Social Media: Möglichkeiten für Makler

Social Media: Möglichkeiten für Makler
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Facebook, Xing, Instagram, Blogs, Youtube – die Möglichkeiten Social Media zu nutzen sind vielfältig. Doch welche Kanäle sind für den professionellen Einsatz sinnvoll und führen Makler zum Erfolg? Viele Faktoren entscheiden darüber, ob sich das Engagement auf Facebook und Co. lohnt. Immonet stellt die aktuell wichtigsten Kanäle und die effektivsten Strategien vor, die Makler einsetzen können. 

Im Privatleben werden sie oft eifrig genutzt, doch in professioneller Hinsicht vernachlässigt: Soziale Netzwerke. Dabei schlummert hier ein riesiges Potenzial für Makler, um ihr Selbstmarketing und damit den Erfolg ihres Unternehmens zu stärken. Für den Social Media Experten Franz-Josef Baldus sind drei Kanäle für Immobilienmakler zentral: Ganz oben steht Facebook, gefolgt von Twitter und Instagram.  

Facebook

„Mehr als die Hälfte der Bevölkerung nutzt Facebook. Daher kann man hier fast alle Zielgruppen erreichen“, sagt Baldus. Und: „Facebook ist das bodenständigste soziale Medium. Mit diesem kann man leicht Kontakt zu seinen Kunden halten.“ Zudem eigne sich Facebook sehr gut, um sich im Sinne des Objektmarketings zu vernetzen. Dritter Pluspunkt: „Hier kann man sich mit all seinen Kompetenzen darstellen“, sagt Baldus.  
„Viele Makler begreifen Facebook aber ausschließlich als Vertriebskanal“, bedauert der Chef einer Kommunikationsagentur für Immobilienunternehmen. Er plädiert dafür, die soziale Plattform als markenaufbauenden Kanal zu begreifen. „Dennoch darf die Facebook-Seite durchaus einen Anteil vertrieblicher Inhalte zeigen“, so Baldus.

Wer möglichst viele Menschen mit seinen Postings erreichen möchte, sollte wissen: Vormittags, nach Büroschluss und am Sonntag verbringen Nutzer am meisten Zeit bei Facebook. Wer dann Meldungen absetzt, wird am ehesten gesehen. Kurze Texte – nicht mehr als drei Sätze – und Bilder werden am leichtesten wahrgenommen und geteilt. Konkrete Nachrichten, einfache Formulierungen, ein direkter Einstieg sind wichtige Schlüssel dafür, dass die Nachricht ankommt. Außerdem ist es immer gut, die Gefühle und Leidenschaften der Nutzer anzusprechen. Ein Tipp: Wer möchte, dass sein Post geteilt wird, sollte das sagen. Ein „Bitte teilen“ reicht oftmals aus.

Bei der Frage, ob der private Account und die Fanpage der Firma getrennt werden müssen, sind sich die Experten nicht einig. Stephan Kippes etwa, Professor für Immobilienmarketing an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen plädiert dafür. „Auf gar keinen Fall sollte man Banalitäten, in der Art von ´Komme grad vom Einkauf zurück´ posten“, sagt Kippes.

Baldus glaubt, dass eine Trennung von beruflich und privat nicht möglich ist: „Freunde wissen ja, dass ich Makler bin. Außerdem: Auch wenn man auf seinem rein privaten Account etwas postet, ist man ja deshalb noch nicht von seiner Firma losgelöst. Wer da unbedacht ist, kann einiges kaputt machen“, warnt er. Private Inhalte dürfen seiner Meinung nach durchaus gepostet werden, schließlich sagen sie etwas über die Person des Maklers. „Die Leitfrage lautet: Welche Facetten von mir will ich abbilden?“ Sein Tipp: „Betrachten Sie ihre Aktivitäten auf allen Social Media Kanälen unter dem Aspekt der Markenbildung. Entscheidend für den Aufbau der Marke ist, dass Facebook-Freunde positive Emotionen zur Person entwickeln.  

Twitter

Twitter - das sind maximal 140 Zeichen Textnachricht, Mikroblogging in Echtzeit. Doch über Twitter gibt es auch viele falsche Vorstellungen. „Viele glauben Twitter ist die Plattform, wo man Stars und Sternchen folgen kann. Aber das ist falsch“, stellt Baldus dezidiert klar. „Twitter ist ein Kanal, der sich hervorragend dafür eignet, sich fachlich als Experten zu präsentieren.“ Twitter sei im Gegensatz zu Facebook kein Entertainment-Kanal, sondern wird von seinen Nutzern vielmehr als Instrument begriffen, sich und andere aktuell und spezifisch über Fachthemen zu informieren. 

Makler können das für sich nutzen, wenn sie Spezialwissen haben und es mit Fachleuten und Interessierten teilen. Dabei geht es also keineswegs um die direkte Kundenakquise. Sondern darum, als Experte wahrgenommen zu werden. „Man muss wissen, dass auf Twitter vor allem Journalisten von Focus, ZDF oder auch Stadtanzeiger unterwegs sind“, so Baldus. „Wer von Medienleuten und Vertretern der Immobilien-Branche als Experte wahrgenommen wird, wird auch gern als Sprecher zu Veranstaltungen eingeladen oder als Interviewpartner von Journalisten angefragt.“ Die öffentliche Wirkung stärkt die Marke des Maklers enorm. Das ist das Ziel.

„Derzeit gibt es noch sehr wenige Makler-Accounts mit gutem Content“, beobachtet Baldus. Für Immobilien-Fachleute ist das eine große Chance, sich zu positionieren. Dafür ist nicht nur Spezialwissen gefragt, sondern auch einiges Engagement. „Man sollte jeden Tag twittern, um wahrgenommen zu werden“, sagt Baldus. Dabei kommt es nicht auf die reine Menge an, sondern vor allem darauf, dass der Inhalt informativ ist und die Interessen der Follower trifft. „Belanglose Tweets schaden dem Ansehen. Heißt auch: „Wer bei Twitter eine Drei-Zimmer-Wohnung vorstellt, hat das Medium nicht verstanden und diskreditiert sich vor den Fachleuten“, so Baldus.

Stattdessen ist Fach- und Insiderwissen gefragt. Zum Beispiel News vom Besuch auf der Immobilienmesse in oder das Teilen interessanter Inhalte. „Mit der Zeit stehen Experten eher vor dem Problem, zu filtern und sich auf die wichtigsten Tweeds zu beschränken“, stellt Baldus fest.

Instagram

Instagram ist ein Online-Dienst zum Teilen von Fotos und Videos. Der Social Media Experte empfiehlt, das rein visuelle Medium ausschließlich als Kanal der Markenbildung zu nutzen. Fotos von Wohnungen gehören für Baldus überhaupt nicht hierher. „Vertriebsmäßiger Content bindet nicht die relevanten Gruppen.“ Die Mitarbeit an einem außergewöhnlichen, großen Projekt aber dürfe durchaus kommuniziert werden, so Baldus. „Das Wie ist entscheidend.“ 

„Auf Instagram können Makler ihre Arbeit und ihr Können präsentieren“. Dafür eignen sich ganz unterschiedlich Ansatzpunkte: Die Vorstellung des Teams, Einblicke in den Arbeitsalltag, besondere Momente, die Kompetenz ausstrahlen. Baldus gibt ein Beispiel: „Wenn ich als Makler von einem Fernseh-Team interviewt werde und davon Fotos poste, vermittelt das ein positives Bild von mir.“
Neben Fotos können auf Instagram auch kurze Videos, maximal 15 Sekunden lang, hochgeladen werden. Produzieren könnten die Makler die Filmchen selbst, so Baldus. „Schließlich kann man nicht für jeden kleinen Clip ein Team buchen.“ Das sei teuer und nicht unbedingt nötig. Unabdingbar ist aber ein gewisses kreatives und technisches Niveau. Das sei mit einer guten Smartphone-Kamera machbar. „Entscheidend ist, dass sich der Makler die entsprechenden Kenntnisse und Fertigkeiten zulegen. Dazu gehören Grundlagen des Storytelling, und der Umgang mit Schnittprogrammen.“ Workshops von Fachleuten vermitteln die Basics.

Der eigene Blog

„Blogs werden immer wichtiger“, beobachtet Baldus. „Sie sind für Makler ein gutes Medium, um sich fachlich zu positionieren“, erklärt er. Nachteil: Man sollte eigene Inhalte produzieren, während man auf Facebook und Twitter auch leicht Links zu interessanten Inhalten teilen kann. Da zudem nur regelmäßig aktualisierte Blogs interessant sind, ist das bloggen also deutlich zeitaufwändiger. Dafür fällt man mit einem gut gemachten Blog  auch schnell auf.

Wer sich entschließt einen Blog zu starten, kommt nicht umhin die Zielgruppe festzulegen. Auch die Themenschwerpunkte sollten klar sein, um nicht in der Beliebigkeit zu verschwinden. Sprache und Stil müssen korrekt und gepflegt, aber einfach sein. Bandwurmsätze schrecken Leser ab. Anziehend wirken hingegen oft persönliche Blogs, das ist aber keineswegs Pflicht. Wichtiger sind Authentizität und Verlässlichkeit. Wer Informationen verbreitet, sollte sicher sein, dass sie stimmen. Bilder, Grafiken, Videos veranschaulichen Themen und erleichtern das Dranbleiben.

Youtube

Youtube bietet weit mehr bieten als Katzenvideos. Makler können die Plattform in ihre Social Media und Marketingstrategie einbinden, wenn sie Erklärstücke oder Imagevideos zeigen. Diese kann man produzieren lassen oder bedient sich Vorlagen, die am Ende personalisiert werden. Optimalerweise laufen die Filme auch direkt auf der Firmenseite oder auf Facebook.

Xing und LinkedIn

Das Soziale Netzwerk Xing, das Mitglieder nutzen um berufliche Kontakte zu pflegen, hält Baldus für überschätzt. Xing sei wichtig, wenn man sich auf Anstellungen bewerbe, aber als Marketinginstrument für Makler eher ungeeignet. „Es haben zwar viele Menschen einen Account in dem Netzwerk, doch nutzen es viel zu wenige aktiv.“ So ist die Frequenz, sich einzuloggen, im Schnitt sehr niedrig. Auch findet auf Xing wenig Kommunikation statt. Ergo: Ein vernünftig gepflegtes Profil auf Xing macht Sinn, ihre Hauptaktivität verlegen Makler aber besser auf andere Netzwerke.

Strategische Nutzung

Ein bisschen Facebook, ab und zu ein Tweed. Das funktioniert nicht. Makler, die Social Media Kanäle nutzen wollen, um den unternehmerischen Erfolg voran zu bringen, gehen strategisch vor. „Man sollte zuvor überlegen, mit welchen Kanälen man arbeiten kann und welche Inhalte man transportieren will“, rät Baldus. Makler, die ihre Social Media Aktivitäten ausbauen möchten, überlegen sich am besten vorher, wie viel Zeit sie investieren können. „Kontinuität ist enorm wichtig, Kommentare erfordern Reaktionen, auf Facebook und Twitter sollte man täglich posten“, findet Baldus und rät: „Wer das nicht leisten kann, lässt besser die Finger davon. Dann ist es sinnvoll, sich auf einen oder zwei Kanäle zu beschränken und diese vernünftig zu bespielen.“

Automatisches Vernetzen: Bloß nicht

Baldus hält nichts von einem willkürlichen und automatischen Vernetzen aller Inhalte über alle Plattformen hinweg. „Jeder Kanal sollte seinen eigenen Content und seine eigene Berechtigung haben.“ Außerdem können automatische Vernetzungen auch technisch negativ auffallen, zum Beispiel wenn ein Tweet plötzlich abreißt. Hilfestellung bei der Organisation der Social Media Kanäle bieten Plattformen, über die programmiert wird, wann zuvor erstellt Inhalte online gehen.   

Der Umgang mit Kritik

Wer soziale Medien nutzt, um sich und seine Arbeit darzustellen, wird früher oder später mit Kritik konfrontiert. Der Umgang mit ihr bestimmt entscheidend, wie man öffentlich wahrgenommen wird. „Keine Dialogfähigkeit zu zeigen, ist ein eklatanter Fehler“, sagt Baldus. Dazu gehört auch, Kommentare zu ignorieren, einfach zu löschen oder den Kritiker gar persönlich anzugehen. „Man sollte sachlich bleiben und die Netiquette wahren. „Im Alltag kann man eine Unhöflichkeit leichter ausbügeln. Man entschuldigt sich und die Sache ist meist schnell vergessen. Im Netz und bei Twitter schafft man einen schriftlichen Vorgang, der bestehen bleibt“, warnt Baldus.

Zudem gilt: Wenige Nutzer posten oder schreiben jemanden direkt an, aber sehr viel mehr lesen mit. „Selbst wenn der einzelne Kritiker argumentativ nicht zu überzeugen oder zu beruhigen ist; wenn die Beobachter das Gefühl haben, da geht der Makler souverän und sympathisch mit Kritik um, kann er deutlich punkten.“

Und wenn Makler mit den neuen Medien komplett auf Kriegsfuß stehen oder gar nicht die Zeit finden, sich damit auseinanderzusetzen? Dem empfiehlt Graf nicht auf die Nutzung zu verzichten, aber die Aufgabe lieber in fachmännische Hände zu geben. „Es gibt genügend Dienstleister, die einen professionellen Job machen und einen vor Fehlern bewahren können.“ So entstünden moderne und bedienerfreundliche Seiten und ein professioneller Auftritt.

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