Hausstaubmilbenallergie: Auslöser, Symptome und Behandlung

Hausstaubmilbenallergie: Auslöser, Symptome und Behandlung

© Deagreez / iStock

Sie sind überall und sie können richtig krank machen: Hausstaubmilben. Die kleinen Spinnentiere leben in Matratzen, Kissen und Polstern. Für gesunde Menschen sind sie harmlos, schließlich ernähren sich die Milben nur von längst abgestorbenen Hautschuppen. Für Hausstaubmilbenallergiker jedoch sind sie ein Albtraum: tränende Augen, Niesen und Schnupfen sind die Symptome. Da die Allergie zu Asthma führen kann, sollten Betroffene ihr Leiden nicht auf die leichte Schulter nehmen. Immonet fasst die wichtigsten Fakten über die Allergie zusammen und verrät, wie man sie behandeln kann.

Die Hausstaubmilbe

Hausstaubmilben sind nur 0,1 bis 0,5 Millimeter groß und ernähren sich von menschlichen Hautschuppen. Sie fühlen sich dort wohl, wo eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht und leben gern in Matratzen und Bettwäsche. Ein frisch gereinigtes Kopfkissen enthält einige 10.000 Milben, in der Regel leben jedoch sehr viel mehr in unseren Betten. Es gibt keinen Haushalt ohne Hausstaubmilben.

„Das Milbenvorkommen in Wohnungen ist ganz natürlich und hat nichts mit verminderter Hygiene zu tun“, sagt Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund. Das Schlafzimmer ist nicht der einzige Ort, wo Milben auftreten. „Früher dachte man, dass sich der Befall auf das Bett konzentriert, mittlerweile weiß man, dass die Milben weitergeschleppt werden und sich auch auf Sofas, in Kleidung und auf den Polstersitzen in öffentlichen Verkehrsmittel oder Kinosesseln nennenswerte Konzentrationen finden“, sagt Professor Jörg Kleine-Tebbe von der deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie.
Ursache der Allergie

Eine Allergie ist eine überschießende Abwehrreaktion des Immunsystems auf bestimmte – eigentlich harmlose – Stoffe in der Umwelt. Dabei reagiert der Körper auf spezifische Allergene, es kommt zu Krankheitssymptomen. „Bei einer Hausstaubmilbenallergie sind die Auslöser bestimmte Eiweißstoffe im Körper der Hausstaubmilben und in deren Kot“, sagt Kleine-Tebbe.

Der Weg in den Körper der Betroffenen erfolgt über die Luft: Wenn Milben und Kot zerfallen, vermischen sie sich mit dem Hausstaub. Wird dieser durch Bewegungen oder Luftzug aufgewirbelt, kann er eingeatmet werden. Das Immunsystem reagiert. Die Hausstaubmilbenallergie ist die am zweithäufigsten auftretende Inhalationsallergie. Sie tritt ganzjährig auf, am schlimmsten sind die Symptome in der Regel mit Beginn der Heizperiode.

Die Symptome einer Hausstaubmilbenallergie

Die Symptome können denen einer Erkältung ähneln: Eine dauerhaft verstopfte Nase, Niesen, Husten, anhaltende Atemwegsinfekte. Aber auch tränende Augen, ständiges Räuspern oder Jucken in den Ohren können Zeichen für eine – im Volksmund – Hausstauballergie sein. „Die Symptome setzen bei einer Hausstaubmilbenallergie bei den meisten Betroffenen häufig schleichend ein. Sie registrieren die Symptome zunächst oft gar nicht oder ordnen sie nicht einer Allergie zu“, erklärt der praktizierende Allergologe.

Die Diagnose einer Hausstaubmilbenallergie werde wegen des schleichenden Verlaufs oft spät gestellt. Das kann für die Betroffenen gefährlich werden: „Viele Patienten benutzen jahrelang frei verkäufliche, abschwellende Nasensprays, ohne sich einer Allergie bewusst zu sein. Leider tritt nicht selten zusätzlich ein Etagenwechsel, also das Auftreten von asthmatischen Symptomen, ein“, sagt Kleine-Tebbe.

Hausstauballergie erkennen

Es ist also sinnvoll, auf die Zeichen seines Körpers zu achten. „Hinweise auf eine Hausstaubmilbenallergie kann sein, wenn Beschwerden vorwiegend zu Hause, vor allem nachts und beim Staubsaugen auftreten.“ Wer den Verdacht hegt, eine Allergie zu haben, sollte zu einem Arzt gehen. Dieser wird einen Allergietest durchführen. Nur so können Betroffene gezielt gegen die Allergie und deren Ursache vorgehen.

Sinnvolle Maßnahme: Allergenvermeidung

Dreierlei Maßnahmen sind für Hausstaubmilbenallergiker entscheidend. „An erster Stelle steht die Allergenvermeidung“, sagt Kleine-Tebbe. Die Allergen-Belastung sollte in der Wohnung möglichst niedrig gehalten werden, indem den Milben die Lebensbedingungen erschwert werden. Dabei hilft die Schaffung eines trockenen, kühlen Raumklimas, insbesondere im Schlafzimmer. Essenziell ist das richtige Lüftungsverhalten: Statt das Fenster dauerhaft gekippt zu lassen, ist regelmäßiges Stoßlüften angesagt. Hilfreich ist die Anschaffung eines Hygrometers, der kontinuierlich die Luftfeuchtigkeit im Raum misst.

Allergiker sollten in ihrer Wohnung zudem darauf achten, dass möglichst wenig Staubfänger herumstehen. Vitrinen mit Glastüren sind besser als offene Regale, Glattledersofas sinnvoller als textile Polstermöbel. Zudem bieten glatte Böden den Milben schlechtere Bedingungen, müssen aber häufig gewischt werden, weil dort leichter Staub aufgewirbelt wird. Plüschtiere sollten regelmäßig entweder gewaschen oder über Nacht in die Tiefkühltruhe gelegt werden. Für Hausstaubmilbenallergiker eignen sich außerdem Heizungen, die Strahlungswärme abgeben, besser als Heizkörper, durch die Konvektionswärme entsteht, da diese Staub aufwirbelt.

Spezielle Bezüge für Allergiker: Encasings

Milben leben in großer Zahl in Betten. Weil der Mensch hier ein Drittel des Tages verbringt, kommt er hier am stärksten mit den Allergenen in Kontakt. „Die Sanierung des Bettes ist daher die wichtigste Maßnahme“, so Lämmel. Sogenannte Encasings sind für Allergiker ein wichtiges Hilfsmittel. Das sind spezielle Bezüge, die über Matratze und Bettwäsche gezogen werden und vor Milben schützen sollen. Sie schließen die Milben und ihre Ausscheidungen ein und verhindern so, dass der Allergiker mit den Allergenen in Berührung kommt.

Gleichzeitig können Hautschuppen nicht in die Matratze eindringen, den Milben wird ihre Nahrung entzogen. „Wichtig ist, dass die Encasings eine sehr hohe Milbendichtigkeit aufweisen und atmungsaktiv sind. Die Schutzbezüge sollten mit einem Reißverschluss ausgestattet sein und die Matratze vollständig einschließen“, erklärt Lämmel. Doch nicht alle im Handel erhältlichen Encasings entsprechen tatsächlich diesen Vorgaben. Die Testergebnisse von Stiftung Warentest oder TÜV liefern wichtige Hinweise. Die meisten gesetzlichen Krankenkassen fördern den Kauf von Encasings.

In Allergiker-Haushalten mit mehreren Bewohnern sollten nicht nur Matratze und Bettzeug der Betroffenen mit Schutzbezügen ausgestattet werden, sondern auch die der anderen Familienmitglieder, insbesondere wenn sie im selben Raum schlafen. Sonst gelangen die Allergene von der Nachbarmatratze in die Luft. Den Wechsel der Encasings überlassen Allergiker nach Möglichkeit gesunden Familienmitgliedern, da dabei Staub aufgewirbelt wird. Aus den gleichen Gründen sollten Allergiker auch Staubwischen und Saugen vermeiden oder dabei eine Atemschutzmaske tragen.

Ein prophylaktischer Einsatz von Encasings ist laut Professor Kleine-Tebbe für gesunde Menschen übrigens nicht notwendig. Die Entstehung einer Allergiebereitschaft lasse sich durch solche Hilfsmittel nicht verhindern.

Symptomatische Therapie durch Medikamente

An zweiter Stelle steht die symptomatische Therapie. „Kortisonhaltige Nasensprays haben sich bei Hausstaubmilbenallergikern als effektiv erwiesen, da die Betroffenen meistens unter verstopfter Nase leiden. Weil das Kortison nur lokal wirkt, muss man sich auch nicht vor dem Mittel fürchten“, sagt der Allergie-Experte. Auch Antihistaminika und Asthmamittel werden eingesetzt.

Spezifische Immuntherapie

Diese Medikamente verhindern oder lindern letztlich nur die Symptome der Allergie. Für Hausstaubmilbenallergiker stehen aber auch gute Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die an den Ursachen ansetzen. Als dritte Maßnahme empfehlen Mediziner daher die spezifische Immuntherapie, auch als Hyposensibilisierung bekannt. Sie gewöhnt das Immunsystem kontrolliert an die Allergene.

Es existieren  zwei Formen: Die subkutane Immuntherapie (SCIT), bei der der Arzt eine stetig steigende Dosis aus Milbenallergenen direkt unter die Haut spritzt. Anfangs einmal in der Woche, später seltener. Bei der sublingualen Immuntherapie (SLIT) werden die Milbenallergene in Tropfen- oder Tablettenform eingenommen. Die Therapie kann zu Hause stattfinden. „Die sublinguale Immuntherapie mit einer neuen Milbenallergen-Tablette zeigt bei einer Allergie gegen Hausstaubmilben überzeugende Ergebnisse, selbst bei Patienten mit Asthma“, berichtet Kleine-Tebbe. „Bei der SLIT werden von Anfang an sehr große Mengen an Allergenen zur Therapie eingesetzt. Anfangs kann es daher zu Nebenwirkungen wie lokalen Reizungen des Mundes kommen. Diese lassen aber sehr schnell nach.“

Da sich eine Verschlechterung der Allergie durch Antihistaminika nicht unbedingt aufhalten lasse, sei es sinnvoll, nicht zu spät mit einer Hyposensibilisierung anzufangen, so Kleine-Tebbe. Nur so ließe sich eine Ausweitung der Symptome beziehungsweise ein Etagenwechsel vermeiden.

Allergiker auf Reisen

Milben gibt es überall auf der Welt, allerdings nimmt ihr Auftreten in Höhenlagen ab. Zudem fühlen sich Allergiker und Asthmageplagte im Hochgebirge erfahrungsgemäß am wohlsten. Wer nicht jedes Jahr in die Schweiz fahren möchte, hat dennoch Möglichkeiten: Mittlerweile werden viele Ferienwohnungen und Hotelzimmer für Allergiker angeboten. Es kann sich auch lohnen, in der Unterkunft nach spezieller Bettwäsche zu fragen. Notfallmedikamente sollten Allergiker auf Reisen oder bei längeren Abwesenheiten von zu Hause immer in ausreichender Menge dabei haben.