Vor- und Nachteile einer Elektroheizung

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Wenn im allgemeinen von einer Elektroheizung die Rede ist, ist vielen meist nicht ganz klar, welche Geräte überhaupt gemeint sind. Heizlüfter? Radiatoren? Nachtspeicher? Oder etwa Heizstrahler? Die Liste elektrischer Heizgeräte ist lang – und unübersichtlich. Im eigentlichen Sinne zählen heute zu einer modernen und vollwertigen elektrischen Raumheizung Flächenspeicherheizungen und Infrarotheizungen. Elektrische Fußbodenheizungen gehören nicht dazu, da sie nur für warme Füße sorgen. Einen kompletten Raum kann diese „Fußbodentemperierung“ nicht heizen.

Eine flächendeckende Verbreitung erfuhr die Elektroheizung in Deutschland bereits in den 60er Jahren: als Nachtspeicherheizung. Eine Heizung, mit der heute niemand mehr heizen möchte, da diese Geräte unkomfortabel zu bedienen und besonders durch den Einsatz von Asbest in Verruf geraten sind. Der Austausch alter Nachtspeicher durch moderne Flächenspeicherheizungen ist heute der vielleicht größte Markt für Elektroheizungen.

Daneben werden Elektroheizungen hauptsächlich gekauft fürs Zuheizen. Zuschaltbare Wärme, die universell zum Einsatz kommt, wo sie gebraucht wird. Als Zentralheizung, vergleichbar mit einer Öl- oder Gasheizung, wird die Elektroheizung jedoch nicht mehr wahrgenommen. Warum ist das so?

Nachteile der Elektroheizung

Die Elektroheizung hat in Deutschland ein schlechtes Image. Kritiker halten dem Heizen mit Strom vor, dass diese universelle Energie zu „wertvoll“ ist, als sie sprichwörtlich zu verheizen. Konkret wird dieses Argument, wenn man einen Blick in die Energieeinsparverordnung (EnEV) wirft. In dieser sind Obergrenzen für den Heiz- und Primärenergiebedarf festgelegt, die bei der Sanierung und Errichtung von Gebäuden eingehalten werden müssen.

Da Strom in Deutschland überwiegend zentral in Atom-, Gas- und Kohlekraftwerken erzeugt wird, ist der Energieaufwand für die Erzeugung und Verteilung dieses Kraftwerksstroms (Primärenergiefaktor) zu groß, als dass Gebäude ausschließlich mit Strom beheizt werden könnten. Sprich, laut EnEV ist es nicht gestattet, ausschließlich mit einer Elektroheizung zu heizen, wenn der Strom aus dem Netz kommt. Die Umweltbilanz ist trotz Erneuerbarer Energien zu schlecht.

Darüber hinaus ist Strom unbestritten die teuerste Energie, mit der man heizen kann. Strom hat im Vergleich zu Gas, Öl und Pellets den höchsten Kilowattstunden-Preis von derzeit rund 25 Cent. Gas, Öl und Pellets kosten dagegen weniger als 10 Cent die Kilowattstunde. Auch hat sich Strom in den vergangenen Jahren stark verteuert. Kostengünstiger Heizstrom ist hier zwar eine Alternative.

Diesen bietet jedoch nur der örtliche Grundversorger an, an den man dann zwangsläufig gebunden ist. Ebenso wie die Elektroheizung, die in diesem Fall gesondert verkabelt werden muss. Die normale Steckdose ist bei vergünstigtem Heizstrom passé. Warum also überhaupt noch eine Elektroheizung anschaffen?

Vorteile der Elektroheizung

Was eine Elektroheizung vermeintlich schlecht macht, ist beim genauen Hinsehen nicht die Technik, sondern der Strom selbst. Die Art, wie der Strom erzeugt wird und in den Haushalt gelangt. Eine Elektroheizung ist im Vergleich zu allen anderen Heizungsarten – Gasheizungen, Ölheizungen, Holz- und Pelletheizungen, Solarthermieanlagen, Wärmepumpen und BHKW – technisch die effizienteste, gemessen an der sogennanten Anlagenaufwandszahl.

Das heißt, es entstehen bei einer Elektroheizung keine Bereitschafts- oder Verteilungsverluste, da die Wärme nicht in einem Speicher vorgehalten und über Rohrleitungen im Haus verteilt werden muss. Die Elektroheizung setzt die aufgewendete Energie nahezu 1:1 in Wärme um. Und das an Ort und Stelle, wo die Wärme gebraucht wird. Das schafft keine andere Heizung.

Neben der technischen Effizienz ist eine Elektroheizung auch weitaus günstiger als jede andere Heiztechnik. Ein Heizungskeller für den Heizkessel, Pufferspeicher und die Brennstofflagerung ist nicht erforderlich. Die Heizkörper können individuell im Raum platziert werden und sind ohne großen Aufwand installiert. Als Anschluss genügt in der Regel eine normale Steckdose, was insbesondere bei Mietwohnverhältnissen von Vorteil ist.

Je nach Vorliebe sind Heizkörper mit einem hohen Konvektions- und geringen Wärmestrahlungsanteil zu haben (Flächenspeicherheizungen). Oder umgekehrt, Infrarotheizungen mit hohem Wärmestrahlungs- und geringem Konvektionsanteil, die dekorativ in Form eines Bildes oder Natursteins an die Wand gehängt werden können.

Nahezu wartungsfrei entstehen bei einer Elektroheizung bis auf die Anschaffung auch keine Folgekosten. Der Stromanbieter kann im Unterschied zu den alten Nachtspeicherheizungen frei gewählt werden, wenn die Elektroheizung über normalen Haushaltsstrom betrieben wird. Ökostromtarife verschiedener Anbietern können die Umweltbilanz einer Elektroheizung weiter verbessern und weisen bereits den Weg in die Zukunft.

Ausblick

Elektroheizungen haben das Potenzial, das Interesse an dieser Heiztechnik als vollwertige Zentralheizung für Einfamilienhäuser neu zu wecken. Effiziente Heizgeräte sind mit Flächenspeicher- und Infrarotheizungen vorhanden. Das Problem der ineffizienten Erzeugung und Verteilung von Haushaltsstrom tritt mehr und mehr in den Hintergrund, je weiter der Ausbau regenerativer Energieerzeugung voranschreitet.

Wird Strom zunehmend dezentral über eine eigene Photovoltaikanlage erzeugt, und wird dieser mit der zunehmenden Entwicklung von Stromspeichern auch direkt nutzbar, so liegt es nahe, dass sich für die Elektroheizung ein ganz neuer Markt erschließen kann.

Den Restwärmebedarf von Niedrigenergiehäusern über eine Elektroheizung bereitzustellen, die ihren Strom nur noch zu einem Rest aus dem Netz beziehen muss, weil der Großteil effizient vor Ort erzeugt wurde mit einer deutlich besseren Umweltbilanz als Kraftwerksstrom.

Welches Potenzial eine Elektroheizung für Ihre Immobilie haben kann, ob als Austausch für eine alte Nachtspeicherheizung, fürs Zuheizen oder in Verbindung mit einer Photovoltaikanlage, können Sie mit unserem Elektroheizungs-Rechner herausfinden. Insbesondere bei Sanierungsarbeiten sollte trotz der geringen Anschaffungskosten für eine Elektroheizung genau durchgerechnet werden, nach wie vielen Jahren die Einsparungen aus der Anschaffung aufgebraucht sind durch die hohen Energiekosten für Haushaltsstrom.

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