Festivals in Deutschland

Der Festivalguide von Immonet.de

Die Klamotten sind klamm. Die letzte Nacht war kurz, denn im Zelt auf der viel zu harten Isomatte war es brütend warm. Irgendwo in weiter Ferne hört man Leute nach „Helga“ rufen und vernimmt das Zischgeräusch vom Öffnen eines Dosenbieres. Draußen vor dem Zelt riecht es noch immer nach dem kläglich gescheiterten Versuch der letzten Nacht, den Grill mit warmem Dosenbier zu löschen. So manchem steckt die vergangen Partynacht noch in den Knochen. All diese Strapazen sind jedoch schnell vergessen, sobald man sich vom Campingplatz zum eingezäunten Areal begibt, dem Ordner am Eingang lässig das Festivalbändchen vorzeigt und voller Vorfreude auf die Konzerte der Bühne entgegenströmt.

Solche Szenen spielen sich in ähnlicher Form auf jedem Festival ab. Auch wenn ein Wochenende mit vielen Bands, wenig Schlaf und viel Alkohol vielleicht nicht jedermanns Sache ist, haben sich Festivals in den vergangenen Jahren zum festen Bestandteil der Musik- und Jugendkultur entwickelt. Doch wie ist eigentlich dieser Trend entstanden, sich mit tausenden Gleichgesinnten in riesigen Zeltlandschaften einzufinden und die heimische Wohnung für ein Wochenende im Partyrausch gegen Campingkocher, Zelt und Dixi Klo einzutauschen?

Infografik: Tolle Infos und Tipps zur Festivalsaison

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Der Ursprung des modernen Festivals liegt in den USA. Das Newport-Jazz-Festival, welches erstmals 1954 stattfand, ist sicherlich eine der ersten Musikveranstaltungen, die mit den heutigen Festivals vergleichbar ist. Sehr viel bekannter ist allerdings das legendäre Woodstock-Festival von 1969, welches heute noch als DER musikalische Höhepunkt der US-amerikanischen Hippiebewegung gilt. Die 32 auftretenden Bands - unter ihnen Jefferson Airplane und Jimi Hendrix – lockten deutlich mehr Besucher an, als die Organisatoren im Vorfeld erwartet hatten. Trotz hunderttausenden Besuchern und zum Teil chaotischer Zustände auf dem Veranstaltungsgelände verlief das Festival friedlich. Über England schwappte die Festivalbewegung in den 1970er Jahren schließlich nach Deutschland.

Eine der ersten festivalähnlichen Musikveranstaltungen war „Es rockt in der Heide“, das 1973 das erste Mal die Tore für die begeisterten Besucher öffnete. Schnell reihten sich weitere Veranstaltungen wie das Leipziger Jazz Festival (1976), Rock am Ring (1985), Wacken (1990) und zahlreiche weitere Festivals in die konstant weiterwachsende Liste ein. Anfangs waren auch bei den deutschen Festivals die Zuschauerzahlen eher überschaubar und die Eintrittspreise entsprechend niedrig. Im Laufe der 1990er Jahr avancierten Festivals dank zunehmend professioneller Organisation und stetig wachsendem Line-Up zu mehrtägigen Großveranstaltungen mit mehreren tausend musikbegeisterten Besuchern. Heute gibt es, über ganz Deutschland verstreut, große und kleine Festivals für nahezu jede erdenkliche Musikrichtung und Preiskategorie.


Auch wenn die Musik bei Festivals natürlich im Mittelpunkt steht, lässt erst das Rahmenprogramm den Festivalbesuch zum abgerundeten Erlebnis werden. Essen- und Getränkestände sorgen für das leibliche Wohl, speziell auf dem Eventgelände eingerichtete Festivalsupermärkte bieten Nachschub an Lebensmitteln und sonstigem Zubehör. An den zahlreichen Merchandise-Shops können sich Musikbegeisterte mit Bandshirts ihrer Lieblingskünstler eindecken oder ein Shirt vom Festival als Andenken für Zuhause erstehen. Dank ausreichender Zeltplätze, die entsprechend mit sanitären Anlagen ausgestattet sind, finden alle Besucher ihren Platz in der Nähe des Konzertgeländes.

Große Festivals verfügen über eine gut organisierte Infrastruktur, die Festivaljüngern eine reibungslose An- und Abreise mit Bus, Bahn und Auto ermöglicht. Das gesellige Beisammensein mit Freunden und gleichgesinnten Musikbegeisterten auf dem Zeltplatz ist für viele Besucher mindestens ebenso wichtig wie die Musik selbst. Hier tauscht man sich in gemütlicher Runde vor dem Grill oder Campingkocher bei einem Bier über den Tag aus, plant die Konzertbesuche am kommenden Festivaltag oder lässt einfach die Atmosphäre auf den Zeltplatz auf sich wirken.