Pelletheizung: Kosten und Tipps

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Es warm und gemütlich und dennoch ein gutes Gewissen haben – geht das? Holzpelletheizungen werden immer wieder als klimafreundliche Alternative zu Öl und Gas gepriesen. Doch wie funktioniert eigentlich eine Pelletheizung? Was sind ihre Vor- und Nachteile? Für wen eignet sich eine Zentralheizung auf Basis von Pellets? Immonet hat die wichtigsten Fakten rund um die Pelletheizung zusammengefasst.

Die Pellets

Wer mit Holzpellets heizen möchte, hat zwei Möglichkeiten: Er kann eine Zentralheizung auf Basis von Holzpellets nutzen oder einen für Pellets geeigneten Einzelofen als Ergänzung zur Zentralheizung in einem häufig genutzten Raum, wie dem Wohnzimmer, aufstellen.

Die Pellets sind zylindrische Presslinge, die unter hohem Druck aus getrocknetem und naturbelassenem Restholz hergestellt werden. Chemische Zusätze sind nicht erlaubt. „Das Holz stammt derzeit vor allem aus deutschen Wäldern, etwa Sturmholz. Aber auch Reste aus der Holz- und Möbelindustrie werden dafür verwendet“, sagt Wolf-Dieter Dötterer vom GIH Bundesverband der Gebäudeenergieberater, Ingenieure, Handwerker.

Wenn Pellets ohnehin aus Holz bestehen, wieso also nicht direkt Scheitholz im Kamin verbrennen? Beim Verbrennen von Scheitholz entstehen starke Emissionen. Diese fallen bei Pellets viel geringer aus. Zudem wird mit modernen, automatischen Pelletheizungen eine sehr hohe Effektivität erreicht. Der Heizwert von Pellets liegt bei etwa 4,9 Kilowattstunden pro Kilogramm. Im Vergleich dazu liegt der Heizwert von luftgetrocknetem Holz nur bei etwa 3,4 Kilowattstunden pro Kilogramm.

Zentral für das Heizen mit Pellets ist auch der ökologische Gedanke. „Holzpellets sind quasi CO2-neutral, weil sie beim Verbrennen nur so viel Kohlenstoffdioxid freisetzen, wie der Baum vorher beim Aufwachsen aufgenommen hat“, erklärt Christina Rocker von der Deutschen Energie-Agentur (Dena).

Der Holzpelletofen als Einzelofen

Ein Einzelofen funktioniert ähnlich wie ein herkömmlicher Kaminofen. Neben einem Elektroanschluss muss also ein Schornstein vorhanden sein. Der integrierte Vorratsbehälter fasst in der Regel Pellets für einige Tage, dieser muss zwar per Hand aufgefüllt werden, die Zufuhr zur Verbrennung erfolgt aber automatisch.
Bei den Einzelöfen gibt es zwei Typen: Luftgeführte geben eine angenehme Strahlungswärme ab, diese können für extrem gut gedämmte Häuser mit sehr dichten Fenstern unter Umständen ungeeignet sein.

Wasserführende Einzelöfen können  sogar an das vorhandene Heizungssystem angeschlossen werden und bei Niedrigenergiehäusern diese zeitweilig, zum Beispiel im Herbst und Frühjahr, ersetzen. Sinnvoll ist das allerdings nur, wenn ein entsprechender Pufferspeicher – also ein System zur Zwischenspeicherung der Wärmeenergie – vorhanden ist. Ein Ofen mit einer Leistung von 10 kW verbraucht im Schnitt rund eine Tonne Pellets im Jahr.

„Der Arbeitsaufwand ist relativ gering, neben dem Befüllen alle zwei bis drei Tage, muss etwa einmal im Monat die Asche per Hand weggebracht werden“, sagt Dötterer. „Wer nicht seine komplette Anlage austauschen möchte, aber nach einer umweltfreundlichen, günstigen und einfachen Lösung sucht, ist mit einem Holzpelletofen gut bedient“, sagt Dötterer. Er rät allerdings davon ab, den erstbesten Ofen im Baumarkt zu kaufen. „Leider stimmen die Angaben zur Effizienz da nicht immer.“ Ein Einzelofen sollte einen Brennwertnutzen von mindestens 80 bis 90 Prozent haben. Die Preise beginnen bei etwa 1700 Euro.

Die Pelletheizung als Zentralheizung

Pelletheizungen als Zentralheizungen sind in Betrieb und Wartung mit Gas- und Ölheizungen vergleichbar und werden für die Erwärmung des Brauchwassers und das Heizen des Hauses genutzt. Die Pellets werden automatisch und nach Bedarf in die Brennkammer transportiert. Das kann über unterschiedliche Systeme erfolgen. Häufig arbeiten die Öfen mit einer Förderschnecke.

Die freigesetzte Energie wird genutzt, um das Wasser des Heizkreislaufs des Hauses zu erwärmen. Da Pelletheizungen in der Aufwärmphase weniger effektiv arbeiten, wird ein Pufferspeicher benötigt. Dieser speichert die Wärme verlustarm bis sie abgerufen wird.

„Eine Zentralheizung auf Basis von Holzpellets eignet sich grundsätzlich für jeden“, sagt Dötterer. Es gebe nur eine Ausnahme: Häuser, die über sehr wenig Platz verfügen. Für die Lagerung der Pellets sollte man bei einem Einfamilienhaus mindestens fünf Kubikmeter Raum haben. „Der Vorrat sollte so groß sein, dass er für für eine bis anderthalb Heizperioden ausreicht“, rät Dötterer. Für ein Einfamilienhaus brauche man 1,5 bis 5 Tonnen Pellets, je nach energetischem Zustand des Hauses.

Die Pellets können wie Öl im Keller gelagert werden. „Es gibt aber auch die Möglichkeit, sie in Sacksilos vor dem Haus zu deponieren. Eingefasst mit Holzverkleidungen fällt das kaum auf“, sagt Dötterer. Die Ansaugleitung zur Heizung könne qua einfaches Rohr unauffällig im Boden verlegt werden. Ebenfalls beim Faktor Platz zu bedenken: Auch der Pufferspeicher benötigt Raum.

„Moderne Holzpelletheizungen funktionieren genauso komfortabel und verlässlich wie konventionelle Heizsysteme“, sagt Rocker und weist auf einen weiteren Vorteil hin: „Die Energiekosten lagen in der Vergangenheit recht konstant niedriger als bei Öl und Gas.“

Die Kosten

Zum Vergleich: Ein Liter Öl kostete zuletzt rund 70 Cent (November 2014), das entspricht der Heizleistung von zwei Kilogramm Pellets, für die man etwa 50 Cent (Kilopreis 25 Cent) bezahlt. „Die großen modernen Pelletheizungen erreichen einen Brennwertnutzen von annähernd 100 Prozent. Ein sehr guter Wert. Im Vergleich: Ölheizungen erreichen nur rund 80 Prozent. Das sollte man bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit ebenfalls bedenken“, sagt Dötterer.

Zwar sind Holzpelletheizungen im Betrieb sehr günstig, allerdings sind die Anschaffungskosten auch höher als bei einer Gas- oder Ölheizung. „Für eine Holzpelletheizung mit allen benötigten Komponenten und Umbauten muss man mit  rund 15 bis 20.000 Euro rechnen“, sagt Dötterer. Gas- oder Ölheizungen kosten etwa die Hälfte.

Fördermöglichkeiten

Diesen Nachteil will die öffentliche Hand ausgleichen. Sie fördert Biomasseanlagen, zu denen Holzpelletheizungen zählen, aufgrund ihrer Bedeutung als Umwelt- und vor allem Klimafreundliche Alternative. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW, vergibt günstige Kredite für Immobilienbesitzer, die ihre Heizungsanlage auf erneuerbare Energien umstellen wollen. Voraussetzung: Die bisherige Heizung muss vor 2009 eingebaut worden sein. Zudem gelten technische Mindeststandards, die zuvor abgeglichen werden sollten. Profitieren können auch Hausherren, die nicht selbst sanieren, sondern sanierten Wohnraum kaufen.

Das Bafa, des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, fördert Pelletöfen mit Wassertasche und Pelletkessel mit einem Zuschuss. Die Programme von KfW und Bafa lassen sich kombinieren, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Dazu zählt das Erreichen des KfW-Effizienzhausstandards und das Einhalten bestimmter Grenzwerte.

Vorteile

  • Holzpellets sind günstiger als Öl – ein wirtschaftlicher Vorteil für die Verbraucher. Außerdem lassen sich die Preisentwicklungen für Pellets leichter abschätzen, Experten erwarten geringere Preissteigerungen als bei fossilen Brennstoffen.
  • Pellets sind umweltfreundlich, da es sich um nachwachsende Rohstoffe handelt.
  • Pellets aus Holz sind CO2-neutral, da sie nur so viel Kohlenstoffdioxid freisetzen, wie der Baum zuvor aus der Luft gewonnen und gespeichert hat. Zusätzliches CO2 wird nur bei Produktion und Zustellung freigesetzt. Daher sollte man auf regionale Produkte achten.
  • Heizungen auf Basis von Holzpellets lassen sich mit anderen (umweltfreundlichen) Energiequellen kombinieren. Häufig werden sie mit Solarthermieanlagen zusammen genutzt.
  • Wer in seinem Haus auf regenerative Energien setzt, kann Förderungen erhalten.
  • Beim Heizen mit Pellets sind Verbraucher relativ flexibel. Denn Pellets lassen sich gut lagern. So kann man sie schon im Sommer kaufen, wenn sie besonders günstig sind.

Nachteile

  • Zentralheizungen auf Basis von Pellets sind deutlich teurer als Öl- oder Gasheizungen.
  • Für das Heizen mit Holzpellets braucht man viel Platz: Dieser wird für die relativ große Heizung, den Pufferspeicher aber auch für das Lagern der Pellets benötigt. Es ist deshalb vor allem für größere Einfamilien- oder Mehrfamilienhäuser geeignet.
  • Die Versorgungssicherheit könnte bei sehr großer Nachfrage ein Problem werden: Dann wäre der Import aus anderen Ländern nötig, würde das den Preis und die Co2-Bilanz verschlechtern.
  • Beim Kauf der Pellets sollte auf die Herkunft geachtet werden: Handelt es sich um Importhölzer, verschlechtert sich die Klimabilanz drastisch, bei Südamerikanischen Hölzern ist die Wiederaufforstung fraglich.
  • Die energetisch weniger effiziente Aufwärmphase dauert bei Pelletheizungen länger als beim Heizen mit Öl oder Gas. Daher wirken sich kurze Brennphasen negativ auf die Effizienz aus. Dies lässt sich jedoch weitgehend mit einem System zur Wärmepufferung ausgleichen.

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