So finden Eltern den richtigen Kinderstuhl

So finden Eltern den
richtigen Kinderstuhl

© iStock / DaveLongMedia

Essenszeit ist Familienzeit. Da wollen und sollen auch die Kleinsten mit am Tisch sitzen. Das klappt am besten mit einem eigenen Stuhl. Immonet zeigt, was einen guten Kinderstuhl ausmacht und worauf Eltern bei der Anschaffung achten sollten.

Ab wann braucht man einen Kinderstuhl?

Im Gegensatz zu Kinderwagen oder Autoschale müssen sich Eltern nicht schon ab der Geburt des Nachwuchses mit dem Thema Kinderstuhl beschäftigen. Denn Kleinkinder lernen erst im Alter zwischen sechs und acht Monaten aufrecht zu sitzen. Vorher sollten sie auf keinen Fall in einem Stuhl Platz nehmen, denn Rücken- und Nackenmuskulatur sind noch nicht vollständig ausgebildet – es drohen Haltungsschäden. Mediziner taxieren den richtigen Zeitpunkt für einen Kinderstuhl auf den Moment, ab dem das Kind alleine und ohne Hilfe sitzen kann.

Hochstühle gibt es in verschiedenen Ausführungen

In Möbelgeschäften und im Internet wird eine Vielzahl von Stühlen speziell für Kinder angeboten. Dabei unterscheidet man verschiedene Arten: Preisgünstige Schalensitze bestehen aus einer Sitzschale aus Plastik und einem Gestell, das meist aus Metall gefertigt ist. Der sogenannte Kombihochstuhl setzt sich zusammen aus einem Stuhl und einem kleinen Tisch. Beide Elemente lassen sich gemeinsam als Hochstuhl oder separat als Tisch-Stuhl-Kombination verwenden.

Treppenstühle wachsen mit

Zur dritten und meistgekauften Ausführung gehören sogenannte Treppenstühle. Sie erlauben es, die Sitz- und Fußfläche in der Höhe und idealerweise auch der Tiefe entsprechend zur Größe des Kindes einzustellen. Man nennt sie deshalb auch mitwachsende Hochstühle. „Diese Stühle haben den Vorteil, dass sie sich ergonomisch an das Kind anpassen“, sagt Jörg Döbereiner vom Verbrauchermagazin Öko-Test. „So lassen sie sich länger nutzen, teilweise über viele Jahre hinweg.“


Besonders beliebt bei Eltern sind Treppenstühle aus Holz. Sie sind stabiler als Stühle aus Kunststoff. Manche Modelle sind mit einem kleinen Spieltisch ausgestattet. Die Preisspanne ist jedoch enorm groß – mitwachsende Hochstühle kosten zwischen 50 und 350 Euro.

Die optimale Sitzposition im mitwachsenden Hochstuhl

Seinen Vorteil der Ergonomie kann der mitwachsende Hochstuhl nur ausspielen, wenn das Kind richtig darin sitzt. Die optimale Sitzposition sieht so aus: Befindet sich das Kniegelenk des Kindes an der Vorderkante der Sitzfläche, sollte der Rücken die Lehne erreichen können. „Die Sitzfläche sollte auf keinen Fall in die Kniekehle drücken, sonst wird es auf Dauer sehr unbequem fürs Kind“, warnt Döbereiner. Ober- und Unterschenkel bilden einen Winkel von 90 Grad, gleichzeitig liegen die Füße mit der ganzen Sohle auf der Fußstütze.


Lässt sich die Tiefe der Sitzfläche nicht verstellen, sollten Eltern auf jeden Fall ein Kissen zwischen den Rücken des Kindes und die Stuhllehne schieben, damit das Kind einen Halt hat. Manche Hersteller bieten auch eigene Sitzverkleinerer an.

Ein guter Kinderstuhl muss sicher sein

Damit Kinder ihren Stuhl unbeschwert nutzen können, sollte er in puncto Sicherheit einige wichtige Eigenschaften erfüllen. Zu einen muss der Hochstuhl fest stehen und darf nicht kippen, wenn sich das Kind darin bewegt oder mit den Füßen von der Tischkante abstößt. Falls Rollen oder Räder angebracht sind, müssen mindestens zwei davon feststellbar sein.


Eine saubere Verarbeitung ist ebenfalls wichtig. Ein guter Kinderstuhl weist keine scharfen Kanten oder Nute auf, an denen sich Kinder verletzen könnten. Eltern sollten auch auf potenzielle Quetsch-Stellen achten - zum Beispiel dort, wo die Tiefe der Fußstütze eingestellt wird oder Streben aufeinander treffen.

Gurte mindern die Sturzgefahr

Der Nachwuchs sollte außerdem nicht aus dem Stuhl hinausfallen oder unter dem Sicherheitsbügel bzw. Spieltisch durchrutschen können. Empfehlenswert sind deshalb Sicherheitsgurte, die entweder bereits vormontiert sind oder zugekauft werden können. „Die Gurte sollten so beschaffen sein, dass Kinder nicht beide Beine auf einer Seite durchstecken und so trotzdem durchrutschen können“, rät Jörg Döbereiner. Ein Schrittgurt sollte es mindestens sein, eine höhere Sicherheit bieten Drei- oder Fünf-Punkt-Gurte. Das wachsame Auge der Eltern ersetzen aber auch sie nicht: Kinder sollten nie unbeaufsichtigt in einem Hochstuhl sitzen.

Besser ohne Schadstoffe

Ein wichtiger Aspekt für einen guten Kinderstuhl ist seine Schadstofffreiheit. „Kinder haben täglich Kontakt mit dem Stuhl und das sogar mehrmals“, sagt Döbereiner. Gefährliche Gifte sind insbesondere Formaldehyd im Holzleim, Weichmacher oder optische Aufheller in Sitzbezügen. Öko-Test hatte 2016 in seiner jüngsten Untersuchung von zehn mitwachsenden Kinderhochstühlen aus Holz im Lack mancher Modelle den Weichmacher Dibutylphtalat (DBP) festgestellt. DBP wird als fortpflanzungsgefährdend eingestuft. „Der Stoff sollte in keinem Produkt für Kinder enthalten sein“, sagt Döbereiner.


Umso wichtiger ist es daher, dass Lacke und Farben schweiß- und speichelfest sind. So können sich keine bedenklichen Stoffe lösen, wenn etwa kleine Kinder am Hochstuhl lutschen oder den Bezug in den Mund nehmen.

Siegel können eine Orientierung sein

Ob Kinderhochstühle die Anforderungen in Sachen Sicherheit erfüllen, können Eltern selbst nur schwer einschätzen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt, beim Kauf zum Beispiel auf das GS-Zeichen zu achten („Geprüfte Sicherheit“). Blind darauf verlassen sollten Verbraucher sich allerdings nicht, gibt Döbereiner zu bedenken. Im Kinderhochstuhl-Test von Öko-Test seien vier der fünf Stühle mit GS-Zeichen vom beauftragten Prüfinstitut bemängelt worden – wegen Quetschgefahr, scharfer Kanten und in einem Fall wegen Durchrutschgefahr.


Auch eine mögliche Belastung mit Schadstoffen ist nicht ohne Weiteres zu erkennen. Auf der sicheren Seite sind Eltern Öko-Test zufolge mit Produkten, die das „Eco-Institut-Label“ oder das Label „ÖkoControl“ tragen. Beide stellen verhältnismäßig strenge Anforderungen hinsichtlich chemischer Inhaltsstoffe.

Vor dem Kauf: Genau hinschauen und Kind probesitzen lassen

Trotz aller Siegel ist es ratsam, den Kinderstuhl vor dem Kauf mit allen Sinnen selbst zu testen. Döbereiner rät von einem „blinden“ Kauf in Online-Shops ab: „Im Laden kann man sich den Stuhl aufbauen lassen, kann selbst über die Kanten fahren.“ Ein unangenehmer, chemischer Geruch wäre ein starkes Argument gegen einen Kauf. „Wenn der Stuhl streng riecht, würde ich die Finger davon lassen“, sagt Döbereiner mit Blick auf eventuelle Schadstoffe.


Ein weiterer Vorteil des stationären Handels: Eltern können ihr Kind zum Kauf mitnehmen. Wie sitzt es im Stuhl? Lässt sich ein Hochstuhl überhaupt auf die Körpermaße des Kindes einstellen? Solch ein Praxistest bewahrt vor Fehlkäufen – und hilft Eltern, den optimalen Stuhl für ihr Kind zu finden.