Licht und Belüftung im Badezimmer

Licht und Belüftung im Badezimmer

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Entspannen, pflegen, schön machen: Das moderne Badezimmer dient nicht nur der täglichen Körperhygiene, sondern ist auch ein Wohlfühlort. Einer der entscheidenden Faktoren für die Atmosphäre im Raum ist die Beleuchtung. Eine bewusste Lichtplanung zahlt sich daher aus. Doch welche Alternativen gibt es, wenn die Möglichkeiten im Bestandsbau eingeschränkt sind? Immonet hat die Antworten und weiß, wie das Licht im Bad richtig zur Geltung kommt.

Lichtplanung unabhängig vom Tageslicht vornehmen

Ein Badezimmer mit Tageslicht ist zwar für die meisten ein Pluspunkt in der Wohnung, die Lichtplanung im Bad sollte aber unabhängig davon erfolgen, ob ein Fenster vorhanden ist oder nicht. „Die Hauptnutzung von Bädern findet ohnehin meist zu Zeiten statt, wenn gar kein Tageslicht vorhanden ist: morgens und abends. Vor allem in den Wintermonaten ist es dann schon stockdunkel“, sagt Christian Wadsack vom Büro für Innenarchitektur Hofmann und Wadsack. Er plädiert daher für einen bewussten Umgang mit Licht im Bad. „Eine gute Badezimmerplanung umfasst auch das Licht und schafft genügend Auslässe für Lichtquellen“, sagt Wadsack.

Dunkle Fliesen schlucken Licht

„Im Badezimmer ist es wichtig, eine gute Allgemeinbeleuchtung für die Grundhelligkeit im Raum zu haben. Empfehlenswert ist eine Beleuchtungsstärke von mindestens 300 Lux“, sagt Lichtexpertin Iris Vollmann. „Dunkle Fliesen schlucken Licht, helle Fliesen reflektieren es. Das heißt, dass das Licht in dunkel gefliesten Bädern großzügiger, also heller geplant werden sollte.“

Spiegelbeleuchtung als wichtigste Lichtquelle

Die wichtigste Lichtquelle im Bad ist die Spiegelbeleuchtung. „Sie sollte von links und rechts kommen und die Leuchten nicht zu weit voneinander entfernt sein“, sagt Wadsack. Nur so wird das Gesicht schattenfrei ausgeleuchtet – vor allem beim Rasieren und Schminken ist das wichtig. „Licht ausschließlich von oben ist der Killer und produziert zu viele Schatten im Gesicht. Leider gibt es zu wenige wirklich geeignete Produkte für den Waschbeckenbereich mit Seitenlicht“, stellt Wadsack fest. Er empfiehlt im Zweifel ein bisschen kreativ zu werden und entsprechende Seitenleuchten selbst anzubringen. Wer keine Möglichkeit hat, links und rechts Leuchten zu montieren, sollte zumindest eine langes Linienlicht statt eines einzelnen Strahlers über dem Spiegel anbringen, so Wadsack. „Das kommt zwar immer noch aus der falschen Richtung, verteilt sich aber besser.“


Helligkeit und Gleichmäßigkeit sind die wichtigsten Gradmesser der Lichtqualität. Wadsack empfiehlt daher, mit einem Luxmesser zu prüfen, wie viel Licht tatsächlich an den wesentlichen Stellen ankommt. Denn je weiter die Lichtquelle entfernt ist, umso schwächer ist das Licht auf der angeleuchteten Fläche. „300 bis 400 Lux sollten schon unmittelbar auf der Nasenspitze gemessen werden können. Ältere Menschen brauchen sogar noch mehr Helligkeit.“ Luxmesser sind teils schon recht günstig zu haben und lassen sich auch mieten.

Experten setzen auf verschiedene Lichtquellen

„Eine gute Spiegelbeleuchtung kann in einem sehr kleinen Badezimmer bereits ausreichend sein“, sagt  Vollmann. „Für eine gute Atmosphäre tun sie aber noch nichts“, ergänzt Wadsack. Deshalb setzen die Lichtexperten auf zusätzliche Leuchten. „Wohnlichkeit im Bad lässt sich herstellen, wenn verschiedene Lichtquellen eingesetzt werden. Vielfalt und Flexibilität sind angesagt“, so Wadsack. „Zusätzliche Wandleuchten zum Beispiel in Nischen sorgen für ein großzügigeres Raumgefühl. Handelt es sich um ein großes Badezimmer, das als Wohlfühloase dienen soll, kann man mit richtig eingesetztem Licht Zonen gliedern“, sagt Vollmann.


Kleine Bäder können durch Licht visuell größer wirken. „Entscheidend ist nicht nur die Zahl der Lampen oder ihre Helligkeit, sondern auch ihre Positionierung. Die Lichtquelle sollte möglichst dicht an der Wand sein. Das wirkt behaglicher und bietet zudem eine bessere Lichtausbeute“, erklärt Wadsack. Übrigens: „Auch Duschen werden meist leider komplett falsch beleuchtet. Das Licht sollte im Duschbereich nicht von oben direkt auf den Kopf fallen, sondern von der Seite kommen. So fällt  das Licht zunächst auf die Wand und reflektiert von dort auf den Körper. Das wirkt angenehmer“, sagt Wadsack.


Zur modernen Badezimmerlichtgestaltung gehört auch indirektes Licht. Das kann zum Beispiel eine Waschtisch-Beleuchtung sein. „Eine Linienleuchte mit LED-Technik eignet sich dafür gut. Man kann sie individuell verlegen oder bereits als Komplettpaket kaufen“, sagt der Bad-Experte. Auch ein indirekt von hinten beleuchteter Handtuchwärmer kann in eine attraktive Lichtplanung integriert werden – das wirkt elegant und ist zudem sehr modern.

Im Trend: Individuelle Beleuchtung

„Energiesparlampen sind out. Sie wurden von modernen LEDs abgelöst. Diese bieten vielfältige Möglichkeiten des Einsatzes und der Gestaltung“, sagt Wadsack. „Der Trend geht dahin, das Licht individuell zu bestimmen und zu gestalten.“ Das beginnt bei der Helligkeit. Ein Dimmer ist die einfachste Lösung, um in einem Badezimmer für die notwendige Atmosphäre zu sorgen. „Morgens sollte das Licht den Menschen aktivieren. Das wäre am Abend aber kontraproduktiv. Wenn man sich für die Nacht fertig macht, benötigt der Körper sanfteres Licht“, erklärt Vollmann.


Entscheidend ist dafür nicht nur die Helligkeit, sondern auch die Lichtfarbe. Auch diese lässt sich bei manchen Leuchten verändern. „Warmweißes Licht mit Rotanteilen ist ideal zum Entspannen, kaltes Licht mit vielen Blauanteilen macht wach“, erläutert die Lichtexpertin. „Wer ausschließlich kaltes Licht im Bad hat, darf sich auch nicht wundern, wenn die Kinder abends nach dem Zähneputzen nicht ins Bett wollen.“ Unterschiedliche Lichtquellen für morgens und abends sind die einfachste Lösung, um den Bedürfnissen des Körpers gerecht zu werden.


Auch ein Bewegungsmelder im Bad, der an eine kleine gedimmte Leuchte angeschlossen wird, kann sinnvoll sein. Der Bewegungsmelder dient in diesem Fall als Nachtlicht, das beim Betreten des Raumes automatisch aktiviert wird. Das schwache und sanfte Licht trägt dazu bei, ein problemloses Wiedereinschlafen zu erleichtern.

Probleme bei Bestandsbauten

Ein häufiges Problem von Bewohnern älterer Bestandsbauten: Im Bad gibt es überhaupt nur zwei Anschlüsse für Licht – am Spiegel und an der Decke. „Ein mittiger Auslass in der Decke für die Beleuchtung ist vom Ansatz schon grundverkehrt“, sagt Wadsack. Der Weg, den das Licht bis zur Wand nehmen müsse, sei zu weit und das Licht verliere daher an Kraft und Wirkung.


Wer seine Deckenbeleuchtung in einer bestehenden Wohnung verändern möchte, kann zum Beispiel eine Deckenabhängung aus Gipskarton dafür nutzen und so die Auslässe für Licht neu positionieren. „So eine Decke ist relativ einfach umzusetzen. Es muss aber genug Raumhöhe da sein“, sagt Wadsack.


Vollmann schlägt eine weitere Option vor: „Schienensysteme können eine gute Wahl sein. Diese können mit unterschiedlichen Strahlern, Deckenflutern oder Pendelleuchten ausgestattet werden, um den unterschiedlichen Funktionsbereichen gerecht zu werden. Ein weiterer Vorteil: Die Lichtregie kann auch im Nachhinein immer wieder verändert und neu gestaltet werden.“ Strom im Bad ist eine heikle Sache und so rät Vollmann, die Elektroinstallation immer von einem Fachmann durchführen zu lassen.


Mietern, deren Möglichkeiten hinsichtlich des Badezimmerlichts stark eingeschränkt sind, empfiehlt Wadsack einen Umweg über die Steckdose. Auch so lassen sich weitere Lichtquellen ins Bad bringen. Wichtig ist dabei nur, dass die Leuchte für den Gebrauch in Feuchträumen zugelassen ist und die Lichtfarbe angenehm ist.

Belüftung im Bad

Licht und Luft sind für ein gemütliches und gesundes Bad unerlässlich. Besonders das regelmäßige Lüften beeinflusst die Raumqualität stark. Schließlich ist das Bad der Ort, an dem die meiste Luftfeuchtigkeit entsteht – und die kann zu Schimmel führen. Das physikalische Prinzip dahinter ist einfach: „Warme Luft nimmt mehr Wasser auf als kalte Luft. Die Feuchtigkeit lagert sich dann an den kältesten Stellen ab, also an den Außenwänden. Dort bildet sich Schimmel“, erklärt Wadsack.


Der größte Fehler, der im Bad gemacht werde, ist laut Wadsack der Versuch, lediglich die warme Luft im Zimmer zu behalten. Die Grundregel lautet: Zwei bis dreimal täglich mit breit geöffnetem Fenster stoßlüften. Vor allem nach dem Baden und Duschen muss für einen Luftaustausch gesorgt werden, damit die Feuchtigkeit hinausgelangen kann. „Es sollte aber auch nicht so lange gelüftet werden, bis alle Materialien komplett ausgekühlt sind“, sagt Wadsack. Das Bad sollte der wärmste Raum in der Wohnung sein. Sich mit Feuchtigkeit beschlagende Flächen – etwa Spiegel, Duschwände und Wandfliesen – kann man mit einem Fensterwischer abziehen und so die Feuchtigkeit reduzieren.


„Wer sein Bad renoviert, sollte nicht mehr so viele Fliesen verbauen, sondern diese nur dort einsetzen, wo sie wirklich notwendig sind“, rät Wadsack. Im Normalfall also hinter der Dusche und Wanne. Ansonsten setze man besser auf atmungsaktive Materialien. „Sie bieten einen Atmungsaktivitätspuffer. Das Wasser lagert sich dort nicht an, sondern wird aufgenommen und kann wieder ausdiffundieren“, sagt Wadsack. „Das entbindet aber natürlich nicht davon, für einen regelmäßigen Luftaustausch zu sorgen.“ Geeignete Materialien für die Wand sind etwa Oberflächenanstriche mit Baumwollbeflockung oder Putz. „Glasfasertapeten oder Latexfarben sind hingegen gar nicht geeignet, da sie die Wand hermetisch abschließen“, so der Badexperte.


Wer in einer Wohnung mit fensterlosem Bad lebt, hat weniger Optionen. „Dann ist eine gute Entlüftungsanlage wichtig. Sie darf nur eingesetzt werden, wenn die Badezimmertür Lüftungsschlitze hat.“ Zusätzlich empfiehlt Wadsack, die Tür zum Bad so oft wie möglich offen stehen zu lassen und die Nachbarräume gut quer zu lüften.