Die Berliner Räumung

Berlin
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Eine Räumungsklage ist teuer, da Vermieter einen Kostenvorschuss für das Gericht und die Zwangsräumung leisten müssen. Immonet stellt ein Räumungsmodell vor, bei dem die Kläger sparen können.

Seit der Mietrechtsreform 2013 gibt es neue Räumungsmodelle, die nach deutschen Großstädten benannt sind, in der die Fälle rechtskräftig wurden, wie zum Beispiel im Großraum Berlin. Bei der Berliner Räumung hat der Gerichtsvollzieher nur die Aufgabe die Immobilie an den Vermieter zu übergeben, ohne die Gegenstände abzutransportieren. So entfallen die Kosten für die Spedition und Einlagerung.

Vom Gerichtsvollzieher wird ein Schlosser bestellt, der das Wohnungsschloss austauscht und den Schlüssel an den Vermieter übergibt. In einem Protokoll muss der Gerichtsvollzieher alle Gegenstände dokumentieren, die er vorfindet und kann zusätzlich Fotos machen. Das Hab und Gut verbleiben zunächst in der Wohnung.

Wenn der Besitz des Mieters nicht innerhalb eines Monats ausgelöst wird, kann der Vermieter die pfändbaren Gegenstände bei einer öffentlichen Zwangsversteigerung anbieten. Diese muss dem Zwangsversteigerungsgesetz entsprechen und mit Hilfe eines gewerblichen Versteigerers unter Beachtung gesetzlicher Fristen angesetzt werden.

Was müssen Sie bei der Berliner Räumung beachten?

Wenn vier Wochen verstrichen sind, haben Sie das Recht die Wohnung räumen zu lassen. Hier können Sie selbst eine Spedition auswählen. Doch da ist Vorsicht geboten: Für die Verwertung der Pfandgegenstände herrschen strenge Richtlinien. Müll darf zwar entsorgt werden, dennoch besteht hier die Gefahr, dass der Mieter im Nachhinein behauptet, die Gegenstände hätten hohen persönlichen Wert. Dann hat er das Recht auf Schadenersatz. Welche Gegenstände pfändbar sind und welche nicht, können Sie hier nachlesen

Unpfändbare Gegenstände müssen Sie dem Mieter bei Verlangen herausgeben.  Ratschläge vom Gerichtsvollzieher sollten Sie in jedem Fall annehmen, um keine Fehler zu machen. Daher der Tipp: Bei der schlussendlichen Räumung sollten Sie auf die Speditionen vertrauen, die Ihnen der Gerichtsvollzieher empfiehlt.

Vor- und Nachteile der Berliner Räumung

Für den Vermieter fällt der Kostenvorschuss für den Gerichtsvollzieher niedriger aus, als bei der klassischen Räumung. Dieser beträgt in der Regel etwa 400 Euro. Bei der klassischen Räumung wird der Gerichtsvollzieher mit einer Pauschale pro Raum entlohnt, sodass je nach Größe der Wohnung etwa 1.000 Euro pro Zimmer anfallen.

Ein Nachteil ergibt sich, wenn die Immobilie bald wieder bezogen werden soll. Die Gegenstände müssen einen Monat in der Wohnung bleiben. Theoretisch könnte der Vermieter sie auch privat einlagern, doch das wird von Gerichtsvollziehern oft abgelehnt. Zu groß ist die Gefahr, dass Dinge beim Transport beschädigt werden könnten und der Staat dafür haften muss.

Alternative: die Hamburger Räumung

Bei der Hamburger Räumung fallen zwei Phasen an. Beim ersten Termin werden nur die Schlösser ausgewechselt. Im Anschluss hat der Mieter zwei Wochen Zeit seine Schulden zu begleichen. Bei einem zweiten Termin machen Gerichtsvollzieher und Spediteur eine gemeinsame Begehung und erstellen ein Protokoll samt Fotos der pfändbaren Gegenstände. Der Schlüssel wird anschließend an den Spediteur herausgegeben, der sich um die Einlagerung der Möbel kümmert.

Hat der Mieter bereits eine neue Wohnung, werden die unpfändbaren Gegenstände dorthin geliefert und der Schlüssel an den Vermieter übergeben, sobald die Wohnung leer ist. Der Vorteil ist, dass hier die Kosten sinken, da der Gerichtsvollzieher den Spediteur bestellt, einen guten Preis aushandelt und an einem Tag mehrere Objekte räumen lassen kann. Falls Schäden entstehen, ist das Umzugsunternehmen dafür haftbar.

Es können jedoch auch beide Modelle kombiniert werden: Sie können eine Hamburger Räumung beantragen, den Kostenvorschuss begleichen, wenn Sie keine wertvollen Gegenstände in der Wohnung vermuten. Wenn Sie dennoch auf pfändbares Eigentum stoßen, können Sie zur Berliner Räumung wechseln. 

Auch wenn Sie bei der Berliner oder Hamburger Räumung Kosten sparen, ist das klassische Modell immer noch die sicherste Methode, eine Wohnung zwangsräumen zu lassen, ohne nachher Schadenersatzersatzansprüche vom Mieter begleichen zu müssen. In jedem Fall sollten Sie sich fachkundigen Rat einholen und nicht überstürzt handeln.

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