"Katalysator-Beton" wirkt gegen Ozonbildung

Katalysator-Beton
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Sie gehören schon fast zum Sommer wie Grillen und Freibad, sind aber entschieden unangenehmer: Sommersmog- beziehungsweise Ozon-Warnungen können empfindlichen Menschen den Sommerspaß verhageln. Wenn die Grenzwerte überschritten sind, bleibt wenig anderes übrig, als zu Hause zu bleiben. Ganz neu entwickelte Werkstoffe zum Bauen und Wohnen wirken jetzt der lästigen „Ozon-Glocke“ entgegen. 

Mediziner raten selbst Menschen ohne gesundheitliche Probleme, sich beim Sport im Freien bei Ozonwarnungen zurückzuhalten. Hauptverantwortlich für die Bildung des so genannten Sommersmogs sind polyzyklische aromatische Kohlenwassertoffe (PAK) und Stickoxide (NOx). Letztere entstehen vor allem bei der Verbrennung - Hauptquelle ist trotz immer besserer Abgastechnik leider der wachsende Autoverkehr. Besonders unter intensiver UV-Strahlung in der heißen Jahreszeit reagieren die Stoffe und bilden das gefürchtete bodennahe Ozon.

Werkstoff zur Ozonreduzierung

Die Kraft der Sonne nutzt neuerdings auch ein Beton-Werkstoff, der damit sogar der Ozonbildung entgegenwirken soll. Auf der Werkstoff-Oberfläche befinden sich nämlich unsichtbare Nanopartikel aus Titandioxid, die zusammen mit dem Licht als Photokatalysatoren auf die Stickoxide wirken. In einem chemischen Prozess verwandeln sie diese in unschädliche Salze. Diese Salze in geringer Menge können ganz einfach vom nächsten Regen in den Boden "abtransportiert" werden.

Umweltschutz pur mit neuem Beton-Werkstoff

"Mit dem Werkstoff lässt sich die Lebensqualität in unseren Städten in naher Zukunft erheblich verbessern", ist Gerd Bolte überzeugt. Der Projektleiter eines Großunternehmens aus Heidelberg war maßgeblich an der Entwicklung des Katalysator-Betons beteiligt. Bolte sieht vielfältige Einsatzmöglichkeiten für das Verfahren, mit dem sich praktisch jeder Beton-Werkstoff ausrüsten lässt.

So lassen sich etwa Dächer mit Beton-Dachsteinen eindecken, private und öffentliche Flächen, Wege und Straßen mit Betonsteinen pflastern oder Lärmschutzwände und Mauern errichten. In verkehrsreichen Zonen sorge der Werkstoff für eine schnelle Reduzierung der Schadstoffe direkt an ihrer Quelle und vermindert so ihre Reaktion mit den Kohlenwasserstoffen zur Bildung des sommerlichen Ozons.

Wissenschaftlich bewiesen

Wissenschaftler haben heute keine Zweifel mehr, dass die Luftverschmutzung Atemwege und Lunge schädigt. "Reine Luft - gesunde Lunge" lautet das Motto des Deutschen Lungentags, der am 29. September zum elften Mal stattfindet. Luftschadstoffe können Entzündungen der Atemwege verursachen, Asthmaerkrankungen und Allergien ungünstig beeinflussen und deren Auslösung sogar fördern. Stickoxide etwa, die bei so gut wie allen Verbrennungsvorgängen entstehen, verstärken asthmatische Beschwerden und wirken reizend auf die Schleimhäute in der Nase, den Bronchien und der Lunge.

Werkstoff mit Katalysator-Wirkung

Neben Katalysatoren bei Fahrzeugen könnten künftig die neu entwickelten Werkstoffe mit Katalysatorwirkung bei der Luftreinhaltung tatkräftig mitwirken, wie das genannte Beispiel zeigt. Im Rahmen eines Pilotprojektes wurde zum Beispiel der verkehrsreiche Bereich vor einem Kindergarten in Bietigheim-Bissingen mit Betonsteinen aus dem neuen Werkstoff gepflastert.

Die Einsatzmöglichkeiten sind so umfassend wie beschrieben, erste Bauvorhaben stimmen optimistisch. So hat eine der größten privaten Wohnungsgesellschaften in Deutschland mit Sitz in Essen kürzlich Mehrfamilienhäuser mit Erfolg mit einer stickoxidreduzierenden Dacheindeckung ausgestattet.

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