Smart Home: Türen und Fenster sichern

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Ein smartes Zuhause soll Einbrecher abschrecken und Gefahren abwehren. Die Möglichkeiten, sein Heim sicherer zu gestalten, sind vielfältig und reichen von modernen Alarmanlagen über automatische Fensterschließer bis zu Türschlössern, die per Smartphone bedient werden können. Immonet stellt die wichtigsten Optionen vor und sagt, was man vor der Anschaffung beachten sollte.

Untersuchungen an der Fachhochschule Rosenheim zufolge ist der Wunsch nach Sicherheit noch vor den Themen Energieersparnis und Komfort die wichtigste Motivation für Verbraucher sich für Smart Home Systeme zu interessieren. Dabei gehe es vor allem darum, Gelegenheitsdiebe abzuschrecken, sagt Michael Krödel, Professor für Gebäudeautomation und Technik an der Hochschule. „Letztlich reicht es, wenn das eigene Haus ein wenig sicherer ist als die in der Umgebung“, beschreibt es der Professor ganz pragmatisch.

Fenster schützen

Dafür haben Hausbesitzer verschiedene Möglichkeiten: Um die Sicherheit von Fenstern zu erhöhen, können Sensoren eingesetzt werden. Sie zeigen an, ob ein Fenster offen oder geschlossen ist. Es handelt sich um mechanische Sensoren, die mit einem Magnetkontakt arbeiten. Sie lassen sich relativ leicht und unkompliziert in bestehende Fenster beziehungsweise Rahmen einbauen. Sobald Fenster geöffnet werden, wird der Besitzer bei Abwesenheit und erfolgter Aktivierung zum Beispiel mit einer Push-Nachricht auf dem Smartphone informiert. So ist er bei einem Einbruch schnell gewarnt und kann reagieren. Zudem kann so auch abgefragt werden, welche Fenster geöffnet sind.

Fenstersensoren sind von zahlreichen Anbietern zu haben. Bei der Telekom kostet ein Sensor zum Beispiel rund 30 Euro. Hinzu kommen aber auch noch die Kosten für die zentrale Steuerung des Systems, das je nach Anbieter mehrere Hundert Euro kostet. Manche Anbieter verlangen außerdem für ihre Dienste laufende Gebühren.

Auch eine Option: automatische Fensterschließer. Sie können mehr, sind aber auch teurer. Den Fensterantrieb Win Matic gibt es für rund 300 Euro. Eine solche Funktion hat weitere Vorteile: Es kann zum Beispiel den Aufstieg in die oberen Etagen eines Hauses ersparen, gerade für ältere Menschen oft mühsam. „Ein Smart Home bietet vor allem für Senioren Vorteile und kann ihnen ein längeres, selbstbestimmtes Wohnen in den eigenen vier Wänden ermöglichen“, sagt Haas.

Für einen gezielten Einsatz dieser Elemente sollte man sich zunächst über die persönlichen Bedürfnissen klar werden: Komfortgewinn oder Einbruchschutz? Da die Kosten sich schnell summieren, kann eine Leitfrage auch lauten: Welche Öffnungen werden bevorzugt aufgebrochen? „Man sollte sich genau ansehen, welche Fenster man überhaupt mit einer Sicherung ausstatten muss. Nur etwa zwei Drittel der Fenster eines Hauses sind tatsächlich einbruchgefährdet“, erklärt Krödel.

Alternative Türschlösser

Für Türen sind Sensoren ebenfalls erhältlich. Zudem gibt es eine Reihe weiterer Angebote. Eine Möglichkeit ist es, sein Türschloss lediglich mit dem Handy zu öffnen. Dann entriegelt sich das Schloss, sobald das eigene Handy in der Nähe ist oder die entsprechende App gestartet wird. Außerdem können die Zugangsrechte so auch an andere Personen gegeben werden, die etwa eine Ferienwohnung nutzen oder ein Haus in der Abwesenheit kontrollieren sollen. (Zum Beispiel Elock 2).

Nicht bei allen lösen solche Möglichkeiten Begeisterung aus. Stefan Nakazi von der Verbraucherzentrale NRW hält die Nutzung eines solchen Systems für fahrlässig. „Was auf den ersten Blick sinnvoll klingt, ist einfach nur gefährlich. Was passiert, wenn man das Handy verliert oder es einem gestohlen wird? Dann ist nicht nur das Telefon weg, sondern – noch schlimmer – ein Fremder auch sehr leicht im eigenen Haus!“

So gilt bei jeder scheinbar smarten Lösung: Sie muss auf mögliche Sicherheitslücken untersucht werden.

Wer Sicherheit und Komfort vereinen möchte, hat aber durchaus gute Möglichkeiten. Fingerprint-Türöffner funktionieren mit einem Fingerabdruckscanner in Verbindung mit einem elektronischen Türschloss. Finger an den Scanner halten und die Tür springt auf – komfortabel und personalisiert. Auf diese Weise muss man nicht nach dem Schlüssel kramen, während man schwere Taschen trägt. Kinder, die schnell mal etwas verlieren oder vergessen, können selbstständig auch ohne Schlüssel ins Haus.

„Allerdings sollte man im Vorfeld durchaus mehrere Abdrücke einscannen, für den Fall dass man sich mal verletzt hat und zum Beispiel ein Pflaster trägt“, rät Nakazi. Und auf die herkömmliche Alternative „Schloss und Schlüssel“ in der Tür würde der Verbraucherschützer auch noch nicht ganz verzichten. Schließlich könne immer mal der Strom ausfallen oder die Batterie leer sein.

Bevor man so etwas installiert ist es zudem ratsam, die Versicherung zu kontaktieren und nach der Anerkennung eines solchen Systems zu fragen. Mieter sollten sich eine schriftliche Genehmigung für den Einbau vom Vermieter geben lassen.

Angeboten werden solche Fingerabdruck Türschlösser zum Beispiel von Secces für rund 350 Euro, die Preisspanne ist jedoch abhängig vom Anbieter sehr groß.

Gefahrenabwehr

Wer in einem Smart Home wohnt, hat weitere Möglichkeiten sein Haus sicherer zu machen. Je nach System lassen sich unterschiedliche zusätzliche Funktionen nutzen.

Sinnvoll kann es sein, auch Bewegungsmelder und Licht in das Smart Home System zu integrieren: Bewegung hinter der Gartenpforte kann dann das Licht vor dem Haus angehen lassen: für Besucher ein Service, für Einbrecher Abschreckung. Auch eine Meldung auf das Smartphone ist möglich.

Eine andere Erweiterung: Bewegungsmelder im Haus. Sind sie bei Abwesenheit der Bewohner aktiviert und registrieren eine Person im Haus, dann können sie, ebenso wie Fenstersensoren, dies an die zentrale Steuerung weiterleiten. Bei entsprechender Programmierung kann dann der Reihe nach vor der Haustür, im Flur und in manchen Räumen das Licht angehen und so die Rückkehr der Bewohner simulieren. „Ebenfalls denkbar ist auch, dass die Türklingel geht oder Geräusche wie Hundebellen oder eine Polizeisirene abgespielt werden“, spinnt Krödel die Möglichkeiten weiter.

„Für den Fall eines Fehlalarms sind die negativen Folgen für die Hausbesitzer gering: Dann geht eben nur das Licht an und die Klingel wird aktiviert“, sagt Krödel.

Basis sind massive Türen

Wer sich mehr Sicherheit wünscht und nach smarten Lösungen sucht, sollte aber auch bedenken: Grundlage sind sichere und massive Türen und Fenster. Darauf weist auch Technikexperte und Ratgeber-Autor für Stiftung Warentest Karl-Gerhard Haas hin. „Ohne die entsprechenden grundsätzlichen Schutzvorrichtungen können auch smarte Türschlösser wenig ausrichten.“

Doch was, wenn der Vermieter sich nicht um entsprechend massive Türen kümmert? „Für Mieter können Smart Home Lösungen da durchaus für einen zusätzlichen Sicherheitseffekt sorgen“, sagt Haas. Er sieht die Vorteile weniger in der Prävention als in der erleichterten Täterverfolgung, etwa wenn eine Kamera durch Bewegungssensoren ausgelöst wird. Ebenfalls möglich: Alarmanlagen, die per App mit dem Smartphone verbunden sind und den Besitzer über Auffälligkeiten im Haus informieren. Der kann zum Beispiel bei entsprechender Ausstattung live per Kamera beobachten, was in seinem Haus vorgeht. Ein Anbieter dieser Funktion ist Ismart Alarm.

Sicherheitsgewinn oder Verlust

Doch genau hier kann ein Schwachpunkt liegen. „Die Sicherheit im Haus ist zentral an die Sicherheit des Smart Home Gateways gekoppelt“, sagt Maik Morgenstern, technischer Leiter und Geschäftsführer von AV-Test. Das unabhängige Institut prüft die IT-Sicherheit und hat auch Smart Home System unter die Lupe genommen. Die Untersuchung von AV-Test zeigt bei vielen Systemen noch eklatante Mängel. „Im Grunde handelt es sich um die gleichen Fehler, wie sie vor 20 Jahren bei Computern gemacht wurden: fehlende Verschlüsselungen und Passwortsicherheit“, sagt Morgenstern.

„Smart Home Systeme können helfen, den unberechtigten Zugang Fremder zum Haus zu melden, also vor allem Gelegenheitsdiebe abschrecken“, sagt Morgenstern. „Aber jeder Nutzer sollte sich bewusst machen, dass solche Systeme auch umgangen werden können.“

Die entscheidende Frage sei dann, ob man es Kriminellen mit einem nicht oder schlecht geschützten System leicht mache, Zugriff auf die Haussteuerung zu bekommen – oder eben nicht.“ Daher sollten sich Verbraucher eingehend über das gewünschte System informieren.

Morgenstern rät zudem allen Interessierten sich im Vorfeld Gedanken zu machen, welche Funktionen bei einem Smart Home wirklich benötigt werden. „Brauche ich die Steuerung über das Smartphone tatsächlich?“ Denn: „Wer auf einen Zugriff aus der Ferne auf das Smart Home verzichtet, kann viele Sicherheitslücken direkt ausschließen.“

Fazit: Stimmt die grundsätzliche Beschaffenheit von Türen und Fenstern, können Smart Home Systeme einen zusätzlichen Sicherheitsgewinn bringen. Voraussetzung ist, dass die Systeme durchdacht sind und selbst keine neuen Sicherheitslücken aufweisen.

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