Eine erwachsene Frau bastelt mit ein paar Kindern etwas aus Eierschalen am Tisch

Basteln mit Kindern:
Förderung und Spaß

© gmvozd / iStock

„Guck mal, was ich gemacht hab!“ Kinder haben Freude daran, etwas zu malen, auszuschneiden, zusammenzukleben. Warum Basteln für die kindliche Entwicklung wichtig ist und wie Eltern ihren Nachwuchs damit fördern können, hat Immonet zusammengefasst.

Kinder lernen durch Anfassen und Ausprobieren

Moderne Kindheit findet zunehmend in medialer Umgebung statt. Smartphones sind schon bei Fünftklässlern keine Seltenheit mehr. Der Kinder-Medien-Studie 2017 zufolge schauen fast alle Kinder in Deutschland zwischen vier und 13 Jahren mindestens einmal pro Woche fern. Digitale Spiele auf Computern oder Konsolen sind fester Bestandteil der Nachmittage in vielen Kinderzimmern.

Dabei ist es für Kinder laut Diplom-Pädagogin Danielle Da Lozzo sinnvoll, etwas handwerklich selbst zu erschaffen, statt nur zu konsumieren – zum Beispiel durch Basteln. „Lernen findet bei Kindern überwiegend durch Anfassen, durch Ausprobieren und eigenes Erleben statt.“ Man könne Kindern beispielsweise die Funktionsweise und Bestandteile der Uhr erklären, so Da Lozzo, die einer Kindertagesstätte (Kita) im hessischen Gladenbach leitet. Ließe man sie jedoch eine Uhr basteln, festige sich das Wissen besser. Basteln gehört aus diesem Grund zu den zentralen Aktivitäten in Kita und Schule.

Basteln hilft Kindern bei der Konzentration

Basteln fördert die kindliche Entwicklung in verschiedenen Bereichen, etwa bei der Konzentration. Kinder lassen sich gerne ablenken. Wer bastelt, muss sich eine ganze Weile intensiv mit einer Tätigkeit beschäftigen. Ein weiterer positiver Effekt: Das Kind kommt dadurch zur Ruhe. „Basteln eignet sich deshalb gut für Kinder, die sonst etwas aktiver sind“, sagt Da Lozzo.

Die Kreativität durch Basteln fördern

Beim Basteln können Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Sie benutzen und kombinieren unterschiedliche Materialien, sie gestalten frei, was ihnen in den Sinn kommt. Das fördert die Kreativität – und die ist wichtig, damit Kinder später eine Problemlösungskompetenz erwerben können. Deshalb ist es sinnvoll, den Kindern genug Raum für eigene Ideen zu lassen. Eltern sollten zum Beispiel nicht zu viele Vorgaben machen oder vorher schon festlegen, wie eine fertige Bastelarbeit im Detail auszusehen hat.

Effektive Übung für die kindliche Motorik

Beim Ausschneiden, Malen oder Kleben erwerben gerade Vorschulkinder wichtige motorische Fähigkeiten. „Basteln schult hier insbesondere die Hand-Auge-Koordination“, betont Pädagogin Da Lozzo. Dahinter verbirgt sich die Fähigkeit, aufgrund visueller Wahrnehmungen mit der Hand und den Fingern eine bestimmte Bewegung zu machen. Hantieren Kinder beim Basteln mit verschiedenen Werkzeugen und Materialien, verfeinern sie die Koordinationsfähigkeit ihrer Finger. Diese Fertigkeiten sind grundlegend, um sich in der Schule viele weitere Kompetenzen anzueignen, allen voran das Schreiben.

Viel Kommunikation beim Basteln

Wenn Eltern mit ihren Kindern basteln, kommen sie ins Gespräch. Formen und Farben werden benannt, die Kinder lernen die Namen der unterschiedlichen Utensilien kennen. Dadurch erweitern sie spielerisch ihren Wortschatz. Eltern können die Kinder auch animieren, über das zu reden, was sie gerade tun. Das fördert die Sprachentwicklung.

Bastelmaterialien müssen nicht teuer sein

Wer mit seinen Kindern zu Hause im Wohn- oder Kinderzimmer basteln möchte, braucht nicht viele Dinge. Zur Grundausstattung gehören Schere, Klebstoff, Stifte und Papier. Darüber hinaus ist es nicht zwingend notwendig, viel Geld für Bastelutensilien im Fachgeschäft auszugeben. „Man muss gar nicht zu kompliziert denken“, sagt Da Lozzo. Aus Katalogen, Zeitungen und Prospekten können Kinder Bilder ausschneiden und Collagen gestalten. Woll- und Stoffreste dienen zur Verzierung von Bildern. Und auch Kartons, Schuhschachteln oder die Papprolle der Küchentücher lassen sich kreativ verwenden.

Naturmaterialien beflügeln die Fantasie

Doch nicht nur in der Wohnung findet sich reichlich Ausgangsstoff für Bastelarbeiten. Die Natur bietet eine ganze Fülle von natürlichen Materialien – und das kostenlos. Das altbekannte Kastanienmännchen ist nur eine Möglichkeit unter vielen. „Eltern sollten mit den Kindern einfach mal in den Garten oder den Wald gehen und sammeln“, rät die Pädagogin. „Sie werden überrascht sein, mit welchen Sachen ihre Kinder etwas basteln können und was dabei entsteht.“ Holzstöcke und Zweige, Tannenzapfen und Eicheln, verschiedene Blätter und Blüten, Baumrinde, leere Schneckenhäuser oder auch Steine: All das eignet sich gut, um die Fantasie der kleinen Künstler anzuregen.

Worauf Eltern sonst noch achten sollten

„Kinder sollten sich dreckig machen dürfen“, sagt Danielle Da Lozzo. Was fürs Spielen in der freien Natur gilt, gilt auch beim Basteln. Werden Kinder mit Farben aktiv, ziehen sie am besten zuvor alte Kleidung oder einen Kittel an. Es kann außerdem nicht schaden, den Bastelbereich mit alten Bettlaken oder Zeitungspapier auszulegen.

Basteln stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Deshalb dürften Eltern ihrem Nachwuchs ruhig etwas zutrauen und sollten keine übertriebene Angst vor Gefahren haben, ist Da Lozzo überzeugt. „Eine stumpfe Schere oder ein Klebestift, der nicht klebt, frustriert Kinder irgendwann. Dann verlieren sie ihre Motivation.“

Material und Werkzeug sollten zum Alter passen

Es ist wichtig, auf Bastelzubehör zu achten, das zum Alter des Kindes passt. Sekundenkleber ist nur etwas für Ältere, die bereits wissen, wie sie ihn sicher verwenden können. Potenziell gefährliches Bastelmaterial sollten gerade kleine Kinder nur unter Aufsicht benutzen. Dazu zählen etwa kleine Perlen oder Knöpfe, die verschluckt oder in Ohr und Nase gesteckt werden können.

Da die Feinmotorik bei kleinen Kindern noch nicht sehr ausgeprägt ist, empfiehlt sich Werkzeug, mit dem sie gut umgehen können. So gibt es im Handel spezielle Kinderscheren oder auch Buntstifte, die dicker und griffiger als herkömmliche Stifte sind und darüber hinaus nicht so leicht abbrechen.

Basteln soll vor allem Spaß machen

Auch wenn das Hantieren mit Kleber, Schere und Co. positive Effekte auf die kindliche Entwicklung haben kann, sollte man nicht vergessen: „Basteln soll auch Spaß machen“, sagt Da Lozzo. „Es muss nicht immer mit dem Hintergedanken passieren, dass eine Fähigkeit gefördert wird.“ Genauso wichtig ist, dass Eltern und Kinder Zeit miteinander verbringen und die Kleinen Freude am Erschaffen haben – dann lernen sie ganz von selbst.

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