Steckdosen beim Hausbau richtig planen

Wer ein Haus baut, sollte von Anfang an genügend Steckdosen einplanen
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Dachform, Zimmerzahl, Kellerart – wer ein Haus baut, muss viele wichtige Entscheidungen treffen. Da scheint die Planung der Steckdosen ein Nebenaspekt zu sein. Mitnichten: Wer später im Alltag nicht nach freien Anschlüssen suchen möchte, sollte sich frühzeitig mit der Steckdosenplanung auseinandersetzen. Immonet sagt, worauf Hausbauer achten müssen.

Wasserkocher und Kaffeemaschine können nicht gleichzeitig betrieben werden, ein Verlängerungskabel liegt quer durchs halbe Wohnzimmer, damit die Stehlampe beim Lesen für angenehmes Licht sorgt – typische Beispiele aus Häusern, deren Elektroinstallation vernachlässigt wurde. Fehlende oder an den falschen Stellen sitzende Steckdosen können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Die zum Ausgleich vielfach genutzten Steckdosenleisten sehen zum einen unschön aus, zum anderen sollte ihre Zahl auch unter Sicherheitsaspekten möglichst gering gehalten werden.

Steckdosenverteilung frühzeitig planen

Wer ein Haus baut, sollte daher Wert auf eine gute Steckdosenplanung legen. „Es ist sehr wichtig, ganz früh zu überlegen, wie viele Steckdosen man wo braucht“, sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband privater Bauherren. Die sorgfältige Planung ist aus mehreren Gründen wichtig: Sind die Stromkreise und Dosen einmal verlegt und verputzt, lassen sich nur mit großem Aufwand, Kosten und Dreck weitere Steckdosen anbringen. Doch selbst wenn das Haus noch nicht fertig gebaut ist, werden nötige Ergänzungen teuer, weil der Architekt erneut zum Planungsstift greifen muss. Im Schnitt werden etwa zwei Kilometer Kabel in einem deutschen Einfamilienhaus verlegt – und die wollen gut geplant sein.

Bedarf realistisch einschätzen

„Am Anfang der Planung sollten Häuslebauer zunächst ihren künftigen Bedarf realistisch abschätzen“, rät Reinhold-Postina. „Dafür sollte ich mich fragen, welche elektrischen Geräte ich bereits benutze, was möglicherweise noch hinzukommt. Diese Liste sollte man ganz in Ruhe erstellen, schnell wird etwas vergessen.“

Ihr Tipp: Den Grundriss zur Hand nehmen. „Mit Blick auf den Plan überlegt man, wie man wohnen möchte. Wo sollen welche Möbel stehen? Welche Stromverbraucher habe oder plane ich? Auch die Zahl der Lichtquellen, etwa zusätzliche Beleuchtung für den Schrank, sollte man nicht vergessen“, sagt Reinhold-Postina. Ebenfalls entscheidend ist die Frage, von wo aus man welche Geräte schalten will. Daher sei es auch sinnvoll, bereits die Möblierung oder mögliche Alternativen zu planen.

Offizielle Richtlinie als Planungshilfe

Eine Planungshilfe bietet die Richtline RAL-RG 678. Sie definiert Standards für die Ausstattung und gibt an, wie viele Steckdosen in den einzelnen Wohnbereichen nötig sind. Dabei werden drei Ausstattungsstufen von Mindest- bis Komfortausstattung zugrunde gelegt. Die aktualisierte Richtlinie (1 plus bis 3 plus) orientiert sich an  den gestiegenen Anforderungen moderner Technik. Experten empfehlen, mindestens den Ausstattungswert "Zwei" zu wählen. Nach diesem mittleren Standard sind zum Beispiel in der Küche zehn Steckdosen vorgesehen, im Wohnzimmer acht bis elf.

Sonderfall Küche

Gerade in der Küche ist eine ausreichende Zahl an eigenen Stromkreisen notwendig. Elektrogeräte wie Kühl- und Gefrierschrank sowie die Spülmaschine bekommen einzelne Fehlerstrom-Schutzschalter (sogenannte FI-Schalter). Diese schalten sich bei einem Kurzschluss ab. Herd und Backofen benötigen einen Starkstromanschluss. Sinnvoll ist es auch, die Küchenausstattung früh festzulegen und den Architekten nach den optimalen Positionen für die Stromanschlüsse zu fragen. Nicht vergessen werden sollten Außensteckdosen für den Balkon oder die Terrasse, etwa für die Beleuchtung, den Elektrogrill und den Rasenmäher, sowie Steckdosen in der Garage.

Planung mit Experten und Fertighausanbietern

„Gute Architekten werden in der Regel Bauherren an die Hand nehmen und sie auf vergessene Verbraucher oder Wohnbereiche aufmerksam machen“, sagt Reinhold-Postina. Anders sieht das bei schlüsselfertigen Angeboten aus. Dort werden nicht selten niedrige Standards als Grundausstattung angeboten. Wünschen sich die Bauherren zusätzliche Steckdosen, verursacht jeder einzelne Anschluss einen satten Aufpreis.

„Wer schlüsselfertig baut, sollte rechtzeitig prüfen, wie viele Steckdosen laut Vertrag vorgesehen und mit welchen Kosten zusätzliche Exemplare verbunden sind“, rät Reinhold-Postina. Sinnvoll ist es, die RAL-Richtlinie in der gewünschten Ausstattungsvariante in die Baubeschreibung aufzunehmen. Dabei gilt zu beachten: „Entsprechende Vereinbarungen verhandelt man vor Vertragsunterschrift.“

Bodentanks als Alternative

Hausbauern, die etwa eine offene Wohnküche planen, stehen naturgemäß weniger Wände für die Anlage von Steckdosen zu Verfügung. Das muss aber kein Problem sein. Steckdosen lassen sich heute leicht in Bodentanks versenken. Allerdings gibt es bei der Planung einiges zu beachten. Die Menge der Anschlüsse richtet sich bei offenen Grundrissen nicht nach der Zahl der Räume, sondern wird entsprechend der Wohnbereiche geplant. Diese sollten auf dem Plan markiert werden, damit Missverständnisse ausgeschlossen werden und der Bauherr die Umsetzung durchsetzen kann.

Bei Steckdosen im Bodenbereich oder sehr niedrig an der Wand angebrachten Anschlüssen ist zu beachten, dass diese für ältere Menschen zum Problem werden können. Bücken fällt dann schwer, Schwindelanfälle sind nicht selten. Wem eine seniorengerechte Ausstattung wichtig ist, sorgt für genügend Steckdosen in angenehmer Höhe.

Lieber zu viel als zu wenig

In Anbetracht der technischen Entwicklung – wer hätte sich vor 30 Jahren vorstellen können, welche Geräte heute selbstverständlich zum Alltag gehören? – schadet es nicht, ein paar Steckdosen über den aktuell notwendigen Bedarf hinaus einzuplanen. Tipp: Wer sich Optionen für spätere Ergänzungen offen halten möchte, kann auf Installationsrohre zurückgreifen. Sie ermöglichen es, nach dem Abschluss des Baus weitere Leitungen zu ziehen, ohne die Wand aufreißen zu müssen.

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