Damit Ihre Kinder gesund wohnen: Schadstofffreie Kindermöbel

Damit Ihre Kinder gesund wohnen: Schadstofffreie Kindermöbel

© rawpixel / unsplash.com

Die Möbel im Kinderzimmer begleiten den Nachwuchs über viele Jahre. Deshalb sollten Schrank, Bett und Co. keine chemischen Stoffe enthalten, die Kinder auf Dauer krank machen können. Immonet zeigt, worauf Eltern beim Kauf achten sollten.

Achten Sie auf die Herkunft der Möbel

Eltern kaufen im Durchschnitt viermal neue Möbel fürs Kinderzimmer, bevor ihr Kind zu Hause auszieht. Und bei jeder neuen Garnitur ist es wichtig, sich keine gesundheitsschädliche Einrichtung ins Haus zu holen. Haben Sie deshalb ein Auge darauf, wo die neuen Möbel herkommen. „Für Möbel, die aus deutscher oder europäischer Fertigung stammen, gelten strenge Grenzwerte hinsichtlich bedenklicher Inhaltsstoffe“, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM).


Problematischer könnten hingegen Möbel sein, die in Asien oder Osteuropa produziert wurden, so Geismann. Die Kontrollen dort seien nicht so streng, zudem würden häufig schadstoffbelastete Materialien im Möbelbau verwendet. Das betreffe insbesondere Polstermöbel, aber auch Kastenmöbel aus Spanplatten.

Spanplatten können Formaldehyd enthalten

Spanplatten sind ein preiswerter Werkstoff für Möbel. Dabei werden Holzfasern mit Hilfe von Klebstoffen zu Platten verpresst. Eine mögliche Gesundheitsgefahr kann von Spanplatten ausgehen, wenn im Kleber Formaldehyd enthalten ist. Die Chemikalie wird mit der Zeit ausgedampft und kann sich in der Raumluft anreichern.


Deshalb werden Spanplatten in Emissionsklassen unterteilt. Wollen Sie Möbel aus Spanholz kaufen, erkundigen Sie sich, ob die verwendeten Platten mindestens das Emissions-Label E1 tragen. Das bedeutet, dass die Menge an ausgasendem Formaldehyd weniger als 0,1 ppm (parts per million oder Milliliter pro Kubikmeter) in der Raumluft beträgt. Dieser Wert gilt laut Gesetz als unbedenklich. Noch besser sind E0-Spanplatten – sie enthalten den ungiftigen Ersatzstoff Lignin.

Schauen Sie bei Möbeln aus Spanholz auf die Verarbeitung

Ob Spanplatten Formaldehyd freisetzen, hängt nach Ansicht des VDM davon ab, wie sie endbehandelt sind. „Wenn die Platten oben und unten mit einer Folie versiegelt oder lackiert und die Kanten an der Seite verschlossen sind, wird man als Verbraucher nicht an die rohe Spanplatte herankommen“, sagt Ursula Geismann.


Das heißt im Umkehrschluss: Sehen Sie sich den Schrank oder das Regal genau an. Gibt es Stellen, an denen Sie das blanke Holz sehen können? Je größer die unbeschichteten Flächen sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Formaldehyd mit der Zeit austritt. Ganz ohne offene Stellen kommen viele Möbel aus Spanplatten nicht aus – Fräsbohrungen für Scharniere oder Nute sind meist nicht lackiert oder furniert.

Vollholz-Möbel sind eine Alternative

Um die Formaldehyd-Problematik zu vermeiden, können Sie bei der Ausstattung des Kinderzimmers auf Möbel aus Massivholz zurückgreifen. Sie sind deutlich teurer, dafür aber langlebiger und gesünder. Am besten sind Möbel mit unbehandelten Oberflächen. Sind sie lackiert, fragen Sie sicherheitshalber nach, ob ein lösungsmittelfreier Lack verwendet wurde.

Besser zu geprüften Kindermöbeln greifen

Ob ein Möbelstück gänzlich frei von oder zumindest arm an Schadstoffen ist, lässt sich an verschiedenen Siegeln und Labels erkennen. Bei Vorhandensein des Öko-Test-Labels sind Sie auf der sicheren Seite. Bei den Tests des Verbrauchermagazins seien die Prüfkriterien hinsichtlich der Inhaltsstoffe deutlich strenger als es geltendes Recht vorschreibe, sagt Jörg Döbereiner von Öko-Test.


Schadstoffarme Möbel erkennen Sie auch am Umweltzeichen „Blauer Engel“. Die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel (DGM) prüft Möbel ebenfalls und vergibt das Emissionslabel sowie das RAL-Gütezeichen („Reichsausschuss für Lieferbedingungen“). Bei letzterem gelten etwa für Formaldehyd deutlich niedrigere Grenzwerte, als sie der Gesetzgeber fordert.

Bei Möbeln mit Textilien auf Gütezeichen achten

Nicht nur in Holz-, sondern auch in Polstermöbeln, Matratzen und Heimtextilien wie Kissen oder Bettwäsche können sich gesundheitsschädliche Substanzen verbergen. Eine Orientierungshilfe bietet zum Beispiel das Siegel „Oeko-Tex 100“. Es bescheinigt, dass in den Textilien keine giftigen Farben oder Schwermetalle enthalten sind.


Matratzen sollten frei von Flammschutzmitteln und Weichmachern sein. Die ökologischen Alternativen aus Kokos oder Naturlatex können mit chemischen Mitteln belastet sein, da ihre natürlichen Bestandteile anfällig für Insektenfraß sind. Eine gesunde Matratze erkennen Sie ebenfalls am „Oeko-Tex 100“-Zeichen oder der Kennung „Toxproof“ des TÜV Rheinland.

Vor dem Kauf: Testberichte studieren

Eine gute Hilfe können auch Produkttests sein. Verbraucherinstitutionen wie die Stiftung Warentest, privatwirtschaftliche Organisationen wie Öko-Test oder manche Eltern-Zeitschriften untersuchen regelmäßig Kindermöbel. Neben der Sicherheit kommen dabei auch die Inhaltsstoffe auf den Prüfstand.


Doch Vorsicht vor Pseudo-Vergleichen: Manche Tests im Internet sind nur scheinbar objektiv, warnt etwa die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Seriöse Informationen erkennen Sie etwa an einheitlichen Prüfkriterien und nachvollziehbaren Erklärungen, wie Bewertungen zustande gekommen sind.

Zur Sicherheit im Geschäft nachfragen

Falls Sie sich unsicher sind, ob in einem Möbelstück problematische Substanzen verarbeitet sind, wenden Sie sich zur Sicherheit an den Händler. Fragen kostet nichts – und ist mittlerweile durchaus üblich geworden. „Die Verbraucher sind für das Thema Schadstoffe in Möbeln sensibilisiert“, sagt VDM-Sprecherin Geismann. „Gerade im Kindermöbelbereich erkundigen sich die Eltern sehr genau, was sicher und gut ist.“

Eine Antwort ist Ihr gutes Recht

Auf eine Antwort haben Sie sogar Anspruch. Die europäische REACH-Verordnung räumt Verbrauchern in Bezug auf Chemikalien in Produkten ein Auskunftsrecht ein. Das Wort REACH ist die Abkürzung für Registrierung (registration), Bewertung (evaluation), und Zulassung (authorisation) von Chemikalien (chemicals). Demnach muss Ihnen der Händler innerhalb von 45 Tagen mitteilen, ob gewisse, als besonders besorgniserregend deklarierte Stoffe enthalten sind – selbst wenn Sie das Produkt nicht kaufen.

Second Hand kann die Belastung verringern

Damit Ihr Kind zumindest beim Mobiliar so wenig wie möglich mit bedenklichen Stoffen in Kontakt kommt, rät Öko-Test: Das Kinderzimmer besser nicht komplett mit neuen Holzmöbeln einrichten, sondern lieber auch ein paar Second Hand-Möbel besorgen. „Denn neue Möbel gasen aus“, erklärt Jörg Döbereiner, „und durch die Verwendung von gebrauchten Möbeln lässt sich diese mögliche Schadstoffbelastung reduzieren.“