Welcher Bausparvertrag ist der Richtige?

Bausparvertrag
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Der Bausparvertrag wirkt auf den ersten Blick vielleicht spießig oder angestaubt. Doch Bausparverträge bieten auch heute attraktive Möglichkeiten zur Immobilienfinanzierung. Sie ermöglichen eine genaue Planung der Belastungen, da die Zinsen über die gesamte Vertragslaufzeit festgeschrieben sind. Sie wissen bereits heute, welche Konditionen Sie in zehn oder 20 Jahren erwarten können. Zusätzlich geben sich Bausparkassen im Grundbuch mit einem niedrigen Rang zufrieden. Das bedeutet, dass Sie die Bausparsumme als Eigenkapital angeben. Die höhere Eigenkapitalquote senkt den Zins für einen herkömmlichen Immobilienkredit um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte. Die wichtigsten Informationen über Bausparverträge hat Immonet zusammengestellt. 

Wie funktioniert ein Bausparvertrag?

Mittlerweile bietet der Markt rund 120 verschiedene Tarife für Bausparverträge. Trotz der Vielfalt ist das Prinzip eines Bausparvertrags immer gleich. Sie vereinbaren eine Bausparsumme, nehmen wir an 100.000 Euro. Das entspricht der Summe, die Sie später für die Immobilienfinanzierung in Anspruch nehmen können. Von dieser Summe müssen Sie 40 bis 50 Prozent, je nach Tarif, selbst ansparen. Ist die vereinbarte Summe angespart und die erforderliche Wartezeit verstrichen, dürfen Sie das Bauspardarlehen nutzen. Sie erhalten die in unserem Beispiel vereinbarten 100.000 Euro und beginnen mit der Rückzahlung des Darlehens.

Sowohl die Verzinsung in der Ansparphase als auch die Zinsen für das Darlehen sind über die gesamte Zeit festgeschrieben. Sie erhalten Planungssicherheit und sichern sich unter Umständen einen sehr günstigen Zinssatz. Mit einem Bausparvertrag können Sie auch staatliche Förderungen erhalten. Je nach individueller Situation bieten sich die Arbeitnehmersparzulage (Vermögenswirksame Leistungen), die Wohnungsbauprämie sowie die Eigenheimrente („Wohnriester“) für einen Bausparvertrag an.

Ist ein Bausparvertrag für Sie geeignet?

Ein Bausparvertrag ist immer dann sinnvoll, wenn Sie klare Vorstellungen von der Zukunft haben und Eigenkapital für eine Immobilie oder spätere Sanierungsmaßnahmen ansparen möchten. Spontanität passt weniger zu diesem Finanzierungsmodell. Auch wenn Sie erst über einen Bausparvertrag nachdenken, wenn die Finanzierung Ihres Hauses bereits läuft, machen Sie in der Regel ein schlechtes Geschäft. Zur späteren Ablösung eines bereits laufenden Kredits sind Bausparverträge nur bedingt geeignet.

Sehr sinnvoll ist dagegen ein Bausparvertrag, wenn Sie in der Darlehensphase größere Geldeingänge beispielsweise durch ein Erbe erwarten. Denn bei einem Bausparvertrag können Sie das Darlehen jederzeit vollständig zurückzahlen, ohne Strafzahlungen wie beispielsweise eine Vorfälligkeitsentschädigung leisten zu müssen. Vorteilhaft ist es, den Bausparvertrag antizyklisch abzuschließen.

Entscheiden Sie sich zu Zeiten niedriger Guthabenverzinsung für einen Vertrag, bieten die meisten Anbieter auch sehr günstige Zinsen für das Darlehen. Steigen die Zinsen in der Zukunft wieder, profitieren Sie vom günstigen Baugeld.

Der Bausparvertrag als Teil der Finanzierung

Ein Bausparvertrag stellt immer nur einen Baustein in einem Finanzierungskonzept für eine Immobilie dar. Betrachten Sie daher den Bausparvertrag nie allein, sondern immer in der Gesamtheit mit den anderen Teilen der Finanzierung. Ermitteln Sie also bereits vor Vertragsabschluss, welche Art der Immobilie Sie sich vorstellen und welche Kosten damit auf Sie zukommen. Berechnen Sie Ihr voraussichtliches Eigenkapital und legen Sie vorab fest, welche Beträge über ein Bankdarlehen und welche über den Bausparvertrag abgedeckt werden sollen. Lassen Sie sich für beide Finanzierungswege Zahlungspläne über die gesamte Laufzeit erstellen. Je früher Sie einen Bausparvertrag einsetzen, desto höher fallen die Tilgungsraten aus.

Der Bausparvertrag als Sparvertrag

Auch wenn Sie nicht planen, eine Immobilie zu kaufen, kann ein Bausparvertrag attraktiv sein. Viele Bausparkassen bieten hohe Zinsen, wenn Sie das Darlehen nicht nutzen. So können Sie monatlich eine feste Summe ansparen und sich eine gute Rendite sichern. Gleichzeitig sind Sie weniger gebunden als bei Banksparplänen, denn Sie müssen einen Bausparvertrag nicht regelmäßig besparen. Auch zur Anlage eines größeren Einmalbetrags ist Lösung durchaus attraktiv. Die gute Verzinsung einiger Anbieter und die kurzen Kündigungsfristen bieten viele Vorteile.

Wird der Bausparvertrag allerdings nur zur Kapitalanlage genutzt, hat man keinen Anspruch auf die Wohnungsbauprämie. Ausnahme: Der Kunde ist bei Abschluss des Vertrags unter 25 Jahre.

Darauf sollten Sie achten

  • Je früher Sie einen Bausparvertrag abschließen, desto günstiger wirkt er sich später auf die Finanzierung einer Immobilie aus.
  • Diese Form der Immobilienfinanzierung ist besonders für Menschen geeignet, die klare Vorstellungen von der Zukunft haben.
  • Betrachten Sie den Bausparvertrag immer in der Gesamtheit der geplanten Finanzierung.
  • Vergleichen Sie die verschiedenen Tarife. Je nach Bausparsumme und geplanter Laufzeit unterscheiden sich die Tarife deutlich.
  • Für einen Bausparvertrag können Sie staatliche Förderungen erhalten.
  • Einige Tarife eignen sich auch als reiner Sparplan mit guter Verzinsung und hoher Flexibilität.

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