Dispersionsfarbe: So können Sie Qualität erkennen

Dispersionsfarbe:
Daran erkennt man Qualität

© Rhondak / unsplash.com

Das Weiß im Flur wirkt nur noch grau, in der Küche sind Spritzer an der Wand und eigentlich würden die Wohnzimmerwände mit ein bisschen Farbe auch viel besser aussehen. Dann ist es ist Zeit für einen Neuanstrich der Wohnung. Doch welche Farbe soll es sein? Die Auswahl im Baumarkt ist groß. Die am häufigsten verkauften Produkte sind Dispersionsfarben. Aber was steckt eigentlich hinter dem Begriff? Und woran erkennt man Qualität? Immonet fasst die wichtigsten Fakten zusammen.

Die Zusammensetzung

Grundsätzlich handelt es sich bei fast allen im Handel erhältlichen Farben um Dispersionen. Das bedeutet nichts anderes, als dass Binde- und Lösungsmittel zusammen mit Pigmenten und Zusatzstoffen eine chemische Dispersion bilden. Heute versteht man darunter im Allgemeinen Anstriche auf Basis von Wasser und Acryl- oder Kunstharzdispersionen.

 

Davon zu unterscheiden sind Naturdispersionsfarben. Sie verwenden statt synthetischen und mineralölhaltigen Bestandteilen in erster Linie Pflanzenöle. Eine weitere Kategorie sind Latexfarben. Früher auf der Basis von Kautschuk hergestellt, sind sie heute gewöhnliche Dispersionen. Der Begriff wird aber noch verwendet, um auf bestimmte Eigenschaften hinzuweisen: Latexfarbe ist scheuerfest, wasserbeständig, sehr strapazierfähig, abriebfest und wird meist in stark beanspruchten, Räumen benutzt. Weitere Farbtypen sind Lasuren, Strukturfarben, Mineralfarben auf der Basis von Kalk und Silikat sowie Kaseinfarben.

Die Eignung

Dispersionsfarbe eignet sich in der Regel für alle Innenräume und ist eine klassische Raumfarbe. Sie deckt gut, lässt sich leicht und gleichmäßig auftragen. Zudem trocknet sie schnell und riecht kaum. Bei einer guten Qualität ist Dispersionsfarbe recht fleckenbeständig und abwischbar. Wer in Küche und Bad auf eine sehr hohe Wischbeständigkeit Wert legt entscheidet sich im Zweifel für Latexfarben.


Dispersionsfarben sind in Weiß und bunt erhältlich, man kann sie mit Abtönfarben mischen oder sich im Baumarkt viele unterschiedliche Töne mischen lassen. Sie ist auch für Heimwerker leicht zu verarbeiten. Sie ist auch für das Überstreichen von Tapeten oder Raufaser gut geeignet.

 

Ein Nachteil der Dispersionsfarben: Sie enthalten oft chemische Stoffe und Biozide, die bei empfindlichen Menschen zu allergischen Reaktionen führen können. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, lässt sich testen und achtet bei der Farbauswahl auf die Inhaltsstoffe oder setzt alternativ auf Farben auf natürlicher Basis.

Mit Dispersionsfarben lassen sich alle normal genutzten Wohnräume streichen. Es gibt sie in unterschiedlichen Qualitäten und Preisklassen.

Der Qualitätstest

Wer nun in den Baumarkt geht, um sich Dispersionsfarbe für den Anstrich in der Wohnung zu kaufen, steht vor einer großen Auswahl. Woran erkennt man gute Qualität?

 

Zunächst: der Name oder Preis allein sind es nicht. Wie Stiftung Warentest in einer Untersuchung herausfand, gab es unter 42 getesteten Produkten 26 Gleichheiten. Sie unterschieden sich lediglich im Namen und im Preis.

Worauf sollten Verbraucher achten?

Zunächst einmal sollte das Produkt vollständig deklariert sein: Dazu gehören Angaben zu Deckkraft, Ergiebigkeit, Nassabriebbeständigkeit und Gefahrenhinweise. Diese sind besonders für Allergiker wichtig.

 

Auf die Verpackung gehört auch die Angabe eines Mindesthaltbarkeitsdatums. Denn bei längerer Lagerung kann sich Schimmel bilden. Schlechter Geruch ist ebenfalls ein Zeichen dafür, dass die Farbe nicht mehr verwendet werden kann. „Tauschen Sie den Eimer um, wenn der Inhalt nach dem Öffnen übel riecht oder zäh wie Brei ist und sich nicht verstreichen lässt“, rät Hans-Peter Brix, Projektleiter bei der Stiftung Warentest.

Die Deckkraft

Entscheidend für den Malerfolg ist die Deckkraft: Sie wird mit den Zahlen 1 bis 4 angegeben. 1 steht für eine sehr hohe, 4 für eine niedrige Deckkraft. Während bei guten Farben meistens ein einziger Anstrich reicht, kann bei weniger gut deckenden Produkten ein zweiter Anstrich nötig werden. Das bedeutet zusätzliche Arbeit und kann sich schnell als die teurere Variante herausstellen.

 

„Günstige, weniger gut deckende Farben können für die Garage ausreichend sein. Für stark beanspruchte Räume wie die Küche oder das Kinderzimmer eignen sich gut deckende scheuerbeständige Farben besser“, erklärt Brix.

 

Aus Prinzip zwei Mal streichen kann übrigens nach hinten losgehen. „Wenn Sie mit dem ersten Anstrich zufrieden sind, dann belassen Sie es dabei. Ein zweiter Anstrich würde das Ergebnis eher verschlechtern. Denn zu viel Farbe bildet leicht Schlieren, die Struktur wird gröber“, erklärt der Fachmann.

Die Nassabriebbeständigkeit

Ebenfalls angegeben sein sollte die so genannte Nassabriebbeständigkeit. Sie gibt an, wie gut sich zum Beispiel Flecken oder Verunreinigungen von der Wand wischen lassen, ohne dabei die Farbe zu entfernen. Die besten Eigenschaften werden mit einer 1 bewertet, die schlechtesten mit einer 5. Bei einer 2 oder 3 kann man mit ganz ordentlichen Ergebnissen und einer Eignung für normale Räume rechnen.

 

Ohnehin gilt: Wird die Wand verschmutzt, zum Beispiel durch spritzende Soße, sollte sie so schnell wie möglich abgewischt werden, damit die Flecken nicht in die tieferen Farbschichten eindringen.  

 

Eine Angabe, die für Heimwerker ebenfalls wichtig ist, ist die Ergiebigkeit. Hier hat Stiftung Warentest jedoch bei vielen Produktangaben Übertreibungen festgestellt. Schlimmstenfalls hilft da nur ausprobieren, von kompetenten Verkäufern kann man auch eine ehrliche Beratung erwarten.

Tipp für bunte Farben

Wer seine Wände bunt streicht, sollte sich für die Farbentscheidung ein wenig Zeit nehmen. Häufig wirken Farben in unterschiedlichen Räumen und unter verschiedenen Belichtungen anders. Was im Baumarkt hell wirkt, kann in einem kleinen Raum leicht zu dunkel erscheinen. Helfen kann es da, Farbkarten aus dem Baumarkt mit nach Hause zu nehmen und zu unterschiedlichen Tageszeiten an die zu streichende Wand zu halten. Aber Achtung, auch die Größe ist entscheidend: eine kleine bunte Fläche wirkt häufig anders als eine große. Im schlimmsten Fall muss man noch einmal überstreichen.