So finden Sie den optimalen Bürostuhl und sitzen gesund

Der optimale Bürostuhl

© Dane Deaner / Unsplash

Sitzen gehört für viele zum beruflichen Alltag – ist auf Dauer aber belastend für den Körper. Ein guter Bürostuhl kann helfen. Immonet zeigt, welche Funktionen ein solcher Stuhl haben sollte und wie Sie ihn individuell richtig einstellen.

Willkommen im Büroarbeiter-Land

Deutschland ist ein Büroarbeiter-Land: Rund 17 Millionen Menschen arbeiten nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hierzulande an einem Büroarbeitsplatz – Tendenz steigend.

Auch in den eigenen vier Wänden verbringen wir viel Zeit am Schreibtisch. Immer mehr Menschen arbeiten an manchen Tagen im sogenannten Homeoffice von zu Hause aus. Und auch sonst zwingt uns der lästige Papierkram ins Arbeitszimmer, etwa wenn wir die Steuererklärung erstellen oder Briefe an Versicherungen schreiben. Ein guter Stuhl macht es uns während dieser Tätigkeiten nicht nur bequem, er schont auch die Gesundheit.

Sitzen ist eine Zwangshaltung

Der Mensch ist für dauerhaftes Sitzen nicht gemacht. Sein ganzer Körper ist vom Skelett bis zu den Muskeln für Bewegung ausgelegt. So gesehen ist Sitzen eine unnatürliche Körperhaltung, die zur Zwangshaltung wird, wenn sie oft und über einen längeren Zeitraum eingenommen wird.

Die Folgen von erzwungenen Körperhaltungen sind häufig Rückenprobleme, Schmerzen in Schultern und Nacken, Kopfschmerzen oder RSI, Repetitive Strain Injuries, ein Sammelbegriff für Beschwerden in Händen und Armen wie beispielsweise die Sehnenscheidenentzündung. Rund ein Viertel aller Krankheitstage, so schätzt die BAuA, geht auf diese Muskel-Skelett-Leiden zurück.

Ein ergonomischer Bürostuhl schont den Körper

Sitzen lässt sich in der modernen Gesellschaft kaum vermeiden. Deshalb ist es umso wichtiger, etwa im Büro einen Stuhl zu haben, der die Arbeitsbedingungen an die menschliche Anatomie und ihre Eigenschaften anpasst. Sprich: Ein Bürostuhl sollte ergonomisch sein. Einige allgemeine Anforderungen sind gesetzlich geregelt, etwa in der Bildschirmarbeitsplatz-Verordnung oder der Arbeitsstätten-Verordnung. Dennoch gibt es innerhalb des Angebotes große Unterschiede in Sachen Ergonomie.

Das sollte bei einem Bürostuhl verstellbar sein

Damit sich ein Bürostuhl optimal an die individuellen Körpermaße seines Benutzers anpassen lässt, sollten diverse Funktionen ein- bzw. verstellbar sein:

  • Die Sitzhöhe: Sie lässt sich bei den meisten Bürostühlen einstellen. Beide Füße sollten immer Kontakt zum Boden haben. Bei kleiner gewachsenen Menschen kann zusätzliche eine Fußbank sinnvoll sein.
  • Die Sitztiefe: Gute Bürostühle haben eine Sitzfläche, die in der Tiefe verstellbar ist und die man auf die eigenen Bedürfnisse einstellen kann.
  • Die Neigung der Sitzfläche: Durch die sogenannte Sitzneigeverstellung senkt sich die Sitzfläche nach vorne ab, sobald man Platznimmt. „Dadurch vergrößert sich der Winkel zwischen Oberschenkeln und Torso – das Becken kippt nach vorne und richtet so zusätzlich die Wirbelsäule auf“, erklärt Torsten Lohrsträter vom Büromöbelhersteller Haworth.
  • Die Rückenlehne: Sie sollte sowohl in der Höhe als auch in der Neigung einstellbar sein. Entscheidend für die Neigung ist der Anpressdruck. Er ist ein Maß für den Widerstand, den die Lehne gegen den Rücken gibt, und hängt vom Gewicht des Benutzers ab. Verstellen lässt sich der Anpressdruck meist mit einer Kurbel. Bei manchen, teureren Bürostühlen geschieht dies automatisch.
  • Die Lordosestütze: Sie ist ein Teil der Rückenlehne und unterstützt die natürliche Krümmung der Wirbelsäule oberhalb des Beckens. Die Lordosestütze solle man in der Höhe verstellen können. Das Ziel: Die Rückenlehne noch anschmiegsamer zu machen.
  • Die Armauflagen: Sie sollte am besten in Höhe, Breite und Tiefe einstellbar sein. So kann jeder – ob breit oder schmal gebaut, ob groß oder klein – die Arme locker ablegen, was die Schulter- und Halsmuskulatur entlastet. Am besten ist es, wenn die Armlehnen auch leicht schwenkbar sind. „Das erleichtert die Arbeit mit der Computer-Maus, da die Armauflagen auch in einer leicht schrägen Position die Unterarme auffangen und der Benutzer seinen Arm nicht heben muss“, erklärt Lohrsträter.

Mit allen Funktionen vertraut machen

Jede Funktion ist für sich genommen wichtig. Die volle Wirkung entfalten sie aber erst im Zusammenspiel. „Das muss man dem Benutzer beibringen“, meint Lohrsträter. Ergonomische Stühle gebe es viele, ihr Nutzen stehe und falle mit der korrekten Einweisung. Daher ist es wichtig, die Gebrauchsanweisung aufmerksam zu lesen und entsprechend zu handeln bzw. sich am Arbeitsplatz alle Möglichkeiten eines Stuhls erklären zu lassen.

So sitzen Sie richtig auf einem Bürostuhl

Der beste ergonomische Stuhl nützt nichts, wenn man ihn nicht richtig einstellt. Die korrekte Sitzhaltung ist entscheidend: Unter- und Oberschenkel bilden einen Winkel von mindestens 90 Grad – besser mehr. Dabei hat der Rücken stets vollen Kontakt mit der Rückenlehne. Aber: „Zwischen der Kante der Sitzfläche und dem Unterschenkel sollte eine gute Handbreit Platz sein“, rät Karl-Heinz Lauble, Leiter des Fachbereichs Büroarbeit beim VDSI (Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit). Denn wem die Sitzfläche unangenehm in die Kniekehlen drückt, der versucht sich unbewusst bequemer hinzusetzen, rutscht nach vorne und verliert so den Kontakt zur Rückenlehne. „Dadurch sitzt man mit einem Rundrücken auf dem Stuhl und die Druckbelastung für die Bandscheiben steigt“, sagt Torsten Lohrsträter.

In der perfekte Sitzhaltung haben auch die Arme eine bestimmte Stellung: Unter- und Oberarm bilden einen 90-Grad-Winkel, wenn die Unterarmen auf den Armlehnen liegen. Von der Seite betrachtet sind sie parallel zu den Oberschenkeln. „Die Armauflage ist dabei in Tischhöhe“, beschreibt Lauble.

Wer gesund sitzen will, sitzt dynamisch

Es klingt paradox, aber zum gesunden Sitzen gehört auch Bewegung. Fachleute nennen das dynamisches Sitzen: Dabei gehen Rückenlehne und idealerweise auch die Sitzfläche mit dem Benutzer mit, wenn er sich nach hinten lehnt oder nach vorne beugt. Damit sich der Stuhl den Bewegungen anpassen kann, sollte man ihn nicht arretieren.

Überhaupt: Sich recken und strecken, anstatt ständig in einer Haltung vor dem Schreibtisch zu sitzen, ist immer noch die beste Medizin gegen Verspannungen, Kopfschmerz und Co. „Man sollte maximal 50 Prozent der Arbeitszeit sitzen“, meint Lauble. „Die restliche Zeit sollte man zu gleichen Teilen stehen und gehen.“