Im Vergleich: Effizienzhaus, Passivhaus und Plusenergiehaus

Passivhaus
© Fotolia / Stefan Fister

Geld sparen und die Umwelt schonen – Werte, die viele Hausbauer teilen. Schließlich ist Energie teuer. Wer ein Haus baut, investiert lieber ein paar Euro mehr in das Projekt als später viel Geld durch Energieverluste zu verpulvern. Doch soll es ein Passivhaus, ein Plusenergiehaus oder ein Effizienzhaus sein? Und wo genau liegen die Unterschiede? Immonet vergleicht die verschiedenen Haustypen.

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Niedrigenergiehaus 

Eines haben alle Bezeichnungen gemeinsam: Sie sollen ausdrücken, dass es ums Energiesparen geht. Gerne wird mit derlei Begriffen für Immobilien und Bauprojekte geworben. Doch was steckt eigentlich hinter den Konzepten?

Von einem Niedrigenergiehaus ist die Rede, wenn ein Gebäude weniger Energie verbraucht als es die rechtlichen Anforderungen an Neubauten vorschreiben. Grundlage für diese Anforderung ist die Energieeinsparverordnung (EnEV), deren Referenzwerte regelmäßig überarbeitet werden. Ob ein Gebäude als Niedrigenergiehaus betitelt werden darf, hängt damit auch von der zeitlichen Perspektive ab. Der Begriff ist recht schwammig – ein einheitlicher Standard existiert nicht.

Basis eines Niedrigenergiehauses ist in der Regel eine optimale Wärmedämmung des Daches, der Außenwände und die Isolierung der Fenster. Nicht verwechselt werden sollte es mit dem Niedrigstenergiehaus, dessen Anforderungen noch unter denen eines Passivhauses liegen.

Nullenergiehaus 

Bei einem Nullenergiehaus handelt es sich um ein Gebäude mit einem hohen Energiestandard: Es produziert über das Jahr gerechnet genauso viel Energie, wie es verbraucht. Möglich ist das zum Beispiel durch eine eigene Photovoltaik- oder Solarthermieanlage. Auch große Fensterflächen, die zur Nutzung der Sonneneinstrahlung nach Süden ausgerichtet sind, ein gutes Verhältnis von Oberfläche zu umbautem Volumen eines Gebäudes und eine sehr gute Dämmung sind wichtige Elemente bei einem Nullenergiehaus.  

Passivhaus

Ein Passivhaus funktioniert im Prinzip ähnlich wie ein Nullenergiehaus: Der Energieverbrauch ist über das Jahr nicht höher als die gewonnene Energie. Solche Gebäude kommen in der Regel ohne eine klassische Heizung aus. Dies gelingt durch eine sehr hohe Nutzung passiver Wärmequellen wie der Sonneneinstrahlung und der Abwärme von Personen. Gleichzeitig werden Lüftungswärmeverluste vermieden, indem eine Lüftungsanlage eingesetzt wird. Sogenannte Erdwärmetauscher wärmen etwa die Frischluft von außen vor.

Für das Passivhaus gilt ebenso wie für das Nullenergiehaus: „Der Energiebedarf und -verbrauch wird über das gesamt Jahr gegengerechnet“, erklärt Thomas Hentschel, Energieexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Beide Haustypen müssen also durchaus Energie von außen beziehen, wenn der Bedarf höher ist als die aktuelle Produktion. Ein Umstand, der den noch geringen Speicherkapazitäten geschuldet und in Deutschland vor allem jahreszeitlich bedingt ist.  

Nicht berücksichtigt wird sowohl beim Passiv- als auch beim Nullenergiehaus die Energie, die zur Erstellung des Gebäudes benötigt wird. Diese sogenannte graue Energie setzt sich zusammen aus der Energie, die für Herstellung, Transport und Einbau der Baumaterialien benötigt wird.

Für das Passivhaus gibt es eine Zertifizierung. Sie wird vom Passivhaus Institut vorgenommen und ist an bestimmte technische Kriterien gebunden. „Es gibt Häuser, die grundsätzlich ähnliche energetische Werte haben wie Passivhäuser, aber dennoch keine sind, weil ihnen die Zertifizierung fehlt“, erklärt Hentschel.

Plusenergiehaus 

Der Name verrät es schon: Ein Plusenergiehaus produziert mehr Energie als es – beziehungsweise seine Bewohner – verbrauchen. Es hat also eine positive Energiebilanz. Der Energiebedarf wird aus regenerativen Energien gewonnen.

Auch ein Plusenergiehaus ist nicht automatisch energieautark. „Schließlich kann im sonnenreichen Sommer viel Strom produziert und ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Währenddessen muss im kalten und sonnenarmen Winter Strom aus dem Netz bezogen werden“, erklärt Hentschel.  Kann der Bedarf komplett selbst gedeckt werden, handelt es sich um ein energieautarkes Plusenergiehaus. Die Kosten für die Herstellung eines solchen Gebäudes sind im Vergleich höher, werden aber als Investition in die Zukunft begriffen.

Effizienzhäuser 

Auch der Begriff Effizienzhaus beschreibt Häuser mit bestimmten Energiestandards. Dabei handelt es sich um eine Kategorisierung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Daher heißt es auch KfW-Effizienzhaus.   

Es gibt verschiedene Standards, die vom KfW-Effizienzhaus 40 Plus bis zum KfW-Effizienzhaus 115 reichen. Ein Effizienzhaus 100 entspricht dabei im Energieverbrauch den Werten, die die aktuelle EnEV vorgibt. Je kleiner die Kennzahl, umso besser ist die Energieeffizienz des Gebäudes. Ein Haus der Klasse 55 verbraucht im Schnitt entsprechend 45 Prozent weniger als in der EnEV vorgegeben.

„Die KfW fördert den Bau energieeffizienter Häuser und die Sanierung bestehender Gebäude nach energetischen Aspekten“, erklärt Hentschel. „Deshalb geht es bei der Typisierung letztlich um bestimmte Förderstandards.“ Hausbauer können Kredite und Zuschüsse beantragen, wenn sie die Normen erfüllen. Je besser die Klassifizierung, umso stärker die Förderung. Im Bereich Neubau gibt es mittlerweile nur noch für Wohnhäuser mit den KfW-Effizienzhaus-Standards 40 Plus, 40 und 55 eine Förderung.
 
„Ein Effizienzhaus 40 Plus entspricht von den Werten ungefähr einem Passivhaus, allerdings sind die Anforderungen nicht dieselben und auch die Berechnung erfolgt nach anderen Verfahren“, erklärt Hentschel.

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