Mietfactoring: Schutz vor Mietausfall

Mietnomaden
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Um Vermieter vor Betrügern zu schützen, die ihren Mietzahlungen nicht nachkommen, haben Immobilien-Versicherungen das „Mietfactoring“ auf den Markt gebracht. Lesen Sie hier, ob sich der Versicherungsschutz wirklich lohnt.

Neben der Mietausfallversicherung gibt es seit wenigen Jahren das so genannte Mietfactoring, bei dem rückständige Mietzahlungen vom Versicherer erstattet werden. Hier schließt der Vermieter einen Vertrag mit einem Factoring Unternehmen ab. Bevor dieser zu Stande kommt, holt der Versicherer eine Bonitätsauskunft vom Mieter ein und berechnet daraus die Vertragsgebühr.

Je höher das Risiko, desto höher die Kosten. Diese umfassen bis zu sieben Prozent  der Warmmiete sowie eine Abschlussgebühr, die je nach Anbieter etwa hundert Euro beträgt. Die Mietfactoring-Versicherung kann vor oder nach Unterzeichnung des Mietvertrags abgeschlossen werden. Die Verträge haben eine Laufzeit von sechs bis achtzehn Monaten und können je nach Tarif auch Schutz vor Vandalismus bieten. Im Falle, dass der Mieter seinen Zahlungen nicht nachkommt, greift die Mietfactoring-Versicherung nach circa drei Monaten. Eine Klage oder ein Mahnverfahren sind nicht notwendig, so wie es bei der klassischen Mietausfallversicherung der Fall ist. Die Gebühren für die Versicherung sind für den Vermieter steuerlich absetzbar.

Lohnt sich das Mietfactoring?

Auf den ersten Blick scheint die Versicherung für Privatvermieter, die zum ersten Mal ein Objekt gekauft haben und einen Kredit abbezahlen eine gute Option. Doch wer sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Versicherer durchliest, wird schnell auf die Fallstricke aufmerksam: Die Mietfactoring-Anbieter führen vor Abschluss der Versicherung eine Risikoanalyse durch und entscheiden danach, ob sie dem Vermieter einen Vertrag anbieten. Der Mieter muss so viele Leistungsvoraussetzungen erfüllen, dass das Risiko eines Mietausfalls sehr gering ist. Damit geht der Versicherer also kein echtes Risiko ein, denn die Factoring-Verträge werden nur bei solventen und zahlungswilligen Mietern eingegangen.

Somit erübrigt sich für den Vermieter eigentlich der Abschluss der Versicherung.  Entscheiden Sie sich dennoch für eine Mietfactoring-Police, sollten Sie die Verträge, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und die Identität des Anbieters genau prüfen. Unseriös sind Firmen, deren Impressum unvollständig ist: dazu gehören Adressdaten mit Gesellschaftsform, der Name Geschäftsführers und die Handelsregisternummer.

So schützen Sie sich vor Mietausfall auch ohne Versicherung

Eine Studie der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2010 zeigt, dass die Anzahl der Mietnomaden in Deutschland verschwindend gering ist. Etwa 50 Fälle im Jahr seien die Regel. Seit der Mietrechtsreform 2013 können Vermieter schneller gegen Mietausfälle vorgehen und Ihre Wohnungen räumen lassen.

Statt teure Policen gegen ein kaum vorhandenes Risiko abzuschließen, rät der Bundesverband der Immobilienberater, sich eingehend über die potenziellen Mieter zu informieren. Lassen Sie sich Selbstauskunft, Verdienstbescheinigung, aktuelle Kontoauszüge und eine Mietschuldenfreiheitsbestätigung geben und führen Sie eine Schufa-Abfrage durch. Lernen Sie Ihre Mieter persönlich kennen. Für die ersten drei Monate Mietausfall können Sie sich durch die vertragliche Vereinbarung einer Mietkaution absichern.

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