Tierhaarallergie: Auslöser, Symptome und Behandlung

Tierhaarallergie:
Auslöser, Symptome und Behandlung

© Erik-Jan Leusink / unsplash.com

Für die einen sind sie süß und verleiten zum Knuddeln, die anderen wollen ihnen bloß nicht zu nah kommen: Hund, Katze, Maus und Co. sind für Tierhaarallergiker eine Zumutung. Denn in der Umgebung von Tieren oder bei Kontakt mit ihnen tränen ihre Augen, juckt die Haut oder läuft die Nase. Besitzer, die ihre Tiere lieben und erst im Laufe der Zeit eine Allergie entwickeln, leiden dann doppelt. Immonet erklärt, wie eine Tierhaarallergie entsteht und was Betroffene darüber wissen müssen.

Entstehung einer Allergie

Eine Allergie entsteht in zwei Schritten: Im ersten erfolgt eine Sensibilisierung des Immunsystems auf einen normalerweise ungefährlichen Stoff, der in der Umwelt vorkommt. Das Immunsystem wird quasi scharf gestellt, erkennt den Stoff dann als gefährlich an und bekämpft ihn. Bei erneutem Kontakt mit dem Allergen kann es zu einer allergischen Reaktion kommen – das ist der zweite Schritt.

Wichtig zu wissen: Dass das Immunsystem scharf gestellt ist, bedeutet nicht, dass es auch zu Symptomen kommt. So wurden bei Untersuchungen Antikörper im Blut von Menschen nachgewiesen, die überhaupt keine allergischen Symptome zeigten. „Eine Allergie ist letztlich immer ein Symptom. Der alleinige Nachweis sogenannter IgE-Antikörper im Blut hat nicht gleich die Diagnose Allergie zur Folge“, sagt Claudia Traidl-Hoffmann, Professorin am Lehrstuhl für Umweltmedizin der Technischen Universität München und Direktorin des Instituts für Umweltmedizin am Helmholtz Zentrum München.

Es kann passieren, dass Symptome erst Jahre nach der „Scharfstellung“ auftreten. So erklärt sich, dass manche Tierbesitzer lange problemlos mit ihrem Vierbeiner zusammenleben und dann plötzlich Symptome zeigen. Dabei spielen vermutlich sehr viele Faktoren eine Rolle. Allergische Symptome werden allgemein über die Jahre häufig stärker. Ebenfalls öfters zu beobachten ist ein Wechsel der Symptome. Statt mit Hautirritationen und Ekzemen reagiert der Körper mit Schnupfen oder dieser weitet sich zu Asthma aus. Fachleute sprechen dann von einem Etagenwechsel.

Eine kleine Hoffnung jedoch gibt es für betroffene Allergiker: „Die Allergie ist eine der wenigen immunologischen Erkrankungen, die sich selbst heilen kann. Das geschieht, indem das Immunsystem gegenüber dem Allergen eine Toleranz entwickelt, trotz vorheriger Sensibilisierung und Antikörpern im Blut“, sagt Traidl-Hoffmann. Das Immunsystem kehrt also quasi zum Normalzustand zurück.

Tierhaar ist nicht gleich Tierhaar

Der Ausdruck Tierhaarallergie ist allgemein gebräuchlich, im Grunde aber falsch. „Die Patienten sind nicht gegen die Haare allergisch, sondern vielmehr gegen Schweiß und Speichel der Tiere, die beim Fellputzen auf dieses gelangen. Darin wiederum befinden sich tierische Eiweiße und weitere Stoffe, die eine allergische Reaktion auslösen können“, erklärt Traidl-Hoffmann. Die Allergene könnten sich auch in Hautschuppen, Haarfollikeln, im Urin, im Kot und im Serum befinden, ergänzt Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund.

Die häufigste Tierhaarallergie ist die gegen Katzen, gefolgt von der gegen Hunde. „Felltragende Kleintiere können ebenfalls Allergien vom Soforttyp auslösen. Hierzu zählen Meerschweinchen, Kaninchen, Goldhamster, Mäuse, Ratten, Chinchillas und Frettchen“, sagt Lämmel. Auch gegen Pferde und Rinder können sich Allergien entwickeln. Zudem müssen es nicht immer lebende Tiere sein, die allergische Reaktionen auslösen. Tierprodukte können Allergikern ebenfalls gefährlich werden, etwa Tierfellteppiche, Rosshaarmatratzen, Pelze und Daunenbettwäsche. Auch gegen Vögel sind Allergien möglich, wenn auch rar. Häufiger sind andere Reaktionen, die vor allem Taubenzüchter treffen. „Die Vogelhalterlunge stellt eine Sonderform der Allergie dar. Nicht selten ist sie gegen Schimmelpilze und Bakterien gerichtet“, sagt Traidl-Hoffmann.

„Wer zu Allergien neigt, ist öfters von mehreren Allergien betroffen“, so Traidl-Hoffmann. Das heißt aber nicht, dass ein Tierhaarallergiker auf alle Tiere reagiert. Schließlich unterscheiden sich die Tiere stark voneinander. „Wer an einer Katzenallergie leidet, entwickelt nicht auch zwangsläufig eine Allergie gegen Hunde oder andere Tiere. Die Allergieauslöser unterscheiden sich zwischen den Tierarten doch stark.“

Katzenhaarallergie ist am häufigsten


Die Katzenhaarallergie ist nicht nur deshalb die häufigste Tierhaarallergie, weil die Samtpfoten die beliebtesten Haustiere der Deutschen sind. „Katzen besitzen die aggressivsten Allergieauslöser, die sehr gute Schwebeigenschaften besitzen und über Luftzug und Kleidung verbreitet werden“, sagt Lämmel. Die Allergene verbreiten sich leicht und gelangen auch in Räume, in denen noch nie Katzen waren. Zudem lassen sich die Allergene nur schwer durch Putzen und Staubsaugen entfernen.

Symptome einer Tierhaarallergie

Typische Symptome einer Tierhaarallergie sind Augenjucken und -tränen, Schnupfen, Niesattacken und Nesselausschlag. Es kann auch spontan oder nach einem längeren beziehungsweise häufigeren Kontakt zu dem Tier zum allergischen Asthma bronchiale kommen. Das kann für die Betroffenen gefährlich werden, es droht im schlimmsten Fall eine akute Atemnot.

Behandlung einer Tierhaarallergie

„Allergische Symptome können mit Antihistaminika akut behandelt werden“, sagt Lämmel. Sie wirken, indem sie die für die Entzündungsreaktion mitverantwortlichen Rezeptoren blockieren. Der körpereigene Botenstoff Histamin, der bei Allergien typischerweise ausgeschüttet wird, kann dann nicht andocken. Allerdings ist das keine ursächliche Therapie. „Antihistaminika können akute, allergische Symptome verhindern, aber vermutlich nicht einen Etagenwechsel“, sagt Traudl-Hoffmann.

Allergenvermeidung als Strategie

Deshalb empfehlen Ärzte ihren Patienten immer das Meiden der Allergene. Denn wie bei allen Allergien kann es bei fortbestehendem Kontakt mit dem Allergieauslöser zu einer Verschlimmerung der Symptome kommen. Für allergische Tierhalter bedeutet das letztlich die Abschaffung des Allergie auslösenden Vierbeiners. „Für Tierbesitzer ist es natürlich immer dramatisch, ihre Tiere abschaffen zu müssen, aber eine Allergie kann auch sehr dramatische Folgen für den Halter haben“, sagt Traidl-Hoffmann. So seien Asthma oder auch ein anaphylaktischer Schock möglich.

Hyposensibilisierung bei Tierhaarallergie

„Kann der Betroffene die allergische Reaktion allein durch das Meiden der Tiere nicht verhindern oder kommt er beruflich mit dem entsprechenden Tier in Kontakt, kann gegebenenfalls eine spezifische Immuntherapie durchgeführt werden“, sagt Lämmel. Bei der sogenannten Hyposensibilisierung wird der Körper über Jahre an den allergenauslösenden Stoff gewöhnt, indem er in kleinen Mengen injiziert wird. Das ist für den Patienten zwar sehr zeitaufwändig, bringt bei verschiedenen Allergieformen aber gute Ergebnisse, etwa gegen Pollen oder Hausstaub.

Etwa anders sieht das bei Tierhaaren aus. „Es gibt noch keine konkreten Zahlen zur Erfolgsquote von Hyposensibilisierungen bei Tierhaarallergikern“, sagt Lämmel. Es mangele an passenden Substanzen, die für die Immuntherapie zugelassen seien. Laut Traidl-Hoffmann werden diese Substanzen in einzelnen Fällen individuell hergestellt. „Das ist natürlich mit einem sehr großen Aufwand verbunden.“ Ob die Krankenkasse die Kosten für eine Hyposensibilisierung übernimmt, ist vom Einzelfall abhängig. Bei Hyposensibilisierungen gilt: Während der Behandlungsphase sollten die Patienten Allergenkontakt vermeiden.

Allergenlast reduzieren

Nicht immer lässt sich ein Tier sofort abschaffen, schließlich wollen Tierbesitzer ihren Liebling in guten Händen wissen. Und nicht immer lässt sich im Alltag der Besuch von Wohnungen vermeiden, in denen Tiere leben. In solchen Fällen kann es helfen, die Allergenlast durch regelmäßiges Reinigen des Hauses zu senken. Denn je weniger Allergene in der Luft sind, umso schwächer fällt in der Regel die Belastung für die Betroffenen aus. Sinnvoll sind tägliches Staubsagen mit einem Gerät mit Hepafilter, feuchtes Abwischen von Oberflächen und Waschen der Tierdecken. „Ein Luftreiniger kann als unterstützende Maßnahme eingesetzt werden“, sagt Lämmel.

Zudem sollten einige Regeln gelten: Die Tiere dürfen nicht auf das Sofa, da sich die Haare dort leicht festsetzen. Vor allem sollte für Haustiere das Schlafzimmer tabu sein, wo der Mensch statistisch gesehen die meiste Zeit verbringt. „Hunde können nach Möglichkeit regelmäßig abgewaschen werden, um die Allergenkonzentration zu verringern“, sagt Lämmel. Auch zum Waschen der Katze gebe es Daten, so Traidl-Hoffmann – die seien allerdings nicht überzeugend.

Inwieweit die Maßnahmen helfen, ist auch eine individuelle Frage und hängt davon ab, wie stark die Allergie der Betroffenen ist und wie allergen die einzelnen Tiere sind. Allergiker müssen wissen: „Liegt eine Sensibilisierung vor, reicht auch eine geringe Menge des Allergens aus, um bei erneutem Kontakt die allergische Reaktion zu provozieren. Eine saubere Wohnung mit nur wenigen Tierhaaren kann also trotzdem in einer heftigen Symptomatik münden“, so Traidl-Hoffmann.

Allergenfreie Tiere

Hypoallergene Katzen, die gern als hypoallergen bezeichnete Pferderasse Curly Horses, allergikerfreundliche Hunderassen – für tierliebe Allergiker sind damit große Hoffnungen verbunden. Doch wirklich allergenfreie Tiere gibt es nicht. Allerdings kann sich die Allergenkonzentration zwischen Rassen, aber auch zwischen Individuen stark unterscheiden. „Hundeallergiker berichten oft von unterschiedlichen Reaktionen beim Kontakt mit verschiedenen Hunderassen“, sagt Lämmel. Es kann also vorkommen, dass Betroffene auf ein Tier stark, auf ein anderes kaum reagieren.

Allergie-Prävention ist schwierig

Wer aus Angst vor einer möglichen Allergie jeglichen Kontakt mit Tieren vermeidet, tut seiner Gesundheit damit keinen Gefallen. Das Meiden von möglichen Allergenauslösern wie Tieren bringt bei Personen, die noch keine allergischen Symptome zeigen, gar nichts, sagt Traidl-Hoffmann. Es sei sogar umgekehrt: Zur Prävention von Allergien könne auch der bewusste Kontakt mit Allergenen gehören. „Allerdings gibt es dafür nach aktuellen Erkenntnissen vermutlich nur ein sehr kleines Zeitfenster in den ersten Lebensmonaten beziehungsweise -jahren“, so Traidl-Hoffmann. Die Haltung von Hunden gilt in der Forschung generell als unproblematischer als die von Katzen.

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