Fertighaus: Baubeschreibung richtig lesen

Fertighaus: Baubeschreibung richtig lesen
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Der Vorteil von Fertighäusern liegt nicht nur in der schnelleren Fertigstellung. Auch die Kosten lassen sich aufgrund der frühzeitigen, genauen Kalkulation und Detailfestlegung genau überblicken und so vergleichen. Voraussetzung ist allerdings eine detaillierte Baubeschreibung. Sie ist Bestandteil des Vertrags und hier lauern auch Gefahren. Immonet hat die wichtigsten Fakten für Sie zusammengefasst.

Eine Produktion von Immonet

Was in der Baubeschreibung stehen sollte

Eine Baubeschreibung ist eine detaillierte Beschreibung des geplanten Hauses. „Allerdings kann sie theoretisch alles sein und eine oder 1000 Seiten umfassen“, sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren. Denn in Deutschland ist rechtlich nicht genau festgelegt, was die Bau- und Leistungsbeschreibung umfassen muss. Die Leistungsbeschreibung sollte aufzeigen, in welcher Weise Bauleistungen erbracht werden. Auch der Grad der Fertigstellung muss unbedingt festgehalten werden. Sonst kann es schnell zu einer Kostenexplosion kommen, wenn Leistungen nachgefordert werden müssen. Auch die Inbetriebnahme und Prüfung der Heizung- sowie Elektroinstallation sollte genau beschrieben werden. Planungsleistungen wie Statik und die Betreuung vor Ort müssen ebenso auftauchen.

Großes Risiko durch schwammige Beschreibungen

„Gerade die Baubeschreibung ist in den meisten Verträgen viel zu ungenau und lässt zahlreiche Interpretationsspielräume zu. Nicht wenige Fertighausanbieter nutzen hier die baufachliche Unkenntnis des Verbrauchers aus“, warnt Peter Burk, Autor des Ratgebers „Kauf und Bau eines Fertighauses“ der Verbraucherzentrale. Häuslebauer sollten sich auf keinen Fall von schwammigen Begriffen wie „hochwertige Materialien“ oder „deutsche Markenqualität“ ablenken lassen. Die Liste der Elemente, die in der Baubeschreibung genannt werden sollten, ist lang: Dazu zählen

Alle Außen- und Innenwände und Decken sollten mit Schallschutzwert und die Außenwände und -türen außerdem mit dem U-Wert (dem sogenannten Wärmedurchgangskoeffizienten, der für die Isolation ausschlaggebend ist) beschrieben werden.

Der Teufel liegt meist im Detail, daher sollte sich jedes noch so kleine Element in der Baubeschreibung wiederfinden:

  • Fenster mit Fensterbänken,
  • Rollläden und -kästen und ihre Werte,
  • Terrasse inklusive Belag,
  • Aufschüttung, Treppe und Geländer

 „Auch alle Bauchemikalien, wie Parkettlacke oder Baukleber, sollten festgehalten – und die Nutzung problematischer Chemikalien ausgeschlossen werden“ rät Bunk.  
„Was in der Baubeschreibung nicht drin steht, wird der Fertighausanbieter auch nicht machen“, unterstreicht auch Christoph Windscheif, vom Bundesverband Deutscher Fertigbau. Wer also auf einen bestimmten Fenstertyp in seinem künftigen Haus Wert lege, sollte genau diesen Fenstertyp auch in der Baubeschreibung festhalten und sich nicht allein auf mündliche Absprachen verlassen.

Baubeschreibung für den Preisvergleich nutzen

Nur so können Kunden die Baubeschreibung dazu nutzen, Angebote verschiedener Fertighausanbieter zu vergleichen. Denn die Unterschiede zwischen den Angeboten der einzelnen Hersteller sind groß, die Transparenz und Vergleichbarkeit nicht gegeben. Zudem sind Baubeschreibungen nicht standardisiert. So können Kunden nur Punkt für Punkt die Angebote vergleichen.

„Die große Herausforderung liegt allerdings nicht darin, die einzelnen Posten und ihre Preise zu vergleichen, sondern darin, ihre Qualität zu beurteilen“, sagt Windscheif. Schließlich nutzen die Fertighaushersteller in der Regel unterschiedliche Materialien. „Gute Referenzwerte bietet jedoch die technische Ausstattung. Über den gleichen Typ Heizung oder Lüftungsanlage lassen sich die Angebote von Anbieter A und B vergleichen.“

Unabhängige Beratung

Eva Reinhold-Postina sieht Laien mit einer Baubeschreibung aber generell überfordert. „Was nützen 1000 Details, wenn der Bauherr nicht nachvollziehen kann, ob diese den rechtlichen und baulichen Anforderungen entsprechen?“, fragt sie. Schlimmstenfalls könnten beispielsweise Materialien detailreich beschrieben werden, ob diese baulich für das geplante Haus passend sind und auch den gesetzlichen Vorschriften genügen, sei für den Häuslebauer aber noch lange nicht nachvollziehbar.

Wer einen Vertrag unterzeichnet, ist auch in der Verantwortung. Für Bauherren heißt das, dass sie sich informieren müssen. „Zum Schluss muss der Bauherr für alles geradestehen, zum Beispiel für den korrekten Einsatz von KfW-Mitteln“, sagt Reinhold-Postina. Sie rät dazu, vor der Unterzeichnung des Vertrags einen unabhängigen Fachberater hinzuzuziehen und die Unterlagen prüfen zu lassen.  

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