So dämmen Sie ihr Dach richtig

Immonet gibt Tipps für das richtige Dämmen
© Fotolia / Jürgen Fälchle

Im Winter kalt und zugig, im Sommer heiß – ist ein Hausdach nicht gut gedämmt, wird es darunter für die Bewohner schnell unangenehm. Außerdem macht sich ein ungedämmtes Dach auch finanziell bemerkbar: Bis zu 30 Prozent der Heizwärme gehen so verloren. Wer mittelfristig sparen will, sollte daher für eine vernünftige Isolation des Daches sorgen. Welche Möglichkeiten Hausbesitzer haben, was sie selbst machen können und worauf sie dabei achten müssen, fasst Immonet zusammen.

Gedämmtes Dach hat viele Vorteile

Ein gedämmtes Dach ist für ein angenehmes Klima im Haus wichtig. Der finanzielle Aufwand zahlt sich zudem schnell über eingesparte Heizkosten aus. Weitere Vorteile einer Dämmung sind der verbesserte Schallschutz des Hauses und „auch die Brandgefahr kann so verringert werden“, erklärt Wolf-Dieter Dötterer, Bausachverständiger und Vorstandsmitglied im Bundesverband der Gebäudeenergieberater.

Vorgeschriebene Höchstwerte

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) gibt Kennzahlen für eine Dachdämmung vor. Gemessen wird der Wärmedurchgangskoeffizient, auch bekannt als U-Wert. Je kleiner der Wert, umso besser die Dämmeigenschaften. „Für die Dämmung eines Steildachs gilt in der Regel der maximale Wärmedurchgangskoeffizient von 0,24 W/(m² K)“, erklärt Dötterer. Für Flachdächer schreibt die Verordnung einen U-Wert von maximal 0,20 W/(m² K) vor. Ausnahmen gelten aber zum Beispiel für denkmalgeschützte Häuser. Wer in einem vor 1983 erbauten oder zuletzt renovierten Haus wohnt und sein Dach neu deckt, muss danach diese Mindestwerte erfüllen.

Arten der Dämmung

Für Steildächer existieren drei Arten der Dachdämmung, die sich bezüglich Effektivität, Aufwand und Kosten unterscheiden. Welche Art gewählt wird, richtet sich nach dem baulichen Zustand, aber auch den individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten.

Die Aufsparrendämmung

Die Aufsparrendämmung wird von außen am freigelegten Dach vorgenommen. Dabei wird über die ganze Fläche eine geschlossene Haube aus Dämmelementen verlegt, die über den Sparren liegt. Sie schützt also sowohl den Wohnraum als auch die Dachkonstruktion. Unter und über dem Dämmmaterial sind weitere Schichten notwendig: eine sogenannte Dampfsperre auf der Unterseite, beziehungsweise ein Unterdach über der Dämmung. Sie sorgen dafür, dass das Dämmmaterial trocken bleibt.

Da das Dach für diese Methode neu gedeckt werden muss, bietet sie sich vor allem dann an, wenn es ohnehin erneuert werden muss. Zudem sollten Hausbesitzer beachten: „Vor jeder Aufsparrendämmung muss ein Fachmann beurteilen, ob das Dach die Belastung statisch auch tragen kann. Vor allem bei älteren Häusern kann das ein Problem sein“, sagt Dötterer.

Die Aufsparrendämmung gilt als bauphysikalisch beste Dämmmethode. Wärmebrücken können bei der Aufsparrendämmung leicht verhindert werden, schließlich wird das Dämmmaterial auf der ganzen Fläche verlegt. „Wichtig ist dabei ein luftdichter Abschluss der Dämmschicht, damit kein Kondensat entsteht, wo warme Innen- und kalte Außenluft aufeinandertreffen“, erklärt der Bausachverständige. Denn das hätte Schimmel und Wärmeverluste zur Folge und kann schnell alle Arbeit zunichtemachen.

Nachteil der Aufsparrendämmung: Die Durchführung ist nichts für Laien. „Nicht zuletzt, weil der Handwerker sich sicher auf dem Dach, also in luftiger Höhe, bewegen können muss“, sagt Dötterer. Zudem sei diese Dämmmethode handwerklich anspruchsvoll, da man Giebel und Mauerkrone abdichten müsse. Für die Aufsparrendämmung sollten also Fachleute engagiert werden. Damit ist diese Methode auch die teuerste. „Pro Quadratmeter Dach muss man inklusive Arbeit und Materialien mit mindestens 100 Euro rechnen“, sagt Dötterer.

Besonders geeignet ist die Aufsparrendämmung für Häuser, deren Dachgeschoss bewohnt ist oder künftig bewohnt werden soll. Ein Umzug oder Ausräumen der obersten Etage ist nicht nötig. Der Schmutz bleibt draußen. Ein weiterer Vorteil: Die Dämmung nimmt keinen Wohnraum weg. Zudem kann die Dämmschicht ruhig etwas dicker ausfallen, schließlich ist nach oben Luft.

Die Zwischensparrendämmung

Die Zwischensparrendämmung wird von der Innenseite des Gebäudes aus durchgeführt. Dazu wird das Dämmmaterial von innen in die Zwischenräume der Sparren eingeklemmt. Hier ist allerdings Sorgfalt geboten: Fugen oder Lücken müssen auf jeden Fall vermieden werden, um Wärmebrücken zu verhindern. „Das ist nicht immer ganz einfach, denn die Sparren sind oft nicht ganz grade. Darauf muss man beim Zuschneiden und Einbringen achten“, erklärt Dötterer. Im Anschluss wird eine Dampfbremsfolie montiert und verklebt, auch hier ist genaues Arbeiten wichtig, damit Luftdichtigkeit erreicht wird. Wird das Dachgeschoss als Wohnraum genutzt, wird zusätzlich eine Verkleidung angebracht. 

Da das Dämmmaterial zwischen den Sparren liegt, gibt deren Höhe die Dicke des Materials vor. Sind sie zu flach, kann man eine ausreichende Dämmung erreichen, indem man die Sparren mit Kanthölzern verstärkt. So entsteht ein höherer Zwischenraum, in dem eine dickere Dämmschicht Platz findet. Auch ist es in solchen Fällen angezeigt, Material mit besonders niedriger Wärmeleitfähigkeit zu verwenden. So lässt sich auch mit einer dünnen Schicht Dämmmaterial der größtmögliche Effekt erzielen.

Eine Zwischensparrendämmung wird meistens dann gewählt, wenn kein kompletter Austausch des Daches gewünscht wird, der Wärmeschutz aber schnell und unkompliziert verbessert werden soll. Die Vorteile: Diese Methode lässt sich in Eigenleistung durchführen und ist günstiger. Die Kosten liegen im Schnitt bei rund 50 Euro pro Quadratmeter.

Der Zeitaufwand ist für Laien allerdings größer als für Profis. „Für die Dachdämmung eines durchschnittlichen Einfamilienhauses muss man als Neuling mit rund zwei Arbeitstagen für das Anbringen der Dämmschicht rechnen. Weitere zwei bis drei Tage sollte man für die Luftdichigkeitsschicht einplanen“, rät Dötterer. Schließlich ist diese besonders wichtig. Passieren hier Fehler, kann das zu Wärmebrücken, Schimmel und Schäden an der Bausubstanz führen.

Ein Nachteil dieser Dämmart ist die Verkleinerung des Wohnraumes, wenn die Sparren verstärkt werden müssen. „Will man den Mindestwärmeschutz nach EnEV 2014 erreichen, sind die Platten mindestens zehn bis 20 Zentimeter dick. Da geht oben und an den Seiten Raum verloren“, rechnet Dötterer vor. Der Innenausbau ist also vor allem dann geeignet, wenn genug Platz vorhanden ist.

Die Zwischensparrendämmung kann auch als Ergänzung zur Aufsparrendämmung durchgeführt werden, in der Praxis passiert das aber selten.

Die Untersparrendämmung

Die Untersparrendämmung wird ebenfalls von innen durchgeführt. Sie eignet sich in erster Linie als Ergänzung zur Zwischensparrendämmung, vor allem dann, wenn die Höhe der Sparren zu niedrig ist. Es gibt zwei Optionen die Dämmung anzubringen.

Eine Lattung wird quer zu den Sparren befestigt. Die entstandenen Zwischenräume  werden wie bei der Zwischensparrendämmung lückenlos mit dem Dämmstoff gefüllt. An die Latten kann zudem die Verkleidung gehangen werden.

Eine andere Möglichkeit bieten Dämmplatten, die bereits mit Nut und Feder versehen sind und von unten an die Sparren geschraubt werden. So entsteht schnell eine durchgehende Dämmschicht.

Ein Vorteil der Untersparrendämmung: Sie reduziert die Wärmebrücken der Sparren. Deren Holz weist in der Regel nämlich eine drei- bis viermal höhere Wärmeleitfähigkeit auf als das Dämmmaterial dazwischen. Außerdem lässt sich mit ihr auch nachträglich eine vorhandene Zwischensparrendämmung ergänzen und die Energiebilanz verbessern. Zudem schafft die Untersparrendämmung eine zusätzliche Installationsebene, in der Elektroleitungen verlaufen können.

Zu den Nachteilen zählt der Raumverlust. Denn die Platten nehmen nicht wenig Platz ein, damit geht Wohnraum verloren. Daher eignet sich diese Methode vor allem für Dachstühle, die wohnlich nicht genutzt werden sollen oder ohnehin viel Platz bieten.

Die Dämmung von Flachdächern

Flachdächer sind besonderen Belastungen und Anforderungen ausgesetzt. Starke Temperaturschwankungen, Wind und Niederschläge gehören dazu. Außerdem soll das Dach begehbar sein. Daher muss die Dämmung eines Flachdachs hochwertig und widerstandfähig sein. Drei Arten der Dämmung stehen zur Wahl.

Kaltdach-Dämmung

Kennzeichen dieser Dämmung ist eine Luftschicht zwischen der Außenseite des Daches und der Dämmschicht. In den Freiraum zwischen Raumdecke und Dachabdichtung wird zunächst eine Dampfsperrfolie von außen eingeblasen oder von innen angebracht. Wichtig ist eine lückenlose Verarbeitung, um Wärmebrücken zu vermeiden. Darauf kommt das Dämmmaterial. Darüber verbleibt eine mindestens zehn Zentimeter hohe Lüftungsebene, die Dämmschicht und Dachkonstruktion voneinander trennt.

Diese Form der Dämmung benötigt relativ viel Raum und eignet sich für Flachdächer mit einer geringen Neigung. „Diese Methode wird heute selten und nur noch bei Holzbalkendecken angewendet, da sie komplex ist und schnell bautechnische Probleme auftauchen können“, sagt der Bausachverständige. Daher sollte die Ausführung Fachleuten überlassen werden.

Die Warmdach-Dämmung

Bei der Warmdachdämmung wird der Dämmstoff zwischen der Raumdecke und der Außenseite des Daches luftdicht eingeschlossen. Dafür wird zunächst eine Dampfsperrfolie luftdicht verlegt, obenauf liegen druckfeste Dämmplatten. Eine Holzschalung kann aufgebaut werden. Darüber wird wiederum die Dachabdichtung luftdicht aufgebracht. „In der Regel wird Bitumen geklebt. Es werden meistens mehrere Lagen verarbeitet“, erklärt Dötterer. 

Die Anforderungen an die Dichtigkeit des Daches sind hoch, schließlich kann durch Löcher eindringendes Wasser nicht ablaufen oder verdampfen. Das führt dann schnell zu Schimmel oder der Zerstörung der Dämmmaterialien.

Eine Warmdach-Dämmung ist die heute gebräuchlichste Methode. Sie erfordert wenig Raum, aber sie ist komplex. Daher ist sie ebenfalls nur etwas für Fachleute. Außerdem ist eine regelmäßige Wartung des Daches unerlässlich, um Schäden früh zu erkennen.  

Die Umkehrdach-Dämmung

Bei der Umkehrdach-Dämmung wird die Isolierung auf die bereits vorhandene Dachabdichtung aufgebracht. Zuvor sollte der Untergrund gründlich gereinigt werden. Nur so kann verhindert werden, dass Steinchen oder andere spitze Elemente die vorhandene Abdichtung beschädigen. Diese sollte vor den weiteren Arbeiten gründlich auf ihre Dichtigkeit geprüft werden.

Als Dämmmaterial eignen sich druckfeste Dämmplatten. Auf diese wird dann wiederum eine Abdichtungsschicht aus Bitumen aufgebracht. Will man zuoberst eine Kiesschicht auf das Dach aufbringen, sollte zuerst ein Schutzvlies verlegt werden, um Beschädigungen zu vermeiden. Auch eine Begrünung des Daches ist möglich, wenn die Gebäudestatik es zulässt. Dieses Vorhaben sollte mit einem Bausachverständigen abgeklärt werden.

Die Umkehrdach-Methode ist die einfachste und günstigste Art der Flachdachdämmung. Sie kann auch von Laien durchgeführt werden. „Allerdings stellen Flachdächer immer eine große Herausforderung dar. Wenn da Fehler passieren, ist die Bautechnik schnell beeinträchtigt. Das sollte man zuvor gut abwägen“, rät Dötterer.

Wichtig bei der Dämmung von Flachdächern ist es, ein Gefälle von mindestens zwei Grad zu erreichen. Dieses ist gesetzlich vorgeschrieben und soll das Abfließen von Regenwasser ermöglichen. Im Handel gibt es aber spezielle Dämmplatten, die diese Neigung bereits aufweisen.  

Die Materialien

Für die Dämmung von Dächern stehen eine ganze Reihe von Materialien zur Verfügung. Zu den organischen Dämmstoffen zählen Mineral- und Steinwolle. Sie sind die günstigsten Dämmmaterialien und kosten rund 20 Euro pro Quadratmeter. Da sie oft in Rollen oder als Mattenware verkauft werden und flexibel sind, eignen sie sich besonders für die Zwischensparrendämmung, aber auch für die Kaltdach-Dämmung.

Polystyrol, auch bekannt unter dem Handelsnamen Styropor, und Polyuretan sind die am häufigsten eingesetzten künstlichen Dämmmaterialien. Diese sind teurer als andere Materialien, aber die beste Wahl für Flachdächer.

Ökologische Baustoffe liegen im mittleren Preissegment. Zu ihnen zählen Hanf, Holzflex, Cellulose, Lehm und Holzspan. „Sie punkten vor allem aus ökologischer und gesundheitlicher Sicht“, erklärt Dötterer. Während sich die flexiblen Holzflex-Materialien für die Zwischensparrendämmung gut eignen, sind Holzfaserdämmplatten gut für die Aufsparrendämmung geeignet. „Ganz besonders überzeugen sie beim sommerlichen Hitzeschutz. Da sie eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit haben und erst nach zwölf Stunden Wärme abgeben, sorgen sie an den heißen Tagen für ein angenehmes Klima im Haus“, erklärt Dötterer.

Generell dürfen nur vom Deutschen Institut für Bautechnik zugelassene Materialien verwendet werden. Diese müssen mindestens den Brandschutz-Standard B2 aufweisen, das entspricht „normal entflammbar“. B1 gilt als schwer entflammbar, A-Klassen als nicht entflammbar.

Vorbereitung und Abschluss

Je nach Dachkonstruktion existieren verschiedene Varianten der Dämmmethoden. Um die optimale Variante für sein Haus zu finden, ist es daher sinnvoll, sich vorher Rat von einem Bausachverständigen einzuholen.

Dieser ist ohnehin notwendig, wenn man Fördergelder beantragen möchte. Sie werden von der KfW, Kreditanstalt für Wiederaufbau, für Baumaßnahmen vergeben, die zu einer Energieeinsparung beitragen. Die Anforderungen der KfW sind strenger als die Mindestwerte, die die EnEV vorsieht – zum Beispiel muss im Steildach ein U-Wert von 0,14 erreicht werden. Diese einzuhalten lohnt sich aber doppelt durch die eingesparte Wärmeenergie und die staatlichen Zuschüsse. Je nach erreichtem Standard können einige Tausend Euro Förderung eingestrichen werden. Hausbesitzer können auch günstige Kredite beantragen, wenn die Dachdämmung zum Niedrigenergiehausstandard führt. So lassen sich die Ausgaben für die neue Dachdämmung deutlich senken.

Wer am Ende der Arbeiten sicher gehen möchte, dass in der Dachabdichtung keine Löcher sind, die zu Schäden an der Bausubstanz  führen, kann dies mit einen Blower-Door-Test absichern. Mithilfe von Unterdruck und Infrarotkamera werden Lecks aufgespürt, die noch ausgebessert werden können.  

Weiterlesen:

Tipps zur Wärmedämmung