Der Vermieter als Stromverkäufer – Auswirkungen der Ökostromreform

Der Vermieter als Stromverkäufer
© Fotolia / rsester

Vermietern mit Solaranlage winkt ein zusätzliches Geschäft mit dem erzeugten Strom. Die beschlossene Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes will den sogenannten Mieterstrom fördern: Mieter sollen künftig keine oder eine reduzierte EEG-Umlage bezahlen müssen, wenn der Vermieter Solarstrom auf dem eigenen Dach produziert und diesen an die Mieter liefert.

Ziel: Förderung umweltfreundlicher Stromerzeugung

Für die Bezieher könnte das niedrigere Kosten und für Vermieter zusätzliche Einnahmen bedeuten. Das Ziel: Die Förderung umweltfreundlicher Stromerzeugung. Doch welche Voraussetzungen müssen Vermieter erfüllen, um Strom abgeben zu dürfen? Und für wen lohnt sich das? Immonet hat die wichtigsten Antworten rund um das Thema Mieterstrom.

Zunächst das Wichtigste: Eine verbindliche Verordnung der Bundesregierung, die die Details regelt, ist noch nicht erschienen und es ist auch noch nicht klar, wann und in welcher Form sie kommen wird. Bisher ist lediglich sicher: Mieterstrom soll gefördert werden, indem Mieter von der EEG-Umlage ganz oder teilweise befreit werden sollen. Voraussetzung: Sie beziehen Strom, den der Vermieter auf dem Hausdach produziert. Damit könnten sie mit Selbstversorgern gleichgestellt werden.

Strom könnte für Mieter günstiger werden

„Vermieter durften auch schon früher ihren erzeugten Strom an Mieter abgeben, es machten aber bislang nur wenige, da es kostenmäßig noch nicht interessant ist“, erklärt Martin Brandis, Energie-Experte der Verbraucherzentrale. „Solarstrom ist grundsätzlich günstiger als Netzstrom, aber es werden noch zusätzliche Kosten und Abgaben darauf geschlagen.“

2017 liegt die Ökostromumlage bei 6,88 Cent pro Kilowattstunde, von der Mieter mindestens einen Teil sparen könnten, wenn die Verordnung in Kraft tritt. „Ein gigantisches Geschäft wird der Mieterstrom aber noch nicht sofort“, schätzt Brandis.

Vermieter wird zum Energieversorger

Corinna Kodim, Referentin für Energie beim Eigentümerverband Haus & Grund, sieht das ähnlich: „Ein Problem ist, dass der Vermieter seine Mieter nicht vollständig und durchgehend mit Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage beliefern kann.“ Das Problem liegt in den meist noch beschränkten Speicherkapazitäten von Solaranlagen. Folglich muss der Vermieter dafür sorgen, dass der Mieter in Zeiten, in denen die eigene Solaranlage nicht ausreichend Strom produziert, mit Strom aus dem öffentlichen Netz versorgt wird.

Für diesen Zusatzstrom muss er mit dem Netzbetreiber eine Vereinbarung abschließen. „Der Vermieter gilt dann als Energieversorger und hat entsprechend auch alle Pflichten, die ein großer Energieversorger gesetzlich hat“, sagt Brandis. Praktisch bedeutet das – zumindest derzeit noch – einen enormen Aufwand. Die Anmeldung eines Gewerbes und der Abschluss eines Stromliefervertrags mit dem Mieter seien da noch die kleineren Probleme.

Aufwand für den Stromverkauf nicht unterschätzen

„Die Vermieter müssen sich an die Regelungen des Energiewirtschaftsgesetzes halten“, sagt Kodim. Das erfordert viel Fachwissen. „Wer nur geringe Mengen Solarstrom produziert, für den lohnt es sich meist nicht, den damit verbundenen Aufwand zu betreiben“, glaubt Kodim.

„Viele private Immobilienbesitzer würden gern etwas für den Klimaschutz tun und in erneuerbare Energien investieren, stolpern aber über die verwaltungstechnischen Hürden“, bedauert die Energieexpertin. Die geplante Reduzierung der EEG-Umlage bei Mieterstrommodellen sei zwar ein guter Schritt, löse aber nicht das Bürokratieproblem. Eine Lösung, für die sich der Verband Haus und Grund einsetzt, könnte sein, dass Solarstrom vereinfacht abgerechnet werden kann, etwa in der Nebenkostenabrechnung. Das ist gesetzlich bisher noch nicht vorgesehen.

Technischer Aufwand ist groß

Auch technisch ist das Modell noch recht aufwendig: Es muss erfasst werden, wie viel Strom vom Dach und wie viel aus dem öffentlichen Netz bezogen wird. „Darüber hinaus muss es technisch möglich sein, dass einzelne Mieter keinen Strom aus der eigenen Produktion beziehen“, sagt Brandis. Hinzu komme, dass es noch keine Standards für die Vereinbarungen mit dem Netzbetreiber gebe.

„Wie leicht oder schwer das Projekt zu verwirklichen sein wird, hängt auch immer davon ab, wie der jeweilige Netzbetreiber reagiert“, sagt Brandis. „Es kann gut laufen, es kann aber auch schwierig werden.“  Der Energie-Experte empfiehlt allen, die sich dafür interessieren, sich mit dem regionalen Netzbetreiber in Verbindung zu setzen und mit ihm zu klären, was wie umgesetzt werden könnte. Die technischen Voraussetzungen und Möglichkeiten seien in jedem Fall anders, daher müsse immer individuell nach einer Lösung geschaut werden, so Brandis.

Was Solaranlagebesitzer ebenfalls bedenken sollten: Der Strom aus dem Netz ist nicht von der EEG-Umlage befreit und folglich teurer als der Solarstrom vom eigenen Dach. Das wirkt sich dann auch auf die Höhe der Stromrechnung des Abnehmers aus, je nach Zusammensetzung des verbrauchten Stroms ist die Ersparnis möglicherweise gar nicht so groß.

Speicherkapazitäten sind entscheident

Mieterstrom ist vor allem da lohnenswert, wo die Energie vom Dach gespeichert werden kann. „Mit einem Batteriespeicher kann der Eigenverbrauch eines Gebäudes dadurch erhöht werden, dass der Strom einer Photovoltaikanlage, der zum Zeitpunkt der Erzeugung nicht benötigt wird, zwischengespeichert und dann später verbraucht werden kann“, erklärt Brandis. Dadurch wird der sogenannte Autarkiegrad erhöht: Je höher der Eigenverbrauch ist, desto weniger Strom muss zusätzlich aus dem Netz bezogen werden. „Die Kosten für Batteriespeichersysteme sind in jüngster Zeit spürbar gesunken, deshalb werden diese wirtschaftlich immer interessanter, auch im Zusammenhang mit Mieterstrom“ beobachtet Brandis.

Fördermöglichkeiten ausschöpfen

Gute Möglichkeit für Immobilienbesitzer, Mieterstrommodelle voran zu bringen, bieten Förderprogramme. Die KFW, Kreditanstalt für Wiederaufbau, fördert von 2017 an im Programm 275 Photovoltaikanlagen mit Batteriespeichern.

In einigen Bundesländern – NRW, Thüringen und Hessen – gibt es seit Kurzem spezielle Landesförderprogramme für Mieterstrommodelle. „Die Programme haben unterschiedliche Strukturen und Fördergegenstände, in allen wird aber der technische Mehraufwand gefördert“, erläutert Brandis. Es kann sich also durchaus lohnen, zu prüfen, ob die Programme für die eigene Anlage in Frage kommen und inwiefern sich diese bezahlt machen könnten.

Strom zu verkaufen lohnt sich nicht für jeden Vermieter

 „Auf jeden Fall sollten Hausbesitzer vor einer endgültigen Entscheidung gut kalkulieren. Dafür holt man sich Angebote vom Anbieter der Photovoltaikanlage und vom örtlichen Netzbetreiber ein und errechnet, zu welchem Preis den Mietern Strom angeboten werden kann. Und dann stellt sich die Frage: Ist das für die Mieter überhaupt interessant und lohnenswert.“

In Deutschland können Mieter ihren Stromanbieter frei wählen und jeder Zeit wechseln – für Vermieter eine schwierige Situation: „Am Ende ist das natürlich meistens eine Risikokalkulation, da jeder Mieter das Recht hat, zu sagen, ich beziehe deinen Strom nicht“, sagt Brandis. Und selbst, wenn heute alle Mieter Interesse hätten, könne das in zwei Jahren mit neuen Mietern ganz anders aussehen.

 „Es werden vor allem die Vermieter Ihren Strom abgeben, die von dem ökologischen Nutzen überzeugt sind“, glaubt Brandis. Er rät allen, die Interesse an dem Thema haben, zu prüfen beziehungsweise prüfen zu lassen, ob das Modell Mieterstrom jeweils wirtschaftlich interessant ist und es sich lohnt, sich damit eingehender zu beschäftigen. Das kann zunächst überschlägig ermittelt werden. Die Verbraucherzentralen bieten diesen Service im Rahmen ihrer Energieberatung an.  

Weiterlesen:

Wenn Sie Ihre Immobilie selbst vermarkten wollen, finden Sie hier Tipps