Stadt ziehen, kann es sich lohnen, die Preise von Umzugsfirmen zu vergleichen: Umzugsauktionen können Ihnen sogar Ersparnisse bis zu 40 Prozent bescheren. Wie das funktioniert, erfahren Sie hier: Umzugsservice - Ihre Vorteile auf einen Blick.

Pauschale oder Einzelabrechnung:

Ämter arbeiten gerne mit Pauschalen. Auch für Sie bedeutet dies einen deutlich geringeren Arbeitsaufwand. Es kann sich aber lohnen, eine Einzelabrechnung zu beantragen. Holen Sie sich Kostenvoranschläge ein (etwa über Kosten für einen Mietwagen, Benzin, etc.) und rechnen Sie nach, ob die vom Amt angebotene Pauschale diese Kosten abdeckt. Denken Sie daran, dass Sie bei einer Einzelabrechnung zum Beispiel auch eine Helferpauschale von 50 Euro für die Verpflegung beantragen können.

Zusatzleistungen per "Antrag auf Erstausstattung":

Wenn Ihre bisherige Wohnung über in der Miete enthaltene Zusatzleistungen wie eine Einbauküche, einen Wäschekeller oder einen Einbauschrank verfügte, haben Sie auch in der neuen Wohnung ein Recht darauf. Hierfür können Sie einen Antrag auf „Erstausstattung“ stellen. Jugendliche bis 25 Jahren können sogar die Kompletteinrichtung ihrer ersten Wohnung beantragen, solange es für den Auszug einen wichtigen Grund gab (siehe oben) und der Umzug sowie die neue Wohnung genehmigt wurden (§ 24 SGB II). Zu dieser Komplettausstattung gehören dann auch Möbel, Geschirr, Handtücher und Bettwäsche, etc.

 

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