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Hartz IV: Der Staat beteiligt sich unter bestimmten Voraussetzungen an den Umzugskosten

Umzug bei Hartz IV

© PeopleImages / iStock

Wer umziehen will oder muss und vom Staat Hartz IV (auch bekannt als Arbeitslosengeld II, kurz ALG II) bezieht, hat beim Umzug einige Sonderregeln zu beachten. Wir informieren Sie darüber, in welchen Fällen das Arbeitsamt die Umzugskosten übernimmt und welche Auflagen hierfür erfüllt sein müssen. Zudem haben wir hilfreiche Tipps zum Sparen gesammelt.

Das Jobcenter übernimmt die Umzugskosten von Hartz-IV-Empfängern, wenn die Behörde selbst den Umzug fordert. Komplizierter wird es, wenn Leistungsempfänger „einen wichtigen Grund“ vorweisen sollen, der einen Umzug erforderlich macht. Hier erfahren Sie, welche Begründung das Jobcenter akzeptiert und wie Sie beim Umzug Geld sparen können.

Hartz IV: Wann übernimmt das Jobcenter meine Umzugskosten?

Prinzipiell gibt es zwei Situationen, in denen das Jobcenter zur Zahlung von Umzugskosten verpflichtet ist:

  1. Das Jobcenter selbst fordert den Umzug, um beispielsweise die Wohnkosten zu senken.
  2. Der Leistungsempfänger kann einen wichtigen Grund vorweisen, der einen Umzug notwendig macht.

Liegt kein wichtiger Grund vor oder wird ein Grund nicht anerkannt – zum Beispiel der Wunsch, in der Nähe der Familie oder von Freunden zu wohnen – werden weder Umzugskosten noch Kaution übernommen.

Tipp:

In jedem Fall müssen die Umzugskosten vom zuständigen Jobcenter bewilligt werden, sonst kann die Behörde die Erstattung verweigern. Holen Sie daher Kostenvoranschläge ein und warten Sie vor der Unterzeichnung von Aufträgen oder dem Mietvertrag auf die schriftliche Zustimmung des Jobcenters. So stellen Sie sicher, dass Sie zum Schluss nicht auf den Kosten sitzenbleiben.

Fall 1: Das Jobcenter fordert den Umzug

Das Jobcenter kann von einem Leistungsempfänger einen Umzug verlangen, um die Mietkosten zu senken. In diesem Fall ist das Jobcenter dazu verpflichtet, sämtliche Umzugskosten wie beispielsweise die Ausgaben für ein Umzugsunternehmen und die Gebühren für die Ummeldung zu tragen. Zusätzlich muss das Jobcenter auch die Kosten für die folgenden Posten übernehmen.

Aber: Die Mietkaution ist als ein Darlehen des Jobcenters zu betrachten. Wenn der Vermieter nach Mietende die Kaution oder Teile von ihr einbehält, sind Sie dazu verpflichtet, diesen Betrag an die Behörde zurückzuzahlen.

Achtung:

Nicht zu den Umzugskosten gehören die Modernisierungs- und Renovierungskosten. Diese müssen Sie gegebenenfalls selbst übernehmen.

Fall 2: Für Ihren Umzugswunsch liegt ein triftiger Grund vor

Liegt ein triftiger Grund für Ihren Umzugswunsch vor, können Sie beim Jobcenter einen Antrag auf Übernahme der Umzugskosten stellen. Die Beantragung muss allerdings zwingend vor dem Umzug erfolgen. Erst, wenn der Antrag bewilligt worden ist, gelten die gleichen Bestimmungen wie bei einem vom Jobcenter geforderten Umzug. Als wichtige Gründe gelten die folgenden Punkte.

  • Unbewohnbarkeit der Wohnung durch Feuer- oder Wasserschäden. 
  • Unbewohnbarkeit der Wohnung aufgrund von Schimmelbefall: Wenn der Vermieter informiert wurde und trotz Anmahnung nicht tätig wird, liegt ein triftiger Grund vor.
  • Gesundheitliche Einschränkungen: Falls Sie zum Beispiel Treppen nicht mehr steigen können oder einen behindertengerechten Zugang benötigen, liegt ein triftiger Grund vor.
  • Beruflicher Umzug in eine andere Stadt.
  • Trennung oder Scheidung von Ihrem bisherigen Partner beziehungsweise Eheschließung.
  • Unerträgliche Zustände im Haus, beispielsweise durch Lärmbelästigung oder Streit mit den Nachbarn.

Achtung:

Jugendliche bis einschließlich 25 Jahre, die noch bei ihren Eltern leben, werden bei einem Auszugswunsch nicht voll unterstützt. Ausnahmen werden auch hier gemacht, wenn triftige Gründe vorliegen. Zu diesen zählen zusätzlich zu den bereits oben genannten Argumenten:

  • Zerwürfnis mit den Eltern (muss dokumentiert sein, zum Beispiel durch das Jugendamt)
  • Schwangerschaft

Was ist bei der Wohnungssuche zu beachten?

Bei Hartz-IV-Leistungsempfängern übernimmt das Jobcenter Miet- und Nebenkosten für eine neue Wohnung nur in der Höhe der letzten Wohnung. Unterzeichnen Sie einen Mietvertrag mit einer höheren Miete oder mit höheren Heizkosten, kann es passieren, dass Sie die zusätzlichen Kosten selbst tragen müssen. Lassen Sie daher den Mietvertrag unbedingt vom Jobcenter überprüfen und genehmigen. In zwei Fällen gibt es Ausnahmen von dieser Grenze: Ändert sich die Personenzahl in der Wohnung oder hat der neue Wohnort einen anderen Mietspiegel, ändert sich auch die als angemessen erachtete Höhe der Mietkosten.

Finanztipps für den Umzug bei Hartz IV

Angebote von Umzugsunternehmen vergleichen

Vor einem Umzug sollten Sie unbedingt die Preise und den Service von Umzugsunternehmen vergleichen, da es auf dem Markt große Unterschiede gibt. Umzugsauktionen können Ihnen Ersparnisse bis zu 40 Prozent bescheren. Wie das funktioniert, erfahren Sie hier: Umziehen mit professionellen Unternehmen.

 

Pauschale oder Einzelabrechnung?

Ämter arbeiten gerne mit Pauschalen. Auch für Sie bedeutet eine Pauschale einen deutlich geringeren Arbeitsaufwand. Es kann sich aber durchaus lohnen, eine Einzelabrechnung zu beantragen. Holen Sie Kostenvoranschläge ein (z. B. Kosten für einen Mietwagen) und rechnen Sie nach, ob die vom Amt angebotene Pauschale diese Kosten abdeckt. Denken Sie daran, dass Sie etwa bei einer Einzelabrechnung auch eine Helferpauschale von 50 Euro für die Verpflegung beantragen können.

 

Zusatzleistungen per Antrag auf Erstausstattung

Wenn Ihre bisherige Wohnung über in der Miete enthaltene Zusatzleistungen wie eine Einbauküche, einen Wäschekeller oder einen Einbauschrank verfügt, haben Sie auch in der neuen Wohnung einen Anspruch auf diese Leistungen. Hierfür können Sie einen Antrag auf Erstausstattung stellen. Jugendliche bis zu einem Alter von 25 Jahren können sogar die Kompletteinrichtung ihrer ersten Wohnung beantragen, solange es für den Auszug einen wichtigen Grund gab (siehe oben) und der Umzug sowie die neue Wohnung genehmigt wurden (§ 24 SGB II). Zu dieser Komplettausstattung gehören dann beispielsweise auch Möbel, Geschirr, Handtücher und Bettwäsche.

Mustervorlagen & Checklisten

Unterlagen für Ihren Umzug

  • Mieterselbstauskunft
  • Wohnungsübergabeprotokoll
  • Wohnungsgeberbestätigung
  • Umzugscheckliste
  • und viele mehr …

Hier finden Sie alle Formulare für einen reibungslosen Umzug.

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