Funktionale Möbel

Funktionale Möbel:
Aktuelle Trends

© Inter IKEA Systems B.V. 2017

Die Mieten in Deutschlands Metropolen explodieren und in vielen Wohnungen herrscht Platzmangel, weil ein größeres Zuhause schlicht zu teuer ist. Da muss die Einrichtung mehr können. Das haben auch die Möbelhersteller begriffen und schaffen, wonach die Kunden verlangen: Möbel, die möglichst wenig Platz einnehmen, gleichzeitig möglichst viele Funktionen erfüllen – und dabei gut aussehen. Immonet zeigt die wichtigsten Trends bei den funktionalen Möbeln.

Technisierung und Urbanisierung bestimmen Trends

Die großen Wohntrends unserer Zeit sind eng verbunden mit dem Lebensstil des dritten Jahrtausends: Technisierung und Urbanisierung. Die Menschen zieht es in die Großstädte, viele leben als Singles. Ergo wird Wohnraum in den Metropolen knapper und teurer, die Menschen können sich immer weniger Raum zum Leben leisten.

Gleichzeitig nehmen die Besitztümer und die Ansprüche ans Wohnen jedoch nicht ab. Es braucht also geschickte Lösungen. Und so sind vor allem zwei Tendenzen auszumachen: High-Tech-Entwicklungen im Luxussegment und praktische Multifunktionslösungen. Vor allem letztere dürften in den nächsten Jahren immer öfter angeboten werden und auch für Durchschnitts-Haushalte erschwinglich werden.

Funktionale Möbel sollen genügend Stauraum bieten

„Ein großes Thema bei den aktuellen Möbeltrends ist Stauraum“, beobachtet Ursula Geismann, Trendanalystin und Designexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie. Denn der ist vor allem in kleinen Wohnungen eng bemessen. „Da wird jede Ecke ausgenutzt“, sagt Geismann. Ein Beispiel sind Betten: Viele Modelle dienen heute nicht nur zum Schlafen, sondern bieten auch versteckten oder sichtbaren Stauraum – etwa unter der Matratze, die sich mit dem Lattenrost mit einem Griff hochklappen lässt. Das ist teils selbst bei Polsterbetten möglich.

An diesem Platz lassen sich leicht Ersatzdecken oder Saisonkleidung verstauen. Andere Varianten sind Betten mit integrierten Regalen oder Schränkchen im Kopfteil. Das ist praktisch und sieht sehr schick aus. Solche Betten sind nicht nur ideal für  kleine Jugendzimmer oder das Studentenappartement, sondern auch für Schlafzimmer in kleinen Großstadtwohnungen.

Sofa: Sitzen alleine reicht nicht mehr

Auch die Couch hat es in die Liga der Funktionsmöbel geschafft. Sitzen alleine reicht heute nicht mehr aus. Sofas sind Lümmelräume und manchmal auch technische Spielgeräte. Damit sie voll genutzt und für verschiedene Bedürfnisse umgestaltet werden können, bieten die Hersteller immer mehr Sitzgelegenheiten an, die sich individuell be- und verstellen lassen: Bereiche fürs bequeme Sitzen, ausziehbare Fußablagen, Zonen zum Liegen.

Zudem bietet der Markt Sofas, die den Beistelltisch direkt integriert haben. Die Couch kann aber auch zum Aufbewahrungsmöbel werden – für Gäste unsichtbar lassen sich etwa in breiten Lehnen Textilien oder Bücher unterbringen. Aber auch High-Tech-Sofas mit eingebauten Lautsprechern sind zu haben. Ob das zu Lasten der Wiedergabequalität geht und der eingesparte Platz dieses Manko ausgleichen kann, ist eine persönliche Entscheidung. Etwas Besonderes ist ein Multifunktions-Möbel allemal.

Möbelstücke müssen flexibel sein

„Die Wohnungen und Eigenheime werden in jüngster Zeit vermehrt mit offenen Grundrissen gestaltet. Damit will man sich in seinen Funktionsbereichen nicht festlegen und flexibel bleiben“, sagt Geismann. Der Wohnraum kann so immer wieder den aktuellen Bedürfnissen angepasst werden. Einbauwände sind dagegen aus der Mode gekommen. Durch die offenen Grundrisse werden andere Lösungen favorisiert, um Bereiche voneinander zu trennen: „Ein Raumteiler kann von der einen Seite Garderobe für den Flurbereich sein und von der anderen Seite als Aufhängung für einen Flachbild-Fernseher dienen“, berichtet Geismann.

Sideboards sind gleichzeitig TV-Möbel – das Gerät lässt sich rein- und rausfahren und bleibt, solange es nicht benötigt wird, unsichtbar. Verstecken ist generell ein Thema: Moderne Technik ermöglicht es via Bluetooth auf Kabel zu verzichten. Hauchdünne Lautsprecher verbergen sich hinter Tapeten. Extras, die momentan noch extravagant sind. Doch auch im nicht ganz so luxuriösen Bereich gehören diese Extras in einigen Jahren vielleicht zum Standard.

Möbel auf Rädern

Seit einigen Jahren ist der Trend zu beobachten, dass Möbelstücke kleiner werden. So lassen sie sich leichter transportieren und umstellen. Designer haben diese Entwicklung vorangetrieben und setzen immer mehr auf Möbel auf Rädern: TV-Bänke, Regale, Raumteiler und große Tische lassen sich – mit Rollen versehen – auch ohne Hilfe leicht von einer in die andere Ecke oder ins nächste Zimmer verschieben. Damit kann ein recht kleines Möbelstück gleich mehrere Funktionen übernehmen, etwa als Bücherregal, Beistelltisch oder Ergänzung zum Esstisch.

Auch Tische werden variabler

Roll- und größenverstellbare Tische können je nach Bedarf fürs Frühstück, für das große Dinner mit Freunden im Wohnzimmer oder für die gemeinsame Erledigung der Hausaufgaben der Kinder nahe am Fenster genutzt werden. So lässt sich das gleiche Möbelstück mehrfach einsetzen, ohne allzu viel Platz wegzunehmen.
 
Generell sind Tische dieses Jahr in den Fokus der Hersteller gerückt: Schließlich sind sie oft groß und sperrig, aber in jeder Wohnung unverzichtbar. Verstellbare Tische gehören immer mehr zum Standard, die Möglichkeiten sind vielfältig: Ausziehen, ausklappen oder den Tisch gleich ganz verschwinden lassen, indem er an die Wand geklappt wird oder in der Kücheneinrichtung verschwindet – wer sich umsieht, findet die passende Lösung.

Kleine Arbeitsplätze für den Laptop lassen sich mittlerweile bei mehreren Herstellern finden: Versteckt im Regal oder in den Schrankmöbeln nehmen sie keinen Platz weg und tauchen nur auf, wenn sie gebraucht werden. Tisch oder Sideboard – das ist vor allem in kleinen Wohnungen die Frage. Das Unternehmen „Collection C“ etwa beantwortet sie mit der Serien „flexx“: Kommoden und Sideboards in modernem und zeitlosen Design lassen sich mit einem Handgriff um einen Tisch ergänzen. Dieser ist in dem Möbel verborgen und verwandelt sich auf Rollen herausgezogen schnell in  einen kleinen Essplatz, einen Sekretär oder eine Schminkecke.

Ein weiteres Trendthema sind höhenverstellbare Tische. Und damit ist nicht nur der mitwachsende Schreibtisch für das Kinder- oder Jugendzimmer gemeint. „Das bessere Sitzen ist das Stehen. Die Menschen wissen das mittlerweile sehr genau und versuchen das auch umzusetzen“, sagt Geismann. Daher sind Tische, die sich nicht nur in ihrer Größe, sondern auch in der Höhe verstellen lassen, stark im Kommen. Sie lassen sich als Stehpult, Bar, Arbeitsplatz oder Bistrotisch nutzen. „Höhenverstellbare Elemente sind auch in der Küche wichtig“, sagt Geismann.

Mehr Flexibilität in der Küche

Die Kücheneinrichtung ist traditionell langlebig und wenig beweglich. Gleichzeitig schränken Wasser- und Stromanschlüsse die Stellmöglichkeiten ein. Doch es kommt Bewegung in den Markt, denn auch in der Küche wünschen sich die Menschen Flexibilität. Zudem wachsen Wohnzimmer und Küche in modernen Bauten zusammen. Außerdem wollen auch kleine Küchenräume ausgeschöpft werden –  ohne vollgestellt zu wirken.

Sehr beliebt sind daher ergänzende Arbeitsplatten, die sich, solange sie nicht benötigt werden, platzsparend und unauffällig im Küchenschrank verstecken lassen. Ausgezogen kann die Platte beispielsweise zum Gemüseschneiden oder für ein schnelles Mittagessen genutzt werden. Im Trend liegen außerdem hochklappbare Tischlösungen, die im Küchenregal stecken.

Funktionale Lösungen bietet in der Küche vor allem der technische Bereich. So werden unsichtbare Induktionskochfelder beliebter, die sich komplett in der Arbeitsplatte verstecken: Erst Salat vorbereiten, dann am gleichen Ort das Steak braten – so wird wenig Raum optimal genutzt.

Ausblick

Interessant sind Multifunktionsmöbel nicht zuletzt auch für ältere Menschen. Doch in diesem Marktsegment sieht Trendanalystin Geismann noch Potenzial. „Die Möbelhersteller haben da lange den Pflegebereich vor Augen gehabt. Diese Möbel sind oft praktisch und funktional, aber eben nicht ansprechend“, sagt Geismann. Dabei würden sich die Ansprüche an das Design im Alter gar nicht ändern: Funktional, aber weiterhin schön soll es auch für die älteren Herrschaften sein. „Da wird noch einiges an Entwicklung kommen“, ist sich Geismann sicher.

Die ersten Ansätze sind bereits da: „Herunterfahrbare Küchenmöbel oder auch mit einem Rollstuhl unterfahrbare Arbeitsplatten können Senioren ein längeres und selbstständiges Leben im Zuhause ermöglichen“, so Geismann.