Aus dem Sachkundenachweis wird eine Fortbildungspflicht

Aus dem Sachkundenachweis wird eine Fortbildungspflicht
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Lange wurde er diskutiert: der Sachkundenachweis für Makler. Nun ist er vorerst vom Tisch. Dafür kommt die Pflicht zur Fortbildung, ein entsprechender Beschluss wurde im Oktober 2017 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Fachleute sind davon größtenteils wenig begeistert. Immonet war auf Stimmenfang innerhalb der Branche.

Vom Sachkundenachweis zur Weiterbildungspflicht

Die geänderte Fassung des am 1. August 2018 in Kraft tretenden Gesetzes zur Berufsreglementierung von Maklern geht auf eine Empfehlung des Wirtschaftsausschusses zurück und wurde gegen die Stimmen der Opposition beschlossen. Gegen den Sachkundenachweis hatte sich unter anderem der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) stark gemacht, der Einschränkungen der Gewerbefreiheit befürchtet hat. „Der DIHK hielt den gesetzlichen Eingriff in die Berufsausübungsfreiheit der betroffenen Branche verfassungsrechtlich nicht für gerechtfertigt“, erklärt DIHK-Gewerberechtsexpertin Mona Moraht. Es hätten keine empirischen Belege für Missstände vorgelegen, die auf Grund der mangelnden Qualifikation von Maklern oder Verwaltern verursacht würden.

Immobilienexperte: Deutliche Kritik an der Politik

Peter Graf, Geschäftsführer der Deutschen Immobilien-Akademie an der Universität Freiburg, sieht das anders und bedauert, dass aus einer grundsätzlichen Pflicht zur Aus- eine Pflicht zur Fortbildung geworden ist. „Ich würde von den Politikern, die das beschlossen haben, schon gerne wissen, ob sie wirklich glauben, dass man mit dem Aufwand von 6,5 Stunden im Jahr in einem Fachgebiet auf dem Laufenden bleiben kann“, sagt Graf. Das Problem sei vor allem: „Die Weiterbildungspflicht setzt voraussichtlich auf nichts auf.“ Denn welches Vorwissen die Makler für Ihren Beruf mitbringen, wird nicht abgefragt. „Da wäre es besser gewesen, erst  gar nichts zu beschließen“, findet er deutliche Worte.

„Die neue Regelung entspricht nicht mal der Euro-Norm.“ Vor allem vor dem Hintergrund der sehr hohen Vermögenswerte, mit denen Makler arbeiten, und ihrer großen Verantwortung hält Graf die Regelung für unlauter. „Letztlich geht es ja um den Schutz der Bürgerinnen und Bürger beziehungsweise der Kunden.“

Forderung: Ausbildungsnachweis bereits bei Gewerbeanmeldung

Graf hat eine klare Vorstellung, wie eine gute Lösung aussehen würde: „Makler sollten ein Mindestmaß an Grundwissen in Immobilienwirtschaft und all ihren Nebendiskursen wie beispielsweise Wirtschaft, Recht, Wettbewerbsrecht, Finanzierung und Marktgegebenheiten nachweisen können. Dazu braucht es einen Ausbildungs-Eingangsnachweis bereits bei der Gewerbeanmeldung, also einen sogenannten Sachkundenachweis. Im zweiten Schritt sollte eine dauerhafte Weiterbildung von ihnen gefordert werden.“ Für eine vernünftige politische Regelung hätte die Euro-Norm eine gute, zumindest erste Orientierung geboten, so Graf.

IVD: Sehr enttäuscht

Auch Sun Jensch, Bundesgeschäftsführerin des IVD (Immobilienverband Deutschland der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen e.V.) ist mit dem jetzigen Stand der Regelung nicht zufrieden. „Wir sind sehr enttäuscht über das Ergebnis. Denn wir wollten eine Ausbildung für den Maklerstand und nicht nur eine Fortbildung“, sagt Jensch, die sich lange für den Sachkundenachweis stark gemacht hat. „Die Ausübung der Maklertätigkeit ist komplex und erfordert umfangreiches Wissen. Das wollten wir abgesichert sehen und hätten uns daher gewünscht, dass der Makler ein qualifizierter Beruf wird.“ Das Problem sieht Jensch vor allem darin, dass bisher jede Person als Makler tätig werden kann. „Wir wollen diese Gelegenheitsmakler nicht mehr auf dem Markt. Sie schaden dem Ruf und dem Image der ganzen Branche.“

Neuerung besser als nichts

Jensch ist andererseits nicht gänzlich unzufrieden. „Für uns ist es wichtig, dass überhaupt ein Gesetz kommt. Das ist jetzt eine Basis, auf der wir aufbauen können“, sagt sie. Die Fortbildungsverpflichtung über das gesamt Berufsleben sei immerhin mehr als der ursprüngliche Plan des Wirtschaftsministeriums, der zunächst eine Berufszulassungsprüfung vorsah, für die 15 Stunden Ausbildung reichen sollten. 

Positiv sei aus ihrer Sicht außerdem, dass Immobilienverwalter in das Gesetz eingebunden werden. Sie sollen eine Gewerbeanmeldung sowie eine Vermögensschadenshaftpflicht vorweisen müssen und unterliegen künftig ebenfalls der Fortbildungsverpflichtung. Die Bundesgeschäftsführerin hat sich zum Ziel gesetzt, das Gesetz in der nächsten Legislaturperiode auszubauen: „Wir wollen, dass der Makler gesetzlich verankert ein Beruf wird wie der Immobilienkaufmann und eine Zulassung verlangt. Denkbar wäre zum Beispiel ein Abschluss als Immobilienkaufmann mit dem Schwerpunkt Makler.“

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