Gesundes Wohnumfeld

Das perfekte Wohnumfeld:
So wachsen Kinder gesund heran

© iStock / KatarzynaBialasiewicz

Damit Kinder gesund aufwachsen, benötigen sie mehr als gesundes Essen und seelische Zuwendung. Eltern können auch durch ein altersgerechtes Wohnumfeld das Wohlbefinden ihrer Sprösslinge deutlich steigern. Immonet zeigt, worauf es bei einer gesunden und passenden Umgebung für Kinder ankommt.

Die richtige Größe des Kinderzimmers

Dreh- und Angelpunkt des Kinderlebens ist das eigene Zimmer. Der Nachwuchs schläft, spielt, tobt und lernt dort. Damit sich Kinder ausleben können, benötigen sie Bewegungsfreiheit. „Kinder brauchen Platz, nicht nur draußen, sondern auch in der Wohnung“, sagt Autorin Jutta Velte aus Remscheid, die ein Sachbuch zum Thema Kinderräume geschrieben hat.

Pauschal lässt sich die Frage nach der idealen Größe nicht beantworten. Manche Experten raten zu einer Größe von etwa 15 Quadratmetern. So haben die kleinen Bewohner trotz Bett, Schrank und Tisch noch ausreichend Raum, um die Holzeisenbahn aufzubauen oder sich mit Decken und Kissen eine Räuberhöhle einzurichten. Doch auch kleine Zimmer lassen sich durch geschickte Aufteilung in ein Kinderparadies verwandeln.

Die Lage des Kinderzimmers in der Wohnung

Viel wichtiger als die Größe ist die Lage des Kinderzimmers in der Wohnung. Ein Raum mit Fenstern nach Süden oder Westen sorgt dafür, dass es Kinder hell haben. Das Zimmer sollte möglichst nicht zu einer stark befahrenen Straße ausgerichtet sein, denn Kinder brauchen für eine gesunde Entwicklung neben Bewegung auch viel Ruhe. Das Schlafbedürfnis von Kleinkindern bis zum Alter von zwei Jahren liegt bei durchschnittlich 12 bis 13 Stunden über den Tag verteilt. Sechsjährige Schulkinder benötigen noch etwa elf Stunden, um fit für den Tag zu sein. Starker Verkehrslärm wirkt sich da kontraproduktiv aus.

Außerdem gilt: Je kleiner das Kind, desto näher sollte sich das Zimmer zu den üblichen Aufenthaltsorten der Eltern befinden. „Das Kind sucht die Nähe zu seinen Bezugspersonen – und umgekehrt“, sagt Annette Peters, Architekturpsychologin aus Regensburg. „Es fühlt sich dort wohl, wo Mama und Papa sind.“ Ideal wäre die Aufteilung, dass das Kinderzimmer nahe der Küche oder des Wohnzimmers liegt.

In vielen Einfamilienhäusern funktioniert das nicht ohne Weiteres. Beispielsweise befinden sich Wohnräume häufig im Erdgeschoss und das oder die Kinderzimmer im ersten Stock. In solchen Fällen empfiehlt Peters, im Wohnzimmer eine kleine Spielecke einzurichten. Aber: „Abends sollte immer aufgeräumt werden, damit die Reizüberflutung beim Kind nicht zu groß ist“, so Peters.

Das eigene Reich als Rückzugsraum

Werden Kinder älter, suchen sie einen Ort, an dem sie auch mal ungestört sein können. „Sie brauchen eine Rückzugsmöglichkeit und wollen ein eigenes Reich“, sagt Autorin Velte. Hier verarbeiten sie die vielfältigen Eindrücke und Erlebnisse ihres Alltags. Besonders für Kinder in der Pubertät sei es gut, ein Zimmer zu haben, das weiter weg von den Zentren des Familiengeschehens liegt. „Hier können sie in Ruhe Musik hören und für sich sein“, so Velte.

Wenn der Grundriss des Hauses oder der Wohnung es ermöglicht, können Eltern ab dem entsprechenden Kindesalter über einen Zimmertausch nachdenken. Auf diese Art könnte man dem Teenager-Nachwuchs das Bedürfnis nach Freiraum zugestehen.

Die richtigen Möbel im Kinderzimmer

Kinder sollen sich in ihrem Zimmer wohlfühlen. Daher sollten Eltern ein Mobiliar wählen, das ihre Kinder möglichst lange schön finden. Möbel sollten daher möglichst nicht „die Kleinkind-Romantik der Eltern befriedigen, sondern mit dem Kind mitwachsen können“, sagt Velte. Auch Annette Peters rät zu zeitlosem Design: „Alles, was teuer ist und langlebig sein soll, am besten in neutralen Farben anschaffen. Trendfarben, die heute aktuell sind, kann das Kind vielleicht schon morgen nicht mehr ausstehen.“ Holz pur, Weiß oder Grautöne seien häufig die bessere Wahl.

Gegen unnötiges Chaos und schlechte Laune im Kinderzimmer helfen Schubladen und Regale zur Aufbewahrung von Spielsachen, Büchern und Kleinkram. Die Regalfächer sollten geschlossen sein. „Offene Regale sorgen immer für eine unruhige Atmosphäre – egal wie aufgeräumt sie sind“, sagt Peters.

Mit Farbe für die richtige Stimmung sorgen

Mithilfe von Farbe können Eltern noch mehr fürs Wohlbefinden des Kindes tun. „Optimal ist es, die Wände von Kinderzimmern so zu gestalten, dass sie sich den unterschiedlichen Funktionen des Raumes anpassen“, erklärt Diplom-Psychologin Peters. Für den Schlafbereich am Bett wählt man eher gedämpfte Farben, etwa Blau- oder Grün-Töne. Überall dort, wo das Kind sich mental oder im Spiel austobt, dürfen es gerne kräftige Farben wie Rot oder Lila sein. Ein oder zwei Quadratmeter bepinselte Wandfläche genügen schon, um eine beruhigende bzw. anregende Umgebung zu schaffen.

Die Wohnung: kindersicher und schadstofffrei

Zu einem gesunden Wohnumfeld gehören zudem altersentsprechende Vorsichtsmaßnahmen – keine offenen Steckdosen etwa oder Möbel, die umfallen können, wenn Kinder sich daran hochziehen. Eltern von Kleinkindern können versuchen, einmal auf Augenhöhe ihres Nachwuchses durch die Wohnung zu krabbeln, um mögliche Gefahrenquellen zu entdecken.

Ein bedeutsames Thema sind auch Schadstoffe aller Art, die sich in den eigenen vier Wänden verbergen können. Ob Asbest und toxische Holzschutzmittel in Altbauten oder belastete Bodenbeläge und Schimmel in Neubauten: Wer Kinder hat, sollte mit kritischem Blick alles unter die Lupe nehmen – und wenn nötig Abhilfe schaffen. Absolut tabu ist es, in der Wohnung zu rauchen. Passivrauch gehört zu einem der gefährlichsten Gift-Cocktails und macht Kinder sehr schnell krank.

Lernen und frische Luft im eigenen Garten

Spielen an der frischen Luft stärkt das kindliche Immunsystem und trainiert die persönlichen Fähigkeiten auf vielfältige Weise. Dies geht im eigenen Garten besonders gut. „Ideal ist es natürlich, wenn er so groß ist, dass die Kinder mal einen Ball treten können, ohne dass die Rosenrabatte in Gefahr ist“, sagt Jutta Velte. Doch auch auf einem kleinen Grundstück lässt sich viel erleben, „etwa mit einem Kinderbeet. Hier können die Kinder etwas säen und ernten und so die Bedeutung von Ernährung und Nahrungsmitteln spielerisch erfassen.“
 
Ansonsten rät Velte zum Prinzip „weniger ist mehr“. Als Spielgeräte reichen ihrzufolge oft eine Schaukel und eine Matschgrube, wo Kinder mit beiden Händen im Dreck wühlen können. „Die Natur hat ja auch einiges an Spielmaterialien zu bieten, vom Tannenzapfen über Stöcke bis zur Sonnenblume“, so Velte.

Draußen spielen geht auch in der Stadt

Auch ohne Garten oder in der Stadt müssen Kinder nicht auf ihre Bewegung draußen verzichten. Kluge Eltern informieren sich, wo in fußläufiger Entfernung zum Zuhause geeignete Spielorte zu finden sind. Spielplätze, Bolzplätze, Waldstücke, Parkanlagen – oder auch der Hinterhof ohne Verkehr. Jeder Ort, an dem Kinder sich austoben können und mit anderen in Kontakt kommen, ist erlaubt. Draußen sein macht Kinder glücklich.