Energie sparen mit Smart Home

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Strom und Energie werden immer teurer. Damit rücken Einsparungsmöglichkeiten stärker in den Fokus der Verbraucher. In diese Lücke schießen auch viele Smart Home Anbieter. Ihre Systeme des intelligenten Wohnens sollen nicht nur den Komfort steigern, sondern auch helfen, Energie einzusparen. Immonet fasst zusammen, welche Ansätze es gibt und wann sich diese lohnen. 

Mit bis zu 30 Prozent Energieeinsparung werben die Anbieter. Michael Krödel, Professor für Gebäudeautomation und Technik an der Fachhochschule Rosenheim, befasst sich im Rahmen seiner Tätigkeit intensiv mit dem Thema Smart Home. Die versprochenen 30 Prozent Energieeinsparungen hält er höchstens in Bürogebäuden für realistisch. Im Privathaushalt dürfte die Einsparung deutlich niedriger ausfallen.

„Dennoch können Smart Home Systeme zu einem niedrigeren Verbrauch an Energie beitragen“, sagt der Professor. „Wer zuhause ohnehin ein Smart Home System hat, der kann auch von den Energieeinsparpotenzialen profitieren.“ Bloß dürfen die Erwartungen nicht allzu hoch sein.

Heizenergie sparen

Zwei Energiebereiche lassen sich mit Smart Home Elementen steuern: Strom und Heizung, also Wärme.

Welche Funktion sich wirklich, lohnt hängt von vielen Faktoren ab: der Zustand des Hauses und die eigenen Lebensgewohnheiten. Nicht zuletzt müssen Aufwand und Einsparung gegengerechnet werden.

Beim Thema Energiesparen per Smart Home ist auch Technikexperte Karl-Michael Haas vorsichtig. Er hat für die Stiftung Warentest einen Ratgeber zum Thema Eigenheim-Bau verfasst und weiß: „Die Basis beim Energiesparen sind gut gedämmte Gebäude und die Energieerzeugung.“ Wer über Photovoltaik- und Solarthermieanlagen verfüge, könne diese  allerdings gut per Smart Home System einbinden.

Individuelle Lösungen

Letztlich kommt es bei der Frage, welche Funktionen Sinn machen, auch stark auf die persönlichen Lebensumstände und Gewohnheiten an. Für die verschiedenen individuellen Ansprüche sind auf dem Markt aber auch viele verschiedene Angebote vorhanden. Die Herausforderung ist, die richtige Lösung zu finden.

Stefan Nakazi von der Verbraucherzentrale NRW gibt ein Beispiel: „Bei einem eher regelmäßigen Tagesablauf machen programmierbare Thermostatknöpfe, welche bei Abwesenheit die Raumtemperatur senken, durchaus Sinn. Damit kann man viel Energie sparen, wobei das Potenzial der Einsparung stark schwankt.“ Die Thermostatsknöpfe schalten die Heizung zur gewünschten Zeit an und ab, so dass keine leere Wohnung unnötig geheizt wird. Sie sind schon ab rund 30 Euro zu haben.

Auf der anderen Seite gibt der Verbraucherschützer auch zu bedenken: „Jeder Minicomputer verbraucht zunächst einmal Energie, die man dann zusätzlich einsparen muss. Das muss man bei der Einschätzung der möglichen Einsparpotenziale bedenken.“

Die Thermostatknöpfe lassen sich je nach System durch automatische Fensterschließer oder -sensoren ergänzen. Dann erfolgt eine Warnung über offen gelassene Fenster oder die Heizung wird beim Lüften automatisch runtergefahren. Manche Systeme, wie Tado, kontrollieren sogar direkt, ob die Bewohner im Haus sind oder nicht, indem sie die Smartphonedaten auslesen. Ist keiner daheim, wird die Heizung gedrosselt und die Temperatur  auf einen vorher programmierten Mindestwert abgesenkt.

Strom sparen

„Im Bereich der Elektronik lohnt es sich, einen Blick auf die Stand-by-Verbräuche von Geräten zu werfen“, sagt Professor Krödel. Fernseher, Waschmaschine oder Drucker, viele der Geräte ziehen im Stand-by, aber auch im sogenannten Scheinaus weiterhin Strom. „In der Summe macht das viel aus“, sagt Krödel. Er hält daher auch abschaltbare Steckdosenleisten für eine sinnvolle und lohnende Investition.

„Integriert in ein Smart Home System lassen sich über einen Zentraltaster alle Verbräucher abschalten, wenn man das Haus verlässt“, erklärt der Professor. Lästiges durch das Haus laufen und jedes Gerät einzeln prüfen, entfällt damit.

So eine Taster lässt sich leicht integrieren, er funktioniert über Funk und kann daher überall angebracht werden.

Intelligente Steckdosen können auch über das hauseigene Wlan oder das Smartphone bedient werden. Neben dem Zugriff aus der Ferne ist auch das Erstellen von Zeitplänen und automatisches An- und Ausschalten möglich. Eine andere Steckdose der Firma Belkin liefert zudem Berichte über den Energieverbrauch und automatische Benachrichtigungen. So kann man dann zum Beispiel erfahren, dass das Programm der Waschmaschine beendet ist.

Eine Lösung, die Energie und vor allem Geld sparen soll: Das intelligente Haus sorgt dafür, dass Waschmaschine und Geschirrspüler immer dann in Betrieb gehen, wenn der Strom am günstigsten ist. Bei Häusern mit Solaranlage etwa, wenn die Sonne stark scheint und so genügend Energie vorhanden ist. Oder aber nachtseinige Tarife mancher Stromanbieter zielen genau darauf ab und berechnen den Strom abhängig von der Tageszeit. „Als Nutzer sollte man die möglichen Einsparungen den praktischen Problemen gegenüberstellen und abwägen. Eingetrocknetes Geschirr ist nicht jedermanns Sache. Und eine Waschmaschine, die bei Abwesenheit läuft, kann bei einem Zwischenfall auch problematisch sein“, erinnert Haas aber auch an mögliche Nachteile.

Licht ist dank moderner Sparlampen zwar kein großer Faktor auf der Stromrechnung. Automatische Lichtsteuerung kann aber sehr praktisch sein. Durch Bewegungssensoren ausgelöst werden Lampen in Fluren, im Garten oder in der Garage an- und ausgeschaltet.

Sparen kann man übrigens nicht nur mit Smart Home Systemen – sondern demnächst wohl auch bei der Anschaffung. Technik-Experte Hass rechnet aufgrund der großen Konkurrenz auf dem Markt in der näheren Zukunft  jedenfalls mit deutlichen Preissenkungen.

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