Pollenallergie: Auslöser, Symptome und Behandlung

Pollenallergie:
Auslöser, Symptome und Behandlung

© Dawid Zawiła / unsplash.com

Für viele Menschen beginnt ab dem Frühling ihre große Leidenszeit: Sie niesen, haben Schnupfen und die Augen tränen. Sie haben eine Pollenallergie. Diese ist die häufigste Inhalationsallergie. Immonet erklärt, wie sie entsteht und welche Möglichkeiten Betroffene haben, um die Auswirkungen einzugrenzen.

Entstehung einer Pollenallergie

Der landläufige Begriff Heuschnupfen klingt harmlos, doch der Körper wird dabei in einen Ausnahmezustand versetzt. „Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem mit einer Abwehrreaktion auf in der Umwelt vorkommende Stoffe. Meistens sind das Proteinverbindungen in oder auf den Allergenträgern“, erklärt Professorin Claudia Traidl-Hoffmann, Direktorin der Umweltmedizin am Helmholtz Zentrum München.

Zu einer Allergie kommt es in zwei Schritten: „Zunächst muss eine Sensibilisierung des Immunsystems erfolgen: Es wird also auf einen bestimmten Umweltstoff scharf gestellt. Erst im zweiten Schritt, wenn das Immunsystem erneut mit diesem Umweltstoff in Kontakt gerät, kann es auch zu einer allergischen Reaktion und den entsprechenden Symptomen kommen“, so Traidl-Hoffmann. Aber: Dass das Immunsystem scharf gestellt sei, heißt noch nicht, dass es auch schießt, betont die Medizinerin. „Es werden auch bei vielen Personen Antikörper im Blut nachgewiesen, die gar keine allergischen Symptome zeigen.“

Die Entwicklung einer Allergie könne ein schleichender Prozess sein, bei dem sich die Symptome erst nach Jahren stärker zeigen. Verändert sich die Symptomatik, sprechen Mediziner von einem Etagenwechsel – etwa dann, wenn aus dem Schnupfen eine Asthmaerkrankung wird. Eine kleine Hoffnung für Allergiker: In seltenen Fällen entwickeln sich Allergien auch zurück.

Birke und Graspollen sind häufigste Auslöser

„Die Pollenallergie ist die häufigste Inhalationsallergie. Dabei ist die Birke neben Graspollen der häufigste Auslöser“, sagt Traudl-Hoffmann. Allergische Reaktionen werden zudem öfters von Hasel, Erle und Beifuß ausgelöst. „Eine recht neue Allergie in unseren Breitengraden ist die gegen Ambrosia. Diese Pflanze wurde durch Überseetransporte wie Tierfutter nach Europa eingeschleppt. Sie wirkt hoch allergen.“ Das heißt, schon eine niedrige Pollenkonzentration in der Luft löst starke Reaktionen aus.

Auch der Klimawandel stellt ein Problem für Allergiker dar. „Durch ihn fliegen die Pollen früher im Jahr und auch länger. Gründe dafür sind unter anderem höhere Durchschnittstemperaturen und längere Trockenperioden“, so Traudl-Hoffmann. Dazu kommen Umweltbelastungen, etwa durch Dieselabgase. „Schadstoffe können Pollen so verändern, dass sie für Allergiker aggressiver werden“ weiß Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund. Gleichzeitig werden die Patienten durch Umweltbelastungen empfindlicher gegenüber den Allergieauslösern. Es gilt: „Jeder Pollen folgt seinen eigenen Gesetzen. Sie fliegen zu unterschiedlichen Jahres-, aber auch Tageszeiten. Das kann sich von Ort zu Ort unterscheiden. Pollen kann selbst durch Laster in weit entfernte Regionen gebracht werden“, sagt Traidl-Hoffmann.

Symptome einer Pollenallergie

Typische Symptome bei einer Pollenallergie sind Augentränen und -jucken, Niesreiz, Fließschnupfen, verstopfte Nase, Atemnot bis hin zum Asthma bronchiale. Auch Hautreaktionen, Kopfschmerzen und Schlafstörungen können auftreten. „Die Stärke der Beschwerden ist von der Pollenkonzentration abhängig. Gesundheitszustand und seelische Verfassung spielen auch eine Rolle“, sagt Lämmel.

Die Symptome können denen einer Erkältung ähneln. „Ein Anzeichen für eine Allergie ist eine saisonale Häufung der Symptome. Auch wenn diese in den immer gleichen Situationen auftreten, spricht das für eine Allergie“, sagt Traidl-Hoffmann. Wer eine Allergie vermutet, sollte zum Arzt gehen. Der Spezialist kann per Pricktest herausfinden, auf welche Stoffe der Patient reagiert. Dabei werden kleine Mengen verschiedener Allergene in die Haut gebracht und die Reaktionen ausgewertet. Werden bei Patienten Allergien festgestellt, kann man die Symptome behandeln und versuchen, die Allergene zukünftig zu vermeiden.

Tückisch: Kreuzallergien

Viele Pollenallergiker reagieren auch auf bestimmte Nahrungsmittel. Kreuzallergien entstehen, da sich die Proteine verwandter Pflanzenarten ähneln und so ebenfalls Reaktionen des Immunsystems auslösen können. „Zu den typischen Symptomen gehören Kribbeln und Juckreiz bis hin zu Schwellungen der Mund- und Rachenschleimhäute“, so Lämmel. Wer auf Birke, Erle, Hasel reagiere, verträgt hauptsächlich Äpfel, anderes Kern- und Steinobst sowie Nüsse nicht. Menschen, die auf Gräser reagieren, entwickeln leicht Kreuzallergien gegen Tomate, Soja und Mehl.

Allergene vermeiden

Die Vermeidung von Allergenen ist für Allergiker eine der wichtigsten Maßnahmen. Dabei können sie auf Vorhersagen zum Pollenflug zugreifen. Allerdings: „Systematische Untersuchungen zu den Pollenflugzeiten fehlen in Deutschland noch. Lediglich in Augsburg existiert eine umfassende Ermittlung der aktuellen Pollenbelastung mithilfe des Polleninformationsdienstes“, so Traudl-Hoffmann.

Eine wichtige unterstützende Maßnahme für Allergiker ist daher ein Pollentagebuch. Hier wird eingetragen, wann und wie stark Symptome auftreten. „Ein Pollentagebuch zeigt, auf welche Pollen der Betroffene reagiert“, sagt Traidl-Hoffmann. Es wird analog in einem Heft oder digital geführt. „Es gibt auch Apps, die von Wissenschaftlern ausgewertet werden. Damit lässt sich herausfinden, ab welcher Pollenkonzentration in der Luft Symptome auftreten.“ So könne die Medikation angepasst werden. Mithilfe ihrer Beobachtungen können Betroffene den Allergenen leichter aus dem Weg gehen. „Da macht es Sinn, nicht gerade zu der Zeit zu lüften, zu der der allergieauslösende Pollen besonders stark fliegt. Birke erreicht die stärkste Konzentration in der Luft zum Beispiel gegen Mitternacht“, sagt Traidl-Hoffmann.

Allergiker können weitere unterstützende Maßnahmen ergreifen. „Dazu gehört, sich abends vor dem Schlafengehen zu duschen und die Haare zu waschen, damit sich die darin befindlichen Pollen nicht auf dem Kissen verteilen und eingeatmet werden“, erklärt die Professorin Traidl-Hoffmann. Getragene Kleidung sollte nicht im Schlafzimmer liegen gelassen werden. Wäsche und Bettwäsche trocknet während der Pollensaison nach Möglichkeit drinnen oder im Trockner. Der Staubsauger sollte mit einem Hepafilter ausgestattet sein, damit Staub und Allergene nicht wieder herausgeblasen werden. Außerdem kann feuchtes Staubwischen im Haus helfen, die Pollenbelastung zu senken.

Neben einem kontrollierten Lüftungsverhalten können Pollenschutzgitter für Linderung sorgen. Sie werden in die Fenster gespannt. Das Netz eines guten Filters ist so eng gewebt, dass es einen Großteil der Pollen draußen hält – je weniger Pollen in der Luft, umso schwächer sind die Beschwerden der Betroffenen. Durch die engen Maschen kommt aber auch weniger Luft, zudem ist die Sicht eingeschränkt. Zur Reinigung wird der Gitterstoff abgewischt oder kommt in die Waschmaschine. Auch beim Autofahren können Allergiker auf sich achten: Die Fenster sollten geschlossen bleiben. Wichtig ist es, die Innenraumfilter, die Staub, Schadstoffe, aber auch Pollen abhalten, einmal im Jahr auszutauschen und die Filterumgebung reinigen zu lassen.

Antihistaminika blockieren eine allergische Reaktion

Häufig werden bei Pollenallergien Antihistaminika eingesetzt. Histamin ist ein zentraler Botenstoff im Organismus und spielt eine große Rolle bei allergischen Entzündungen. Der Wirkstoff Antihistamin blockiert den Rezeptor, an dem das Histamin andocken würde und verhindert allergische Symptome. Eine proaktive Behandlung mache Sinn, sagt Traidl-Hoffmann: „Ist für den nächsten Tag starker Pollenflug angesagt, ist es vernünftig, schon abends ein Antihistamin einzunehmen. Letztlich brauchen Patienten dann weniger Medizin als würden sie erst bei schon auftretenden Symptomen zu einem Mittel greifen.“

Eine Kehrseite hat die Einnahme von Antihistaminika allerdings auch. „Zu den Nebenwirkungen von Antihistamin gehören Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und ein Nachlassen der Leistungsfähigkeit“, sagt Traidl-Hoffmann. Problematisch sei das vor allem bei längerer Einnahme. „Für Kinder kann das bedeuten, dass die schulischen Leistungen nachlassen.“ Deswegen sind Antihistaminika kein Allheilmittel bei Allergien.

„Bei stärkeren Beschwerden können entzündungshemmende, cortisonhaltige Nasensprays wirksamer sein. Diese wirken nicht sofort, sondern müssen erst einige Tage angewendet werden“, erklärt Lämmel. Eine „Cortisonangst“ sei bei dieser Anwendung unbegründet, da der Wirkstoff gezielt lokal an der Nasenschleimhaut und in nur geringer Konzentration eingesetzt werde.

Immuntherapie kann langfristig helfen

Medikamente lindern die allergischen Symptome. Ärzte empfehlen jedoch eine spezifische Immuntherapie, auch als Hyposensibilisierung bekannt. Dabei wird das Immunsystem an die Allergene gewöhnt, so dass es nicht mehr auf die Substanzen reagiert. Damit kann auch ein Etagenwechsel, also der Ausbruch von Asthma als Folge der Allergie verhindert werden. „Hyposensibilisierung ist die einzige adäquate Therapie, die wir haben, die die Erkrankung und nicht nur die Symptome bekämpft“, betont Lämmel. Sie wird bei Pollenallergikern von den Krankenkassen getragen.

„Eine Hyposensibilisierung wird entweder subkutan per Spritze oder sublingual, per Tropfen unter die Zunge, verabreicht“, so Traidl-Hoffmann. Die Therapie dauert mehrere Jahre. Patienten müssen zur Behandlung regelmäßig in die Praxis kommen und Zeit einplanen. „Wichtig ist, dass der Patient nach der Gabe der Mittel noch eine halbe Stunde in der Praxis bleibt und vom Arzt beobachtet werden kann. Denn auch wenn es sehr selten – bei weniger als einem Prozent der Patienten – vorkommt, kann es zu einer anaphylaktischen Reaktion kommen“, erklärt Traidl-Hoffmann. Nebenwirkungen sind die Ausnahme, bestätigt auch Lämmel. Im Normalfall gebe es keine Komplikationen. „Voraussetzung ist, dass die Diagnose stimmt und die Rückmeldung des Patienten an den Arzt genau ist.“

Alternative Methoden

Immer wieder sind auch alternative Methoden wie Homöopathie und Akupunktur im Gespräch. „Es gibt einzelne Erfolgsmeldungen von Pollenallergikern, aber noch keine großen Studien zur Wirkung homöopathischer Behandlungsmethoden bei Allergien, die eine Wirksamkeit nachweisen würden. Ähnlich sieht das bei der Akupunktur aus“, sagt Lämmel. Demzufolge sind die Erfolgsaussichten bei einer Hyposensibilisierung bislang noch am größten.