Universal Design

Universal Design

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Hersteller entdecken das universelle Design für alle. Weniger ist mehr, oder Qualität, verteilt auf weniger Produktvielfalt. Während in Japan die Idee des universellen Produkts am weitesten fortgeschritten ist, fängt Universal Design hierzulande erst an, zarte Knospen zu treiben.

Ein wesentlicher Grund ist, dass Japan den demografischen Wandel schon früher zu spüren bekommen hat als andere Nationen. Beschleunigt durch einen globalen demographischen Wandel wird die Qualität schon vorhandener Produkte und neuerer Entwicklungen aber auch in Deutschland von einer neuen Einfachheit geprägt sein, sind sich Experten sicher. Das Thema sei die Gestaltungsherausforderung der kommenden Jahrzehnte.

Universal Design: Eines für alle

Thomas Bades Konsumentenwelt sprengt mühelos das Korsett einer streng abgezirkelten Zielgruppe. Spricht er von Kunden, meint er immer die größte anzunehmende Käuferschicht: junge Menschen, alte Menschen, Menschen mit Handicap. Für alle soll ein und dasselbe Produkt gestaltet sein. „Universal Design“ heißt seine Antwort auf Erzeugnisse, die stigmatisieren, ausgrenzen und kompliziert sind – oftmals schon beim Auspacken.

Bade ist Geschäftsführer der Universal Design GmbH in Hannover – „ein Mittler zwischen Herstellern, Designern und Kunden“, wie er sagt. Die Idee eines Designs für alle stammt auch nicht von ihm. Den Begriff hat der US-amerikanische Architekt Ronald L. Mace geprägt. Neu ist sein Ansatz einer für möglichst viele Menschen zugänglichen und nutzbaren Umwelt keineswegs.

Universal Design für mehr Benutzerfreundlichkeit

„Aus zwei Gründen wird universales Design immer wichtiger werden“, meint Bade. Zum einen, weil der demografische Wandel die Entwicklung benutzerfreundlicher Geräte anheizt. Zum anderen, weil die Material-Ressourcen immer knapper werden. Er geht davon aus, dass sich die Modell-Reihen der Hersteller lichten werden. Beispiel Handy: „Tummeln sich momentan 60 bis 70 Geräte auf dem Markt, werden es in einigen Jahren nur noch halb so viele sein“, schätzt Bade. Weniger Produktvielfalt, dafür vielfältigere Möglichkeiten in der Anwendung, lautet seine Zukunftsformel.

Auch wenn die Wurzeln eines Universal Design in der Architektur liegen, hat der Gedanke mittlerweile die unterschiedlichsten Branchen erfasst. „Wohnen ohne Technik, gibt es nun mal nicht“, sagt Bade. Was nütze es, wenn in einem Haus alle Räume für Senioren oder Menschen mit Behinderung zugänglich sind, aber das Bedienen der Geräte weiterhin Mühe macht?

Praktisches Universal Design

Das fragen auch Andreas Reidl und Eckhard Feddersen. Ihre Antwort sind „Wohnwelten“ im Universal Design als Komplettpaket. Reidl und Feddersen – der eine Chef einer Agentur für Generationen-Marketing, der andere Architekt – kombinieren benutzerfreundliche Ausstattung und leicht zugängliche Räume gleich auf Anhieb. Hier ist der Fußboden schwellenlos, der Fliesenbereich rutschhemmend, das Bad rollatortauglich. Altengerecht eben, aber nicht altbacken: dunkelbraunes Laminat im Wohnzimmer, knallrote Schrankfronten in der Küche und Technik, die für jeden nutzbar ist, ohne vorher ein dickes Handbuch lesen zu müssen.

Universal Design für Produkte und Verpackungen

Herd, Wasserhahn, Kinderkarre, Lichtschalter, Telefon, Kaffeeautomat, Duschwanne: Die Liste der Produkte, die universelle Standards zu erfüllen versuchen, ist lang. Und sie wird immer länger, weiß Design-Mittelsmann Bade, doch: „Die Zahl der komplizierten Geräte überwiegt.“ 80 Prozent kämen nach wie vor mit schwergewichtigen User-Guides daher. Und noch viel zu viele steckten in Verpackungen, die ohne Schere nicht zu öffnen sind. „Versuchen Sie mal einen USB-Stick nur mit den Händen aus seiner Hülle zu befreien.“

Auch das bedeutet universelles Gestalten: Zugängliche Produkte von Anfang an. Es ist eines von sieben Prinzipien, die das „Center for Universal Design“ an der Universität von North Carolina festgelegt hat. Weitere Kriterien lauten: breite Nutzbarkeit für alle, Flexibilität im Gebrauch (beispielsweise für Links- und Rechtshänder), einfache Bedienbarkeit, Berücksichtigung des Zwei-Sinne-Prinzips (Informationen müssen gesehen und gehört oder gesehen und gefühlt werden), hohe Fehlertoleranz und anspruchsvolle Ergonomie.

Leicht verständlich: Universal Design

Bade setzt noch einen drauf. „Auch der Support muss stimmen.“ Sollte nämlich das leicht bedienbare Gerät wiedererwartend Zicken machen, müsse Hilfe ebenso leicht erreichbar sein. Doch weil selbst bei Herstellern von buchstäblich ausgezeichneten Universal Design Produkten der Service verbesserungsfähig sei, spricht sich Bade gegen ein Gütesiegel „designed for all“ aus. „Es darf nichts versprochen werden, was nicht gehalten werden kann.“ Das würde den universellen Ansatz untergraben. Und die Kunden vergraulen.

Japanische Konzerne wie Toyota seien hiesigen Unternehmen in der Gestaltung der neuen Einfachheit um ein Jahrzehnt voraus, so Bade. Zum Beispiel bei der Frage, wie variabel ein Produkt sein muss, um sich individuellen Bedürfnissen anzupassen. Bade: „Bei einem Toyota lässt sich nicht bloß die Schriftgröße der Tachoanzeige auf Knopfdruck anpassen, sondern der Wagen auf simple Weise für Rollstuhlfahrer umrüsten.“ Das sei clever, halt universal gedacht.